Film Daten

Titel:
Originaltitel:
Settima donna, La
Land & Jahr:
Italien 1978
Laufzeit ca.: ?
86 Min.
Regie:
Franco Prosperi
Darsteller:
Florinda Bolkan
Ray Lovelock
Flavio Andreini
Stefano Cedrati
Sherry Buchanan
Laura Tanziani
Luisa Maneri
Laura Trotter
Karina Verlier
Isabel Pisano
Alternativtitel:
• Junge Mädchen zur Liebe gezwungen
• In den Klauen des Schakals
• Séptima mujer, La
• Terror
• Last House on the Beach, The
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Sazuma
Label:
Sazuma
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 85:57
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Italienisch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Extras:
  • Featurette "Holy Beauty vs. the Evil Beasts"
  • Italienischer Trailer
  • Deutscher Trailer
  • Deutscher Vorspann
  • Bildergalerie
  • Booklet mit Liner Notes
  • Soundtrack-CD
  • Hidden Feature "Let's Rock With Ray"

Review

 - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Drei Männer überfallen brutal eine Bank und flüchten mit ihrem Auto. Das droht auf der Flucht den Geist aufzugeben und sie fahren zu einer einsam gelegenen Villa, um sich dort zu verstecken. Dort halten sich aber bereits fünf Schülerinnen und ihre Lehrerin Cristina (Florinda Bolkan) auf, die dort für die Schule üben. Die Männer dringen in das Haus ein und nehmen die sechs Frauen als Geiseln, die Küchenhilfe wird ermordet. Die Frauen sind nun für einige Tage den sadistischen Spielen der Männer hilflos ausgeliefert...

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Mit Last House on the Left (1972) erschuf Wes Craven unbewußt ein Werk, dass nicht nur viele Jahre später immer noch für Diskussionen sorgt, sondern auch noch unzählige Nachahmer hervorbrachte und den Grundstein für das "Rape and Revenge" Subgenre bildete. Neben bekannten US-Filmen wie z.B. I Spit on your Grave (1978) gab es auch in Italien einige Bestrebungen, von dem Erfolg dieses Films zu proftieren, was unter anderem zu Aldo Lados Night Train - Der letzte Zug in der Nacht (L' ultimo treno della notte / Night Train Murders, 1975) oder Franco Prosperis Verflucht zum Töten (La settima donna, 1978) führte. Dabei verfolgen diese Filme im Allgemeinen das gleiche Prinzip: eine Bande von Gewalttätern foltert und vergewaltigt hilflose junge Frauen, die dann entweder selbst Rache nehmen oder Angehörige/Freunde dies für sie übernehmen und dabei mindestens genauso grausam, wenn nicht sogar noch heftiger, dabei vorgehen als die eigentlichen Täter.

Zitat

Ach gottchen, die Kleine hat einen Schock. Die wird noch einen größeren kriegen wenn ich sie mir erstmal vornehme!

Häufig kommt auch noch eine gewisse örtliche Isolation hinzu, so dass es den Opfern nicht möglich ist, von irgendwoher Hilfe zu holen. War es bei Craven der weit auslaufende Wald, in dem die Bande die beiden Mädchen quälen konnte, so verlagerte Prosperi dies in eine geräumige Villa, die einsam am Meer und in einiger Entfernung zu den nächsten Nachbarn liegt. Nach dem Kappen des Telefons ist jede Kommunikation nach außen unmöglich und jeder Fluchtversuch einer einzelnen Person würde zum Tod der anderen führen. Das sechs gutaussehende Frauen auch noch in anderer Hinsicht auf die Männer wirken, macht sich dann auch schon relativ schnell in einem ersten sexuellen Übergriff seitens Nino (Flavio Andreini) bemerkbar, der dafür allerdings von dem Mädchen Elisa (Sherry Buchanan) verletzt wird und so zum körperlichen Schwachpunkt der Bande wird.

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Verflucht zum Töten wird so zu einem kleinen Kammerspiel, da es sich bis auf kurze Unterbrechungen fast ausschließlich in dem Haus abspielt. Charakterliche Differenzierungen sind allerdings trotz der Vielzahl der Personen kaum gegeben und finden dann nur bei den Rollen der Erwachsenen statt. Die Gangster werden von Aldo (Ray Lovelock) geleitet, der sehr ruhig und bedacht wirkt, aber seine Männer nur selten bei ihren perversen Spielen zurückhält. Nino ist sehr triebgesteuert und sowas wie der Dummkopf der Bande, während Walter (Stefano Cedrati) eher den agilen Muskelprotz spielt. Die Lehrerin Cristina spielt zunächst die standhafte Schutzpatronin, aber als die Verbrecher entdecken, dass sie in Wirklichkeit eine Nonne ist, bröckelt diese Fassade und macht Cristina verletzlicher, auch wenn sie versucht Stärke zu beweisen. Die fünf Mädchen werden z.B. kaum weiter beleuchtet und erfüllen eine reine Opferrolle. Nur eine von ihnen, Matilda (Luisa Maneri), hebt sich etwas hervor, da sie versucht Aldo kennenzulernen und seine Motive hinter allem zu ergründen.

Trotzdem kann man Verflucht zum Töten durchaus eine gewisse dichte Atmosphäre attestieren, gerade weil sich das meiste in den Räumen der Villa abspielt. Die Wirkung eines Last House on the Left erreicht er damit aber zu keinem Zeitpunkt. Baute Wes Craven die Bedrohung für die beiden Mädchen ganz langsam auf und ließ sogar die Gangster langsam in die Handlung einführen, geht es bei Prosperis Film Schlag auf Schlag. Es beginnt gleich mit dem Banküberfall, der allerdings sehr stilisiert inszeniert wurde, indem man vermied die Gesichter der Gangster zu zeigen. Dies wird nur kurz unterbrochen von einigen Szenen, die die Mädchen beim Sonnenbaden an der Villa zeigen, und kurze Zeit später ist die Bande auch schon bei ihnen und der Terror beginnt. Dem Zuschauer wird gerade mal eine kurze Vorstellung der verschiedenen Personen gegönnt, da fallen die Männer auch schon über die Frauen her.

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Das es sich bei Verflucht zum Töten um ein reines Werk des Exploitationkinos handelt, macht sich vor allem dadurch bemerkbar, dass der Terror den Frauen gegenüber im Vordergrund steht. Es gibt drei Vergewaltigungen und einen brutalen Mord in dem Haus, der Aspekt der Rache ist eher der letzte Gegenschlag, um dem Zuschauer noch sowas wie eine gerechte Strafe zu präsentieren. Das der Film dabei aber nicht in pure und billige Sensationsunterhaltung abdriftet, ist der sehr professionellen Inszenierung zu verdanken. Im Gegensatz zu den ersten Erwartungen ist grafische Gewalt kaum vorhanden. Der Mord an der Küchenhilfe ist da schon der bluttriefenste Moment im ganzen Film. Auch werden die Vergewaltigungen nicht sehr explizit gezeigt, denn die eigentliche Tat passiert entweder abseits der Kamera oder wird durch Einstellungen auf die panikerfüllten Gesichter der Opfer suggeriert. Im Gegensatz zu dem, was heutzutage manchmal ab 16 freigegeben wird, wirkt Verflucht zum Töten schon fast harmlos und es erscheint daher ziemlich seltsam, dass dieser Film in Deutschland immer noch als beschlagnahmt gilt. Die Kameraarbeit wirkt sehr durchdacht, die Handlung wurde zum größten Teil sehr schön in Szene gesetzt und mit einigen netten Ideen garniert. Dazu gehören z.B. die erwähnte Anfangssequenz mit dem Banküberfall oder auch die Ankunft der Gangster in dem Haus, wo sie zunächst einer Gruppe maskierter Mädchen gegenüber stehen, da diese gerade das Shakespeare-Stück "Ein Sommernachtstraum" probten. Und die stimmungsvolle Musik von Roberto Pregadio ist eine zusätzliche Bereicherung für den Film, das Stück "Place for the Landing" wurde sogar von Ray Lovelock selbst gesungen. Jahre später wurde das Titelstück des Films noch einmal in dem Semi-Porno Ein Sommer auf dem Lande (u.a. mit Brigitte Lahaie) wiederverwendet.

Zitat

Hör mal Aldo, hast du schon mal mit einer Nonne...?
Nein, ich habe immer nur davon geträumt eine Nonne aufs Kreuz zu legen.

Das der Film aber auf ganzer Länge nicht zu überzeugen weiß, liegt eher an kleinen Mängeln im Drehbuch bzw. am Verlauf der Handlung. Zum Beispiel erscheint es etwas unwahrscheinlich, dass drei Männer, von denen einer in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist und ein anderer ständig am Auto schraubt, sechs Frauen in einem großen Haus immer im Blick haben können. Als es einem Mädchen doch mal gelingt zu fliehen, bleibt es auf seiner Flucht immer wieder mal stehen um sich nach dem Verfolger zu sehen, anstatt konsequent weiter zu rennen und sich einen Vorsprung herauszuarbeiten. Dafür werden durch den Umstand, dass eine Nonne über die Mädchen wacht, noch Elemente aus dem Nunsploitation-Genre mit beigemischt, ohne dabei allerdings zu stark auf irgendwelche religiösen Aspekte einzugehen. Verflucht zum Töten kann man also nicht unbedingt als Meilenstein des Genres bezeichnen. Trotzdem versteht es der Film seine tragenden Handlungselemente effektiv zu nutzen und Prosperi ist somit zumindestens ein düsterer Thriller gelungen, der sich etwas von dem Niveau vergleichbarer und meist reißerischerer Filme abhebt.

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Franco Prosperi war nicht unbedingt der fleißigste unter Italiens Genre-Regisseuren und sollte auch nicht mit dem Prosperi verwechselt werden, der mit Gualtiero Jacopetti eine Reihe von bekannten Mondo-Filmen wie Mondo Cane (1962), Africa Addio (1966) oder Goodbye Uncle Tom (1971) inszenierte. Stattdessen zeichnete er sich z.B. für den Thriller Tote pflastern seinen Weg (Pronto ad uccidere, 1976) verantwortlich, wo er auch zum ersten Mal mit Ray Lovelock zusammenarbeitete. Der ist wiederum ein bekanntes Gesicht im Exploitation-Bereich. So war er in dem Zombie-Knaller Invasion der Zombies (Non si deve profanare il sonno dei morti, 1974), Der Berserker (Milano odia: la polizia non può sparare, 1974), Gewalt rast durch die Stad (Roma violenta, 1975), Eiskalte Typen auf heißen Öfen (Uomini si nasce poliziotti si muore, 1976) oder Fulcis Murder Rock Murderock - uccide a passo di danza, 1984) zu sehen. Florinda Bolkan wird den meisten sicherlich aus dem Nonnen-Reißer Nonnen bis aufs Blut gequält (Flavia, la monaca musulmana, 1974) bekannt sein. Daneben spielte sie auch noch in Fulcis Lizard in a Woman's Skin (Una lucertola con la pelle di donna, 1971) und Don't Torture a Duckling (Non si sevizia un paperino, 1972) oder der erfolgreichen TV-Serie Allein gegen die Mafia (La Piovra) mit.

Bei den Darstellern der Mädchen fällt vor allem Sherry Buchanan auf, die ansonsten noch in (La polizia chiede aiuto, 1974) und Zombies unter Kannibalen (Zombi Holocaust, 1980) zu sehen war. Luisa Maneri trat später noch in Luigi Cozzis Dead Eyes (The Black Cat / Il Gatto Nero, 1989) auf und Laura Trotter erwehrte sich dem Großangriff der Zombies (Incubo sulla città contaminata, 1980). Für die stimmungsvolle Musik zeichnete sich Robertio Pregadio verantwortlich, der schon die Filme Rocco - Ich leg' dich um (L' ultimo killer, 1967), Die Nacht der rollenden Köpfe (Passi di danza su una lama di rasoio, 1973) oder Jess Francos Kannibalentrash Mondo cannibale 3 - Die blonde Göttin (Mondo cannibale, 1980) vertonte.

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Nach der Perle Morte Sospetta di una Minorenne ist Verflucht zum Töten unter seinem Originaltitel La Settima Donna die zweite Ausgabe der "Italien Genre Cinema Collection" von Sazuma. Die Bildqualität ist schlichtweg grandios, auch wenn es hier und da immer wieder mal Szenen gibt, wo das Filmmaterial nicht ganz von Schäden und Verschmutzungen bereinigt werden konnte oder sich leichte Schwankungen in der Farbsättigung bemerkbar machen. Insgesamt ist dies aber vernachlässigbar. An Sprachen gibt es den italienischen Originalton, die deutsche Synchronisation und auch eine englische Synchronisation, die aber seltsamerweise über das Sprachmenü der DVD nicht ausgewählt werden kann, sondern im Film per Fernbedienung aktiviert werden muss. Qualitativ unterscheiden sich die Tonspuren nicht sonderlich, die deutsche klingt nur etwas unsauberer. Bei der deutschen Synchro muss man auch ein wenig aufpassen. Wo Aldos Gehilfen im Original Walter und Nino heißen, wurde im deutschen aus Walter Nino und Nino in Mario umbenannt. Deutsch und Englisch sind dann auch noch als Untertitelspuren verfügbar.

Einen Audiokommentar gibt es diesmal leider nicht. Dafür aber ein 28-minütiges Interview mit Ray Lovelock namens "Holy Beauty vs. the Evil Beasts". Hier erklärt er unter anderem erstmal die Richtigkeit seines Nachnamens, dass er früher eigentlich lieber Profifussballer werden wollte und wie die Atmosphäre beim Drehen des Films war. Ansonsten gibt es nur noch den italienischen und deutschen Trailer, eine kleine Bildergalerie sowie den deutschen "In den Klauen des Schakals" Vorspann, wie der Film auch mal benannt wurde. Gleichzeitig amüsant wie auch makaber ist das Hidden Feature "Let's Rock with Ray", das ein aus Filmszenen zusammengeschnittenes Musikvideo zu Ray Lovelocks Soundtrack-Stück "Place for the Landing" darstellt. Unter dem Titel "Von Nonnen und Schakalen" gibt es dann noch im Bokklet ausführliche Liner Notes von Christian Kessler auf deutsch und englisch. Das wahre Highlight dieser Veröffentlichung verbirgt sich aber auf der zweiten Disc, denn Sazuma ist es gelungen, den Soundtrack zum Film auf einer Audio-CD anbieten zu können, der meines Wissens nach vorher nirgendwo offiziell veröffentlicht wurde. Verpackt ist das alles in einem Digipack, der zudem noch in einem Pappschuber steckt. Wieder einmal eine durch und durch empfehlenswerte DVD!

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 06.04.2007
Letzte Textänderung: 09.04.2007

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