Film Daten

Titel:
August Underground
Originaltitel:
August Underground
Land & Jahr:
USA 2001
Laufzeit ca.: ?
70 Min.
Regie:
Fred Vogel
Darsteller:
Fred Vogel
Allan Peters
Kyle Dealman
Casey Eganey
Dan Friedman
Alexa Iris
Victoria Jones
Aaron LaBonte
Ben LaBonte
Andrew Lauer
Peter Mountain
Allen Peters
AnnMarie Reveruzzi
Erika Risovich
Russel A. Sagona
Randi Stubbs
Stephen Vogel
John A. Wisniewski
Nick Yatsko
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Toetag Pictures
Label:
Toetag Pictures
Regionalcode / Norm:
0 / NTSC
Bild / Zeit:
1.33:1 / 70:11
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Audiokommentar von Fred Vogel
  • Audiokommentar von Fred Vogel, Aaron und Ben Labonte
  • Einleitung von Fred Vogel
  • Dokumentation "A Hammer to the Head - A Closer Look at August Underground"
  • Featurette "August Underground: On Location"
  • Featurette "August Underground: Behind the Brutality"
  • Dokumentation "Too Real for Comfort - An Outsider's Perspective"
  • Slideshow
  • Trailer
  • Hidden Feature: August Underground's Penance Trailer
  • Hidden Feature: Rob at the Tattoo Studio

DVD Daten

DVD Cover - Toetag Pictures
Label:
Toetag Pictures
Regionalcode / Norm:
0 / NTSC
Bild / Zeit:
1.33:1 / 70:11
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Limitiert auf 1000 Stück
  • Signiert von Cast & Crew
  • Alternatives Cover und DVD-Label
  • Audiokommentar von Fred Vogel
  • Audiokommentar von Fred Vogel, Aaron und Ben Labonte
  • Audiokommentar von "The Killer"
  • Einleitung von Fred Vogel
  • Dokumentation "A Hammer to the Head - A Closer Look at August Underground"
  • Featurette "August Underground: On Location"
  • Featurette "August Underground: Behind the Brutality"
  • Dokumentation "Too Real for Comfort - An Outsider's Perspective"
  • Slideshow
  • Trailer
  • Hidden Feature: August Underground's Penance Trailer
  • Hidden Feature: Rob at the Tattoo Studio

August Underground

Review

August Underground - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Man stelle sich vor, man findet irgendwo eine nicht beschriftete Videokassette oder DVD und beim Anschauen dieses Fundstückes erblickt man die perversen und brutalen Taten zweier junger Männer, die ihre wahllos ausgesuchten Opfer foltern und töten und dies mit einer Kamera festgehalten haben. Herzlichen Glückwunsch zum Fund eines Snuff-Films, jener sagenumwobenen Sorte von Filmen, bei denen angeblich Menschen vor laufender Kamera "zur Unterhaltung" umgebracht werden. Wenn man jemandem einen derben Streich spielen möchte, dann sorgt man irgendwie dafür, dass derjenige vollkommen unvorbereitet August Underground zu sehen bekommt. Nicht nur um ihm seine Stimmung zu verhageln, sondern auch um seinen Mageninhalt ins rotieren zu bringen.

August Underground - ScreenshotAugust Underground - Screenshot

Der Inhalt von August Underground ist schnell erzählt, denn eine richtige Handlung im handelsüblichen Sinne gibt es nicht. Die Kamera hält einfach die verschiedenen Ereignisse in dem Keller eines Hauses oder bei den Fahrten der Männer durch die Gegend fest. Es gibt weder narrative noch spannungstechnische Höhepunkte, sondern es ist einfach eine Darstellung von dem "Alltag" zweier Psychopathen. Es beginnt damit, dass sie im Keller eine geknebelte und gefesselte nackte Frau quälen, während ihr längst ermordeter Freund im Raum nebenan bereits in der Badewanne verwest. Bei einer Autofahrt nehmen sie eine Anhalterin mit, die ihnen erst sexuelle Dienste erfüllen soll, aber dann einfach niedergeschlagen wird. Es folgen noch der Überfall auf einen Supermarkt und eine ältere Frau, der Besuch eines Hardcore-Konzertes (in der eine kleine Band verdammt schlecht einen Hit von Korn covert) mit anschließender Schlägerei, zwei Zwillingsbrüder werden auch noch entführt und der Film endet schließlich mit dem gemeinsamen Vergnügen mit zwei willigen Frauen, das auf einen besonders kranken "Höhepunkt" zusteuert.

Eigentlich wäre der Film ein richtiger Langweiler, wenn da nicht die Gewaltszenen wären, die mit dem Härtegrad derberer Horrorfilme schon nichts mehr zu tun haben und erschreckend realistisch wirken. August Underground verschiebt in der Hinsicht wirklich Grenzen, was vor allem auch mit der Optik des Films zu tun hat. Bei "normalen" Splatterfilmen wird noch eine schützende Distanz dadurch geschaffen, dass es eben immer irgendwie noch nach Film aussieht. Sei es durch Bildfilter, erkennbare Studiokulissen etc. Bei August Underground gibt es diese Distanz nicht. Der Film wurde auf Mini-DV aufgenommen und anschließend so bearbeitet, dass es ganz bewußt den Anschein eines normalen Amateurvideos hat. Der Film ist durchsetzt von verwackelten Aufnahmen, unbeholfenen Kameraeinstellungen (die schon mal einfach nur die Decke eines Zimmers filmen) oder Unschärfen. Dies verhalf zwar schon The Blair Witch Project zu Erfolg, aber August Underground ist da noch eine Ecke effektiver was das Gefühl angeht, es mit etwas Realen zu tun zu haben.

August Underground - ScreenshotAugust Underground - Screenshot

Wo in anderen Filmen Gewalt nur angedeutet wird oder kommerzielle Absichten davor zurückschrecken lassen die Gewalt in allen Einzelheiten zu zeigen, pfeift August Underground auf solche Konventionen und hält stattdessen eher noch zusätzlich drauf. Dies hier ist kein ab 16 Jahren freigegebener Horrorstreifen aus Hollywood, sondern dreckiges, hartes und sehr direktes Undergroundkino. Dabei ist die Gewalt hier nicht als Blutgeplansche eines Herschell Gordon Lewis oder anderer Splatterwerke zu verstehen, sondern der Film zeigt mit Blut, Kot und Urin befleckte nackte Opfer, die geknebelt und gefesselt wurden und den perversen Spielchen der Männer ausgesetzt sind. Dies alles sieht extrem realistisch aus, man kann nie erkennen, ob und wo gerade ein Special Effect eingesetzt wurde. In dieser Hinsicht ist der Film wirklich exzellent. Alle Charaktere im Film werden nicht von gut aussehenden Schauspielern dargestellt, sondern es handelt sich um einfache Menschen wie man sie in jeder Stadt und jedem kleinen Ort antreffen kann. August Underground zeigt keine glorifizierte Gewalt wie es z.B. in Actionfilmen der Fall ist, sondern läßt alles quasi in der direkten Nachbarschaft passieren. Die Täter oder die Opfer könnten jedermann sein. Die Killer haben keine besondere Zielgruppe, sondern man könnte selbst zu jeder Zeit und an jedem Ort eines dieser Opfer sein.

Zudem wirkt der Film noch besonders schwer, da es ihm an jeglichem Humor fehlt, der die Wirkung in irgendeiner Form abschwächen könnte. Die Stimmung, die der Film aufbaut, ist durch und durch düster, nihilistisch und menschenverachtend. Außerdem bleibt der Film moralisch neutral, wenn nicht sogar fragwürdig. Es findet keine Wertung statt, es gibt keine Darstellung dessen, wie die Taten der Täter moralisch zu verstehen sind, was sie dazu bringt so zu handeln. Überhaupt findet keinerlei Charakterzeichnung statt, man erfährt nichts über den Hintergrund der Täter und der Opfer erst recht nicht. Wenn etwas verdeutlicht wird, dann ist es die totale Neutralität gegenüber anderen Menschen, die die beiden Killer an den Tag legen. Sie haben keinerlei Wertvorstellungen, ihre Opfer sind in ihren Augen kaum was anderes als Schlachtvieh mit dem sie noch ein bißchen spielen können. Möchte man Vergleiche heranziehen, dann kämen nur Filme wie Henry - Portrait of a Serial Killer oder in Frage, die auch beide von Regisseur Fred Vogel sehr geschätzt werden. Während August Underground aber die Charakterdarstellung und -entwicklung aus Henry... komplett vermissen läßt, fehlt ihm im Gegensatz zu die beißende Ironie und Kritik.

August Underground - ScreenshotAugust Underground - Screenshot

Ganz objektiv betrachtet, kann man August Underground aber nicht wirklich einen guten Film nennen. Er verweigert sich der allgemeinen Erwartungshaltung an eine normale Handlung. Dies ist zwar irgendwo schon begrüßenswert, führt aber auch dazu, dass man sich des öfteren fragt, wo eigentlich die Motivation hinter dem ganzen steckt. Man muss aber zugestehen, dass seine Wirkung auf den Zuschauer von höchster Effektivität ist. Durch die Inszenierung als amateurhaftes Privatvideo entsteht ein Realitätsgrad, der so eigentlich noch nie von anderen Filmen erreicht wurde. Egal ob man nun den Film durchsteht oder bereits nach 5 Minuten aus macht, August Underground versetzt dem Zuschauer mit seiner Radikalität einen Schlag in die Magengrube.

So stellt sich die Frage, wie man nun August Underground zu werten hat und dies ist nicht gerade leicht zu beantworten. Von den meisten dürfte man nur einen Kommentar wie "kranke Scheiße" zu hören bekommen. Bemerkenswert ist der Film auf seine radikale Art, wie er auf den Zuschauer wirkt, allerdings schon. Aber wenn man sich an die Gewalt erstmal gewöhnt hat (sofern man es kann), bleibt doch nur noch sehr viel Leerlauf übrig, der von der eigentlichen "Handlung" nicht mehr gefüllt werden kann. Wobei man hier aber auch irgendwie berücksichtigen muss, dass die Filmemacher ganz bewußt das Ziel hatten, einen Film zu drehen der wie ein privates Amateurvideo aussieht. Die haben ja in dem Sinne auch keine Handlung, sondern reihen einfach diverse mitgefilmte Ereignisse aneinander. Unter diesem Aspekt funktioniert August Underground sogar relativ gut. Als normalen Film zur "Unterhaltung" kann man ihn aber definitiv nicht empfehlen, man ist sogar geneigt von dem Werk abzuraten. Zwar verdeutlicht er, dass Gewalt an anderen Menschen keine saubere Angelegenheit ist, wie es in normalen Spielfilmen meist dargestellt wird. Trotzdem bleibt er so extrem, dass er nur von vorbereiteten und erwachsenen Zuschauern mit einiger Filmerfahrung und etwas offener Herangehensweise angesehen werden sollte. Hier in Deutschland wäre dies Werk jedenfalls ein heißer Kandidat für die Beschlagnahmungsliste - und man könnte das sogar ausnahmsweise mal nachvollziehen, auch wenn man diese Zensurmethode an und für sich ablehnt. Wobei der Film ja schon fast von der Realität eingeholt wurde, wenn man sich in jüngster Vergangenheit beispielsweise die Folter-Bilder aus Abu Ghraib ansieht.

August Underground - ScreenshotAugust Underground - Screenshot

Somit bleibt ein ziemlich zweispältiges Gefühl über einen fragwürdigen Film zurück, der die Grenzen für alle zukünftigen Horrorfilme zwar weit verschoben hat, aber den man objektiv eigentlich fast nicht mehr bewerten kann. Selbst wer sowas wie die debilen Werke deutscher Möchtegern-Splatter- oder Pornofilmer wie Schnass, Ittenbach oder Bethmann erwartet, dürfte sich ob der Wirkung von August Underground überrascht zeigen. August Underground kann niemandem wirklich empfohlen werden. Wer sich traut, dann nur auf eigene Gefahr vielleicht unnötig viel Geld ausgegeben zu haben.

August Underground ist das Debütwerk des Amerikaners und Horrorfilm-Fans namens Fred Vogel. Vogel arbeitete als Lehrer an Tom Savinis Special Effects Schule, wodurch er natürlich viele Kenntnisse für die Spezialeffekte mitbringen konnte. Im Jahre 2000 begann Vogel dann mit den Dreharbeiten von August Underground, der aber fast nur an Wochenende gedreht wurde, da er in der Woche an der Schule arbeitete. Beim Film wirkten dann auch gleich einige seiner Studenten vor oder hinter der Kamera mit, so z.B. die beiden Zwillingsbrüder Aaron und Ben LaBonte, die neben den Special Effects auch als Assiciate Producer und Schauspieler tätig waren. Selbst Alexa Iris, die als Anhalterin ihre weibliche Anatomie in die Kamera halten musste, lernte an der Special Effects Schule. Und selbst Vogels eigene Großmutter spielt mit damals 81 Jahren das Opfer der älteren Dame, die in ihrer eigenen Wohnung überfallen wird und seinen Bruder sowie seine Cousine ließ er in den Supermarkt gegenseitig am Hintern schnüffeln!

August Underground - ScreenshotAugust Underground - Screenshot

Ursprünglich wollte Vogel einen klassischen Zombiefilm namens "Elysium" drehen, der aber niemals hätte finanziert werden können. Seine Ideen für einen eigenen Film konnte er aber mit Allen Peters teilen, der er mal kennengelernt hatte, als er in einer Videothek arbeitete, die hauptsächlich Pornos verlieh. Stattdessen entschied man sich für die Produktion von August Underground, der als Arbeitstitel noch den wenig spektakulären Namen "Peter" trug, wie auch der Hauptcharakter heißen sollte. Gekostet hat der Film unterm Strich kaum 2000 US-Dollar, laut Audiokommetar Vogels war das teuerste am ganzen Film das Ersetzen einer 600$-Kühlschrank-Glasscheibe, in die er versehentlich im Eifer des Drehs den Kopf seines Bruders hineinschlug. Das Haus in dessen Keller die Opfer gefangen gehalten werden, war Vogels eigenes Wohnhaus. Fast alle Szenen entstanden in einem Take. Manchmal zog sich das sogar auf bis zu einer Dreiviertelstunde hin, was dann später natürlich radikal zusammengekürzt wurde. Der Supermarkt der überfallen wird, gehörte einem alten Freund von Vogel, den er ihm nach Ladenschluß zur Verfügung stellte.

Nach Fertigstellung wurde der Film zunächst nur einigen Bekannten und Freunden gezeigt und später auf vereinzelten Conventions. Durch diese fast nicht vorhandene Verfügbarkeit des Films machte dieser Streifen langsam unter der Hand seine Runde auf Bootlegvideos. Eine Kopie bekam ein Redakteur des "Rue Morgue Magazine" direkt von Vogel und erst durch den darauf veröffentlichten Artikel wurde August Underground langsam auch einem größeren Publikum bekannt. Der Promotiongag, August Underground auf unbeschriftete Videokassetten zu kopieren und diese dann "zufällig" an öffentlichen Plätzen liegen zu lassen, wurde dann nach reichlicher Überlegung doch fallen gelassen. Durch den Realitätsgrad des Films befürchtete man doch größere Probleme zu bekommen. Dies ist auch ein Grund, warum Allen Peters sich irgendwann von dem Film distanzierte. Als Familienvater hatte er größere Ängste wegen dem Film evtl. juristisch belangt zu werden und trennte sich von Vogel.

August Underground - ScreenshotAugust Underground - Screenshot

Im Jahre 2002 gründete Fred Vogel zusammen mit Jerami Cruise, der bei August Underground als Produktionsassistent mitarbeitete, seine Firma Toetag Pictures, die neben den eigenen Projekten auch Special Effects Arbeiten für andere Filme durchführt. Nach August Underground folgte 2003 das Sequel August Underground's Mordum und 2005 der schon professioneller aufgezogene Redsin Tower, der sich zu diesem Zeitpunkt kurz vor Vollendung befindet. Und August Underground's Penance befindet sich bereits in der Vorproduktionsphase. Außerdem waren Fred Vogel und sein Toetag Team die Hauptverantwortlichen für die Special Effects in dem ebenso kontrovers diskutierten Murder-Set-Pieces verantwortlich. Und des weiteren drehte Vogel auch das Video Sickcess für die Death Metal Stümper von Necrophagia.

DVD-Veröffentlichungen

Direkt von Toe Tag Pictures kann man August Underground als umfangreich ausgestattete Special Edition auf DVD erwerben. Und das gleich in zwei Varianten. Neben der normalen Version gibt es noch die auf 1000 Stück limitierte und mittlerweile ausverkauft "Snuff Edition". Die besitzt einen Audiokommentar mehr, andere DVD-Aufkleber und auch ein anderes Cover, das von den wichtigsten Beteiligten signiert wurde.

August Underground - ScreenshotAugust Underground - Screenshot

Wie kann man aber nun das Bild eines Films bewerten, der eben aussehen soll wie ein Privatvideo? Eigentlich gar nicht und deswegen kann man diesen Punkt auch gleich überspringen. Ähnlich verhält es sich mit dem Ton, denn auch hier gab es keine technische Aufpäppelung, sondern man bekommt Geräusche und Dialoge so zu hören, wie sie mit der Kamera eingefangen wurden. Das dies das Verständnis nicht gerade einfach mal dürfte verständlich sein und ohne fortgeschrittene Englischkenntnisse, erweitert um einige umgangssprachliche Begriffe. dürfte man wohl nicht sehr weit kommen. Wobei die Dialoge allerdings auch kaum tiefgründig sind und meistens die Opfer irgendwie angebrüllt werden, so dass man eigentlich auch nicht wirklich was verpasst, wenn man das meiste nicht versteht.

Von Fred Vogel alleine kommt dann der erste Audiokommentar, der auch zeitgleich der informativere ist. Hier erzählt er z.B. davon, wie die Dreharbeiten vonstatten gingen, wie er die Darsteller gefunden hat und noch einiges mehr. Den zweiten Audiokommentar spricht er zusammen mit den LaBonte-Brüdern, die in mehreren Funktionen mitgewirkt haben. Leider wiederholt sich hier einiges aus Vogels Solo-Kommentar, dafür bekommt man von den Brüdern etwas mehr zu hören, wie es so beim Dreh zuging und auch einige kurze Einblicke, wie manche Spezialeffekte realisiert wurden. Auf der "Snuff-Edition" gibt es dann noch einen dritten Audiokommentar, den Fred Vogel als sein Filmcharakter, also als der psychopathische Killer spricht. Was man von dieser Idee halten soll bleibt fraglich. Zumal der Kommentar auch von dem Schreien und Weinen eines weiblichen Opfers begleitet wird, das er nebenbei traktiert. Letzten Endes ist der Kommentar nicht mal sonderlich spannend, sondern eher langweilig, manchmal sogar nervig und somit vollkommen verzichtbar. Als letzte Extras sind auf DVD 1 noch der Trailer zu August Underground sowie als versteckter Menüpunkt noch der Teaser zu August Underground's Penance.

August Underground - ScreenshotAugust Underground - Screenshot

Auf DVD 2 geht es dann nach einer kurzen Einleitung von Fred Vogel mit dem knapp 66-minütigen Making-of "Hammer to the Head - A Closer Look at August Underground" weiter. dem noch die beiden Featurettes "August Underground: On Location" und "August Underground: Behind the Brutality" angeschlossen sind, die man aber auch einzeln auswählen kann. Dies Making-of beginnt erst einem längeren Monolog von Vogel, dem dann Aussagen von Leuten wie Casting-Director John A. Wisniewski, den LaBonte Zwillingen oder Vogels Verwandtschaft folgen. In "On Location" stellt Vogel noch einmal die wichtigsten Schauplätze vor und bei "Behind the Brutality" wird vor allem auf die Special Effects eingegangen.

Fast 102 Minuten geht dann die Dokumentation "Too Real for Comfort - An Outsider's Perspective", die sich aber als das ultimative Selbstbeweihräucherungsdokument entpuppt. Hierfür wurden Leute interviewt, die mehr oder weniger mit Fred Vogel bzw. Toetag Pictures zu tun haben und erzählen davon, wie sie überhaupt von August Underground erfahren haben, welche Wirkung er auf sie hatte und wie sie den Film im Bereich des Horrorgenres sehen. Hier werden ausschließlich nur positive Meinungen vorgebracht, die den Film teilweise in abstruse Höhen loben und nach einiger Zeit wiederholen sich die Aussagen, was das ganze ein wenig eintönig und ermüdend macht. Es kommen sowohl Toetag Mitarbeiter als auch Redakteure von Magazinen wie auch andere Independent-Regisseure zu Wort. Das Klischee des absolut dummen Splatter-Bauern wird dann mit einem Typen namens Rob erfüllt, dessen verbale Ergüsse sich auf Grundschulniveau befinden und dem man in einem Hidden Feature der DVD noch dabei zusehen kann, wie er sich ein August Underground-Tattoo stechen läßt. Abschließend gibt es noch eine Slideshow, deren Amateur-Überblendeffekte Erinnerungen an die frühen 1980er Jahre aufkommen lassen und von einer fürchterlichen Musik begleitet wird. Alle Dokus und Featurettes wurden auch mit einer digitalen Videokamera aufgenommen, so dass man keine hohen Erwartungen an Bild- und Tonqualität stellen sollte. Gerade bei den Interviews machen manchmal Hintergrundgeräusche das Verständnis doch etwas schwierig.

August Underground - ScreenshotAugust Underground - Screenshot

Abschließend bleibt noch etwas anzumerken. Für die DVD-Menüs beider Scheiben drehte man noch extra kurze Szenen in dem Stil von August Underground. Während man auf DVD 1 nur von Vogel/dem Killer aus dem Keller heraus aufgefordert wird den Film zu starten, ist das Menü auf der zweiten DVD schon von härterem Kaliber. Denn hier sieht man mal wieder in Großaufnahme eine nackte, gefesselte und gefolterte Frau, die von dem Killer angeschrien wird den DVD-Besitzer zur Auswahl der Menüpunkte aufzufordern. Zwar liegt dies in der Linie des Films und ist nur gespielt, aber trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack hängen und die Frage, ob Fred Vogel es nicht manchmal doch zu weit treibt.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 07.07.2006

Leser-Kommentare

25.05.2008, 01:11:45 Gerrit Gerdes ( Email schreiben )

Guten Morgen!

Ich muss zugeben, schwer beeindruckt von dieser Darstellung zu sein. Ich bin im Alltäglichen stets damit beschäftigt, die Mechanismen zwischen Soziologie und Individualpsychologie zu entdecken. Es sind Überlegungen, die vom schematisierten Massenmord, wie etwa unter den Armeniern in der Türkei, bis hin zur persönlichen Befriedigung eines Einzelnen reichen. Ich persönlich bin natürlich niemals Teil des Themas. ;)
Was mich so beeindruckt hat, war weniger die technische Darstellung von Misanthrophie, Gewalt, Macht, was auch immer... Vielmehr die detailgenaue Ausarbeitung einer derart verkommenen Denkstruktur hat mich fasziniert. Dazu sind immerhin einige Anstrengungen, gerade im Bereich "Intersubjektivität" von Nöten. Ähnlich gelähmt war ich von einer Szene in Strange Days: Der Mörder koppelt die eigene Rezeption durch ein Gerät, mit der des Opfers,... und umgekehrt. Klar eine filmische Spielerei. Aber durchaus etwas, was man nicht "zu Ende" denken sollte. Tja,...
Es zu verstehen, bedeutet in genau diesem Sinne schon fast, zu derartigen Handlungen fähig zu sein. Also, schön die Distanz wahren. In meinem losen Bekanntenkreis sind mir die Menschen am Liebsten, die diesen Streifen (im Sinne des gesunden Menschenverstandes) nach wenigen Minuten abgestellt haben. Gesunder Instinkt, würde ich behaupten. Ganz nach dem Sinnspruch: Guckst Du zu tief in einen Abgrund, schaut der Abgrund auch in dich.

Der Herr Produzent serviert die Grenzen der Menschlichkeit. Perfekt!
(Schwester! Die Medikamente, bitte!)

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