Film Daten

Titel:
Doom - Der Film
Originaltitel:
Doom
Land & Jahr:
USA / Tschechische Republik 2005
Regie:
Andrzej Bartkowiak
Darsteller:
Karl Urban
The Rock
Rosamund Pike
Dexter Fletcher
Ben Daniels
Al Weaver
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

Doom - Der Film

Review

Doom - Der Film

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

Auf dem Mars soll eine Gruppe von Söldnern das Verschwinden einer Wissenschaftlergruppe ergründen. In den unterirdischen Gängen finden sie nicht nur die brutal getöteten Wissenschaftler, sondern auch unbekannte und furchteinflößende Monster...

Mal ehrlich: was erwartet man von der Verfilmung eines Computerspiels, das nur aus Laufen, Verstecken und Ballern besteht? Eben, einen reinrassigen Actionfilm ohne große Story oder gar nur einem leicht erhöhten Anspruch. Und genau das bekommt man mit "Doom" auch geboten. Mich würde es wundern, wenn hier jemand ernsthaft mehr erwartet hat. Und dessen ist sich der Film bzw. das Drehbuch auch durchaus bewußt. Hier wird gar nicht erst versucht sowas wie eine verkrampfte Handlung mit einiger Komplexität einzubauen, sondern nur eine ganz grob gestrickte Hintergrundstory, um genug Freiraum für möglichst viele Schießereien zu lassen. Die Story ist also hohl, die Charaktere auch, eigentlich die Vollgurke vorm Herrn. Das "Doom" allerdings den Zuschauer nicht maßlos verärgert, liegt einfach daran, dass er genau das liefert was man erwartet. Weil es schon vorher klar ist, dass man hier auf Durchzug stellen kann. Ich musste schon deutlich schlechtere Filme über mich ergehen lassen und die 5 Minuten First-Person-Perspektive sind zwar albern, aber auch irgendwie mit die unterhaltsamsten Momente im Film.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 19.04.2006

Leser-Kommentare

17.05.2007, 08:33:41 Dietmar Kesten

THE DOOM - DER FILM

ABSCHEULICH

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 29.
OKTOBER 2005.


Führerlos kentert jedes Schiff im Sturm. Wenn gewaltige Wellen zügellos das Meer aufwühlen, sind die Chancen, ihnen zu entkommen, äußerst gering. Man geht mit Mann und Maus unter. Wenn Aliens mutieren und ihr blutiges Handwerk verrichten, gibt es meistens auch kein Entkommen. Oder doch?

In naher Zukunft zerstört eine Invasion von Dämonen einen Militärstützpunkt der Menschen auf dem Mars. In kürzester Frist verwandeln sich alle Lebewesen in unberechenbare Zombies. John GRIMM (Karl URBAN) scheint auserwählt, mit einer kleinen Gruppe von Überlebenden gegen sie (das Böse) zu kämpfen. Sie schicken sich an, die Basis von ihnen zu säubern. Doch ihre Situation scheint ausweglos zu sein.

„Doom - Der Film“ lehnt sich an die Computerspielserie Doom an und darf getrost als Liquidierungsorgie bezeichnet werden. Waren schon die Spiele widerwärtig, so kann das der Film noch toppen. Er belegt eindeutig die neue Gewalt der Bilder, die einen abscheulichen Realismus in der Darstellung erreichen. Er gehört in die Annalen der Wiederaufbereitung der Gewaltszenen, die mit Raffinesse den Großbrand der Vernichtung aus den Untiefen hervorholen, um auf giftigste Weise die ohnehin schon süchtigen Konsolenfreaks noch süchtiger zu machen.

Was hier abgeliefert wird, sind bedrohliche Bilder, die ekelhaft sind. Eine Gesellschaft, die sich sowieso an ein Bildergefüge gewöhnt hat, die auf giftigste Weise jeden Gewaltschock ideologisch einzubinden versteht, hat sich schon längst mit diesem Doombollwerk arrangiert. Wen wundert es da, wenn das Kino als Teil der Kulturproduktion diese perverse Allianz mit dem wild gewordenen Fleischwolf, der metzelt, was ihm in den Weg kommt, noch hofiert!

Wenn diese(s) genetisch mutierende(n) Mars – Alien(s) im Halbdunkel mordet(n), dann ist das eine neue Qualität von Brutalität. Es mutet wie ein (globales) Standgericht an, auch wenn man es nur mit synthetischen Pixeln zu tun hat, die verströmt werden. Doch der Umgang mit der Gewalt ist es, der erschrocken macht. Und die hier mit Leichtigkeit und Gleichgültigkeit dem Zuschauer entgegentritt.

Diesen blindwütigen militanten Horror muss man als nichtswürdiges Schauspiel bezeichnen; denn die Spiel/Film - Maxime lautet: „Töte(t) alles, was nicht wie Du selbst bist.“ Und damit ist die Ebene beschritten, die als eliminatorisch bezeichnet werden muss. Weil es schon längst nicht mehr nur um Kino geht, sondern darum, wo die definitive Grenze verläuft: Blut fließen lassen, oder die verhängnisvollen Schlachtfeste irgendwann zu stoppen.

„Doom 3“ wurde als „nicht jugendfrei“ eingestuft, aber nicht indiziert. Und ist überall zu kaufen. Was auch hochauflösenden Monitoren erscheint, verschlägt einem den Atem: literweise Blut auf weißen Kacheln, verspritzt, verschmiert, verteilt, Wesen mit aufgeschlitzten Bäuchen hängen gekreuzigt von der Decke, Humanoide mit abgezogener Gesichtshaut und weggebrochenen Unterkiefern torkeln durch die Gegend. Alle sind zum Abschuss freigegeben. Die Visualisierung des Blutrausches zieht die Spieler in den Bann. Derart, dass dieses zusammengezimmerte Konstrukt
sich nun auch ungehindert als Film etablieren möchte.

Das Ferment dieser Konstellation ist der allgemeine Gewaltschub, der bekanntlich nur auf dem Schafott enden kann. Die Hemmschwellen sind schon längst gefallen. Auch deswegen kann der Film dort weitermachen, wo das Spiel aufhört. Wie formulierte es noch ein Kritiker: „Der Film ist eine werkgetreue Umsetzung der gewalttätigen Gamevorlage.“ In der Tat. Doch das reicht als Kritik nicht mehr aus; denn erst die Tiefenschärfe holt das an das Tageslicht, was der Film gebiert: bestialische Bilder, die in ihren hervorstechenden Sequenzen nur als latente Bedrohung bezeichnet werden können.

Die ekelhaft bis sadistischen Arrangements, der Schub jeglicher Gewaltszenarien ist die kulturspezifische Konsequenz der Verrohung in Staat und Gesellschaft, in der Waffenkultur, Gewalt gegen Menschen, blutige Exzesse und Schauplätze von Massaker an der Tagesordnung sind. Wer immer nur den (brutalen) Actionfilm als harmlos einstuft und sich nicht weiter mit Verschleierung, Ritualisierung und Gleichgültigkeit im Film auseinandersetzt, wird nie die Zusammenhänge zwischen der Gewaltkultur gesellschaftlicher Normalität und kulturspezifischer Entsprechung erkennen können. Wenn bereits Kinder Spaß an der Vernichtung haben, wie sie im Computerspiel Doom zelebriert wird, dann kann das Resultat dieser gestörten Psychen nur in der Selbstzerstörung enden.

Fazit:

Das Computerspiel scheint angekommen zu sein. Dieser perfide Gewaltschub setzt sich nun auch im Film konsequent fort. Diesem fiesen Zeug kann man nur mit Abneigung, Distanz und Verachtung begegnen.

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann