Film Daten

Titel:
The Call
Originaltitel:
Chakushin ari
Land & Jahr:
Japan 2003
Laufzeit ca.: ?
108 Min.
Regie:
Takashi Miike
Darsteller:
Kou Shibasaki
Shin'ichi Tsutsumi
Kazue Fukiishi
Renji Ishibashi
Goro Kishitani
Anna Nagata
Atsushi Ida
Yutaka Matsushige
Mariko Tsutsui
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - EMS
Label:
EMS
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 107:11
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 5.1
Deutsch - DTS
Japanisch - DD 5.1
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Making of
  • Bei den Dreharbeiten
  • 4 Interviews
  • Aufnahmen von der Premiere
  • "Das Video"
  • 2 Trailer
  • 2 Teaser
  • TV-Spots
  • Bildergalerie
  • Bio-/Filmographie Takashi Miike
  • Trailer: New Police Story / A Tale of Two Sisters / Dumplings
  • Hidden Feature

The Call

Review

The Call - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Die Studentin Yoko (Anna Nagata) hat einen seltsamen Anruf auf ihr Handy bekommen. Denn die anrufende Nummer war ihre eigene und die Stimme der Mailbox behauptet, dass dieser Anruf zwei Tage später, also in der Zukunft getätigt wurde. Yoko hört sich selbst noch einen Satz sagen und dann wie in Todespanik schreien. Zwei Tage später, exakt zu dem Zeitpunkt an dem der Anruf angeblich gemacht wurde, stirbt sie tatsächlich. Ihren Freundinnen Yumi (Kou Shibasaki) und Natsumi (Kazue Fukiishi) ist die Sache nicht geheuer, vor allem weil auch ein anderer Bekannter auf eine ähnliche Art stirbt. Da bekommt dann Natsumi plötzlich einen Anruf von ihrer eigenen Nummer ...

The Call - ScreenshotThe Call - Screenshot

The Call wirkt zunächst wie einer der üblichen japanischen bzw. asiatischen Horrorfilme, wie sie im Zuge des Erfolgs von Ringu massenweise den Markt überfluteten. Es beginnt wieder mal mit jungen Frauen und statt eines Videos bzw. Fernsehers kommt das Grauen über die Handys. Der Tod liegt nicht exakt eine Woche entfernt, sondern nur 2-3 Tage. Es ist von einem Geist die Rede und Yumi versucht mit Hilfe von Hiroshi Yamashita (Shin'ichi Tsutsumi), dem Bruder eines früheren Opfers, hinter die Ursache allen Übels zu kommen. Oberflächlich gesehen gibt es tatsächlich sehr viele Gemeinsamkeiten mit dem ersten Film um den mordenden Geist Sadakos. Aber dank Takashi Miike und seiner routinierten und effektiven Inszenierung wirkt der Film doch souverän genug, um als alleinstehendes Werk überzeugen zu können. Originell ist die Handlung des Films sicherlich nicht. Aber Miike verstand es sie mit Inhalt und Tiefe zu füllen, nebenbei einige nette Schockmomente einzubauen und für gute Spannung zu sorgen.

In The Call, der eigentlich in seiner englischen Übersetzung überall One Missed Call heißt, nur nicht bei der deutschen DVD, geht es nicht nur um eine einfache Geister-Rache-Geschichte. Zwar konzentriert sich der Kern der Handlung auf die brutalen Morde und die Recherchen Yumis und Yamashitas, aber nebenbei kommen auch Themen wie Kindesmißhandlung und Kritik an moderner Technik und reißerischer Medienberichterstattung zum Tragen. Entstand Ringu noch gegen Ende der Video-Ära, so zeigt The Call eine Gesellschaft, die mehr über SMS und kurze oberflächliche Handy-Anrufe kommuniziert, als direkt mit dem Gesprächspartner. Ringu brachte das Grauen in die heimischen Wohnzimmer, The Call transportiert es in noch direktere Nähe in die Hand- oder Jackentaschen bzw. an die Ohren der Opfer. Den Tod tragen sie quasi ständig mit sich und auch das Ausschalten des Handys entpuppt sich nicht unbedingt als wirksame Abwehr gegen die Bedrohung.

The Call - ScreenshotThe Call - Screenshot

Als überzogene Kritik an der übermäßigen Nutzung von Handys sollte man The Call aber nun auch nicht verstehen. Hier geht es nicht um irgendwelche angeblichen Strahlen der Geräte, die dem Besitzer schaden könnten, sondern der Film versteht sich schon als Horrorfilm. Er benutzt aber eben ein aktuelles und sehr populäres Medium als Träger für den Fluch. Es wird das Gerücht verbreitet, dass sich der Geist einer hasserfüllten Frau durch die gespeicherten Nummern der Handys arbeitet und so ein Opfer nach dem anderen findet. Dies mag zwar irgendwie unfreiwillig komisch klingen, bietet aber immerhin den Grundstein für die Film-Logik und definiert auch, warum es ein Opfer nach dem anderen erwischt. Aber auch dies ist eine Variation aus Ringu, wo das Video weitergereicht wurde, um dem eigenen Tod zu entgehen. In The Call gibt es allerdings diese Sicherheit nicht, da reicht es schon, dass die eigene Nummer in einem anderen Handy gespeichert ist, um zum Tode verdammt zu sein.

Was dem Film auch noch zugute kommt, ist sein Hauptcharakter der Yumi. Sie ist nicht eine austauschbare und blasse Person, sondern durchaus ein Charakter der eine bewegte Vergangenheit mit sich bringt. Und im Laufe der Handlung auch lernen muss diese Vergangenheit zu verarbeiten, zu akzeptieren und quasi die inneren Dämonen zu überwinden. Hiroshi Yamashita wird da nicht ganz so ausführlich beleuchtet, aber zumindest nicht zu oberflächlich dargestellt, um nicht überflüssig zu wirken.

The Call - ScreenshotThe Call - Screenshot

Womit allerdings viele ihre Probleme haben dürften, ist wieder mal das Ende des Films. Takashi Miike hätte die Möglichkeit gehabt, sein Werk an einem Punkt glatt zu beenden, ohne dabei irgendwelche Kompromisse eingehen zu müssen. Aber der Schluß des Films wird doch noch etwas ausgeweitet und bietet dann plötzlich viel Freiraum für persönliche Interpretationen. Dies mag einige verärgern, andere hingegen eher zu einem zweiten Anschauen einladen. Denn dann kann man auch auf Details achten, denen man vorher kaum Beachtung geschenkt hat und nun vielleicht in einem etwas anderen Licht stehen. Etwas zweispältig wirkt das Ende halt schon. Aber trotzdem durchaus in der Linie des Films, so dass es also auch nicht zu befremdlich ausgefallen ist.

Sieht man einmal davon ab, dass The Call die typischen Klischees moderner Japan-Horrorfilme bedient (Ringu-Story, Geist einer Frau, Bewältigung einer dunklen Vergangenheit, weiblicher Protagonist) und er für einen Miike-Film ziemlich kommerziell und vor allem konventionell ausgefallen ist, so kann der Film als Horrorfilm doch durchaus überzeugen. Wer die übliche Miike-Trademarks sucht, wird vielleicht etwas enttäuscht sein, obwohl es durchaus die eine oder andere Szene gibt, die so nur von ihm stammen kann (einen abgetrennten Arm der noch ein Handy bedient würde außer ihm wohl niemand zeigen). The Call wirkt eher wie eine Auftragsarbeit für Miike und nicht wie ein Film, bei dem er seinen künstlerischen Freiheiten und Ideen freien Lauf gelassen hat. Hervorheben sollte man auch das exzellente Sounddesign, über das alleine manchmal schon nette Schockmomente generiert werden. Wer sich also nicht daran stört, dass man hier nichts neues sieht, sondern nur bekannte Zutaten für ein neues Rezept verwendet wurden, der dürfte durchaus an The Call seine Freude haben.

The Call - ScreenshotThe Call - Screenshot

Genrefans wird Kou Shibasaki wahrscheinlich bekannt sein. Sie spielte die fiese Mitsuko in Battle Royale (Batoru rowaiaru, 2000), war aber auch in Hiroyuki Tanakas Drive (2002) zu sehen. In dem spielte auch Shin'ichi Tsutsumi mit, der unter anderem auch Rollen in Wie eine Kugel im Lauf (Dangan ranna / D.A.N.G.A.N. Runner, 1996), Unlucky Monkey (Anrakkî monkî, 1998) oder Monday (2000) hatte. Der hier einen Polizei-Inspektor spielende Renji Ishibashi war sonst auch schon in anderen Miike-Filmen wie Gozu (Gokudô kyôfu dai-gekijô: Gozu, 2003), Graveyard of Honor (Shin jingi no hakaba, 2002) oder Dead or Alive (Dead or Alive: Hanzaisha, 1999) zu sehen gewesen, spielte früher aber auch in Filmen wie den beiden Okami-Teilen Lone Wolf and Cub - Baby Cart in the Land of Demons (Kozure Ôkami: Meifumando, 1973) und Lone Wolf and Cub - White Heaven in Hell (Kozure Ôkami: Jigoku e ikuzo! Daigoro, 1974) mit.

Die deutsche DVD stammt von EMS aus ihrer "Cine Asia" Reihe. Die Bildqualität ist recht gut geworden, allerdings machen sich leichte Probleme in dunklen Szenen bemerkbar. Hier werden durch den etwas schwachen Kontrast manchmal Details verschluckt. Davon einmal abgesehen, können aber sowohl Schärfe als auch die Farben überzeugen und andere Probleme wie ein störendes Bildrauschen konnte auch nicht ausgemacht werden. Eine kleine Überraschung erlebt man allerdings beim Ton. The Call ist nicht gerade ein sehr Action-orientierter Film, kann dafür aber mit einem schönen Surround-Sound aufwarten. Die Räumlichkeit wird selbst bei manchen Schreckeffekten genutzt und auch die Stereofront bleibt nicht inaktiv. Die Dialoge bleiben dabei aber immer gut verständlich. Dies gilt sowohl für den japanischen Originalton in Dolby Digital 5.1 als auch für die deutsche Synchronisation in Dolby Digital 5.1 und DTS. Optional lassen sich auch deutsche Untertitel hinzuschalten.

The Call - ScreenshotThe Call - Screenshot

Neben einer einfachen DVD mit nur wenig Bonusmaterial gibt es auch eine umfangreichere Doppel-DVD-Edition. Die Extras auf der ersten DVD, die in beiden Versionen identisch ist, beschränken sich allerdings noch auf den deutschen Trailer, eine 8-minütige Behind-the-Scenes Featurette ohne weitere Erklärungen, eine Bio-/Filmographie von Takashi Miike und Trailer zu weiteren EMS-Titeln. Die zweite DVD der Special Edition hat noch ein wenig mehr zu bieten. Es beginnt mit vier Interviews mit Kou Shibasaki (6:08 Min.), Shin'ichi Tsutsumi (3:23 Min.), Kazue Fukiishi (1:50 Min.) und Takashi Miike (2:25 Min.). Naturgemäß bewegen sich diese Interviews eher an der Oberfläche, allerdings ist es schon amüsant wenn Kou Shibasaki erzählt, dass es eine der größten Herausforderungen war, auf ein Handydisplay zu schauen und dabei einen entsetzten Gesichtsausdruck aufzusetzen.

Das "Making of" erscheint auf den ersten Blick mit einer Länge von über 54 Minuten als eine sehr reichhaltige Dokumentation über die Entstehung des Films, entpuppt sich dann aber leider als herbe Enttäuschung. Im Grunde genommen handelt es sich hierbei um eine extrem verlängerte Version der Behind-the-Scenes Featurette, fast komplett ohne Untertitel oder weitere Erklärungen, die noch mit Film- und Interviewausschnitten versehen wurde. Und somit schleichen sich auch viele Wiederholungen ein. Hier wäre es besser gewesen, entweder auf das Making-of oder auf die Featurette und die Interviews zu verzichten, denn so ist alles irgendwie doppelt vorhanden. Das Making-of ist höchstens noch insofern interessant, als das man hier einen guten Einblick bekommt wie manche Spezialeffekte entstanden sind.

The Call - ScreenshotThe Call - Screenshot

Danach gibt es noch ca. 6 Minuten an Aufnahmen von der Premiere und einer anschließenden Pressekonferenz. Es folgen der japanische Trailer, 2 Teaser und einige TV-Spots. Bei dem "das Video" handelt es sich um das Camcorder-Video, das im Film in der zweiten Hälfte zu sehen ist und hier als separates Extra abgelegt wurde. Abschließend gibt es noch eine Bildergalerie in der meist Szenen aus dem Film zu sehen sind. Als verstecktes Feature (einfach das Bonbon in der Mitte des Menüs der zweiten DVD anwählen) gibt es noch die komplette TV-Sendung (20 Minuten), in der Natsumi im Film auftreten muss.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 18.04.2006

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