Film Daten

Titel:
Originaltitel:
Pathfinder
Land & Jahr:
Canada / USA 2007
Laufzeit ca.: ?
103 Min.
Regie:
Marcus Nispel
Darsteller:
Karl Urban
Moon Bloodgood
Russell Means
Clancy Brown
Jay Tavare
Nathaniel Arcand
Ralf Moeller
Kevin Loring
Wayne Charles Baker
Michelle Thrush
Nicole Muñoz
Burkely Duffield
Ray G. Thunderchild
Duane Howard
Brandon Oakes
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

Review

(Ein Kurzreview von Florian Bultmann)

Blutrünstige Wikinger fallen auf dem amerikanischen Kontinent ein und toben wie ein Unwetter über dessen Einwohner hinweg. Ein kleiner Junge wird von ihnen allein zurückgelassen und gnädigerweise von einem der einheimischen Stämme aufgenommen. Unter dem Namen Ghost wird er in ihrer Kultur aufgezogen, doch er kann seine wahre Herkunft nicht vergessen. Jahre später kehren die brutalen Räuber zurück und metzeln sich von Dorf zu Dorf. Das einstige Wikingerkind stellt sich ihnen nun als junger Krieger in den Weg…

Indianer vs. Wikinger – so könnte man Pathfinder in etwa zusammenfassen. Wobei die Wikinger um einiges im Vorteil sind, denn gegen ihre dicken Panzerungen und Schwerter können ihre mit Waffen aus Holz und Stein ausgerüsteten Gegner nicht viel ausrichten. Da kommt der damals aufgenommene Abkömmling des "Drachenvolks" auch gerade recht als Vermittler in Sachen Kampf und Überleben. Die Grausamkeit seines eigenen Volkes schleppt er als Kindheitstrauma mit sich herum, die Weisheiten seiner Gastfamilie zeigen ihm den für ihn bestimmten Pfad. Man merkt jetzt schon an diesen wenigen Sätzen, dass hier mit Klischees nicht gespart wird. Während die Wikinger geschmückt mit behörnten Helmen, menschlichen Knochen oder gar abgeschnittenen Leichenteilen auf schwarzen Pferden brandschatzend durch die Wälder ziehen, dudeln die Ureinwohner Nordamerikas auf Flöten herum, springen nachts im Kreis ums Lagerfeuer und geben pathetische Phrasen von sich, wie zum Beispiel: "Im Herzen eines jeden kämpfen zwei Wölfe, der eine ist die Liebe, der andere der Hass!" Zumindest muss man sich von diesem verkitschten, unfreiwillig komischen Schmonzes nicht allzu viel anhören, da Pathfinder äußerst dialogarm ausgefallen ist. Eigentlich machen die Figuren überhaupt nur den Mund auf, um Stichworte für den weiteren Verlauf des Films zu geben, der Rest der Kommunikation erledigt sich durch Geschrei, hölzerne Gesten und nachdenkliche Gesichter.

Man sollte in dieser Hinsicht wohl sowieso nicht viel verlangen, schließlich geht es hier um actionreiches Abenteuerkino, gespickt mit Verfolgungsjagden und blutigen Kämpfen (da verliert schon mal der eine oder andere den Kopf). Das Problem ist nur, dass einen diese ganze, irgendwo zwischen Rambo, Conan der Barbar und Braveheart angesiedelte Actionsause größtenteils vollkommen kalt lässt. Was interessiert es mich, ob sich irgendwelche Gestalten gegenseitig im Wald massakrieren und dabei das CGI-Blut in Fontänen spritzt, wenn sie mir alle dank fehlender Charaktertiefe und erzähltechnischer Mängel vollkommen egal sind und gerade deshalb absolut keine Spannung aufkommt? So etwas gab es schon oft genug und in besserer Qualität zu sehen, auch ohne eine völlig dilettantisch und lieblos in die Erzählung konstruierte Liebes- und Eifersuchtsgeschichte zwischen dem Helden Ghost und einem Mädchen namens Starfire.

Dabei hat Pathfinder eine wirklich hübsche Optik. Die finsteren Wälder wirken zwar nicht sonderlich bedrohlich, geben optisch aber genauso viel her wie die verschneiten Berge, in denen sich das Finale des Films abspielt. Schade darum und auch um die Kostüme. Ein Tipp für einen Director’s Cut: Pathfinder auf einen 50-minütigen Splatter-Stummfilm mit Naturkulisse herunter schneiden.

Der Regisseur dieses lustlosen Spektakels ist der Deutsche Marcus Nispel (Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre), der momentan an einer Verfilmung des Computerspiels American McGee’s Alice arbeitet (eine Art Horrorversion von "Alice im Wunderland"). Überaus blass in der Rolle des jungen Kriegers zwischen zwei Welten bleibt Karl Urban (Doom), für mehr Farbe sorgen da schon die beiden Wikinger Clancy Brown (Die Verurteilten, Highlander) und Ralf Moeller (der mal wieder die zweite Geige spielen muss), aber auch nur wegen der blauen Signalfarbe im Gesicht. Ehrlich gesagt habe ich die beiden unter ihren Kostümen überhaupt nicht erkannt.

Autor: Florian Bultmann
Film online seit: 05.09.2007

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