Film Daten

Titel:
Deranged
Originaltitel:
Deranged
Land & Jahr:
USA 1974
Laufzeit ca.: ?
83 Min.
Regie:
Jeff Gillen
Darsteller:
Roberts Blossom
Cosette Lee
Leslie Carlson
Robert Warner
Marcia Diamond
Brian Smeagle
Arlene Gillen
Robert McHeady
Marian Waldman
Jack Mather
Micki Moore
Pat Orr
Alternativtitel:
• Besessen
• Deranged - Geständnisse eines Nekrophilen
• Deranged - The Confessions of a Necrophile
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Legend Films
Label:
Legend Films
Regionalcode / Norm:
0 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 79:23
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 1.0
Englisch - DD 1.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Extras:
  • Dokumentation "Deranged Chronicles: The Making of Deranged"
  • Featurette "The Ed Gein Story: Producer Tom Karr on Location"
  • Dokumentation "Ed Gein: American Maniac"
  • Featurette "Das Sequel das keines war: Hinter den Kulissen von Creep"
  • Trailer
  • Alternativer Trailer
  • Teaser

Deranged

Review

Deranged - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Die Welt des etwas schrulligen Ezra Cobb (Roberts Blossom) bricht komplett in sich zusammen, als seine Mutter (Cosette Lee) stirbt und er nun auf sich alleine gestellt ist. Nach außen hin wirkt er auf andere Menschen zwar ein wenig exzentrisch, aber insgesamt doch noch einigermaßen normal. Durch die Einsamkeit zuhause beginnt er aber Wahnvorstellungen zu entwickeln, in denen seine Mutter zu ihm spricht und ihn bittet sie wieder nach Hause zu holen. Dies setzt er schließlich in die Tat um, holt ihre Leiche aus dem Sarg und bringt sie in ihr altes Zimmer, dass er auch nach ihrem Tod immer noch in Ordnung gehalten hat. Da der Zustand der Leiche aber mittlerweile nicht mehr der allerbeste ist, versucht er sie wieder ein wenig herzurichten, wobei er irgendwann auf frisch begrabene Leichen zurückgreift und später schließlich auf lebende Menschen...

Deranged - ScreenshotDeranged - Screenshot

"The motion picture you are about to see is absolutely true." heißt es auf einer Texttafel ganz zu Beginn. Im Gegensatz zu vielen Filmen die eine fiktive Geschichte als real verkaufen, entspricht es hier ausnahmsweise mal der Wahrheit. Auch wenn alle Namen von Personen und Orten geändert wurden, so handelt es sich hier um eine Wiedergabe der schrecklichen Ereignisse um den amerikanischen Psychopathen Ed Gein. Gein, der in dem kleinen verschlafenen Örtchen Plainfield in Wisconsin lebte, brachte in den 50er Jahren zwei Frauen um und sammelte über Jahre hinweg Leichenteile und diversen Müll in seinem Haus. "Deranged" schlägt dabei bewußt einen pseudo-dokumentarischen Weg ein, die Handlung wird des öfteren von Kommentaren eines Reporters unterbrochen. Inszeniert ist der Film dabei wie eine Art Kammerspiel, auf filmische Besonderheiten wie aufwendige Kamerafahrten wurde hier fast komplett verzichtet, bis auf wenige Ausnahmen finden alle Schlüsselszenen in geschlossenen Räumen statt.

Dementsprechend "trocken" ist auch der Film ausgefallen, wobei dies nicht unbedingt negativ zu werten ist. Es handelt sich hierbei nicht um einen Slasher mit bewußt inszenierten gewalttätigen Schocks, sondern eher um das psychologische Porträt eines Mannes, der in seiner Jugend und als Erwachsener kaum etwas anderes kennengelernt hat als seine eigene Familie, seine Nachbarn und den kleinen Ort in dem er lebt. Erzogen wurde er von einer streng religiösen Mutter, die aber so übermächtig auf ihn wirkte, dass er ihr nie Widerworte gab, sondern sie trotz allem noch liebte. Viele Jahre lang kümmerte er sich hingebungsvoll um sie, nachdem sie durch einen Schlaganfall teilweise gelähmt und ans Bett gefesselt war. In ihren Augen waren alle Frauen schlecht, böse, hinterlistig und die Übertrager von Krankheiten. Zwar schwang in ihren Hasstriaden unterschwellig die Angst mit, dass Ezra sie wegen einer Frau vernachlässigen könnte, was Ezra selber in seinem einfachen Geiste aber nicht erfasst hat. Für ihn waren die Worte seiner Mutter die einzige Wahrheit, sie leiteten ihn durch sein Leben und nach ihrem Tod steht er plötzlich ohne Führung da. Zwar pflegte er noch guten Kontakt zu der Familie Kootz, seinen Nachbarn, aber im tiefsten Inneren war er eine sehr einsame Seele geworden, wodurch sich langsam aber sicher eine Art Schizophrenie herausbildete.

Deranged - ScreenshotDeranged - Screenshot

Dies führt schließlich zu der Einbildung, dass seine Mutter auch nach ihrem Tode zu ihm spricht. Er holt die Leiche aus dem Grab und stellt somit das vertraute Leben zuhause wieder her. Die "Restaurierung" der Mutter wird nur in einer Szene sehr explizit dargestellt, als er von dem Kopf einer einer frischen Leiche die Haare und ein Auge entfernt. Dies ist wirklich die einzige Sequenz, die Richtung Gore oder Splatter geht, während der Film ansonsten auf eine zu deutliche Darstellung von Leichenschändungen verzichtet. Daher wirkt die schon fast wieder fehlplaziert, der Film hätte auch sehr gut ohne diese Szene auskommen können. Auch seine letzte Tat im Film, die Ausweidung eines Opfers, das er wie ein Tier kopfüber in seinem Stall hängen läßt, wird nur angedeutet. Das grausame Werk spielt sich nur im Kopf des Zuschauers ab, eine wirkungsvolle Methode den Film gewaltätiger erscheinen zu lassen als er in Wirklichkeit ist. Ein bewährtes Konzept, dass auch schon beim original The Texas Chain Saw Massacre gut funktionierte. Ironischerweise basiert der, wenn auch nur grob, auch auf den Taten Ed Geins und kam im gleichen Jahr raus.

Wer also einen Slasher oder Splatterfilm erwartet, dürfte sich fürchterlich in seinen Erwartungen getäuscht sehen. Der Film ist sehr langsam und ruhig, legt seinen Fokus mehr auf die innere Welt Ezra Cobbs und weniger auf eine detaillierte Darstellung seiner Taten. Dabei ist er einerseits von etwas (unfreiwilligen?) Humor gespickt, z.B. als Ezra in das Zimmer seiner Mutter geht und einen frisch ausgegrabenen Totelschädel mit den Worten "Look mama. I brought you a visitor" präsentiert. Daneben gibt es aber auch die eine oder andere schöne Gänsehautszene, wenn z.B. die Kellnerin Mary (Micki Moore) in Ezras Haus nach ihm sucht. Hundertprozentig authentisch ist die Wiedergabe der Handlungen von Ed Gein allerdings auch nicht, da Produzent Tom Karr auf ein paar künstlerische Freiheiten bestand. So grub der echte Ed Gein bespielsweise nie seine eigene Mutter aus. Auch wird am Ende des Films gesagt, dass Ezras Haus nur einige Tage nach seiner Verhaftung niedergebrannt wurde. In Wirklichkeit geschah dies erst einige Monate später, als die Bewohner von Plainfield es leid waren, dass immer wieder sensationsgierige Menschen in den kleinen Ort kamen. Der Film wurde nicht an den Originalschauplätzen gedreht, sondern in Kanada.

Deranged - ScreenshotDeranged - Screenshot

Das Drehbuch wurde unter dem Arbeitstitel "Necromania" von Alan Ormsby geschrieben, der hier auch zusammen mit Jeff Gillen die Regie führte. Dies ist aber schon fast die Ausnahme in seinem Schaffen, da er sonst eigentlich nur als Autor in Erscheinung trat. Er verfasste unter anderem die Drehbücher für Children shouldn't play with dead things, dem Horrorthriller Deathdream oder dem Cat People (Katzenmenschen) Remake. Für Jeff Gillen war dies sogar die einzige bekanntere Regiearbeit. Roberts Blossoms hatte neben einer Reihe von kleineren Nebenrollen durchaus auch größere Auftritte, so z.B. in Escape from Alcatraz (Flucht aus Alcatraz), The Last Temptation of Christ (Die letzte Versuchung Christi) oder The Quick and the Dead (Schneller als der Tod). Von Alan Ormsby gibt es sogar eine Art Cameo-Auftritt im Film, denn sein Gesicht ist es, dass das Foto von Herbert, dem verstorbenen Mann von Maureen Selby (Marian Waldman) ziert, eine alte Freundin von Ezras Mutter, die er während des Films einmal besucht. Jeff Gillens Frau Arlene spielt ebenfalls in dem Film mit, sie stellt nämlich die Leiche der alten Lehrerin Miss Johnson dar, die von Ezra als zweites ausgegraben wird.

Die DVD von Legend Films präsentiert den Film im Gegensatz zur US-DVD von MGM (als Double-Feature mit Motel Hell) in seiner ungekürzten Form. Dies ist natürlich sehr löblich, hat aber auch leider einen kleinen Haken. Das Bildmaterial ist zu 99% qualitativ sehr gut ausgefallen. Die eine Sequenz aber, die bei MGM fehlt, musste für die Legend DVD aus einer anderen Quelle entnommen werden, was in einem massiven Qualitätsabfall resultiert. Diese Szene dauert ca. 80 Sekunden, danach geht es dann in der normalen guten Qualität weiter. Das Bild ist zwar im Detail nicht superscharf, allerdings ist der Film mittlerweile auch über 30 Jahre alt. Analoge Materialschäden bzw. Verschmutzungen sind durchaus vorhanden, aber nicht störend. Der Ton ist ungewöhnlich laut abgemischt, allerdings weisen weder deutscher noch englischer Ton irgendwelche Störgeräusche auf. Teilweise sind die Dialoge im Originalton durch das Genuschel der Darsteller oder eine etwas zu leise Aufnahme bei den Dreharbeiten nicht immer sehr gut verständlich, aber dies ist ein Nachteil der Produktion an sich, nicht der DVD. Deutsche wie auch englische Untertitel helfen aber beim Verständnis.

Deranged - ScreenshotDeranged - Screenshot

Wie fast immer bei den letzten Veröffentlichungen von Legend steckt die Amaray-Hülle in einem schön gestalteten Pappschuber. Im Gegensatz zur US-DVD von MGM gibt es hier sogar reichlich Bonusmaterial in Form eines Making-Ofs, einer Doku über Ed Gein und einen Einblick in das Pseudo-Sequel "Creed". Das Making-of "Deranged Chronicles: The Making of Deranged" hat eine Laufzeit von 36 Minuten und wurde von einem gewissen Michael D. Moore erstellt. Hier werden vornehmlich auf 16mm gedrehte Aufnahmen von den Dreharbeiten gezeigt, die der Produzent Tom Karr damals aufgenommen hat. Während der Aufnahmen gibt Special Effects Künstler Tom Savini in Form eines Audiokommentars einige Details wieder, darauffolgend geben dann Jeff Gillen und Tom Karr weitere Kommentare und Erklärungen ab. Das 16mm Material bietet natürlich keine sehr gute Qualität, der Rest des Making-Ofs hat auch eher VHs Niveau und der Ton des gesamten Making-Ofs leidet unter einem permanenten Rauschen, aber man bekommt schon einen guten Eindruck von den Dreharbeiten. Vor allem erweist sich Tom Karr als ein kleiner Experte, was den reellen Ed Gein Fall angeht.

In "The Ed Gein Story: Producer Tom Karr on Location" (20 Min.) besucht Produzent Tom Karr einige der Orte (vielmehr Geins ehemaliges Land und der Friedhof von Plainfield), an denen Ed Gein damals seine grausamen Taten durchführte und hält nebenbei einen Vortrag über die damaligen Ereignisse. Dabei erfährt man einige Details mehr als in dem Making-Of, wo auf größtenteils bekannte Fakten eingegangen ist. Auch diese Dokumentation wurde von Michael D. Moore erstellt und liegt hier auch in einer eher durchwachsenen Qualität vor. Das wird aber noch schlimmer mit "Ed Gein - American Maniac", einer sogenannten True-Crime-Dokumentation, deren Originalelemente von 1981 in einem desolaten und kaum wieder rekonstruierbaren Zustand befinden. Darauf wird aber auch deutlich mit einer Texttafel zu Beginn hingewiesen und ebenfalls im Booklet der DVD. Dieses Material wurde auch von Michael D. Moore zusammengetragen und von Legend editiert. Hierbei handelt es sich aber um eine richtige Dokumentation, die Fotos und Zeitungsauschnitte von damals in Verbindung mit Aufnahmen von Plainfield zeigt mit einem Sprecher, der die Ereignisse von damals wiedergibt. Diese Doku geht ca. 24 Minuten und ist inhaltlich zwar interessant, vor allem wenn man kaum etwas von dem Fall kennt, aber was Bild und Ton angeht wirklich eine harte Probe.

Deranged - ScreenshotDeranged - Screenshot

Der Independent-Filmer Tim Ritter plante 1995 eine Direct-to-Video Fortsetzung von Deranged, die schließlich aber als eigenständiger Film Creep herauskam. Davon kann man sich in "Das Sequel das keines war: Hinter den Kulissen von Creep" einen kurzen Eindruck verschaffen, wirklich interessant sieht der Film allerdings nicht aus. Das Bonusmaterial wird schließlich von dem original Trailer, einem alternativen Trailer und einem Teaser abgeschlossen. Als Hidden Feature gibt es noch einen von MGM gestalteten Trailer, der sich zwar kaum von den anderen Trailern unterscheidet, aber die beste Bildqualität von allen hat. Von Legend Chef Marcus Popescu gibt es zudem noch informative Liner Notes in einem 24-seitigen Booklet, in dem vor allem auf den Einfluss der Taten von Ed Gein auf die Filmwelt eingegangen wird. Außerdem erfährt man hier auch noch einige interessante Details, auf die im Making-of nicht eingegangen wurde. Für einen schon fast vergessenen kleinen Kultklassiker eine wirklich aufwendige Veröffentlichung.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 12.06.1999
Letzte Textänderung: 23.07.2004

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