Film Daten

Titel:
The Diabolical Dr. Z
Originaltitel:
Miss Muerte
Land & Jahr:
Spanien / Frankreich 1966
Laufzeit ca.: ?
83 Min.
Regie:
Jess Franco
Darsteller:
Antonio Jiménez Escribano
Guy Mairesse
Howard Vernon
Mabel Karr
Fernando Montes
Estella Blain
Marcelo Arroita-Jáuregui
Alberto Bourbón
Ana Castor
Alberto Dalbés
Jess Franco
Cris Huerta
José María Prada
Lucía Prado
Daniel White
Alternativtitel:
• Geheimnis des Dr. Z, Das
• Dans les griffes du maniaque
• Diabolique docteur Z, Le
• Miss Death
• Miss Death and Dr. Z in the Grip of the Maniac
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Mondo Macabro
Label:
Mondo Macabro
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
1.78:1 (anamorph) / 83:00
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Französisch - DD 2.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Dokumentation "The Diabolical Mr. Franco"
  • 2 Bildergalerien
  • Biographien
  • Englischer Vorspann
  • Trailer
  • Easter Egg

The Diabolical Dr. Z

Review

The Diabolical Dr. Z - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Dr. Zimmer (Antonio Jiménez Escribano) führt Experimente durch, die das Wesen von Tieren - und später auch Menschen - verändern sollen. Aus zahmen Tieren sollen Bestien werden und umgekehrt. Er bittet einen Ärzterat um die Genehmigung seine Experimente an Menschen durchzuführen. Aber die sind entzürnt und Dr. Zimmer erleidet einen tödlichen Herzinfarkt. Was niemand weiß: im Geheimen hat Dr. Zimmer, angetrieben durch seine Tochter Irma (Mabel Karr), bereits an Menschen experimentiert und so den Mörder Hans Bergen (Guy Mairesse) zu seinem gehorsamen Gehilfen gemacht. Irma inszeniert ihren eigenen Tod, entführt die hübsche Nadja (Estella Blain), macht sie zu einem willenlosen Geschöpf und setzt sie auf die Ärzte Vicas (Howard Vernon), Moroni und Kallman an, um den Tod ihres Vaters zu rächen ...

The Diabolical Dr. Z - ScreenshotThe Diabolical Dr. Z - Screenshot

Ein gewisses Faible für Ärzte scheint Jess Franco ja schon zu haben. Zu seinen frühsten Erfolgen zählte Der schreckliche Dr. Orloff (Gritos en la noche / The Awful Dr. Orloff, 1962). Titelgebender Dr. Orloff wird hier sogar von Dr. Zimmer erwähnt, und später gab es dann z.B. noch Dr. Johnson in oder Dr. Flamand in Faceless (Les Prédateurs de la nuit, 1988) sowie einige andere Arzt- oder "Mad Scientist"-Figuren. Der später entstandene hat mit The Diabolical Dr. Z sogar einiges gemeinsam und wirkt wie ein Remake. Durch die Abweisung durch seine Kollegen stirbt der Arzt in beiden Filmen und seine Frau bzw. Tochter beginnt einen Rachefeldzug. Im Gegensatz aber zu The Diabolical Dr. Z setzt sich die Frau in selbst als Köder ein, während hier eine hübsche Frau von der verbliebenden Tochter manipuliert und vorgeschickt wird. In diesem Sinne nimmt The Diabolical Dr. Z sogar etwas von Terence Fishers Frankenstein schuf ein Weib (Frankenstein created Woman, 1967) vorweg, wo jener Doktor ein weibliches Wesen reanimiert, dass dann zu morden beginnt.

Dabei ist ein Film entstanden, der zwar inhaltlich eigentlich pures Exploitationkino ist, aber durch die Inszenierung durchaus etwas Stil entwickelt und auch die eine oder andere gut gemachte atmosphärische Szene zu bieten hat, allerdings auch mit kleineren Längen zu kämpfen hat. Nach dem Prolog des Films, wo der Häftling Bergen aus dem Gefängnis flüchtet, ist man direkt bei Zimmer in seinem Labor, wo er eine seltsame Maschine bedient. Diese hat zwei extrem lange mechanische Arme die nicht wirklich stabil aussehen und Geräusche entwickeln, als ob alles gleich zusammenbricht. Von der Gefängnisflucht direkt in einen Science Fiction B-Movie der 1950er? Nicht ganz, aber der erste Eindruck geht durchaus in diese Richtung. Die Manipulation der Opfer wirkt daher auch etwas banal und billig gelöst, indem ihnen nur irgendwelche Elektroden in die Körper gebohrt werden und auf einer Armatur einige Lichter leuchten. Den größten Trash-Faktor erreicht der Film immer dann, wenn diese Apparatur ins Spiel kommt.

The Diabolical Dr. Z - ScreenshotThe Diabolical Dr. Z - Screenshot

Worin The Diabolical Dr. Z allerdings durchaus zu gefallen weiß ist die Kameraarbeit von Alejandro Ulloa. Stellenweise gibt es wirklich gelungene Bildkompositionen und Kamerafahrten. Zum Beispiel wenn Irma in der Totalen einsam im Strandcafe sitzt, Dr. Vicas Begegnung im abgedunkelten Zugabteil mit Nadja, die Verfolgung Moronis durch nebelverhangene Gassen oder diverse Einstellungen von Estella Blain als Nadja. Hier wurden die Szenen noch schön herausgearbeitet und entstanden nicht auf die Schnelle wie es später bei Franco der Fall sein sollte, wenn er teilweise zwei Filme gleichzeitig drehte. Es gibt sogar eine Einstellung von einer Wendeltreppe, wie man sie aus Mario Bavas Die toten Augen des Dr. Dracula (Operazione paura, 1966) kennt. Und für einen Jess Franco Film schon erstaunlich, wurde hier fast komplett auf Zooms verzichtet. Der Soundtrack von Daniel White unterstützt die Handlung entweder mit jazzigen Kompositionen oder Stücken, die mehr wie Klangcollagen wirken und so eine eher verstörende Wirkung erzielen. Diese werden dann auch weißt in den spannungsgeladeneren Szenen eingesetzt.

Mit der Spannung ist es allerdings so eine Sache. Zwar versucht der Film durchaus dichtere Thrillermomente aufzubauen, so ganz will dies allerdings nicht glücken, da es doch ein wenig an der Ausführung hapert und etwas dumme Momente fallen doch auf. Auf eine Warnung Irmas hört Barbara natürlich nicht, was sich als fatal erweist, Irma verbrennt sich ihr Gesicht, weil sie am Auto hantiert nachdem sie es entzündet hat und Irmas vorheriger Liebhaber erkennt nicht mal, dass die gefundene Leiche nicht Irma ist. Die Handlung bleibt relativ vorhersehbar und der größtenteils ruhige Erzählstil läßt nur selten etwas mehr Tempo zu. Es fehlt etwas der Elan in der Erzählung, allerdings ist der Film mit 83 Minuten auch nicht gerade sehr lang geraten.

The Diabolical Dr. Z - ScreenshotThe Diabolical Dr. Z - Screenshot

Einen weiteren Pluspunkt kann sich The Diabolical Dr. Z aber immer dann erarbeiten, wenn Estella Blain ins Bild rückt. Ins passende Licht getaucht, kann die Blondine durch ihre Ausstrahlung und ihr Gesicht manche Szenen alleine tragen und verkörpert sowohl körperliche Lust als auch Angst vor weiteren Gewalttaten. Sie ist es auch, die für etwas Sex-Appeal sorgt. Wer jetzt allerdings einen Sleazer erwartet, wie man es z.B. von Francos Produktionen aus 1970er oder späteren Jahren kennt, der dürfte etwas enttäuscht werden. Der Film entstand 1966 und damals konnte man noch nicht so direkt so viel zeigen und selbst Franco beschränkt sich hier auf Andeutungen oder erotische Kleidung. Sehr positiv fallen auch die vereinzelt eingestreuten surrealen Szenen auf. Nadjas Tanz, die Bändigung Nadjas durch Irma mit Stuhl und Peitsche wie bei einem Zirkustier und mit einem Faustkampf im Finale, der in ein klassisches Schwertduell eines Abenteuerfilms mündet, hätte man nun auch nicht unbedingt gerechnet. Der Beginn des Films in den Gefängniskatakomben während eines Gewitters lassen sogar Erinnerungen an klassische Universal-Horrorstreifen wach werden.

In Jess Francos gesamten Werk betrachtet, bietet The Diabolical Dr. Z einige Elemente, die man im Laufe seiner Karriere immer wieder in seinen Filmen finden wird. Der Doktor, ein Rachemotiv, ein erotischer Tanz in einem Nachtclub, die folgenschwere Verführung mehrerer Männer durch eine Frau usw. Dabei hat der Film aber im Gegensatz zu den meisten seiner späteren Filme durch die durchdachte Belichtung und der guten Kameraarbeit eine gehobene Qualität. Inhaltlich ist dies Werk, das zu den letzten von Francos schwarz-weiß-Horrorphase gehörte, etwas wechselhaft ausgefallen, rein produktionstechnisch aber mehr als zufriedenstellend. Franco-Fans sollten auf alle Fälle einen Blick riskieren.

The Diabolical Dr. Z - ScreenshotThe Diabolical Dr. Z - Screenshot

Jess Franco ist außerdem selbst auch noch als Polizeiinspektor zu sehen, der sich ständig über zuwenig Schlaf beschwert, weil seine Frau Drillinge bekommen hat. Auch Soundtrackkomponist Daniel White spielt hier eine Nebenrolle als Scotland Yard Inspektor Green (wobei man sich allerdings die Frage stellt, warum man bei einem Mordfall in Österreich die Hilfe von Scotland Yard benötigt). Daniel White sollte noch viele Filme Jess Francos vertonen, die Zusammenarbeit zieht sich über den Verlauf der ganzen Karriere beider Personen. Als Drehbuchautor betätigte sich auch Jean-Claude Carriere, der schon mit Luis Buñuel z.B. an Tagebuch einer Kammerzofe (Le Journal d'une femme de chambre, 1964) oder Belle de Jour - Schöne des Tages (Belle de Jour, 1967) mitarbeitete.

Antonio Jiménez Escribano sah man sonst in Nebenrollen in Minnesota Clay (1965), Die Vampire des Dr. Dracula (La Marca del Hombre-lobo, 1968) oder Das Geheimnis von Schloß Monte Christo (Ivanna, 1970). Guy Mairesse spielte in Thrillern oder Western wie Netz der Angst (Avec la peau des autres, 1966) bzw. Sie verkaufen den Tod / Der Dicke und das Warzenschwein (Una Ragione per vivere e una per morire, 1972) mit. Howard Vernon sollte ja auch zeitlebens ein treuer Begleiter in Francos Werken bleiben und war nach diesem Film auch in Necronomicon - Geträumte Sünden (1968) oder Adrian Hovens Im Schloß der blutigen Begierde (1968) dabei.

The Diabolical Dr. Z - ScreenshotThe Diabolical Dr. Z - Screenshot

Estella Blain hieß gebürtig Micheline Estallatund wurde 1934 in Paris geboren. Sie stand an der Seite von Lino Ventura in The Beast is Loose (Le Fauve est lâché, 1959) vor der Kamera, in dem französischen Die nach Liebe hungern (Les Dragueurs, 1959), neben Lex Barker in Die Küste der Piraten (I Pirati della costa, 1960) oder auch dem Romy Schneider Vehikel Das wilde Schaf (Le Mouton enragé, 1974). Sie starb allerdings 1982 tragisch, indem sie sich mit einer Pistole selbst das Leben nahm. Mabel Karr, die eigentlich Mabel Campolongo hieß, war bis zu seinem Tode die Ehefrau des Schauspielers Fernando Rey. Zu ihren bekannteren Werken gehören Der Koloß von Rhodos (Il Colosso di Rodi, 1961), Im Netz der goldenen Spinne (Missione speciale Lady Chaplin, 1966) oder The Killer Tongue (1996).

Die bisher einzige DVD-Veröffentlichung dieses Films stammt von dem US-Label Mondo Macabro. In ruhigen Momenten kann das Bild durchaus zufriedenstellend sein, aber bei Bewegungen macht sich doch ein leicht unvorteilhafter Normtransfer bemerkbar, da wahrscheinlich ein europäisches Master die Grundlage bildete. Dafür stimmt zumindestens der Kontrast, auch wenn es in dunklen Szenen immer noch kleinere Probleme gibt. Dem Ton hört man erwartungsgemäß sein Alter an, sowohl in der englischen als auch französischen Tonspur wird es manchmal ein wenig dumpfer. Optional kann man zum französischen Ton auch noch englische Untertitel dazuschalten, die sich löblicherweise nicht an der Synchronisation orientieren, sondern sich wohl nach de Originaldialogen richten. Wenn man mal vergleicht, gibt es doch einige deutliche Unterschiede bei der Übersetzung in der Synchronisation und den Untertiteln.

The Diabolical Dr. Z - ScreenshotThe Diabolical Dr. Z - Screenshot

Im Laufe der Jahre hat man auf DVDs schon eine Menge an Interviews mit Jess Franco gesehen, aber Dokumentationen die sich ernsthaft mit seinen Werken auseinandersetzen sind doch eher Mangelware. Dies wird mit dem willkommenen Beitrag "The Diabolical Mr. Franco" nun etwas besser. Hier kommen neben Franco auch Filmexperte Nigel Wingrove, den Schauspielern Michel Lemoine, Monica Swinn, Caroline Munro und Brigitte Lahaie, die Produzenten Daniel Lesoeur und Peter Blumenstock und Autor Tony Crawley. Es wird kurz seine Geschichte angerissen, die Filmlandschaft der 1950er und 1960er in Spanien unter Francisco Francos Diktatur sowie seine Art Filme zu drehen. Nur leider ist diese Dokumentation mit 15 Minuten viel zu kurz geraten, man hätte sich noch viel mehr Anekdoten und Erzählungen vor allem von den Schauspielern gewünscht. Des weiteren gibt es noch eine Postergalerie und eine Galerie mit Szenenfotos, Biographien von Jess Franco, Estella Blain, Howard Vernon und Daniel White, den englischen Vorspann und noch den Trailer zum Film. Und wer sich mal genauer die Biographie von Howard Vernon anschaut, der wird einen versteckten Menüpunkt finden, durch den man zu einem Audioclip gelangt, in dem Howard Vernon eine Anekdote von den Dreharbeiten zu dem Film erzählt.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 31.03.2006

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