Film Daten

Titel:
My Wife is a Gangster
Originaltitel:
Jopog manura
Land & Jahr:
Südkorea 2001
Laufzeit ca.: ?
103 Min.
Regie:
Cho Jin-gyu
Darsteller:
Eun-Kyung Shin
Sang-Myeon Park
Jae-mo Ahn
In-kwon Kim
Min-su Choi
Eung-kyung Lee
Jeong-hun Yeon
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Anolis Entertainment
Label:
Anolis Entertainment
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 102:54
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 5.1
Koreanisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Making of
  • Musikvideo
  • Outtakes
  • Photoshooting
  • Bildergalerie
  • 2 Trailer
  • TV-Spot
  • Hidden Feature

My Wife is a Gangster

Review

My Wife is a Gangster - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Cha (Shin Eun-Kyung), auch genannt "Mantis" oder "Big Boss", ist die zweite Chefin einer großen Gangsterorganisation. Die Männer in der Organisation sind ihr untergeben und gehorchen auf jedes Wort von ihr. Als ihre totkranke Schwester darum bittet, doch noch Chas Hochzeit und die Geburt eines Kindes mitzuerleben, gerät das Leben der schlägkräftigen Frau gehörig ins Straucheln. Verzweifelt müssen nun ihre Untergebenen versuchen einen Mann für sie zu finden. Mit Kang Su-il (Park Sang-Myeon) findet man zwar einen Ehemann, aber da er keine Ahnung von dem Doppelleben seiner neuen Frau hat, muss Cha alles tun um dies vor ihm zu verbergen ...

My Wife is a Gangster - ScreenshotMy Wife is a Gangster - Screenshot

My Wife is a Gangster bietet einen bunten Reigen verschiedenster Elemente. Beginnt der Film erst noch wie eine temporeiche und moderne Variante eines klassischen Martial Arts Films, so streift er darauf gleich die Bereiche des Gangsterfilms und wandelt sich dann zu einer schwarzhumorigen Komödie, um sich dann am Ende noch in die Gefilde eines schwermütigen Dramas zu begeben. Dieser gnadenlose Crossover funktioniert dabei leider nicht ganz glatt, kann aber aufgrund der relativ originellen Ausgangssituation und einiger hinreißend komischer oder auch dramatischer Momente durchaus gut unterhalten.

Die Verbindung von verschiedensten Genres läßt den Film dabei gleichzeitig auch etwas orientierungslos erscheinen. Da wäre z.B. die Beziehung zwischen Cha und ihrer älteren Schwester. Die hat sie endlich nach vielen Jahren wiedergefunden, allerdings leidet sie an einer tödlichen Krebserkrankung. Dies bringt die menschliche und nachdenkliche Seite in Cha zum Vorschein. Dann sind da die humorigen Einlagen, die den größten Teils des Films ausmachen. Dabei gibt es neben einigen subtilen Momenten oder den ständigen Versuchen ihren sexhungrigen Ehemann vom Leibe zu halten auch klassische Slapstickelemente. Als z.B. drei von Chas Gefolgsmännern wegen des potentiellen Ehemannes im Dunkel eines Häuserschattens verschwinden, leuchten ihre Augen plötzlich wie die von drei Cartoon-Figuren auf, als er ihr seinen Heiratsantrag macht. Richtige Kampfszenen sind hingegen relativ gleichmäßig über die Laufzeit des Films verteiltund mit hohem Tempo und modernsten Kameraeffekten aufgenommen.

My Wife is a Gangster - ScreenshotMy Wife is a Gangster - Screenshot

Der Schwerpunkt der Handlung liegt eindeutig auf Cha und ihr verzweifelter Versuch, den Wünschen ihrer Schwester gerecht zu werden und das Leben einer normalen Ehefrau zu führen. Dies wird aber immer wieder von mehreren Nebenhandlungen unterbrochen. So treffen ihre Gefolgsmänner, hauptsächlich Romero (Ahn Jae-mo)und sein leicht debiler Kumpel (Kim In-kwon), immer wieder mal auf eine Gruppe von Halbstarken mit denen sie sich kloppen müssen. Dies wirkt sich aber, außer einem Moment am Ende, kaum auf die Haupthandlung aus und wirkt immer leicht wie dazwischengeschoben. Ein anderer Charakter, Chas treuer Leibwächter (Shim Weon-cheol), wird ansatzweise etwas detaillierter dargestellt. Wie es scheint, ist er etwas in Cha verliebt, kann dies aber nicht zeigen. Nur wird er aber im Laufe der Handlung auch immer unwichtiger. Und zusätzlich brachte man noch den Krieg gegen eine gegnerische Organisation hinzu.

Hier verderben zwar nicht viele Köche den Brei und auch nicht die vielen Zutaten, aber eine gewisse Entschlackung an manchen Stellen hätten dem Film sicherlich gut getan. Gerade im Mittelteil schleichen sich kleine Längen ein. Interessant ist der Film allerdings in dem Porträt von Cha. Sie wuchs als Waise auf und kam irgendwo zu einer Art Karriere im Verbrechermillieu. Da sie ständig von Männern umgeben war, hat sie auch viele Verhaltensweisen übernommen und kleidet sich auch mehr wie ein Mann. Hiervon profitiert der Humor vor allem in der ersten Hälfte des Films. Denn in dem normalerweise von Männern dominierten Korea wird sie nicht unbedingt sofort ernst genommen, was einigen dann schlecht zu schmecken bekommt. Außerdem sieht sie, die auf den Straßen aufwuchs und eine Meisterin der Kampfkunst ist, sich plötzlich mit ihrer weiblichen Seite konfrontiert. Sie muss lernen wie man sich schminkt, wie man gutes Benehmen an den Tag legt und was es heißt, wenn der Ehemann auf seine ehelichen Pflichten besteht. Der Film spielt mit den typischen Klischees der Geschlechter und verkehrt sie ins Gegenteil. Denn Kang Su-il hat in der Ehe definitiv nicht die Hosen an, sondern bezieht mehr Prügel als Zuneigung.

My Wife is a Gangster - ScreenshotMy Wife is a Gangster - Screenshot

Seitens der Produktion gibt es nicht viel zu meckern. Das dieser Film nicht unter Low-Budget-Bedingungen entstanden ist, sieht man ihm deutlich an. Wenn gekämpft wird, dann geht einiges zu Bruch und die Martial Arts Tricks entstanden unter Mitwirkung diverser Drahtseilstunts. Gerade die Eröffnungssequenz wirkt sehr stylisch durch den Einsatz von Regen. Richtig was zu Lachen gibt es hingegen in Chas Kampf gegen den Messerkünstler, wo sie sich in dem hohen Gras einfach mal kurz versteckt um einem menschlichen Bedürfnis nachzukommen. An den schauspielerischen Leistungen gibt es nich viel zu meckern, sowohl Shin Eun-Kyung als auch Park Sang-Myeon liefern eine überzeugende Darstellung ab und stehlen sich auch nie die Show, sondern agieren sowohl zusammen als auch einzeln sehr souverän.

Der Film stellt keinen großen Anspruch an sich und seine Zuschauer, sondern möchte nur eins: unterhalten. Und dies gelingt ihm trotz einiger Mängel durchaus gut, auch wenn der Film zu 50% eine Komödie ist und die anderen Anteile wie Action und Drama eher die Minderheit darstellen. Nicht alles kann man als gelungen bezeichnen, aber die positiven Aspekte überweigen durchaus, auch wenn man sich mit einige Kalauern oder etwas zu albernen Szenen abfinden muss. My Wife is a Gangster war im übrigen der erste südkoreanische Film, für den Remake-Rechte nach Hollywood verkauft wurden. Miramax bot damals das meiste Geld für die Rechte. Bislang ist aber von einer amerikanischen Variante dieses Stoffes nichts zu sehen, es sei denn, man möchte Mr. & Mrs. Smith als von diesem Film inspiriert betrachten. Im gleichen Jahr wie My Wife is a Gangster kamen auch Filme wie Friend, My Sassy Girl oder Musa in die koreanischen Kinos, trotzdem war er mit ca. 5 Millionen Kinogängern ein recht großer Erfolg in seinem Heimatland.

My Wife is a Gangster - ScreenshotMy Wife is a Gangster - Screenshot

Darf man der IMDB Glauben schenken, war My Wife is a Gangster das Debütwerk von Regisseur Cho Jin-gyu. Danach folte erst drei Jahre später Who's got the Tape (Eoggaedongmu, 2004) und dann das zweite Sequel My Wife is a Gangster 3 (Jopog manura 3, 2005). An dem ersten Sequel My Wife is a Gangster 2 (Jopog manura 2: Dolaon jeonseol, 2003) war er übrigens nicht beteiligt. Dafür Shin Eun-Kyung, die in allen drei Ganster-Filmen mitspielte und früher noch in den Horrorwerken Uzumaki und der koreanischen Ring-Variante Ring: Virus (1999) Variante. Park Sang-Myeon sah man ansonsten noch in Nowhere to Hide (Injeong sajeong bol geot eobtda, 1999), The Foul King (Banchikwang, 2000) oder Libera Me (2000).

Ausnahmsweise ist dieser Film mal nicht in der "CineMagicAsia" Reihe von EMS erschienen, sondern nur in deren Verleih und das eigentliche Label dahinter ist Anolis Entertainment. Die Bildqualität ist tadellos. Die Schärfe bleibt durchweg auf einem recht guten Level, der Kontrast ist ausgewogen und nur ganz selten kann man eine ganz leichte Blockbildung erkennen. Bei den Tonformaten enttäuscht zunächst, dass der koreanische Originalton nur in Stereo vorliegt. Der deutsche Ton ist hingegen in Dolby Digital 5.1 abgemischt. Die Räumlichkeit wird aber meist nur von der Musik genutzt, während der Sound ansonsten eher frontlastig bleibt. Optional kann man noch deutsche Untertitel einblenden.

My Wife is a Gangster - ScreenshotMy Wife is a Gangster - Screenshot

Das Making-of ist mit 55 Minuten erfreulich lang ausgefallen, enttäuscht aber relativ schnell auf inhaltlicher Ebene. Der größte Teil wird von unkommentierten Aufnahmen von den Dreharbeiten eingenommen, vor allem von den Kampfproben. Dazwischen gibt es verteilt Fragen an die wichtigsten Darsteller, die aber mehr an der Oberfläche kratzen. Der Einblick in die Dreharbeiten mag ja noch ein wenig interessant erscheinen, ob man dies aber über eine Länge von fast 1 Stunde hätte ziehen müssen bleibt fraglich. Die Interviewfragen wurden per VoiceOver ins Deutsche übersetzt, aber wenn z.B. Shin Eun-Kyung am Set etwas in die Kamera spricht, bleibt dies unübersetzt. Zu den weiteren Extras gehört ein Musikvideo, eine Bildergalerie, 2 Trailer und ein TV-Spot, zwei jeweils nicht ganz 2-minütige und ohne Untertitel versehene Aufnahmen von einer Pressekonferenz und einem Foto-Shooting sowie vier, nicht unbedingt sehr interessante Outtakes. Als Hidden Feature gibt es noch eine kurze Aufnahme von dem Prozess, wo Shin Eun-Kyung die große Tätowierung auf den Rücken gemalt bekommt.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 08.03.2006

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