Film Daten

Titel:
Hellboy
Originaltitel:
Hellboy
Land & Jahr:
USA 2004
Regie:
Guillermo del Toro
Darsteller:
Ron Perlman
John Hurt
Selma Blair
Rupert Evans
Karel Roden
Jeffrey Tambor
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

Hellboy

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

Als die Nazis im Zweiten Weltkrieg mit Hilfe Rasputins (Karel Roden) versuchen ein Dimensionstor zu öffnen, kann das amerikanische Militär noch rechtzeitig eingreifen und schlimmeres verhindern. Aber ein kleines Wesen kommt durch, das fortan nur "Hellboy" genannt wird. Sprung in die Gegenwart: Hellboy (Ron Perlman) lebt in einem geheimen Versteck und wird von Trevor Bruttenholm (John Hurt) betreut. Hellboy wird vor allem im Kampf gegen andere Monster eingesetzt, die hin und wieder mal in den USA auftauchen. Der junge FBI-Agent John Myers (Rupert Evans) wird ihm als neuer Kollege zur Seite gestellt und bevor der sich versieht steckt er mitten im Geschehen, als in einem Museum ein fieses Ungeheuer auftaucht, gegen das Hellboy antreten muss. Scheinbar ist Rasputin von den Toten wiedererweckt worden und versucht nun seine Aufgabe weiterzuführen, die er während des Weltkrieges nicht vollenden konnte...

Eins vorweg: Ich kenne keine einzige Ausgabe der Hellboy-Comics, kann also nichts dazu sagen, ob die Vorlage gut umgesetzt wurde oder nicht. Aber auch ohne Kenntnis der Comics bietet der Film "Hellboy" recht coole Fantasy-Action-Unterhaltung, die gerade zum Ende hin einen leichten lovecraftschen Touch bekommt, was den Streifen nochmals interessanter macht. Außerdem konzentriert sich der Film nicht nur auf eine lose Aneinanderreihung von Actionszenen, sondern läßt zwischendurch auch mal etwas Luft die Person Hellboy etwas genauer zu porträtieren. Grandios verkörpert Ron Perlman den Hellboy und bietet eine wirklich coole Darstellung des Charakters und hat dabei immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Zwar hat die Handlung so ihre kleinen Mängel, manche Elemente sind nicht wirklich gut ausgearbeitet, aber hier besteht noch die Hoffnung, dass das der Director's Cut dies besser darzustellen weiß.

Eine Sache würde mich aber doch noch interessieren: woher die blonde Nazidame, die Rasputin assistiert und ihn vergöttert, ihren Namen her hat. Kommt dies wirklich aus den Comics und war einer der am Film Beteiligten ein Fan von Exploitationfilmen? Denn die gute Frau hört auf den Namen Ilsa... ;)

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 21.09.2004

Leser-Kommentare

15.05.2007, 17:13:15 Dietmar Kesten

HELLBOY

EIN ZUG NACH NIRGENDWO

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 6. MAI 2007.

Comicverfilmungen sind auf den Hund gekommen. Sie bieten nur eine Rezeptur für das Mainstream-Kino an. Ein Eintauchen in eine höhere Weisheit ist mit ihnen nicht zu haben. Es sei denn, man findet Gefallen an diesen Abenteuern und Erlebnissen. Die Philosophie von „Hellboy“ (Regie: Guillermo Del Toro, 2003) ist die von „Blade“ (Regie: Stephen Norrington, 1998) oder „X-Men“ (Regie: Bryan Singer, 2000). „Hellboy“ (Ron Perlman), der mythische Held, schält sich förmlich aus der Dunkelheit heraus, aus der Wagenburg des Unerklärlichen und der Dämonisierung der Umwelt. Da der Weltuntergang bevorsteht, oder sich bereits angekündigt hat, muss er gegen all das kämpfen, was sich ihm in den Weg stellt.

Am Anfang steht die Geburt eines Helden, wie es immer in den Comic-Geschichten war. Hier wird zurückgegangen auf das Jahr 1944. Auf einer Insel vor Schottlands Küste treffen sich Vertreter des Thule-Ordens und neugermanische Okkultisten in einer verfallenen Kirche, um die Apokalypse und die alten Rituale zu beschwören. Ein Chaosgott soll aus dem Schlaf erweckt und durch ein Portal auf den Planeten Erde geholt werden. Rasputin taucht wie aus dem Nichts auf. Alliierte Einheiten beseitigen ihn und er wird durch ein riesiges Tor in eine andere Welt geschleudert. Dieses bleibt jedoch lange genug offen, damit eine weitere Kreatur aus der Dimension der Hölle auf die Erde gelangen kann: Ein Teufel mit einem verhärteten Arm, der Lust auf Schokoriegel hat.

Der Parapsychologe Brutterholm (John Hurt) nimmt sich seiner an und rekrutiert ihn für das FBI. Sein Name: „Hellboy“. Nach einigen Jahrzehnten ist er stark und muskulös geworden, ist gerne Pfannkuchen und raucht Zigarren, und umgibt sich gerne mit Katzen. Seine Liebe Liz Sherman (Selma Blair) umgarnt er regelmäßig. Das Leben seines Erziehers Brutterholm neigt sich eines Tages dem Ende entgegen, worauf schon John Myers (Rupert Evans) wartet. Er lernt „Hellboy“ kennen, der sich aber keinen „zweiten Vater“ wünscht. Nun tritt wieder Rasputin (Karel Roden) auf den Plan, der von einer Nazi-Schergin und einem Vertreter des Thule-Ordens wie aus dem Nichts zurückgeholt wird. Das Wissen von „Hellboy“ soll benutzt werden, um der Menschheit gigantische Tektakel zu bringen. Zum Ende des Films, an dem die Beherrschung zerstörerischer Kräfte stehen soll und heilsbringende und menschenrettende Fähigkeiten, kommt es zu langen Action-Sequenzen mit dem üblichen Zerstörungswahn.

Inmitten dieses peinsamen und peinlichen Filmstücks der Dummheiten, erlebt man eine Geschichte, die nur dem reinen Selbstzweck dient. Hier wird alles ohne Sinn und Verstand zu einem Einheitsbrei aus Okkultismus, Zombie-Kreaturen, Dämonen, historischen Figuren und paranormalen Zeremonien eingerührt. Vor diesem Film steht das hilflose Unverständnis. Natürlich dürfen die obligatorischen Prügelszenen und eine biedere Love-Story mit „Hellboy“ nicht fehlen. Aber das allein ist es nicht, was den Film generell in Frage stellt. Es ist vielmehr der sorglose Umgang mit den Nazis. Und vor allem deren Wiederbelebung als Film-Bösewichte. Das Spiel mit der Apokalypse kann als Kotau vor aktuellen gesellschaftlichen Szenarien verstanden werden.

Mit „Hellboy“ breitet sich eine Form des Possenspiels, gestrickt aus okkulten Denkmustern und nebulöser Irrationalität aus, was nicht unerwähnt bleiben sollte.

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