Film Daten

Titel:
Originaltitel:
Indagine su un cittadino al di sopra di ogni sospetto
Land & Jahr:
Italien 1970
Laufzeit ca.: ?
112 Min.
Regie:
Elio Petri
Darsteller:
Gian Maria Volonté
Florinda Bolkan
Gianni Santuccio
Orazio Orlando
Sergio Tramonti
Arturo Dominici
Aldo Rendine
Massimo Foschi
Aleka Paizi
Vittorio Duse
Pino Patti
Salvo Randone
Giuseppe Licastro
Filippo De Gara
Fulvio Grimaldi
Alternativtitel:
• Investigation of a Citizen Above Suspicion
• Enquête sur un citoyen au-dessus de tout soupçon
• Epäilyksen yläpuolella
• Epäilysten ulkopuolella
• Inquérito a Um Cidadão Acima de Qualquer Suspeita
• Investigação Sobre Um Cidadão Acima de Qualquer Suspeita
• Investigación de un ciudadano libre de toda sospecha
• Investigación sobre un ciudadano libre de toda sospecha
• Investigation of a Citizen... Above Suspicion
• Investigation of a Private Citizen
• Sledztwo w sprawie obywatela poza wszelkim podejrzeniem
• Undersökning av en medborgare höjd över alla misstankar
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

Review

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

Der Leiter der Mordkommission (Gian Maria Volontè), tötet seine schöne Geliebte (eine wie immer bezaubernde Florinda Bolkan), die von seinen Kriminalgeschichten fasziniert war und sich auch in typischen Mordopfer-Posen fotografieren ließ. Ganz bewußt hinterläßt er am Tatort Spuren, die ohne Mißverständnisse zu ihm führen müssten. Aber da er "über jeden Zweifel erhaben" ist, tappen seine Kollegen permanent im Dunkeln. Seine Manie, theoretisch jede Straftat begehen zu können ohne dafür belangt zu werden, läßt ihn fast in den Wahnsinn abdriften...

Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger fällt ja erstmal durch seinen unaussprechlich langen Titel auf. Was sich auch erst wie ein knochentrockener Politthriller anhört, entpuppt sich, nachdem man sich erst ein wenig auf das Tempo des Films einstellen muss, als ein faszinierender Film, der eine Kriminalhandlung mit politischen und gesellschaftskritischen Elementen verknüpft und dabei von Minute zu Minute immer besser zu gefallen weiß. Die Handlung ist in der Tat mal etwas außergewöhnlicher und damit auch interessanter. Man hat es hier nicht mit einem typischen Poliziotti zu tun, der Schwerpunkt liegt ganz klar eher im psychiologischen Bereich und weniger in Action oder polizeilicher Ermittlungsarbeit.

Gian Maria Volontè als etwas schmieriger, aber durchsetzungsfähiger Kommissar ist die perfekte Bestzung für diese Rolle. Mit Bravour gibt er seinem Charakter eine enorm selbstbewußte Aura, drückt dann aber nur um wenige Szenen später die Fragilität des Innenlebens dieser Person aus wie es eindringlicher kaum geht. Durch seine Geliebte angestachelt, gelangt er irgendwann wirklich zu der Überzeugung sich alles erlauben zu können, zerbricht dann aber in seinen einsamen Momenten an dem Verlust des Glaubens an den Polizeiapparat, dessen Teil er ist und der für Recht und Ordnung steht.

Ganz leichte Kost ist Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger sicherlich nicht. Der Film bietet trotz einer Nebenhandlung mit Studentenprotesten und Revolten nur sehr wenig Action, der einzige Mord passiert gleich zu Anfang und allgemein ist das Tempo des Films eher zurückhaltender, zudem schwingt auch eine politische Komponente permanent durch die Geschichte. Wer also einen typischen Gialli oder Poliziotti erwartet, dürfte sich ziemlich schwer tun mit diesem Werk. Aber gerade durch seine nicht gerade alltägliche Handlung hebt sich der Film wohltuend von der breiten Masse ab. Man muss sich nur etwas auf den Film einlassen wollen, wird dafür aber mit einer dichten Atmosphäre und hervorragenden schauspielerischen Leistungen belohnt.

Gedreht wurde der Film von Elio Petri, der allerdings in seiner Karriere mehr Drehbücher schrieb als Filme drehte. Zu seinen filmischen Werken gehören z.B. Zwei Särge auf Bestellung (A ciascuno il suo, 1967) oder Die Arbeiterklasse geht ins Paradies (La Classe operaia va in paradiso, 1971). Gian Maria Volontè war in so unterschiedlichen Filmen wie Herkules erobert Atlantis (Ercole alla conquista di Atlantide, 1961), Für eine Handvoll Dollar (Per un pugno di dollari, 1964) + Für ein paar Dollar mehr (Per qualche dollaro in più, 1965), (El Chuncho, quien sabe?, 1966) oder Vier im roten Kreis (Le Cercle rouge, 1970) zu sehen. Florinda Bolkan kennen viele sicherlich aus dem Nonnen-Reißer Nonnen bis aufs Blut gequält (Flavia, la monaca musulmana, 1974), aber sie spielte auch in A Lizard In A Woman's Skin (Una Lucertola con la pelle di donna, 1971), Don't Torture A Duckling (Non si sevizia un paperino, 1972) und (La Settima donna, 1978) mit.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 28.12.2007

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann