Film Daten

Titel:
Downhill
Originaltitel:
Downhill
Land & Jahr:
England 1927
Regie:
Alfred Hitchcock
Darsteller:
Ivor Novello
Norman McKinnel
Isabel Jeans
Annette Benson
Lilian Braithwaite
Ian Hunter
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

Downhill

Review

Downhill

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

Roddy Berwick (Ivor Novello) ist ein Musterschüler auf seinem britischen College und der ganze Stolz seines Vaters. Ihn verbindet auch eine dicke Freundschaft zu dem eher schüchternen und mit wenig Selbstbewußtsein ausgestatteten Tim Wakely (Robin irvine), mit dem er einmal einen Schwur auf ewige Freundschaft und Loyalität geschworen hat. Die Flirterei mit einem etwas leichten Mädchen wirkt sich negativ aus, da sie ihn eines Verbrechens bezichtigt, das aber in Wirklichkeit Tim begangen hat. Wegen ihrer starken Freundschaft und der Probleme die Tim zuhause erwarten würden, sagt Roddy aber nichts und nimmt in Kauf, dass er dafür der Schule verwiesen wird. Sein Vater ist sehr erbost und Roddy verläßt das elterliche Haus. Er schlägt sich fortan als Statist in einem Pariser Theater durchs Leben und himmelt die bekannte Schauspielerin Julia Fetheringale (Isabel Jeans) an, die an ihm aber kein Interesse zeigt. Dies ändert sich schlagartig, als Roddy von seiner verstorbenen Großmutter 30.000 Pfund erbt. Er und Julia heiraten, aber sie treibt ihn in den Ruin und schmeißt ihn aus der gemeinsamen Wohnung. Sein Niedergang setzt sich immer weiter fort, bis er irgendwo in Marseille im Fieberwahn darniederlegt und auf die letzte Reise Richtung Heimat geht...

"Downhill" ist ein sehr pragmatischer Titel, beschreibt er doch genau was mit Roddy Berwick im gesellschaftlichen und privaten Sinne passieren wird. Eigentlich steht ihm die Welt offen. Er ist erfolgreich in der Schule, beliebt bei seinen Lehrern und sein Vater scheint auch nicht gerade einen niedrigen gesellschaftlichen Status zu haben. Dies alles setzt er aus reiner Loyalität zu seinem Freund aufs Spiel, der nicht selbstbewußt genug ist für seine Tat einzustehen. Zwar zeugt dies von einer enormen Charakterstärke seites Roddy, auf der anderen Seite macht er sich damit alles kaputt. Nachdem er von zuhause weg ist, sieht man ihn wie er auf einer Rolltreppe hinab gleitet zur U-Bahn, im übertragenen Sinne stellt dies aber seinen gesellschaftlichen Weg nach unten dar. Eingeteilt ist der Film in drei Kapitel: "The World of Youth", "The World of Make-Believe" und "The World of Lost Illusions". Die Namen deuten ungefähr an, worum es in dem jeweiligen Abschnitt geht. Das erste Kapitel zeigt das noch unbeschwerte Schulleben, die zaghaften Erfahrungen mit einer Frau und dann ihre Anschuldigung ihm gegenüber. In Kapitel zwei ist Roddy erst Statist, dann steinreich und dann wieder arm. Und der Titel des letzten Kapitels deutet schon an, dass Roddy jeglichen Sinn für sein Leben verloren hat. Er droht als eine von vielen gescheiterten Existenzen arm und einsam seinem Untergang entgegenzugehen.

Zwar hat man es hier mit einem menschlichen Drama zu tun, allerdings vermag der Film nicht so sehr zu fesseln. Er ist mit 82 Minuten relativ kurz, allerdings schleichen sich trotzdem kleinere Längen ein. Es fehlt ein wenig die Identifikation mit Roddy, da der Zuschauer viele Dinge auf den ersten Blick als "schlecht" erkennt und Roddy aber mit riesigen Schritten seinem Unglück entgegenschreitet. Man fragt sich, warum er sich trotz jeder Loyalität zu seinem Freund von der Schule schmeißen läßt, warum er um die Schauspielerin bändelt, die (für den Zuschauer) auf den ersten Blick als eine typische oberflächliche Diva zu erkennen ist, für die nur ihr persönlicher Vorteil zählt. Irgendwo tut Roddy einem leid, auf der anderen Seite aber auch nicht, da er sich selber konsequent in sein eigenes Unglück stürzt.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 11.02.2004

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