Film Daten

Titel:
Caroline Cherie
Originaltitel:
Land & Jahr:
Frankreich / Deutschland / Italien 1968
Laufzeit ca.: ?
97 Min.
Regie:
Denys de La Patellière
Darsteller:
France Anglade
François Guérin
Bernard Blier
Karin Dor
Vittorio de Sica
Charles Aznavour
Gert Fröbe
Isa Miranda
Jean-Claude Brialy
Giorgio Albertazzi
Françoise Christophe
François Chaumette
Jean-Pierre Darras
Jacques Monod
Valeria Ciangottini
Alternativtitel:
• Caroline Chérie: Schön wie die Sünde
• Dear Caroline
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - New Entertainment World
Label:
New Entertainment World
Regionalcode / Norm:
0 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 97:44
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Italienisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Bildergalerie
  • Trailer
  • Textessay "Über Caroline Cherie"
  • Soundtrack
  • Interview mit Karin Dor
  • Karin Dor Bio-/Filmographie
  • Bildvergleich
  • weitere Trailer: Shogun's Ninja / Schlitzohr & Schlitzauge / Die Viper
  • DVD-ROM: Bildergalerien / Wallpaper / Werberatschläge
  • Booklet mit Liner Notes

Caroline Cherie

Review

Caroline Cherie - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Frankreich im Jahre 1789, kurz vor der Revolution: Caroline de Bievre (France Anglade) ist die hübsche Tochter eines Aristokraten (Vittorio De Sica) und hegt keinerlei Interesse durch ihren Vater verheiratet zu werden. Während ihr der Jurist Georges Berthier (Bernard Blier) offen seine Verehrung erbietet, hat sie vielmehr Interesse an dem Frauenhelden Gaston de Salanches (François Guérin), der ein offenes Verhältnis mit Isabelle de Loigny (Karin Dor) pflegt. Als die Revolution ausbricht, wird Caroline dazu gezwungen Georges zu heiraten. Der muss aber später vor dem köpfungswütigen Volk flüchten und läßt Caroline allein zurück. Sie flüchtet sich erst in die Arme von Gaston, findet kurz bei Isabelle Unterschlupf und verläßt schließlich Paris. Aber auch außerhalb der Stadt erwarten sie allerlei Gefahren und vor allem lüsternes Mannsvolk...

Caroline Cherie - ScreenshotCaroline Cherie - Screenshot

Wir schreiben das Jahr 1968: die deutsche Filmlandschaft hat sich nach dem Aufbau in den späten 1940er und frühen 1950er Jahren wieder stabilisiert. Neben Heimatfilmen sind es vor allem die Edgar Wallace Filme und Karl May Verfilmungen, die für volle Lichtspielhäuser sorgen. Aber im Zuge der Lockerungen in den 1960er Jahren stellen sich auch nackte Haut und Erotik als Klassenschlager heraus, was Filme wie z.B. Fanny Hill (1964), die Helga Aufklärungsstreifen oder auch die ersten Oswald Kolle Filme beweisen. Auch auf dem internationalen Markt werben mehr und mehr Filme mit sexuellen Verlockungen, worauf das Publikum nur zu gerne reagiert. Während die Aufbruchszeit der sexuellen Revolution im Kino gerade so richtig anläuft, kommt eine deutsch-französisch-italienische Co-Produktion namens Caroline Cherie in die Kinos. Sie wirbt mit internationalen Stars wie Karin Dor, Gert Fröbe und einer hübschen Hauptdarstellerin, deutet allerdings auf dem sexuellen Gebiet mehr an und zeigt weniger - und floppt damit gnadenlos, sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern.

Zitat

Caroline: Gibt mir bitte endlich einen Stoß.
Georges: Caroline, ich liebe Euch.
Caroline: Dann stoßt mich erst recht!
Georges: Na gut.

Nun, fast 40 Jahre nach diesen Ereignissen entdeckt man in Caroline Cherie nicht unbedingt einen verloren geglaubten Klassiker, aber zumindestens ein erfrischend unterhaltsames und humorvolles Werk, das gerade heutzutage durch seinen antiquierten Charme schon wieder Pluspunkte sammeln kann. Erzählt wird die Geschichte einer hübschen, aber zutiefst naiven jungen Frau, die mit einer tolpatschigen Zielsicherheit von einer prekären Situation in die nächste gerät. Die Herren der Schöpfung zeigen sich gerne hilfbereit, allerdings natürlich nur wegen der Aussicht auf ein nettes Schäferstündchen. Und Frau Caroline fällt natürlich meistens darauf herein.

Caroline Cherie - ScreenshotCaroline Cherie - Screenshot

Das alles spielt sich vor dem Hintergrund der französischen Revolution ab, die 10 Jahre andauerte. In der revoltierten die Bürger und Bauern gegen die Monarchie, was schließlich zum Fall (und Enthauptung) von König Ludwig XVI führte und später zur ersten Republik führte. Ziel war nicht nur die Königsfamilie, sondern die Aristokratie im Allgemeinen und politische Gegner jeder Richtung. Caroline ist als Mitglied der Aristokratie und Berthiers Ehefrau ein gesuchter politischer Flüchtling ersten Grades. Mit den historischen Fakten ist der Film aber nicht so genau, die Revolution dient nur Rahmenhandlung der Ereignisse und wird kaum weiter beleuchtet. Zwar trifft Caroline auch auf historische Figuren wie Maximilien de Robespierre, eine Schlüsselfigur der Revolution, aber politisch kratzt der Film trotzdem natürlich nur an der Oberfläche.

Zitat

Caroline: Wisst Ihr, dass ich wegen Euch nachts nicht schlafen kann?
Gaston: Oh, dann müsst Ihr Euch jetzt etwas hinlegen...

Vielmehr handelt es sich hierbei um eine leichte, erotische Komödie im historischen Gewand, die ihren Erotikfaktor mehr durch eindeutig zweideutige Dialoge aufbaut und natürlich dem attraktiven Aussehen von France Anglade. Ihre Dekolletés sind meist so üppig geschnitten, das man ständig nur darauf wartet, dass evtl. unfreiwillig was raushüpfen könnte. Was heute eher harmlos anmutet, wird wohl 1968 sicherlich einige (männliche) Blutkreisläufe durcheinander gebracht haben. Eine optische Ähnlichkeit zu der damals sehr berühmten Brigitte Bardot kann man auch nicht leugnen. Als zweiter weiblicher Leckerbissen präsentiert sich hier Karin Dor, die sogar ihre blanke Rückseite in die Kamera hält! Wobei man aber davon ausgehen kann, dass in der Szene ein Bodydouble eingesetzt wurde, da sich Karin Dor eigentlich immer von freizügigen Auftritten und reinen Sexfilmchen distanzierte. Und als schmieriger und raffgieriger Bordellbesitzer hat auch Gert "Goldfinger" Fröbe eine kleine Rolle in dem Film.

Caroline Cherie - ScreenshotCaroline Cherie - Screenshot

Aber nicht nur bei den Schauspielern und Schauspielerinnen wird etwas fürs Auge geboten, sondern vor allem das Produktionsdesign weiß zu beeindrucken. Caroline Cherie ist die reinste Farbattacke. Die Szenen sind manchmal so oppulent gestaltet worden, dass es schon fast dekadent wirkt. Vor allem die Studiosets wirken sehr aufwendig und mit dem Auge fürs Detail entworfen. Die wenigen Szenen, die die Revolution direkt zeigen, haben durch ihre Stilisierung schon etwas Surreales an sich. Jede dieser Szenen ist in ein tiefes Rot getaucht worden und die Bürger und Waffen sind nur als Silhuetten erkennbar. Schon durch seine optische Vielfalt gefällt der Film. Der Humor baut dann ganz auf Wortwitz, Situationskomik und weniger auf irgendwelchen Slapstick-Einlagen auf, die gibt es überhaupt nicht. Wobei hier allerdings auch die deutsche Synchronisation ihren Teil dazu beiträgt. Die Originaldialoge aus dem Italienischen wurden zwar größtenteils sinngemäß übersetzt, aber Carolines Voice-Over-Stimme ist z.B. eine reine Erfindung der Synchronisation.

Zitat

Georges: Ich werde mich entkleiden. Wollt Ihr nicht das gleiche tun?
Caroline: Ich soll mich ausziehen, hier vor Euch?
Georges: Mir müssen vor allem die falsche Scham ablegen. Ein ehrbahrer Mann und eine tugendhafte Frau. Wir sollten keine Scheu davor haben, uns in dem Zustand zu zeigen wie uns die Natur geschaffen hat. Die Natur will es nun mal so das Ihr mir gehorcht. In dem ich Euer Gatte werde, werde ich Euer Herr.

Die Leidenschaften explodieren förmlich in der Hochzeitsnacht...

Caroline Cherie bietet sich somit perfekt für die leichte Filmunterhaltung zu jeder Tageszeit an. Der Film wurde eindeutig so konzipiert einem größeren Publikum zu gefallen, das keine hohen Ansprüche stellt. Aber eben diese Leichtigkeit macht ihn sehr zugänglich und irgendwie sympathisch. Außerdem ist auch nicht zu übersehen, dass hier bewußt France Anglade und ihr gutes Aussehen in den Mittelpunkt gerückt wurde. Auch wenn z.B. mit Karin Dor eine weitaus bedeutendere Schauspielerin engagiert wurde, so ist ihre Rolle doch fast schon wieder nebensächlich und ab einem gewissen Punkt wird das Schicksal ihres Charakters auch gar nicht mehr weiterverfolgt. Caroline Cherie ist schlicht und einfach ein simples, aber sehr spaßiges Filmvergnügen, das man sich auch gerne ein zweites Mal anschaut.

Caroline Cherie - ScreenshotCaroline Cherie - Screenshot

Die ersten Regiearbeiten von Regisseur Denys de La Patellière waren vor allem Dramen, die zum größten Teil auch ihren Weg nach Deutschland fanden. Viel bekannter dürfte aber der nach Caroline Cherie entstandene Balduin, das Nachtgespenst (Le Tatoué, 1968) mit Louis de Funes in der Hauptrolle sein. 1972 drehte der das Thrillerdrama Der Killer und der Kommissar (Le Tueur), in dem unter anderem Fabio Testi und Uschi Glas mitspielten. In den 1970er Jahren drehte er aber schon deutlich weniger und war ab den 1980ern mehr fürs Fernsehen tätig. Der Roman von Cécil Saint-Laurent wurde im übrigen bereits 1951 als Im Anfang war nur Liebe (Caroline chérie), 1953 als Mein Leben für die Liebe (Un caprice de Caroline chérie) und 1955 als Dunkelroter Abendstern () mit Brigitte Bardot verfilmt.

Zitat

Ich bin ein aufrechter Republikaner. Und weibliche Formen wie die Euren übersehe ich.

France Anglade wurde gerne in Rollen von leichten Komödien eingesetzt, ein weiteres, halbwegs bekanntes Erotikfilmchen in ihrer Karriere wäre noch der Episodenfilm Das älteste Gewerbe der Welt (Le Plus vieux métier du monde, 1967). Auch sie trat ab den 1970er Jahren nur noch sporadisch in Filmen und im TV auf. François Guérin kennt man evtl. als Freund der armen Christiane aus dem grandiosen Klassiker Augen ohne Gesicht (Eyes without a Face, Les yeux sans visage, 1960). Im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen hier war Bernard Blier ein sehr eifriger Schauspieler, der von den 1930er Jahren bis Ende der 1980er in über 180 Produktionen auftrat. Darunter Hasch mich, ich bin der Mörder! (Jo, 1971), Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh (Le Grand blond avec une chaussure noire, 1972) oder Klaus Kinskis Paganini (1989).

Caroline Cherie - ScreenshotCaroline Cherie - Screenshot

Karin Dor wird den meisten sicherlich bekannt sein und muss daher nicht groß vorgestellt werden. Sie spielte in vielen deutschen Krimis wie den Edgar Wallace Filmen mit, ein paar Karl May Verfilmungen und erlangte auch internationale Bekanntheit durch das James Bond Abenteuer Man lebt nur zweimal (You Only Live Twice, 1967) oder Alfred Hitchcocks Thriller Topas (Topaz, 1969). Vittorio De Sica sah man unter anderem in Die amourösen Abenteuer der Moll Flanders (The Amorous Adventures of Moll Flanders, 1965), dem Thriller (L' odeur des fauves, 1972) oder die Andy Warhol Produktion Blood for Dracula (1974). Der in Caroline Cherie als Postkutscher auftretende Charles Aznavour spielte die Hauptrolle in François Truffauts Schießen Sie auf den Pianisten (Tirez sur le pianiste, 1960) oder verkörperte den Bucklingen in Candy (ein Film der auch ein gutaussehendes Blondchen in allerlei obskuren Situationen zeigt) und ist bis heute auch als Soundtrack-Komponist tätig.

Zitat

Eine Geliebte die sich nicht weiterbildet taugt höchstens zur Ehefrau.

Gert Fröbe drehte Caroline Cherie zu einem Zeitpunkt, als er in großen Produktionen wie Tolldreiste Kerle in rasselnden Raketen (Rocket to the Moon, 1967) oder Tschitti Tschitti Bäng Bäng (Chitty Chitty Bang Bang, 1968) tätig war und nur wenige Jahre nach seinem großen Erfolg in Goldfinger (1964). Als Geologe tritt hier auch Giorgio Albertazzi auf, der die Hauptrolle in Alain Resnais surrealem Letztes Jahr in Marienbad (L' année dernière à Marienbad, 1961) spielte.

Caroline Cherie - ScreenshotCaroline Cherie - Screenshot

Caroline Cherie wurde zwar in der Vergangenheit schon einmal auf DVD veröffentlicht, allerdings nur in der kürzeren deutschen Fassung und zudem im falschen Bildformat von 1.85:1. Von dem Label New Entertainment World ist nun eine (angeblich auf 1000 Stück limitierte) DVD erschienen, die nicht nur die Fehler der alten Veröffentlichung ausmerzt, sondern eine in Anbetracht des Alters des Films hervorragende Qualität bietet und als Sahnehäubchen auch noch mit einigen Extras glänzen kann. Der Film liegt nun in seiner ungekürzten Fassung und das Bild in einer restaurierten Form im richtigen Format von 2.35:1 anamorph vor. Zwar sind hier und da mal altersbedingte Erscheinungen wie leichte Farbschwankungen oder dünne Linien zu sehen, aber insgesamt handelt es sich um einen scharfen und vor allem sehr farbfrohen Transfer. Über die Qualität des deutschen Tons läßt sich auch nicht meckern, allerdings sind leichte Qualitätsschwankungen zu erkennen, wenn wegen fehlender Synchronisation auf den Originalton gewechselt wird. Alternativ kann man sich auch den Film komplett mit dem italienischen Originalton anhöre. Es gibt Untertitel sowohl nur für die italienischen Sequenzen in der deutschen Fassung als auch für den kompletten Film. Schaut man sich den Film in italienisch mit deutschen Untertiteln an, kann man übrigens sehr schön erkennen, wo Dialoge im Deutschen hinzuerfunden wurden, während es in der italienischen Fassung stumm bleibt.

Wo die DVD wirklich überrascht, neben der guten Bildqualität, ist der Anteil an zahlreichen, wenn auch kleineren Extras die liebevoll zusammengestellt wurden. Es beginnt mit einer Galerie von Aushangfotos und dem italienischen Originaltrailer, der sogar 1-2 Szenen zu bieten hat, die es im Film nicht gibt. "Über Caroline Cherie" ist ein Textessay über den Film mit einigen Hintergrundinformationen zum Film. Dies wurde leider als langsam ablaufender Scrolltext realisiert und nicht als Texttafeln zum blättern, was in diesem Fall vielleicht sinniger gewesen wäre. Der Hammer kommt aber in Form der kompletten Mitgabe des Filmsoundtracks! Alle 15 Stücke können in ihrer vollen Länge einzeln angehört werden. Ein unerwarteter, aber um so schönerer Bonus. Das "Karin Dor Special" beinhaltet neben der Bio- und Filmographie (wieder als Scrolltext) zur deutschen Schauspielerin auch noch ein 4-minütiges ZDF-Interview von März 1970. Während der Kameramann teilweise abenteuerliche Einstellungen aufnimmt (er filmt z.B. einfach nur ihre Füße), äußert sich Frau Dor darüber, dass es für sie in Deutschland keine guten Rollen gibt, weil gerade die Nacktwelle durchs Kino rollt. Der "Bildvergleich" zeigte deutlich den Qualitätssprung zwischen dem alten Transfer und der restaurierten Fassung von New Entertainment. Und als weiteren Bonus gibt es auch noch einen kleinen DVD-ROM Teil, mit einer Aushangfoto- und Plakat-Galerie, vier Wallpaper für den heimischen Computer und zwei Werberatschläge als PDF-Datei, mit weiteren sexy Bildern von France Anglade. In dem 8-seitigen Booklet gibt es außerdem nochmal die Bio- und Filmographie von Karin Dor.

Caroline Cherie - ScreenshotCaroline Cherie - Screenshot

Außerdem finden sich auch noch drei Trailer aus dem weiteren Programm von New Entertainment auf der DVD. Darunter auch der zu Schlitzohr & Schlitzauge aka Der Dampfhammer von Send-Ling, ein Martial Arts Klopper-Film zu dem die Synchronsprecher mit bayrischem Akzent sprechen! Sehr bizarr!

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 17.08.2006

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