Film Daten

Titel:
Batman Begins
Originaltitel:
Batman Begins
Land & Jahr:
USA 2005
Regie:
Christopher Nolan
Darsteller:
Christian Bale
Michael Caine
Liam Neeson
Katie Holmes
Gary Oldman
Cillian Murphy
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

Batman Begins

Review

Batman Begins

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

Bruce Wayne ist auch Jahre nach dem Mord an seinen Eltern eine eher instabile Person, die irgendwo im Himalaya nach einer Antwort auf seine Fragen sucht. Dort wie er von einem geheimnisvollen Kult ausgebildet. Als er aber deren höhere Ziele nicht teilen will, kommt es zur Konfrontation und er kehrt nach Gotham City zurück, dass mittlerweile mehr von der Unterwelt als von Recht und Ordnung regiert wird. Dort beginnt er nun unter der Verkleidung als Batman die Stadt aufzuräumen, aber seine Gegner sind mächtig ...

Wow! So muss ein intelligent gemachter Action-Thriller aussehen! Ich war noch nie ein großer Batman-Fan, von den Comics kenne ich nur eine Handvoll und von den Filmen mag ich nur "Batman hält die Welt in Atem" wegen seines Trash-Charms. Der Rest läuft bei mir eher unter "nette Unterhaltung wenn sich mal nichts anderes anbietet". "Batman Begins" ist dagegen irgendwie völlig anders. Keine überdrehte Comic-Optik, keine nervenden Charaktere wie den Pinguin und auch keine extreme Heroisierung der Titelperson.

Dieser Film bringt dem Zuschauer zunächst einmal eine vernüftige Grundlage für den Bruce Wayne Charakter. Bevor der Held Batman überhaupt das erste Mal in Erscheinung tritt, ist schon fast eine Stunde rum. Danach wird zwar der Actionanteil höher, aber die durchweg düster gehaltene Inszenierung und das große Chaos im Finale lassen dies Werk stellenweise schon fast wie einen Horrorfilm wirken. Für mich eine echte Überraschung, da ich trotz Christopher Nolan auf dem Regiestuhl mit einem eher konventionell gestrickten Actionfilm gerechnet habe. Sicherlich hat er seine kleinen Mängel, die mich persönlich aber nicht so gestört haben.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 06.11.2005

Leser-Kommentare

17.05.2007, 10:45:29 Dietmar Kesten

BATMAN BEGINS

SUPERHELDEN

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 17.
JUNI 2005.

Man erinnert sich gern an „Batman“ (Regie: Tim BURTON, 1988), als der durchgeknallte und diabolische Jack NICHOLSON als ‚Joker’ sticht und seine Initialen versprühte. Seit dieser Zeit ist es um „Batman“ ruhiger geworden. Das Treiben um den kunterbunten Flattermann, ließ sich auch durch hochkarätige Besetzungen nicht ins Lot bringen.
In „Batmans Rückkehr“ (Regie: Tim BURTON, 1992)
zeigte Michelle PFEIFFER als ‚Catwoman’ keine Krallen.

Allenfalls Danny DEVITO ist herrlich heuchlerisch gewesen. In „Batman Forever“ (Regie Joel SCHUMACHER, 1995) war Val KILMER im Village-People-Kostüm eine Zumutung. Arnold SCHWARZENEGGER als ‚Mr. Freeze’
(„Batman & Robin“, Regie: Joel SCHUMACHER, 1997)
war ein Flop und ließ die Flügel hängen. Mit Christian BALE (“Reich der Sonne”, 1987, „American Psycho“, 2000, „Corellis Mandoline“, 2001, “Herrschaft des Feuers”, 2002, “The Machinist”, 2004) als Bruce Wayne, meint nun Regisseur Christoper NOLAN („Der steinerne Garten“, 1987, „Memento“, 2000, „Insomnia - Schlaflos“, 2002) die Figur neu erfunden zu haben.

In der Tat ist „Batman Begins“ nicht eine einfache Fortsetzung bisheriger „Batman“-Produktionen, sondern, was zu befürchten war, ein Blockbuster, der das amerikanische Kino als hemmungslos und recht eindimensional charakterisiert. Wie immer ist Gotham City Dreh- und Angelpunkt der Geschichte.
Diese Stadt hat nun gar nichts mit der futuristischen Steinwüste aus „Blade Runner“ (Regie: Ridley SCOTT, 1982) zu tun, verschärft aber die Abgründe zwischen den Protagonisten. Hier ist der Flattermann zu Hause, die Legende, die man auch den ‚Dunklen Ritter’ nennt.Nach der Ermordung seiner Eltern in den Straßen von Gotham, reist Bruce Wayne durch die Welt, um herauszufinden, was Recht ist, wie das Unrecht bekämpft werden kann.

Voller Schuldgefühle und von paranoider Angst getrieben, setzt er sich nach Asien ab, um dort auf Henri Ducard (Liam NEESON) zu treffen, der im Himalaja ein Ninja-Trainingscamp für
Verbrechensbekämpfung betreibt. Ducard bildet ihn zum Kämpfer aus. Als er nach Gotham zurückkehrt, regiert dort nur der Mob. Als Fledermaus dreht er
nun den Spieß um und jagt den Verbrechern und Mördern Angst ein.

Manchmal ist es im Kino so, dass zu vage Interpretationen eines Film, Verärgerungen hervorrufen, und manchmal so, dass man Türen aufstößt.Bei „Batman Begins“ dürfte es nicht anders sein. Die Lager werden sich spalten in Pro und Kontra. Vor allem dann, wenn man an die Deutung von Bruce Wayne herangeht. Handelt es sich nur eine Comicfigur, oder einen Menschen mit Tiefe und Gefühlen? Von allen Comicverfilmungen war „Spiderman 2“ (Regie: Sam RAIMI, 2004) der Charakterfesteste. Peter Parker (Tobey MAGUIRE) war der verletzlich, der weinerliche Held, zeigte in seiner Charaktermaske die Angst vor dem Getriebensein. Ständig mit den beiden Seelen, die in seiner Brust schlagen, hin- und herpendelnd, konnte der traurige Held seine brüchige, gestörte und einsame Persönlichkeit nur mit dem eigenen seelischen Innenblick und fernab vom Publikum
realisieren.

Je deutlicher er sein Erleben, seine Ängste, Traumata,
seine eigene Furcht verarbeitete, und doch nicht zu beherrschen lernte, schickte er uns alle auf die Reise ins Unterbewusste, in unsere eigene Vergangenheit, in die Träume der Kindheitserlebnisse, in unsere Sucht, die schemenhaften Abgründe der Tragik des Seelenlebens wie ein apokalyptischer Reiter zu durchschreiten.

Der irreale Peter Parker wurde zum realen Nachbarn, der seinen Realitätsanspruch nicht nur durch das eigentliche Absurde manifestierte, sondern einmal mehr durch die ihm innewohnende Wahrhaftigkeit, mit der er verblüffte und die Schablonenabenteuer des Kinos eindeutig hinter sich ließ. „Batman Begins“ soll realer sein als alle seine Vorgänger, sich von ihnen durch Realitätssinn unterscheiden.So geht man mit der Fledermaus auf Spurensuche. Es ist schon seltsam unlogisch, wenn Bruce Wayne zwischen
Rachegelüsten und Gerechtigkeitssinn tollpatschig abfliegt. Mit subtiler Umsetzung des Stoffes hat das alles nichts zu tun.

Bruce Wayne ist nicht Peter Parker. Er ist kein bodenständiger Held mit Tiefgründigkeit. Er hat keinen hintergründigen Charakter. Und er berührt auch nicht emotional. Er ist nur ein Schatten seiner selbst. Und deutlich wird, dass seine Sprungkraft und die alberne außer Kraftsetzung der Gesetze der Statik und der Schwerkraft weder seiner Willenskraft, Identität oder Anonymität entspringt. Er ist nur eben eine normale Comic-Figur, die sich durch Hightech-Spielzeug gut in Szene zu setzen weiß.

Bruce Wayne ist ein Amateur. Er ist eine
Übersteigerung der „Hulk“-Figur (Regie: Ang LEE, 2003) und der Jedi-Ritter aus „Star Wars - Die Rache der Sith“ (Regie: Georg LUCAS, 2005). Letztlich funktioniert er nur zwischen Fledermäusen,
Verbrecherjagd, Selbstfindung Symbolik und Esoterik.
Wenn Sabine HORST in „Der Zeit“ vom 16. Juni meinte, dass sich in Christian BALE eine „überzeugende, beinahe würdevolle Präsenz“
niederschlagen würde, dann wird nicht verstanden, dass er das getreue Abbild der Figur Bruce Wayne ist.
Denn wenn immer nur Vereinigungsprojektmachereien
den Ausschlag für angebliche Hinter- und Tiefgründigkeit eines Films geben sollten, dann könnte man jede Filmgeschichte mit einem sozialkritischen Ton, mit Intimität und Melancholie, ja einem ganzen Familiendrama unterlegen. Ob das sinnvoll ist?

Als Flop ist „Batman Begins“ nun nicht unbedingt zu bezeichnen. Auch nicht als einfaches Schablonenabenteuer. Doch bleibt die gestrickte Geschichte um Identitätsfindung für Jung und Alt das eigentliche Manko aller „Batman“ Verfilmungen.
„Batman Begins“ ist da keine Ausnahme.

Fazit:

Überall auf der Welt brennt noch Licht. In den Labors
von Paramount, Disney, Warner Bros, Dreamworks oder Twentieth-Century Fox beugen sich gut aussehende junge Filmprojektentwerfer über ihre Filmkulturen. Sie enträtseln die literarische Tiefe, (er-)finden Gründe für eine kommende Massenwirksamkeit, stülpen den
Schauspielern eine Maske über, formen die
Actionhandlungen. Und irgendwann schenkt Hollywood dann dem Publikum einen Film.

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann