Film Daten

Titel:
Die Insel
Originaltitel:
The Island
Land & Jahr:
USA 2005
Regie:
Michael Bay
Darsteller:
Ewan McGregor
Scarlett Johansson
Djimon Hounsou
Sean Bean
Steve Buscemi
Michael Clarke Duncan
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

Die Insel

Review

Die Insel

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

Nach einem nuklearen Holocaust lebt die Menschheit unter der Erde und führt ein geregeltes Leben, das starren Vorschriften folgt. Lincoln Six Echo (Ewan McGregor) beginnt allerdings langsam das System zu hinterfragen. Zufällig findet er einen Weg zu den oberen Ebenen und entdeckt, dass die Oberwelt gar nicht verseucht und unbewohnbar ist. Zusammen mit Jordan Two Delta (Scarlett Johansson) flüchtet er. Die beiden erfahren schließlich, dass ihre Existenz nur darauf beruht, dass sie die Klone von reichen Leuten sind, für die sie irgendwann sterben müssen um ihre Organe zu spenden. Eine wilde Verfolgung beginnt ...

Ärgernis Nummer Eins: was hätte man aus dieser Thematik alles machen können, aber bei Michael Bay als Regisseur hätte man eigentlich damit rechnen müssen, dass dieser Film nichts taugt. Ärgernis Nummer Zwei: "Die Insel" ist eine tolldreiste Kopie des bereits 1979 gedrehten "The Clonus Horror", der die gleiche Thematik behandelt und sogar einen ähnlichen Handlungsverlauf besitzt! Nebenbei wird auch noch fröhlich aus "Flucht ins 23. Jahrhundert", "Matrix", "THX 1138" und unzähligen anderen SF-Klassikern geklaut. Eigentlich sollte man die Drehbuchautoren wegen Diebstahl geistigen Eigentums verklagen.

Aber nun zum Film selbst: während der Anfangsphase unterhalb der Erde wird ja noch sowas wie Spannung und Atmosphäre aufgebaut. Aber sobald es an die Oberfläche geht, verkommt der Film zu einem banalen Actionthriller mit viel Materialschlacht, der sich statt einer intelligenten Fortführung der Geschichte nur auf Schießereien und sattsam durchgekaute Standardsituationen verläßt und dabei auch noch die sprichwörtlichen Scheunentore in der Logik aufreißt. Als kleines Beispiel folgendes: die beiden Flüchtlinge werden von der normalen Polizei festgenommen und zum Revier gefahren, ein Trupp von Special Forces, die die beiden eigentlich einfangen sollten, hinterher. Und der Polizeiwagen bleibt einfach so ohne Grund mitten auf einer Kreuzung stehen, nur damit der LKW der Special Forces direkt reinbrettern kann! Da ist kein Stau, kein Unfall, nichts. Die Polizisten bleiben einfach so stehen und scheinen nur darauf zu warten angefahren zu werden. Und dies ist nur ein Beispiel von diversen groben Schnitzern, da gibt es noch einige mehr, die dem Zuschauer auch auffallen dürften, wenn er eigentlich gar nicht so genau darauf achtet. Lediglich an der Inszenierung gibt es nicht viel zu meckern, die ist Hollywood-Blockbuster pur und recht makellos. Also außen Hui, innen Pfui. Und zwar ein ganz dickes Pfui! Somit bleibt bislang immer noch "Gattaca" der einzige Film, der sich wirklich mit Verstand mit dem Thema Klonen auseinandersetzt und nicht von anderen Filmen klaut.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 21.01.2006

Leser-Kommentare

17.05.2007, 11:55:13 Dietmar Kesten

DIE INSEL

SELBSTINSZENIERUNG

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 6.

AUGUST 2005.


Scarlett JOHANSSON was das „Mädchen mit dem Perlenohrring“ (Regie: PETER WEBBER, 2003).
Mit anmutender Schönheit stand sie dort Vermeer Modell. Und jedes Mal, wenn sie ihren Blick senkte oder hob, schaute man in ihre wunderschönen Augen. Sie besaß etwas, was Stil hatte. Und sie fiel nicht um jeden Preis auf. In „Lost in Translation“ (Regie: Sofia COPPOLA, 2003) zeigte sie sich an der Seite von Bill MURRAY natürlich und ohne Gehabe. Mit ihrem melancholischen Blick suchte sie einen Weg, der diese Stimmungslage mit den Gegenwartsbildern verknüpfen konnte.

Nun ist Scarlett JOHANSSON in einem neuen Film zu sehen. „Die Insel“ (Regie: Michael BAY) heißt der Streifen mit ihr und Ewan McGREGOR. Die futuristische Welt ist kurzerhand in Diesseits
verlagert worden. Überlebende fristen ihr Dasein nach
einem Supergau, der die Welt verseucht hat, an einem abgeschirmten Ort, an dem sie permanent überwacht werden. Und sie dienen als menschliches Ersatzteillager; denn tot sind sie wertvoller als lebendig. Eine Insel soll die Rettung bringen. Dorthin soll man über den Hauptgewinn in einer Lotterie gelangen. Doch in Wahrheit gibt es diese Insel nicht, die der einzige giftfreie Platz sein soll. Lincoln (Ewan MCGREGOR) und Two-Delta (Scarlett JOHANSSON) finden das heraus. Und versuchen zu fliehen. Doch wohin? Die Hatz beginnt.

Scharf geschnitten ist ihre weiße Uniform, die nichts
verbirgt. Nichts ist geblieben von der einstigen Anmut,
dem zarten Gesicht mit den hohen Wangenknochen.
Im Einheitsbrei von Explosionen und der rastlosen
Vernebelung der Gehirne bleibt sie weit hinter den Erwartungen zurück. Und inszeniert sich selbst.
Dass JOHANSSON nun ihren Körper zu jeder Form
von rein kommerziellen Zwecken auszuschlachten beginnt, hat nichts mehr mit ihren ehemals einfühlsamen Charakterdarstellungen zu tun.
Sie ist wie der Film: eine trockengelegte Baugrube, die erst aufwendig restauriert werden müsste, damit die darunter liegenden Sedimente in neuem Glanz erstrahlen.

Da keimt es auf. Die „Schöne neue Welt“ von
(Aldous HUXYLEY, 1953) oder „1984“ von
Georg ORWELL, 1950): Geklonte Wesen und Big Brother um die Ecke. Hier wird ausgeweidet und beobachtet. Von „Metropolis“ (Regie: Fritz LANG, 1925/26), über „Gattaca“ (Regie: Andrew NICCOL, 1997) bis zu „Matrix“ (Regie: Larry WACHOWSKI/Andy WACHOWSKI, 1999)
ist die künstliche Welt allgegenwärtig.

Wieder einmal wird ein Blockbuster aus dem Boden
gestampft. Geschichten über die Korrumpierung von
Ökonomie und Wissenschaft sind ebenso gegenwärtig, wie der Versuch, imaginäre und reale Welt irgendwie miteinander zu verbinden. Um die Verwirrung noch zu steigern, treten Klon gegen
Klon, die dann auch noch in Moralität machen.
Doch die Suppe ist versalzen. Dieser Film ist nur eine Niete.

Wer meint, dass sich hier Tiefe einstellen könnte,
hat sich getäuscht. Die berühmten Schwarz-Weiß Schemata von Gut und Böse, die mit allen nur verfügbaren Klischees angereichert sind, geben sich die Hand. Ein überfrachtetes Weltbild mit Bedrohungen, die schon fast den Kinosaal erreichen, machen aus dem Film eine brüchige Skulptur, die auch mit dem zuverlässigsten Kleber nicht zusammengefügt werden kann.

Fazit:

Wie bei ähnlichen Filmen, gibt es gute Ansätze,
die reihenweise verschenkt werden. Scarlett Johansson bleibt weit hinter den Erwartungen
zurück, während McGregor eher ein Bond-Verschnitt ist, an dem auch der schlimmste Crash spurlos vorübergeht.

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann