Film Daten

Titel:
Originaltitel:
Corps de mon ennemi, Le
Land & Jahr:
Frankreich 1976
Laufzeit ca.: ?
116 Min.
Regie:
Henri Verneuil
Darsteller:
Jean-Paul Belmondo
Bernard Blier
Marie-France Pisier
Daniel Ivernel
Claude Brosset
Michel Beaune
François Perrot
René Lefèvre
Nicole Garcia
Yvonne Gaudeau
Suzy Prim
Jean Dasté
Jacques David
Jean Turlier
Charles Gérard
Alternativtitel:
Body of My Enemy
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Anolis Entertainment
Label:
Anolis Entertainment
Regionalcode / Norm:
0 / PAL
Bild / Zeit:
1.66:1 (anamorph) / 116:09
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Französisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • 2 Trailer
  • Bildergalerie
  • Booklet mit Liner Notes

Review

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(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Nach sieben Jahren Gefängnis sucht François Leclercq (Jean-Paul Belmondo) sofort wieder den Kontakt zu seinen alten Freunden und Geschäftspartnern. Er wurde damals unschuldigerweise wegen des Mordes an einem bekannten und beliebten Fussballspieler und dessen Geliebte verurteilt. Nun versucht er die wahren Hintermänner zu finden und sich an ihnen zu rächen...

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Der Körper meines Feindes gehört sicherlich zu den etwas schwerer verdaulichen Filmen mit Jean-Paul Belmondo und hat so gar nichts mit den Action-Thrillern oder gar den Komödien gemeinsam, für die der französische Schauspieler sonst so bekannt ist. Vielmehr liegt der Film eher in der Tradition klassischer Film-Noirs und bedient sich einer verschachtelten Struktur um Leclercqs Vergangenheit und Gegenwart zu erzählen. Es gibt im Kern drei, eigentlich vier zeitliche Ebenen: Leclercqs Jugend (darauf wird aber nur kurz eingegangen), wie er durch die Beziehung zu Gilberte Liégeard (Marie-France Pisier), der Tochter des einflussreichen Industriellen Liégard (Bernard Blier), langsam Einzug in die höhere Gesellschaft findet, der Gerichtsprozess wo ihm alle vorher zugeneigten höheren Tiere aufs härteste verurteilen und die Gegenwart, nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis.

Diese verschachtelte Einteilung fordert einiges an Aufmerksamkeit vom Zuschauer, da die zeitlichen Ebenen direkt ineinander geschnitten wurden und keinerlei filmische Stilmittel die Epochen optisch voneinander trennen. Somit werden erst nach und nach einige Details nachvollziehbar und gewinnen auch erst mit der Zeit an Bedeutung. Diese komplexe Erzählweise ist es aber auch, die den Film stellenweise etwas verlangsamt bzw. manchmal etwas ziellos erscheinen läßt, was vor allem im mittleren Drittel zum Nachteil des Filmes wirkt. Auch werden häufig Charaktere eingeführt, die man später nie wieder sieht, umgekehrt treten plötzlich Personen auf die Bildfläche, auf die vorher keinerlei Bezug genommen wurde. Eine vernünftige Charakterzeichnung kann hier kaum erfolgen, so dass allein Belmondo in seiner Rolle die einzig stabile Bezugsperson bleibt.

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Sehr auffällig ist auch, dass Regisseur Henri Verneuil teilweise sehr plakative Sozial- und Gesellschaftskritik in den Film einfließen ließ. François Leclercq entstammt der unteren Mittelschicht und schleicht sich langsam in die Gesellschaft der oberen Zehntausend ein, wobei deren Oberflächlichkeiten besonders bei dem Abendessen bei Gilberte Liégeards Eltern hervorkommen, wo sich die Gespräche nur um Trivialitäten drehen. Die Unterschicht ist ein mächtiger Mob, der aber durch die regelmäßig stattfindenden Fussballspiele ruhig gehalten wird. Dies ist auch ein Grund, warum Leclercq bereits vor seiner Verurteilung vom Volk zum Mörder erklärt wird. Denn mit dem Tode des Fussballstars wurde der Bevölkerung ein Idol genommen und Leclercq soll nun dafür büßen.

Auch wenn die Verschachtelung der einzelnen zeitlichen Ebenen und die langsame Aufdeckung wichtiger Details durchaus interessant gemacht wurde, so fehlt es dem Film in letzter Konsequenz doch etwas an dem nötigen Biss. Manches zieht sich ein wenig langatmig dahin und durch das abrupte Auftauchen und wieder Verschwinden bestimmter Charaktere gerät eine gewisse Unruhe in den Film, die sich auf den Zuschauer überträgt. [b]Der Körper meines Feindes ist ein durchaus ambitionierter Film, mit einem souverän agierenden Jean-Paul Belmondo und einer Reihe von guten Nebendarstellern wie Marie-France Pisier und Bernard Blier. Allerdings ist er eher etwas für die geduldigeren Zuschauer, die sich von einigen Ungereimtheiten nicht abschrecken lassen und komplexe Handlungen zu schätzen wissen. Das größte Problem des Films dürfte die nur kaum vorhandene Spannung sein. Zumal hier auch politische Themen zur Sprache kommen, die nicht jedermanns Sache sein dürften, da es den Film etwas trocken erscheinen läßt.

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Regisseur Henri Verneuil zeichnete sich für einige französische Thriller verantwortlich, darunter auch die hier bereits besprochenen (Peur sur la ville, 1975) und Die Glorreichen (Les Morfalous, 1984) mit Jean-Paul Belmondo, über den in anderen Reviews ja auch schon einiges geschrieben wurde. Der den Industriellen Liégeard und Gilbertes Vater spielenden Bernard Blier begann bereits 1936 mit der Schauspielerei und war in Filmen wie Hasch mich, ich bin der Mörder! (Jo, 1971), Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh (Le Grand blond avec une chaussure noire, 1972) oder auch Klaus Kinskis Paganini (1989) zu sehen.

Die DVD von Anolis Entertainment unterscheidet sich qualitativ wie ausstattungstechnisch nicht weiter von den anderen Titeln aus der "Blemondo Edition". Das Bild macht einen sauberen, stabilen, wenn auch nicht refenrenzverdächtigen Eindruck und weist kaum Verschmutzungen auf. Der Ton liegt in der deutschen Synchronisation sowie im französischen Original vor, letzterer kann allerdings nur mit zwangszugeschalteten deutschen Untertiteln ausgewählt werden. An Extras gibt es nur den Trailer in deutscher wie französischer Form. Hier fällt allerdings auf, dass der kaum auf den Film an sich eingeht, sondern vielmehr die Person Belmondo in den Vordergrund stellt und dabei Aufnahmen der Dreharbeiten von früheren Filmen bietet. Im 4-seitigen Booklet gibt es noch Liner Notes zum Film von James Travers.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 30.12.2006

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