Film Daten

Titel:
Dawn of the Dead
Originaltitel:
Dawn of the Dead
Land & Jahr:
USA 1978
Laufzeit ca.: ?
140 Min.
Regie:
George A. Romero
Darsteller:
David Emge
Ken Foree
Scott H. Reiniger
Gaylen Ross
David Crawford
David Early
Richard France
Howard Smith
Daniel Dietrich
Fred Baker
James A. Baffico
Rod Stouffer
Jesse Del Gre
Clayton McKinnon
John Rice
Alternativtitel:
• Zombie
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Anchor Bay Entertainment
Label:
Anchor Bay Entertainment
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 126:50
1.85:1 / 139:11
1.85:1 / 118:54
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 1.0
Englisch - Dolby Surround
Englisch - DD 5.1
Englisch - DTS
Untertitel:
-
Extras:
  • Audiokommentar von George A. Romero, Tom Savini und Chris Romero
  • Audiokommentar von Richard Rubinstein
  • Audiokommentar von David Emge, Ken Foree, Scott H. Reiniger, Gaylen Ross
  • Dokumentation "The Dead Will Walk"
  • Dokumentation "Document of the Dead"
  • On-Set Home Movies
  • Monroeville Mall Tour
  • Monroeville Mall Commercial
  • 5 Trailer
  • 5 TV-Spots
  • 9 Radio-Spots
  • 9 Bildergalerien
  • Biographie von George A. Romero
  • Biographie von Dario Argento
  • Comic-Buch Preview
  • Comic-Adaption als Booklet
  • 4 Hidden Features

Dawn of the Dead

Review

Dawn of the Dead - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Die Apokalypse ist über die Welt hereingebrochen. Menschen werden von umherwandelnden Untoten getötet und erwachen selber als fleischfressende Zombies wieder zum Leben. Roger und Peter (Scott H. Reiniger, Ken Foree), beide Polizisten einer Spezialeinheit, sowie das Pärchen Francine und Stephen (Gaylen Ross, David Emge) versuchen mit einem Hubschrauber in ruhigere Gefilde zu gelangen und machen einen Stop auf dem Dach eines riesigen Einkaufzentrums. Da sich aber außer ihnen und etlichen Zombies keine Menschenseele dort befindet, machen sie es sich in dem Gebäude gemütlich, da sie durch die unzähligen Geschäfte mit allem versorgt sind was sie brauchen. Die Situation spitzt sich allerdings zu, als für die schwangere Francine die Lage mit der Zeit immer beschwerlicher wird und Roger von Zombies gebissen wird und nicht mehr lange zu leben hat. Außerdem werden sie von einer Rockerbande entdeckt, die das Zentrum stürmen wollen...

Zitat

When there's no more room in hell - the dead will walk the earth.

Das wohl berühmteste Zitat des modernen Horrorfilms ist nur ein kleines Detail in der Erfolgsgeschichte von George Romeros zweitem Zombie-Film Dawn of the Dead, der 10 Jahre nach seinem Debütfilmklassiker Night of the Living Dead (Die Nacht der lebenden Toten) entstand. Auch wenn zwischen der Entstehung beider Filme einige Jahre liegen, so spielt doch die Handlung in Dawn of the Dead nur wenigen Wochen nach denen aus Night of the Living Dead. Die Zombies haben sich noch stärker über das Land ausgebreitet, die herrschende Weltordnung droht zu kippen, überall herrscht Chaos. Stellvertretend dafür wird der Film mit Szenen aus einem TV-Aufnahmestudio eingeleitet, in der ein Professor seine radikalen Ansichten über die Plage ausläßt. Damit stößt er natürlich auf wenig Gegenliebe und das komplette Studiopersonal dreht durch. In diesem Tumult ist Francine eine der wenigen, die einen einigermaßen kühlen Kopf behält.

Dawn of the Dead - ScreenshotDawn of the Dead - Screenshot

Trotzdem schlägt sie zusammen mit Stephen die Flucht ein, der in seinem Hubschrauber noch Roger und Peter mitnimmt. Mit der Landung auf dem Einkaufszentrum beginnt für sie sozusagen ein neues Leben. Das Kaufhaus wird zu einem Mikrokosmos, der stellvertretend für die gesamte Welt steht. Auch wenn sie sich zunächst einigermaßen mit der Situation arrangieren und auch endlich auch wieder ein wenig zur Ruhe kommen, so gibt es doch Probleme. Da wären zunächst natürlich die Zombies, mit denen sie aber noch einigermaßen fertig werden, dank der Kampfausbildung von Roger und Peter. Über Luftschächte können sie unbemerkt zu den verschiedenen Plätzen im Kaufhaus gelangen. Schließlich verbarrikadieren sie die Türen und töten alle im Kaufhaus befindlichen Zombies, was ihnen wieder Luft zum Atmen bringt und keine Gefahr mehr innerhalb des Gebäudes. Gefährlich wird es nur, sobald sie sich von dem Gebäude entfernen. Beim Zuparken der Tore durch LKWs wird Roger durch eine leichtsinnige Aktion gebissen und erkrankt schwer. Die Welt "draußen" ist für sie mit tödlichen Gefahren gespickt. Die Welt "drinnen" birgt zwar keine Gefahren durch die Untoten, aber ist gekennzeichnet durch Eintönigkeit, wenig Abwechslung und den totalen Verlust jeglicher Kontakte nach draußen. Die TV- und Radiosender senden irgendwann nichts mehr, die nationale Lage ist den Vieren vollkommen ungewiss, alte Werte zählen nichts mehr. So wird anfangs mit einem breiten Grinsen die Bank im Gebäude leergeräumt, später sind die Scheine nur Spielgeld um eine Pokerpartie ein wenig interessanter zu gestalten.

In so einer Situation neigt man dann zu seltsamen Aktionen, die wieder ein wenig Normalität in den Alltag bringen sollen. Man geht ausgiebig einkaufen, spielt an Videoautomaten und Peter bereitet im späteren Verlauf ein Dinner für Stephen und Francine vor, damit sie wieder mal sowas wie einen romantischen Abend zu zweit haben können. Dies sind alles Zeichen dafür, dass man die alte Zivilisation nicht aufgeben möchte und auf ein Ende der Lage hofft. Diese seltsame Form einer Idylle wird schließlich von einer weiteren Gefahr von "draußen" durchbrochen. Eine Bande von brutalen Rockern entdeckt, dass sich Menschen in dem Kaufhaus befinden und starten einen Plünderungsfeldzug. Dadurch brechen auch die Zombies wieder herein und beide Gefahrenquellen stellen eine massive Bedrohung für die verbleibenden Menschen in dem Kaufhaus dar.

Dawn of the Dead - ScreenshotDawn of the Dead - Screenshot

Die vier Menschen kann man in zwei Gruppen einteilen. Da wäre zunächst das Pärchen Stephen und Francine, deren Beziehung im weiteren Verlauf derbe Risse bekommt. Sie ist schwanger, möchte aber von den anderen deswegen nicht gesondert behandelt werden, sondern über alles im Bilde sein, was vor sich geht. Außerdem fordert sie von Stephen, dass er ihr beibringt wie man den Helikopter bedient, für den Fall, dass er einmal sterben sollte. Fran ist deutlich selbstbewußter als Barbara in Night of the Living Dead, die das typische beschützenswerte weibliche Opfer darstellte, kann aber trotzdem ohne die Männer nicht überleben. Die andere Partei besteht aus Roger und Peter. Zwei Polizisten, deren Kampferfahrung sich sehr bezahlbar macht für das weiteren Überleben aller. Allerdings steigert sich Roger mit der Zeit in eine Art Jagdfieber und wird immer risikobereiter. Trotzdem haben beide freundschaftlichen Respekt voreinander und verstehen sich durch ihre Ausbildung auch in hektischen Situationen blind und können die Lage besser einschätzen als z.B. Stephen.

Waren die Zombies in Night of the Living Dead noch das Zeichen für eine turbulente Welt, eine Spiegelung der chaotischen 60er Jahre, so stellen sie in Dawn of the Dead die "große anonyme Masse" der Bevölkerung dar. Materialismus und Konsumvergnügen haben Einzug gefunden in den Alltag der Menschen und die Monroeville Mall war eine der ersten großen Einkaufszentren im ganzen Land. Damals war dies ein vollkommen neues Konzept des Einkaufens und bei weitem nicht so verbreitet wie heutzutage. Auf Frans Frage an Peter, warum sich die Zombies ausgerechnet bei der Mall aufhalten, entgegnet er, dass dies etwas wichtiges in ihrem alten Leben war, an das sie sich erinnern. Nach diesem Film ist das Konsumdenken bereits so im Menschen festgesetzt, dass er auch nach seinem Tode dies Denken weiterführen will. Damit nahm Romero die amerikanische Mittelschicht aufs Korn, für die der wöchentliche Großeinkauf mittlerweile zu einer Art Ritual geworden war.

Dawn of the Dead - ScreenshotDawn of the Dead - Screenshot

Dawn of the Dead ist dadurch nicht vollkommen als ein reiner Horrorfilm klassifizierbar. Zwar knüpft er an Night of the Living Dead an und die Untoten sind ohne Frage ein klassisches Element des Horrorkinos, aber unter dieser Oberfläche liegt doch noch eine ganz andere Ebene. Es geht um Menschen in einer Extremsituation, wie sie sich untereinader verhalten, welche Verhaltensweisen sie an den Tag legen, wie sich jeder einzelne mit der Situation zurechtfindet. Untote wie auch die Rockerbande sind Symbole für eine Bedrohung, die auf ein abgeschlossenen und isolierten Bereich einwirken, wo mit keiner weiteren Hilfe zu rechnen ist. Die paar Menschen müssen mit den gegebenen Mitteln versuchen um ihr Überleben zu kämpfen und können auf keine weitere Unterstützung hoffen.

Auch wenn der Film ein recht düsteres Thema behandelt, so hat doch ein feiner Hauch schwarzen Humors Einzug in das Geschehen gefunden, zumindestens in der amerikanischen Kinofassung (zu den verschiedenen Fassungen später mehr). Neben dem Soundtrack der italienischen Band Goblin wurden auch Stücke und Soundeffekte genutzt, die in Amerika als "Public Domain", als ohne Lizenzgebühren nutzbar galten. Daher sind in Dawn of the Dead unter anderem Musikstücke zu hören, die man eher in einem alten Science Fiction Trashfilm oder billigen Komödien erwarten würde. Aber auf eine gewisse Art und Weise unterstreichen diese Sounds nur noch das Groteske der Situation und man kommt nicht umhin, ab und an zu schmunzeln, auch wenn die Gesamtstimmung des Films eher düster und pessimistisch erscheint. Hervorzuheben wären da z.B. die Musik während der Aufnahmen der Jagdgruppen auf dem Lande, die belustigende Musik, als überall im Gebäude der Strom angeschaltet wird oder der afrikanische angehauchte Soundtrack, als Peter und Stephen in dem Waffengeschäft Gewehre und Munition einsammeln.

Dawn of the Dead - ScreenshotDawn of the Dead - Screenshot

Hier liegt allerdings auch wohl der größte Knackpunkt des Films, der aber mit den heutigen Sehgewohnheiten zu tun hat. Auch wenn die Public Domain Musik dem Film auf der einen Seite etwas Humor verleiht, auf der anderen Seite wirkt sie dagegen manchmal unfreiwillig komisch. Dieser Eindruck wird bei dem Aussehen von manchen der Zombies noch fortgeführt. Dawn of the Dead entstand 1978 mit einem vergleichsweise niedrigem Budget. Im Gegensatz zu den italienischen Zombies, die im Soge des Erfolgs dieses Films bald die Leinwand bevölkern sollten, sind hier die Zombi-Darsteller einfach nur blau-grau angemalt und wirken bei weitem nicht so zerfleddert und vermodert wie z.B. in Lucio Fulcis Zombi 2 (Woodoo - Schreckensinsel der Zombies) oder auch Romeros eigenem Day of the Dead. Der Hare Krishna Zombie ist mittlerweile im Horrorgenre bekannt, aber man kommt nicht umhin ein wenig zu lachen, wenn man ihn das erste Mal erblickt.

Dies macht den Film aber auch auf seine Art einzigartig. Während in den ganzen Zombiefilmen, die danach in die Kinos kamen, einfach nur Herscharen von Untoten zeigten, so haben doch die meisten Zombies in Dawn of the Dead sowas wie "Charakter". Man erkennt sie sofort innerhalb der großen Masse. Da wären z.B. der Glatzkopf mit dem Holzfällerhemd am Flughafen, die Zombie-Krankenschwester, die Zombie-Nonne und viele andere. Andere markante Zombies der späteren Filmgeschichte währen allesfalls noch Bub aus Day of the Dead, der sich aus dem Laub erhebende Zombie aus Fulcis Zombi 2 oder evtl. noch Catherine aus Jean Rollins La Morte vivante.

Dawn of the Dead - ScreenshotDawn of the Dead - Screenshot

Ursprünglich war auch ein erheblich düsteres Ende angedacht gewesen. Das sah so aus, dass Peter von Zombie-Massen angegriffen wird und erschießt, damit er nicht selber wieder als Untoter erwacht und umherwandelt. Die im Hubschrauber wartende Fran erkennt schließlich, dass sie die einzige Überlebende ist und hält ihren Kopf kurzerhand in die Rotorblätter des Hubschraubers. George A. Romero entschied sich aber dafür, die beiden nach all den Strapazen leben zu lassen.

Ein Freund, dem Monroeville Mall gehörte, lud George A. Romero zu einer Führung in dem großen Einkaufsgebäude ein und dort kam ihm dann die Idee zu einem Sequel zu Night of the Living Dead. Was würde sich in so einem Gebäude abspielen, wenn eine Katastrophe hereinbricht, zum Beispiel Zombies? Diese Frage stellte er sich und das war der Initialpunkt für Dawn of the Dead. Während der Dreharbeiten zu Martin besuchte ihn Dario Argento, der sich gerade auf Promotiontour für seinen Suspiria in den USA aufhielt und bekundete ebenfalls Interesse an einem weiteren Zombiefilm, wodurch schließlich die Zusammenarbeit der beiden Regisseure zustande kam. Argento lud Romero und seine Frau Christine nach Rom ein, wo Romero das Drehbuch zu dem Film schrieb. Zurück in den USA richtete er es ein, dass er die Mall in der Zeit von 23 Uhr abends bis 7 Uhr morgens und an den Wochenenden nutzen durfte, also außerhalb der normalen Geschäftszeiten, denn ansonsten wäre das Projekt nie zu realisieren gewesen.

Dawn of the Dead - ScreenshotDawn of the Dead - Screenshot

Für die ersten Drehtage nahm man sich vor allem die Szenen vor, die nicht in der Mall spielten, da sie nicht sofort in das Gebäude rein konnten, sondern erst später. Selbst Romeros alte Firma "Latent Image" kam wieder zum Einsatz, denn das Dach des Gebäudes das zu Anfang gestürmt wird, war das Dach des Firmengebäudes von "Latent Image". Die Dialoge im Hubschrauber und Frans Training wurden in einer Garage gedreht. Das TV-Studio am Anfang war ein lokales Studio in Pittsburg, George Romero und seine Frau Christine haben hier einen kleinen Cameo-Auftritt ganz zu Anfang als Produktionsleiter. Als sie schließlich mit den Dreharbeiten innerhalb der Mall beginnen konnten, hatten sie mit anderen Problemen zu kämpfen. Manche Shop-Besitzer wollten nicht, dass ihr Geschäft im Film zu sehen ist, also musste so gedreht werden, dass nach Möglichkeit diese Geschäfte nie im Sichtbereich der Kamera waren. An Freiwillige für die Zombies zu kommen, war hingegen das allerkleinste Problem. Durch Night of the Living Dead und die nachfolgenden Filme Romeros war er in Pittsburg bekannt und viele wollten liebend gerne einmal als Zombie in seinem neusten Film auftreten und auf möglichst kreative Art sterben. Einige der Zombie-Darsteller gingen nach den Dreharbeiten sogar im vollen Make-Up einen trinken!

Zwischen Night of the Living Dead und Dawn of the Dead drehte Romero noch die Filme There's Always Vanilla, The Crazies, Season of the Witch, zwei TV-Produktionen und seine moderne Vampirvariante Martin. Während The Crazies und Martin noch einigermaßen bekannt geworden sind, so kann man die anderen beiden Filme eher als Low-Budget Experimente betrachten, die auch keine große Aufführungen in Kinos oder ähnlichem hatten. Die Produktion übernahm Richard P. Rubinstein, der seit 1973 viele der von Romero inszenierten Filme produziert hat, aber auch andere Werke wie z.B. den von Mary Lambert gedrehten Pet Cemetary (Friedhof der Kuscheltiere) oder die TV-Miniserien Dune und Children of Dune. Die Kamera bediente Michael Gornick, der als Kameramann ausschließlich für Romero von Martin bis Day of the Dead tätig war.

Dawn of the Dead - ScreenshotDawn of the Dead - Screenshot

Ken Foree war eigentlich eine Entdeckung Romeros, denn der hatte davor nur in einem Film mitgespielt. Danach sah man ihn noch in Romeros Knightriders, Stuart Gordons From Beyond, in Leatherface: Texas Chainsaw Massacre III und kam zuletzt unter anderem für Rob Zombie in seinem Haus der 1000 Leichen (House of 1000 Corpses, 2003) Sequel The Devil's Rejects zum Einsatz. Seinen bekannten Satz "When there's no more room in hell..." durfte er in einem Cameo-Auftritt in dem Dawn of the Dead Remake erneut aufsagen. David Emge kann auf eine mehr als übersichtliche Filmographie zurückblicken, denn außer Dawn of the Dead hat er nur noch in drei weiteren Filmen mitgespielt. Ebenso Scott H. Reiniger, der ebenfalls einen Cameo-Auftritt im Remake machen durfte, und Gaylen Ross, die immerhin noch als Regisseurin für ein paar TV-Produktionen arbeitete. An Auszeichnungen hat Dawn of the Dead nur einen Preis gewonnen und das kurioserweise auch noch in Deutschland, nämlich die "Goldene Leinwand" im Jahre 1980.

Dabei gingen Romero und Produzent Richard Rubinstein ein ziemliches Risiko mit dem Vertrieb in den USA ein. Ihnen war bewußt, dass der Film nur dann den größten Erfolg haben wird, wenn man ihn ohne Schnitte in die Kinos bringt. Die meisten der Vertriebe lehnten dies aber ab und wollten eine gekürzte R-Rated Fassung haben. Zur damaligen Zeit lief es noch so ab, dass ein Film wie Dawn of the Dead ein "X-Rating" bekommen hätte, was ihn auf eine Stufe mit Pornos stellen würde und daher weder beworben werden durfte und nur in ganz wenigen Kinos anlaufen konnte. Anstatt also auf einige finanziell lukrative Angebote einzugehen, entschieden sie sich für den Vertrieb, der ihnen zwar das wenigste bot, aber nicht davor zurückscheute den Film in seiner ungekürzten Form in die Kinos zu bringen. Dies Wagnis zahlte sich aus, denn Dawn of the Dead war sehr erfolgreich und bekam sogar zumeist positive Kritiken.

Dawn of the Dead - ScreenshotDawn of the Dead - Screenshot

Nun zu den verschiedenen Schnittfassungen. Von dem Film gibt es allein in Deutschland mittlerweile so viele Versionen, dass man schon lange nicht mehr den Überblick behalten kann. Dehnt man die Betrachtung auf den internationalen Markt aus, dann kann man kaum noch sagen, welche Fassung denn nun identisch zur Originalfassung von George A. Romero ist. Dabei gibt es eigentlich nur zwei ganz offizielle Versionen: die amerikanische Kinoversion und die gemeinhin als "Eurocut" bekannte europäische Version, die Dario Argento erstellte. Diese beiden Fassungen unterscheiden sich in Details grundlegend. Bei der US-Version ist die Charakterentwicklung sehr viel ausführlicher. Man lernt vor allem eine Menge über Stephen und Fran und ihre Beziehung kennen, außerdem kommt das freundschaftliche Verhältnis zwischen Roger und Peter auch besser hervor. Dario Argento straffte beim Schneiden der europäischen Version einige Sequenzen, ließ manches komplett weg und fügte dafür Elemente ein, die in der Endfassung der US-Version nicht verwendet wurden. Hier litt vor allem die Darstellung der zwischenmenschlichen Beziehungen, aus den vier Persönlichkeiten mit einer gewissen Tiefe wurden einfach nur vier Menschen die ums Überleben kämpfen und über die man nicht mehr sehr viel erfährt. Der Start aus der Stadt mit dem Hubschrauber und die Sequenz auf dem kleinen Flughafen wurden deutlich verkürzt, teilweise so stark, dass die Schnitte etwas holprig erscheinen, selbst wenn man die US-Version nicht kennen würde.

Eine weitere elementare Änderung liegt beim Soundtrack vor. Die Public Domain Stücke und Effekte wurden komplett entfernt und durch ernsthaftere Kompositionen ersetzt, die den schwarzhumorigen Aspekt des Films völlig ausmerzen und dem Film einen sehr ernsthaften und noch düsteren Ton verleihen. Aus persönlicher Betrachtung heraus, wirkt die US-Kinofassung deutlich "runder". Die Schnitte zwischen einzelnen Szenen sind handwerklich besser ausgeführt, die Charaktere haben deutlich mehr Tiefgang und manche Sequenzen wirken in ihrer längeren Form einfach deutlich besser. Als die europäische Version in Großbritannien der BBFC vorgelegt wurde, verlangten sie eine gute halbe Stunde an Kürzungen. Als George Romero seine Kinofassung vorlegte, waren es nur noch knapp 2 Minuten, da der Kontext und die eigentliche Absicht der Geschichte viel klarer zu erkennen war und der Humor auch besser durchkam.

Dawn of the Dead - ScreenshotDawn of the Dead - Screenshot

Daneben, und mit der US-DVD von Anchor Bay nun auch erhältlich, gibt es noch eine sogenannte "Extended Version". Dies ist im Prinzip die amerikanische Kinofassung in einer 12 Minuten längeren Form und noch mit einem provisorischen Soundtrack versehen. Diese Fassung war diejenige, die in den ersten Previews in Cannes gezeigt wurde und mit der man den Film an einen Vertrieb verkaufen wollte. Hier sind ein paar Sequenzen etwas länger als in der Kinofassung. So z.B. die mit der Gruppe von Polizisten am Hubschrauber-Flughafen, die ein Boot beladen, mit dem sie auf eine Insel wollen. Außerdem ist der Dialog zwischen Fran und Peter während des Hubschrauberfluges etwas länger, ebenso ein Dialog zwischen Fran und Stephen über die Schwangerschaft (nachdem Peter die Möglichkeit einer Abtreibung erwähnte). Ebenfalls etwas länger und auch anders geschnitten ist die "Einkaufsbummel"-Sequenz im mittlerweile befreiten Kaufhaus sowie die Darstellung der Beziehung zwischen Fran und Stephen. Und als die Rocker das Gebäude stürmen gibt es ein paar mehr Gore-Szenen zu sehen.

Wer auf die deutsche Synchronisation keinen Wert legt, der kann sich endlich mit nur einer DVD-Edition zufrieden geben. Anchor Bay, die bereits früher den Film auf DVD herausgebracht haben, bietet mit der "Dawn of the Dead Ultimate Edition" das komplette Paket an. Neben der amerikanischen Kinofassung und der europäischen Version gibt es noch die "Extended Version", sowie auf einer vierten DVD zwei umfangreiche Dokumentationen. Die Bildqualität ist bei allen drei Filmversionen atemberaubend gut, in so exzellenter Form hat man den Film wirklich noch nie gesehen. Es wurde das Maximum an Schärfe aus dem Ursprungsmaterial herausgeholt, die Farben wirken satt und natürlich und durch den Kontrast läßt sich selbst in dunklen Szenen noch viel erkennen.

Dawn of the Dead - ScreenshotDawn of the Dead - Screenshot

Auch im Tonbereich wird einiges geboten. Bei der Kinofassung gibt es neben dem original Monoton für Puristen eine 2.0 Stereo sowie zwei ganz neue Dolby Digital 5.1 und DTS Abmischungen. Die beiden letztgenannten unterscheiden sich aber nicht großartig voneinander. Aber beiden gelingt es, die Atmosphäre des Films noch weiter zu unterstützen. Die hinteren Lautsprecher werden aber eher wenig genutzt, zumeist für kleinere Effekte oder Musik. Die Extended Version hingegen bietet nur den original Monoton, neue Abmischungen gibt es dafür nicht. Und die europäische Version bietet neben Mono- und Stereoton ebenfalls eine neue 5.1 Abmischung, allerdings kein DTS. Hier ist der Ton aber qualitativ nicht ganz so gut wie bei der Kinofassung, manchmal wirds doch arg dumpf und von der 5.1 Abmischung merkt man nicht viel, da die hinteren Lautsprecher meistens zuhig bleiben. Untertitel gibt es bei allen drei Versionen nicht.

Zu jeder Fassung gibt es dann auch jeweils einen Audiokommentar. Zu der Kinofassung sprechen George A. Romero, Tom Savini und Romeros Frau Christine, die während der Produktion des Films auch als Regieassistentin aktiv beteiligt war. Moderiert wird der Kommentar von Perry Martin, der für die Produktion der DVD mitverantwortlich ist. In diesem höchst informativen Kommentar besprechen die drei sehr viele Aspekte des Films und der Dreharbeiten. Dabei kommt auch ein angedachter (und mittlerweile doch in der Produktion befindlicher) vierter Untoten-Film zur Sprache, von dem Romero behauptet, dass ein Drehbuch bereits existiert. Während des Kommentars erwähnt Savini sogar einmal das deutsche Buch von Frank Koenig, als er kurz auf Filmfehler zu sprechen kommt. Der Kommentar zur Extended Version wird von produzent Richard Rubinstein gesprochen und ebenfalls von Perry Martin moderiert. Auch wenn dieser Kommentar ein wenig trocken geraten ist, so wird der Film logischerweise vor allem von der Seite des Produzenten aus beschreiben, die Probleme bei den Dreharbeiten und der späteren Vermarktung. Er geht unter anderem aber auch ein wenig auf das 2004-Remake von Zack Snyder ein und begründet, was ihm daran nicht gefiel. Außerdem läßt er sich auch ein wenig über Raubkopierer aus. Der Kommentar bei Eurocut von den vier Hauptdarstellern ist leider von der informativen Seite gesehen eine Enttäuschung. Auch wenn alle vier bestens aufgelegtsind, so begnügen sie sich doch größtenteils nur damit, das Geschehen im Film zu kommentieren und geben nur relativ wenige Informationen über die Dreharbeiten an sich preis.

Dawn of the Dead - ScreenshotDawn of the Dead - Screenshot

Die weiteren Extras auf den drei Film-DVDs sind eher spartanisch ausgefallen. Zu der US-Kinofassung gibt es zwei US-Trailer, drei TV-Spots, neun Radio-Spots, eine Galerie mit Postern und Werbematerial, eine Biographie von George A. Romero und eine kurze Preview-Ankündigung einer Comicbuch-Umsetzung. Bei dem "Extended Cut" wird ein TV-Werbespot für die Monroevill Mall ("Big Time Shopping is here!") und drei umfangreiche Bildergalerien angeboten. Die erste Galerie zeigt Filmfotos, die zweite Behind-the-Scenes Aufnahmen und die dritte Memorabilia. Und bei der europäischen Version gibt es den italienischen Trailer (aber mit englischem Ton), der deutliche mehr Gore zeigt als die US-Trailer, und sogar zwei deutsche Trailer, von denen der zweite auch nicht unbedingt unblutig ist. Dann gibt es noch zwei TV-Spots aus Großbritannien, eine Dario Argento Biographie und fünf Bildergalerien: Poster, Aushangsfotos, Pressebücher, Soundtracks und Videocover.

Auf DVD Nummer vier gibt es gleich zwei längere Dokumentationen. Zum einen die schon bekannte und bereits 1989 produzierte Document of the Dead von Roy Frumkes. Diese wurde von Synapse Films lizensiert, die die Dokumentation schon vor einiger Zeit separat auf DVD veröffentlicht haben. Hierbei handelt es sich um das Projekt einer Studentengruppe, die für ein Wochenende bei den Dreharbeiten zu Dawn of the Dead dabei sein durfte. Die Dokumentation wurde dann 10 Jahre später abgeschlossen, nachdem Romero ein zweites Mal bei den Arbeiten zu seiner Episode von Two Evil Eyes besucht wurde. Diese Dokumentation beschäftigt sich aber nicht nur ausschließlich mit Dawn of the Dead, sondern auch mit Romeros Art Filme zu drehen und bietet daher auch Ausschnitte aus seinen Filmen Night of the Living Dead, Martin und Monkey Shines. Die Dokumentation ist natürlich nicht wie eine professionelle Produktion inszeniert, bietet aber ein paar interessante Informationen. Die Bild- und Tonqualität ist daher auch nicht die optimalste.

Dawn of the Dead - ScreenshotDawn of the Dead - Screenshot

Ganz anders dagegen die Dokumentation The Dead Will Walk, die eigens für die DVD produziert wurde. Hier kommen neben George Romero (mit einer riesigen Brille auf der Nase), seine Frau Christine und Tom Savini auch die vier Hauptdarsteller, Dario Argento und sogar die Darsteller von kleineren Zombierollen wie die "Zombie-Krankenschwester" oder der "Hubschrauber-Zombie" zu Wort. Diese Doku beleuchtet den Film von seinen Anfängen als Idee in Romeros Kopf, über die Dreharbeiten und die Produktion bis hin zum Release in den Kinos und bietet viele interessante Informationen. Daneben gibt es noch ca. 13 Minuten an "Home-Made Movies" von dem Zombie-Darsteller Robert Langer, der damals mit seinem Bruder mit einer privaten Videokamera die Dreharbeiten festhielt. Da es keinen Ton dazu gibt, spricht Langer in einem Audiokommentar von den Dreharbeiten, was auch durchaus interessant ist. Der letzte Punkt ist die "Monroeville Mall Tour", wo eine Horde von Fans zusammen mit Ken Foree, David Emge und ein paar der Zombie-Darsteller aus der The Dead Will Walk Doku die Mall nach vielen Jahren wieder besuchen. Die Mall hat sich zwar deutlich verändert, aber siginifikante Plätze sind trotzdem sofort wiederzuerkennen.

Auf jeder DVD gibt es übrigens versteckte Easter Eggs. Auf der ersten DVD gibt es gleich zwei. Das erste ist über das Extras-Menü erreichbar, wenn man von dem Punkt "Main Menü" nach "unten" geht. Hier erzählt Christine Romero, wie sie George Romero kennen gelernt hat und wie sie zusammengekommen sind. An das zweite Easter Egg gelangt man, wenn man im "Audio-Setup" einmal "links" drückt. Dann bekommt Tom Savini zu hören, wie er seiner Freundin einmal einen recht makaberen Streich gespielt hat und wie er mit seinen Masken nervende Nachbarskinder verscheucht. Bei DVD Nummer zwei muss man im Audiokommentar-Menü solange "rechts" drücken, bis die Zombie-Silhuette aktiv ist. Hier gibt Greg Nicotero von der KNB FX Group ein kurzes Statement zur Effektivität der Effekte von Savini ab. Auf DVD drei muss man im Trailer-Menü solange "links" drücken, bis eine die Zombie-Silhuette erscheint. Dort berichtet dann John Harrison, der "Schraubenzieher-Zombie", wie ihn eine Frau 10 Jahre nach dem Film beim Bowlen als eben jenen Zombie erkannt hat. Auf DVD vier muss man im Extras-Menü solange "rechts" drücken, bis die Silhuette eines Zombies sichtbar wird. Hier bekommt man eine Aufnahme eines buddhistischen Mönchs(!!), in dem er erzählt, welchen Eindruck Dawn of the Dead bei ihm hinterlassen hat. In Booklet-Form gibt es dann noch den ersten Teil einer Comic-Adaption zu bewundern.

Quellennachweis

Frank Koenig: Dawn of the Dead - Anatomie einer Apokalypse

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 21.01.1999
Letzte Textänderung: 05.05.2006

Leser-Kommentare

09.06.2007, 17:47:43 knobi ( Email schreiben Homepage )

Diesen Film mag ich sehr.Als ich ihn damals im Kino sah,war ich natürlich traummatisiert von der schonungslosen Gewalt die sich darbot.Doch haben sich etliche Bilder in meine Erinnerung gedübelt,das sicherlich meine Sehgewohnheiten über Jahre beeinflusst haben.Im Gegensatz zu vielen anderen Streifen dieser art,sind ROMEROS Filme kleine Meisterwerke über die heute noch immer wieder gerne diskutiert werden.Daher 10/10 Points.

08.03.2006, 11:06:11 Horrorist ( Email schreiben )

"Dawn of the Dead" in Deutschland besser bekannt als "Zombies im Kaufhaus" ist wohl die "Mutter" der Zombiefilme! Oft kopiert, aber nie erreicht. Dem Blutrünstigen Splatterfan mag dieser Film vielleicht langweilen, aber die Originalfassung aus meinem geb.Jahr 1978 ist die beste die ich gesehen hab!
Das re-make von 2004 ist auch OK aber den floor wie in der Originalfassung spüre ich da nicht! Zudem ich sowieso nicht so der Fan von Zombies bin, die Ihren "Opfern" hinterher RENNEN können! Ich mags eher "gemütlich" im Schritttempo.
Gruß
der "Horrorist"

07.03.2006, 15:21:41 The Coroner ( Email schreiben )

"Dawn of The Dead" ist wohl das beste, was ich je in meinem Leben gesehen habe!
Ich habe den Film 1980 mit 15 Jahren sofort im Kino gesehen, als er anlief. Allein schon die Bilder in der Kinovitrine hatten mich gefesselt.

Ich sehe heutzutage auch immer noch sehr viele Filme, habe aber niemals wieder dieses Gefühl durchlebt, was mir dieser Film bereitet hatte!

30.12.2005, 15:27:22 Snake Plissken ( Email schreiben )

1. An Herrn Dietmar Kesten,

wenn Sie schon keine Ahnung haben, dann Schreiben Sie wenigstens im verständlichen Deutsch, damit es auch Normalos verstehen. Ihre intellektuelle Wortwahl ist völlig überzogen. Um es kurz zu machen, schauen Sie besser in Bücher vom Sigi Freud. Wenn ich nicht selbst studiert hätte, würde ich den Sinn Ihrer Filmkritik, zu Romeros "Dawn of the Dead", gar nicht verstehen. Was in Gottesnamen wollen Sie eigentlich?

2. "Dawn of the Dead" ist und bleibt ein Meisterwerk, da wird selbst eine blödsinnige Kritik eines Herrn Kesten nichts dran ändern. Außerdem ist der Film ein Zombiestreifen auf hohem Niveau. Wer Georg A. Romero aus seinen Interviews her kennt, weiß, dass er nicht daran interessiert ist viel Geld zu machen. Im Gegenteil, sonst hätte er 1978 den Film geschnitten ins Kino gebracht, wie es von vielen Vermarktern verlangt wurde.

"Dawn of the Dead" ist kult und Ende!

"Mein Name ist Snake"

08.06.2005, 20:41:16 Rago ( Email schreiben )

DER Zombiefilm überhaupt! Metaphorik hin oder her. Kein anderer Film dieses Genres kommt an die miese, düstere Atmosphäre von Romeros Original ran. Unglaublich gelungener Soundtrack, der wesentlich dazu beiträgt(Gobblin). Und zur damaligen Zeit auch unglaublich hart. Sicher gibt es heute blutigeres und härteres. Aber meines Wissens hat kein anderer Film danach die Zuschauer so nachhaltig geschockt und zum Kotzen gebracht! Hat mir jedenfalls mein Vater(!), der damals den Film im Kino gesehen, hat erzählt; dass die Leute reihenweise zum Kotzen aufs Klo rannten. Ich war damals leider erst 14. Als der Film ein Jahr später nochmal im Programm war, quengelte ich solange bis ich meinen Vater überredet hatte, mit mir nochmal in den Film zu gehen. Bisher hatte mich mein Vater immer locker in Filme ab 18 mitgenommen und sich gegen die Kartenverkäufer durchgesetzt. In diesem Fall leider nicht. Der Kinobesitzer blieb hart. Mit dem Hinweis bzw. der Begründung, dass gerade zwei Tage vorher eine junge Frau, die den Film sah mit einem Nervenzusammenbruch (!) ins Krankenhaus gefahren werden muste. Direkt aus dem Kino. Was sind wir heutzutage abgestumpft.

20.05.2005, 00:04:35 hellraver

Um mal kurz meine Meinung über Dawn of the Dead abzugeben. Ich fand den Film einfach genial. Vor allem die Agento Version fand ich sehr gelungen. Dem Film fehlt überhaupt nichts. Er bietet reichhaltig Spannung. Der Soundtrack bzw. die Hintergrundausmalung passt perfekt. Man wird so richtig in den Film mit hineingerissen. Und das liebe ich an solchen Filmen.

Denn die Hintergrundmusik finde ich am wichtigsten. Die sagt bei mir hauptsächlich aus, ob ein Film gut ist oder nicht. Beziehungsweise vermittelt mir der Soundtrack, wie der Film an mich rüberkommt. Natürlich ist auch wichtig einiges an Splatter- und Goreszenen zu bieten, welches der Film durchaus konnte. Nichts desto trotz spielt meiner Meinung nach die Hintegrrundmusik die Hauptrolle. Denn die vermittelt mir das eigentliche Geschehen.

Und die Story sollte natürlich auch eingermassen passen. Aber auch diesen Punkt konnte Dawn of the Dead bieten. Der Film biete so ziemlich alles was ein Horrorfilm so braucht. Ich habe nämlich so ziemlich viele Zombiefilme gesehen. Auch Fulcis...ect. Keiner konnte aber Dawn of the Dead das Wasser reichen. Sogar nach etlichen Jahren ist Dawn of the Dead noch sehenswert.

Der Film hat einfach eine atemberaubende Athmosphäre. Zumindestens in der Argento Version. Die würde ich jeden empfehlen, auch wenn einige Stücke sowie der scharze Humor fehlen. Die Agento Version kommt einfach ängstlicher und düsterer hinüber. So soll das auch meiner Meinung nach sein.

Was mir noch an dem Film so gut gefällt ist das Verhalten der überlebenden im Kaufhaus. Ich find das vollkommen nachvollziehbar und realistisch. Genau das ist der Punkt. Etwas nachzuvollziehen können nicht viele Horrorfilme bieten.

24.02.2005, 16:49:08 Savini ( Email schreiben )

Ich vergesse nie wie mein grosser Bruder der am 8.8.79 18 wurde damals kreidebleich und sichtlich mitgenommen aus dem Kino kam. Er stammelte leicht angeheitert von Zombies und Sie werden kommen. Zum Glück waren meine Eltern nicht da.

Noch einige Wochen nach Genuss dieses Filmes schob er seinen Schreibtisch vor seine Zimmertür und schlief bei nur bei vollem Licht.

Ich, etwa 5 Jahre jünger, konnte mir erst 82 noch nicht mal 18 ein Bild von diesem Film machen mit der Marketing Kopie die kurz drauf beschlagnahmt wurde.

Ich fand ihn damals hammerhart aber so richtig verstanden hab ich ihn erst Jahre später. Eine Geschichte die im Nichts beginnt und im Nichts endet. Alles ist offen und man konzentriert sich voll auf das Erlebte der vier Hauptdarsteller. Kaum ein anderer Film mit soviel Längen wie DotD konnte mich so fesseln da ja alles durch zB einen Chemieunfall so ähnlich möglich gewesen wäre.

DotD steht bestimmt nicht nicht umsonst im Museum of Modern Art NY denn kein anderer Horrorfilm beinhaltet soviel Sozialkritische Momente. (Cowboymentalität der Amis die Tontaubenschiessen auf Zombies machen mit Kaffee und Kuchen, Konsumgesellschaft etc...)

Man kann viel diskutieren aber der Argento Cut ist besser und ich glaube es ist gut das der Italio Suspense Meister alle Rechte für Europa hatte. Allein der Goblin Sountrack bestätigt das.

Ich sehe den Film am liebsten in der Sommerferienzeit wenn die Stadt wie ausgestorben ist und der Asphalt glüht. Das ist das richtige Ambiente für die Endzeitstimmung des Streifens.

Die blauen Zombies selbst sind eigentlich nur durch ihre langsamen Bewegungen angsteinflössend und der einzig wirklich zermatschte ist der vielfach auf Covers verwendete oben links gezeigte. Savini (hehe^^) hat aber in den Kampfszenen sein Splatterkönnen zur genüge zeigen können und die Rolle als Anarcho Rocker (so ähnlich noch mal in FromDusktillDawn) glänzend gespielt.

Entgegen vieler anderer Meinung find ich auch Olli Krekels 156 min Version ganz gut obwohl er wirklich ein bisschen wie ein übergelaufenes Glas wirkt.

So das soll keine Doktorarbeit werden (siehe unten) sondern ein Hinweis an alle das DotD ein MUSS für JEDEN Filmfreak ist und das er Spuren hinterlässt egal welcher Art. Man vergisst ihn nicht.

10/10 und sogar die türkische Version ist in Deutschland beschlagnahmt (lächerlich).

04.02.2005, 15:57:16 niemand ( Email schreiben )

Der film ist einer der besten, die ich je gesehen habe.
ich war 14, oder 15, als ich ihn zum ersten mal sah und damals hat er mir einfach nur die nerven gekitzelt.
ich habe ihn dann mit 17 nochmal gesehen und erst dann die zeitkritischen bezüge zur nichtfilmischen realität erkannt. das macht diesen film zeitlos und ernsthaft pädagogisch wertvoll für mich. allerdings kann ich verstehen, wenn man diese aspekte aus dem film nicht rausziehen kann, wenn die brutalität davon ablenkt.
die mischung aus subtiler zeit und gesellschaftskritik
und horror ist einzigartig.
ich kann nur "sie leben" von carpenter als wagen vergleich anführern, obwohl das eher ein aktion film ist,
aber wer beide filme kennt wird wissen, welche parallelen ich meine.
für den wachen zuschauer hat romero einen film geschaffen, der mit einem porno zu vergleichen ist, der
zum verständnis von sexualität führt und nicht zu perversen und mechanischen behandlung von frauen - ein paradoxon, wenn man mit anderen filmen vergeicht.
obwohl der film fantstisch (im sinne von ausgedacht, fantasiert ist) ist, stellt er für mich jewdoch kein zerrbild der realität dar, sondern ein genaues abbild von gesellschftlichen und weltpolitischen missständen in form von metaphern. leider gibt es sowas viel zu selten.
die frage, die ich mir stelle, wenn ich mich erinnere, wie ich
einen film in meiner jugend sah und bewertete, und mit jetzt vergleiche und merke dass mir erst jetzt die symbolik erschliessbar ist ist folgende: entschlüsselt man unterbewust die metaphern und symbolik auch wenn man sie noch nicht versteht und wirken sie dann auch unbewusst und führen schleichend zu einem verständnis., oder bleiben es immer nur codes, die man solange nicht entschlüsseln kann, bis das eigene bewusstsein durch reife und erfahrung in der lage dazu ist sie aktiv und in echtzeit sozusagen zu decodieren.
kann man etwas aus einem film (oder hörspiel) begreifen und verstehen,
was man selbst noch nicht erlebt hat?

31.01.2005, 16:55:14 Christian Schulze ( Email schreiben )

Ich war in der glücklichen Lage, den Film bereits 1980, als er noch sehr aktuell war, anzuschauen. Es war das Intensivste, was ich bis dato jemals in filmischer Form zu Gesicht bekam. Der Streifen ging mir so unter die Haut, dass ich noch etliche Tage lang in fast jeder freien Minute an ihn denken mußte.

Aus heutiger Sicht wirkt er meiner Ansicht nach immer noch stark, hat aber doch ein wenig an Wirkung eingebüßt. Manche Details sind veraltet - beispielsweise die vorsintflutlich wirkenden Videospiel-Automaten. Vor allem aber hat sich das filmische Erzähltempo mittlerweile deutlich beschleunigt, so dass Längen nicht ausbleiben. Damals war man hingegen froh, wenn zwischen den - aus früherer Sicht - fast unerträglich wirkenden Gewaltszenen eine kleine Ruhepause kam.

Übrigens halte ich den Argento-Cut für wesentlich gelungener. Ich glaube, der Romero-Cut wäre in Deutschland weit weniger erfolgreich und populär geworden.

15.01.2005, 23:44:42 Death Machine ( Email schreiben )

der film is genial, einfach genial, spannend, brutal, gute musik, einfach ein klassiker, das ende fand ich auch sehr gut, einfach alles, vor allem die atmosphäre und diese spannung is unglaublich, ein muss für zombiefans, einer der besten und bekanntesten zombiefilme

09.01.2005, 22:50:56 Chedli Hamuda

Wahrscheinlich habe ich den Film am richtigen Ort und zur richtigen Zeit gesehen, für mich der härteste, beklemmendste und auch spannendste (!) Film aller Zeiten, trotz der zahlreichen ironischen Momente.
Bei der Erstsichtung konnte ich ihn vor Entsetzen nicht am Stück ertragen, war aber der Faszination so erlegen, dass ich unbedingt weiterschauen musste.
Längen gab es für mich nicht, nicht wegen einer außergewöhnlich spannenden Inszenierung, sondern wegen einer fesselnden Atmosphäre. Und genau dies macht auch die technische Unvollkommenheit vollkommen wett. Es ist sogar sehr erstaunlich, wie Romero es schaffte mit einem derart geringen Budget, ein apokalyptisches Bild zu zeichnen. Dabei erinnert seine Arbeit teilweise an Dokumentarfilme. Die Kamera arbeitet nahezu wertfrei, macht keine großen Bewegungen und hält gnadenlos drauf. Die Charaktere sind glaubwürdig gezeichnet, handeln und reden ebenso Die Musik von Goblin ist eine ihre originellsten und atmosphärischsten Soundtrackarbeiten, die aber nicht jedem gefallen wird (proggiger 70er-Jahre-Rock eben).
Die Darsteller sind glücklicherweise nicht hochgestylt und agieren gut bis solide.
Romeros Kniff besteht darin mit der absurden Ausgangsidee, dass die Toten aufstehen und nur von ihrem Appetit auf menschliches Fleisch getrieben werden, die Geschichte von 4 Personen konsequent und logisch zu Ende gedacht haben. Der Film erzählt nämlich entgegen anderslautender Meinungen eine Geschichte, sogar eine für 1978 sehr originelle. Auch wenn viele Zuschauer eine geschlosse Geschichte in der alles erklärt wird bevorzugen, bin ich froh das Romero dies nicht getan hat. Der Film setzt im Chaos ein und man erfährt nie, warum die Toten aufstehen. Glücklicherweise verzichtet Romero auf mystisch verklärte Erklärungen, dies verstärkt mit dem offenen Ende den naturalistischen Touch. Der Begriff "Horror" hat hier nämlich nichts mit nebelverschleierter Schauerromantik zu tun, sondern vielmehr mit nacktem Terror. Der gemeine Zuschauer wird daher eventuell unbefriedigt zurückgelassen.
Der Film bietet in der Tat einen sehr großen Interpretationsspielraum und hat auch eindeutige gesellschaftskritische Momente, dies wird IMO allerdings etwas überbewertet.
In jedem Fall handelt es sich um einen Film der polarisiert, seine Vormachtstellung kann man ihm aber zu keinem Zeitpunkt absprechen,. Dawn of the Dead traf offenbar genau den Nerv der Zeit und hinterließ eine Schar verstörter Kinobesucher.
Außerdem hätte es ohne Dawn of the dead mindestens 85% der danach gefolgten Zombiefilme nie gegeben und den Namen Fulci würde kein Horrorfan kennen. Einige der Nachzieher mögen die Spannungskurve angezogen haben und den Unterhaltungswert erhöht haben, Romeros Klasse hat allerdings keiner erreicht.

09.01.2005, 13:47:14 Tanija

Dawn of the dead
Ich muss echt sagen das mich erst das Original von Romero dazu gebracht hatte ein Zombie - Fan zu werden. Und ich freue mich jetzt schon auf seinen neuesten Film Land of Zombies. Ich hoffe er wird wieder in dem unvergleichbaren Stil von Romero gemacht. Aber nicht nur das Original sondern auch die neue Version dieses Filmes hat alles was ein Horror zu bieten hat.

25.08.2004, 10:54:20 Dietmar Kesten ( Email schreiben )

An Herrn Norman!

Qualität und Quantität sind zwei verschiedene Dinge.
Dass Quantität durch Qualität erschlagen werden
kann, ist aberwitzig.
Allerdings erschlägt die Qualität die Quantität.
Dies umso mehr, wenn man bedenkt, dass
es sich ja bei der Qualität um einen Begriff handelt,
der die Gesamtheit der Eigenschaften auszudrücken
vermag.
Bei "Dawn of the Dead" ist die Reduzierung auf die
Quantität allerdings angebracht; denn eine
qualitative Veränderung gibt es dort nicht.
Ich habe mir die Mühe gemacht, noch einmal das
Original von 1978 zu hinterfragen. Anbei der
Text.

DAWN OF THE DEAD

KEIN LECKERBISSEN

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 24. AUGUST 2004.


Keine Frage, dass der Horror als eigenes Genre
auch eine eigene Sichtweise verlangt.
Vielleicht hat er gerade deswegen, als SF-Märchen
konzipiert, einen (enormen) Zulauf.
Es mag sein, dass , ?Alien?, ?Dawn of the Dead?,
?Scream? und viele andere mehr Innenansichten
als Außenansichten zeigen, und dass hier
das unverhohlene Spiel mit der Angst, den Gegner
zu überrumpeln, bewusst inszeniert wird.
?Dawn of the Dead? sollte hier eingereiht werden.
Der Einbruch in die scheinbar geordnete Welt,
die eine neue Physiognomie enthüllt, vollzieht
sich nach dem Prinzip des plötzlichen
Überfalls, mit denen sich das Publikum identifizieren
soll, unvorbereitet, weil sie vorher nichts getan
haben, das all die kommenden Exesse
rechtfertigen könnte.

Hinter der bürgerlichen Maske tarnen sich die
skrupellosen Mörder (in Gestalt der Zombies)
und die Verschwörungen.
Die Kulisse für das Entsetzliche und das Böse
(das Kaufhaus) und die Existenzverformung
erlaubt hier keine Versöhnung.
Beides muss im Showdown aufgelöst werden.
ROMERO als Traditionalist macht das durch
eine provokative Gegenoffensive.
Er gibt nämlich zu erkennen, dass das
Schmutzige und Sündhafte eine reinigende
Wirkung haben kann, wenn dem ?Konsumterror?
getrotzt wird.

Dass das durch einen Film, durch einen Filmansatz
bewirkt werden kann, halte ich für eine fatale Illusion.
Der Film hat keinerlei dokumentarischen
Charakter. Dafür fehlen ihm alle Voraussetzungen.
Gerade das ist ein Maßstab, um ?Dawn of the Dead?
in ein hysterisches Genre einzuordnen, wo
brutale und wilde Filmmorde mit einer
depressiven Grundstimmung ausschließlich
dazu benützt werden, die Traumatisierung
des Geistes voranzutreiben.

Wie ich schon bemerkte, ist dies eine Sichtweise,
die sich mit anderen nicht zu decken brauchen.
Da Filmbesprechungen in der Regel subjektiv
sind, und es keine allgemeingültigen
objektiven Kriterien gibt, hat ?Dawn of the Dead?
auch lange Zeit ohne Widerspruch überleben
können. In ?gehobenen Filmbesprechungen?
sind die Autoren voll des Lobes über diesen
Film. KILB, EVERSCHOR, SEEßLEN,
oder etwa BINOTTO vertreten da ihre eigene
Sichtweise, die ihnen unbenommen
erscheint, weil sie prinzipiell dem neuen
Horrorfilm etwas positives abgewinnen können.
?Dawn of the Dead? ist leider nur ein Zeuge dafür,
dass im Übermaß der eigentliche Blutfetischismus
der 70er Jahre aufgewertet wurde, und dass
Hollywood bewusst auf diese Streifen setzte,
die wie später ?Kill Bill? und andere das Blut extrem
fließen lassen.

Hier geht es auch nicht um eine Allgegenwart des
Todes, auch nicht darum (s)eine eigene Sterblichkeit
zu erkennen, oder sich sogar damit auseinander zusetzen
Bei diesem Genre geht es schlicht und ergreifend darum,
mit Blut und Gewalt eine Marktlücke aufzustoßen,
die ROMERO ja auch unverhohlen in einem Interview
benannte.
Die ?eigene Sterblichkeit zu erfahren? kann man nur,
wenn man sich der Philosophie nähert, zu
erkennen, dass es seit der Geburt ständig bergab,
also dem Sarg entgegen geht.
Das kann kein Film vermitteln. Schon gar nicht
dieses Genre.
Denn das wäre auch die Scheiterhaufenkonsequenz:
in den Feuersbrünsten, in Tod und Verderben erkennt
der Mensch sein ?wahres Ich?.
Aber die Zwänge des bürgerlichen Lebens können
nicht durch ROMERO und seinem Erstlingswerk
aufgehoben werden. Man kann sie nur durch eine
Alternative jenseits von Markt und Staat definieren.

Da ?Dwan o the Dead? diese Frage noch nicht
einmal anschneidet und sich im Rot des
Farbfilms verheddert, stößt er kein Tor zur
Abgründigkeit auf, sondern bleibt mit samtigen
Glanz und ohne Alternative im Vorhof eines
Staates stehen.
David LYNCH hat andere weitreichendere Wirkungen
gezeichnet, die einem ROMERO völlig entgleiten.
Denn sein Theatervorhang war einer, der
die Abgründe der Seele durchleuchtete, wenn
auch, wie ich zugeben muss, äußerst abstrakt.
Aber anders als ROMERO zeichnete er ein
psychologisches Drama.
ROMERO dagegen bleibt mit seiner Kaufhauskritik
den bürgerlichen Verhältnissen treu.
Um im Kino rot zu sehen, bleibt manchmal schon
die Vorstellung.

?Kampf dem Konsumterror? lautete eine Parole
der 70er Jahre. Dieser, in zig Filmen auf die
Fahnen geschrieben, war nur eine Tendenz der
Moderne. Und in ihnen wurden nun nicht die
Mechanismen und die Funktionsweise des
Kapitalismus aufgezeigt.
Hollywood verstand es schon immer, aus
gesellschaftlichen Krisen Profit zu schlagen.
?Dawn of the Daed? hat mit bemerkenswerter
Treffsicherheit diesen aktuelle Ängste Nahrung
verschafft.

Das Ergebnis konnte auch nur beunruhigend sein.
Leben wir doch in einer Welt, in der die
Funktionsweise der Bilder zeigen, wie das Leben
selber davon überwuchert und das öffentliche
Leben, wozu auch Kino, Fernsehen etc. zählt,
zusehendst davon beeinflusst wird.
?Dawn of the Dead" war im übrigen ein
Intellektuellenfilm.
Er diente spezifisch ideologischen Zwecken,
ein Bilderwerk in Umlauf zu bringen, dass als
symbolische Prothese einen Kaufhausbrand
in sich trägt.
Das erschien mir damals schon sehr
merkwürdig. War es doch der deutsche
Terror der ersten Stunde, der mit einem
Kaufhausbrand in Frankfurt./M. ein ?Fanal
setzen wollte?.

Nun sollte man Romero nicht unterstellen,
er hätte sich filmisch mit Baader, Meinhof
etc. auf eine Stufe gestellt, jedoch ist sein
Film so etwas wie eine Werbebotschaft.
Wenn wir erst die Zombies vertrieben haben,
die in Wirklichkeit Vertreter der Warenkultur
sind, werden wir das Licht am Ende des
Tunnels sehen.
Doch ich gebe zu bedenken, dass der
penetrante Charakter der Waren sich auch
im vervielfältigten Bilderkonsum widerspiegelt.

Welches Bedrohungspotential sich hier verbirgt,
ist hinreichend bekannt.
Und ROMERO lässt es auch gar nicht zu
(s.o.) dass darüber reflektiert wird.
Sein Misstrauen gegenüber der Kulturindustrie
folgt den Gesetzen des Massenfilms.
Man wünscht abgelenkt zu werden, einen
Augenblick der Absurdität des Alltags
entfliehen zu können.
Davon ab, dass das niemand bewerkstelligen
kann, versuchen es aber gerade die
Massenmedien mit einem großen Aufwand.
Sie lassen Selbstbestimmung und
bewusstes Handeln in regressiven Konformismus
und bedrohliche Passivität untergehen.

?Dawn of the Dead? will so auch den Augenblick
der Tragik vergessen machen lassen, die Grausamkeit.
Doch ist er nur mit audiovisuellen Massenmedien
unterlegt, die er unvermittelt kritisieren will.
ROMERO kann diesen Widerspruch nicht auflösen.
Im Gegenteil: der Sektor der Kulturindustrie hat
ihn kontrolliert. Und: er ist keine spezifische
Antikulturkritik. Dafür fehlen dem Film auch alle
theoretischen Voraussetzungen.

16.07.2004, 22:46:02 Norman

Mir scheint, bis auf Herrn Kesten, welcher hier neben dem Leser auch das eigene Niveau mit Quantität erschlägt, sollte jeder bemerkt haben, dass es sich hierbei um das Original zu dem kürzlich erschienenden Remake von Zack Snyder handelt (wer mehr als das eigene Posting lesen kann, ist hier klar im Vorteil ;) ).
Auf die Gefahr hin, dass jetzt alle Ur-Slapper-Freaks aufschreihen: Aus heutiger Sicht lässt sich dem Remake verutlich mehr abgewinnen. Auch wenn dieser "Klassiker" Grundlage für unzählige Zombi-Klischees sein mag, so wartet er doch mit schier unendlich erscheinende Längen auf, während denen man das sprichwörtliche Ei aus der Hose fallen hören kann. Das einzige, was diese Fadheit entschuldigt, sind die für diese Zeit doch recht netten Effekte. Leider habe ich nur 2 Erwartungen an einen Film dieses Genres: lächerlich wie Braindead oder beklemmend wie TCM. Ich persönlich habe weder das eine noch das andere in diesem Film gefunden.

Zum Schluss noch ein Zitat von Herrn Kesten, das ich für meinen nächsten "Herr der Ringe"-Kommentar verwenden werde:
"Diese Filme haben keinen erkennbaren Bezug zum realen Alltag der Kinozuschauer mehr."
Cheerio!

11.07.2004, 11:06:28 Dietmar Kesten ( Email schreiben )

DAWN OF THE DEAD

UNTOTE, SCHEINTOTE, HALBTOTE

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 18. APRIL 2004.


Wenn sich im Hades Platzmangel einstellt, kommen die Toten auf
die Erde.
Sie steigen aus ihren Gräbern, machen erbarmungslos Jagd
auf die Menschen, gehetzt von der kannibalischen Gier nach
Fleisch. Nach einer panischen Flucht trifft Ana Clark (Sarah POLLEY)
auf eine kleine Gruppe Überlebender. Mit Kenneth
(Ving RHAMES), Andre (Mekhi PHIFER), Michael
(JACK WEBER) und anderen gelingt es, sich in einem verlassenen Luxuseinkaufszentrum zu verschanzen, um sich vor dieser
Seuche zu retten.
Ringsherum wimmelt es von diesen Untoten, die in das Kaufhaus
eindringen wollen, um sich ihre ?Beute? zu holen.
An das Grundstück angrenzend befindet sich ein Waffengeschäft,
auf dessen Dach sich der Besitzer verschanzt hat und via
handgeschriebener Tafeln und Fernglas mit den Kaufhausbesetzern
kommuniziert.
Als die Zombies Waffengeschäft und Kaufhaus stürmen, wagen die
Eingeschlossenen und die letzten Überlebenden einen rettenden
Fluchtversuch: der Hafen soll die Rettung sein, von dort aus aufs
Meer, und dann zu einer Insel.

Die Erzählung des Film lehnt sich an ein Skript des
Regisseurs ROMERO, der 1977/79 den Streifen
?Zombie-Dawn of the Dead? in die Kinos brachte.
In der Regel haben es Remakes schwer, das Original zu überholen,
oder besser: eine gelungenere Version in die Kinos zu bringen
(vgl. auch Texas ?Chainsaw Massacre?, Januar 2004).
Konnte man schon über das Erstlingswerk heftig streiten, so wird
es diesem Beitrag ähnlich ergehen.
Eine Vielzahl von Kritikern hatte einst ROMERO noch andichten
wollen, dass er in seinem Zombie-Film und in vielen späteren,
die Bedeutung der Medien für die Gesellschaft, ihre Rolle, deren
Untergang und ihre vermeintliche Renaissance darstellen und
herausarbeiten wollte,
Der Werbefilmer Zack SNYDER lehnt sich hier einfach an und
dabei herausgekommen ist einer der unzähligen Billigproduktionen,
die die Eskalation des Horrors im Kino mit entsprechenden
Schockeffekten auf einen Höhepunkt zusteuern lassen.

Wie ?Halloween - Die Nacht des Grauens? (Regie:
John CARPENTER, 1978), so traten George A. ROMERO
mit seinem Erstlingswerk ?Night of the Living Dead? (1968)
und Tobe HOOPER mit ?Texas Chainsaw Massacre? (1974)
die eigentliche Welle der Horrorspektakel, die phantasielos
und grobschlächtig, mit ekelerregende Schlacht- und
Verstümmelungsfesten daherkamen, los.
Diese blutrünstigen Handlungen haben immer eine drückende
Endzeitstimmung verbreitet, eine Millenniumsangst, die
sich durch die ganze Moderne schleppt, und wobei das Kino
einen besonderen Ort der Vermittlung einzunehmen scheint.
Denn es geht doch um Ideologie, um Oberlehrer,
Bedeutungsfahnder, Moralprediger und Leuten, die mit
ihren teilweise meisterlichen Breitwandkompositionen
die Partisanen des schlechten Geschmacks auf den Plan rufen,
die dann noch in einer Art Verzückung die formalen und
inhaltlichen Qualitäten solcher Machwerke rühmen und sie
in Anlehnung an ROMERO als ?Abenddämmerung der
Medien? und ?als zeitgenössischen Diskursbeitrag zur Mediologie?
(so Stefan HÖLTGEN in ?Schnitt? April/2004) lobpreisen.

Wenn das Kino der Moderne sich unvermittelt als Voyeur der
Gewalt wiederfindet, wo die Beteiligten Mörder sind, die Mörder
Beteiligte, durch Kamerabewegungen miteinander verknüpft,
und die exakt darauf abgestimmten Toneinsätze (wie bei den
Zombies) eine Ahnung davon aufkommen lassen, wieweit die
direkte Bedrohung der Zuseher schon fortgeschritten ist,
dann sind die auditiven und visuellen Eindrücke die vermittelt
werden, eine direkte Bedrohung, die bei aller Toleranz für
andere Auffassungen, die zu Filmrezensenten bestehen,
nur die Erneuerer des amerikanischen Genre-Kinos auf den
Plan rufen.

Die inhaltlichen Anleihen an einer Reihe weiterer Filme, die
direkten Rückgriffe auf das Arsenal der Spannungsfilme und
der Splatter-Movies der neunziger Jahre, sollen hier nicht
zur Sprache kommen.
Doch zeigt sich, dass das dort verbreitete Wechselbad der
Gefühle mit einer subtilen Mischung der bewegungslosen
Seilfahrten durch die Schluchten der Eindimensionalität
und der bewusst geschürten Ängste der bedrängten
Kreatur einhergeht, die sich mit den widersprüchlichen
Assoziationen von Sexualität und Gewalt und übernommenen
Bruchstücken einer sadomasochistischen Gewaltkultur
auseinander zusetzen hat.
Alle Untoten dürfen natürlich nicht nur dort, sondern auch in
den jüngsten Streifen alle Normen und Regeln verletzen.
Eine rationale Erklärung wird gar nicht mehr benötigt.
Warum etwa ihr Schlachtwerk in ?Dawn of the Dead?
stattfindet, interessiert auch niemanden.
Hauptsache ist, das der Handlungsablauf das unaufhaltsame
Eindringen meist maskuliner Gewalt, sanktioniert.

Eine schlüssige Interpretation gibt es daher nicht.
Selbst eine wohlmeinende ist unpassend.
Insgesamt wird die Gefühlsebene des Betrachters streng
kontrolliert. Und das ist allerdings eine Provokation, die
schon Struktur hat.
Die Kombination der bereits einzeln als erfolgsträchtig
erwiesenen Motive wie Brutalität und Tod, eingebettet
in eine (atemlose) Spannung, ist doch sehr oberflächlich.
Und die zusammengewürfelte Handlung ist eindeutig
?splatter?, oder ?slasher movie?, wobei hier auf jegliche
Reste einer inhaltlichen Legitimation verzichtet wird.

Diese Filme haben keinen erkennbaren Bezug zum
realen Alltag der Kinozuschauer mehr.
Die tägliche erfahrbare Gewalt in Staat und Gesellschaft,
die vom Publikum erfahren wird (wachsende Armut,
Massenarbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Rassismus,
Krieg und Terror) dagegen ist die Kehrseite der Medaille.
Um die von jeher für den Horror-Film wesentliche
Angst-Lust erfahren zu können, bedarf es neben
der höchstmöglichen Aktivierung eigener verborgener
Ängste offensichtlich dieser Distanz zum Alltag
der Menschen.

Gleichwohl ist dieses Potential der Horrorschinken der
Beginn des brutalen Feldzugs gegen den Einzelnen
Zuseher im Kino.
Das, was rüberkommt, ist nur die zeitgemäße aktualisierte
Variante des Verhältnisses von Urängsten und
filmischer Angstbewältigung. Das hat nichts mit
Kult zu tun, sondern steht für eine immer offenere
und detaillierte Ausspielung brutaler Gewaltrituale.
Wie die Gesellschaft, so hat sich auch das Kino
verändert.
Wenn der Schatten des Vampirs in ?Nosferatu?
(Regie: F. W. MURNAU, 1922) sich als blutsaugender Graf
in eindeutiger Absicht über das schöne Mädchen beugte
und dabei dem zeitgenössischen Publikum noch einen
Schauer nach dem anderen über den Rücken jagte, so dürften
die heutigen Schocker der Fans von ?Dawn of the Dead?
gerade noch ein müdes Lächeln erübrigen.

Fazit: Eine Schlachtplatte des schlechten Geschmacks
in der begehbaren Speisekammer des Kinos ist hier wie die
geschlossene Anstalt, aus der es kein Entkommen gibt.
Diese brutalen Attacken der Zombies machen dieses Genre
nicht glaubhafter. Ganz im Gegenteil.
Diese Inszenierungsstrategien werden dazu eingesetzt,
um mit dramaturgischen Mitteln Spannung und Angst zu
erzeugen.
Wenn mit Gefühlen der Zuschauer gespielt wird, die
Wahrnehmung außer Kraft gesetzt wird, dann scheint die
notwendige Konsequenz nur darin bestehen zu können,
das Schwarzbild, das erzeugt wird, unnachgiebig zu kritisieren.

04.06.2004, 12:03:54 Mike

Meiner Meinung der genialste Zombiefilm aller Zeiten. Hier stimmt einfach alles, Atmosphäre, Splatter, Horror, Spannung, Story etc. Die aufgrund diesen Filmes, ausgebrochene Flut von Zombiefilmen brachte, mal abgesehen von Braindead, keinen Film zum vorscheinen, der hier mithalten konnte. KLASSIKER

© 1998 - 2016: Sense of View / Carsten Henkelmann