To Your Death (2015) - ein Review von The-Aftermath

Christian Mistress: To Your Death - Cover
1
Review
4
Ratings
8.25
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Heavy Metal
Werbung


09.11.2017 10:21

[Ursprünglich verfasst für das Sacred Metal-Board 02/2016]

Okay, okay! Ich geb's zu! Vor drei oder vier Jahren habe ich CHRISTIAN MISTRESS nach allen Regeln der Kunst gebasht, mich über ihr "Retro-Hipster-Getue" aufgeregt, sie mit Flüchen belegt und ewigen Boykott geschworen. Aber verdammt nochmal, das neue Album hat mich einfach komplett aus den Socken gehauen. Insofern gebe ich ganz klar zu: Da habe ich mich geirrt. Oder vielleicht auch nicht. Vielleicht spielen CHRISTIAN MISTRESS immer noch Retro-Metal für Hipster und Roadburn-Besucher und mich stört's einfach nicht mehr so sehr. Mit dem Alter kommt scheinbar die Entspannung in solchen Belangen. Wobei ich nicht weiß, ob mir das frühere Zeug mittlerweile tatsächlich gefallen würde. Fest steht aber, dass "To Your Death" ein richtig tolles Album ist und schon die ganze Woche über meine Anlage blockiert. Anfangs hat mich nur der hymnische Opener "Neon" angefixt, den ich mir eigentlich nur anhören wollte, um meine Vorurteile bestätig zu bekommen. Als ich das Album dann im Laden liegen sah, dachte ich mir "Was soll's!" und seitdem bin ich angefixt. Dabei machen CHRISTIAN MISTRESS absolut nichts Neues. Und gerade da verbirgt sich die Stärke der Scheibe! Aus ganz herkömmlichen Zutaten und Songstrukturen, in einem traditionellen Stil spielend, neue Emotionen und Reaktionen aus dem Zuhörer rauszukitzeln, ist für mich etwas besonderes. Innovationen und Fortschritt sind in der Musik wichtig, gerade im Metal-Genre, das gerade im klassischen Bereich noch zu oft auf der Stelle tritt, aber zwischen Innovation und reiner N.W.O.B.H.M-Kopiererei gibt es noch einen dritten Weg, nämlich die Erschaffung neuer aufregender Songs aus Riffs oder Melodien, von denen man eigentlich dachte, sie schon hunderte Mal gehört zu haben.

CHRISTIAN MISTRESS schaffen das zum Beispiel in dem grandiosen "Open Road", der mich vor allem im letzten Drittel ("Call me if you're on the road, that leads us to the end...") dermaßen mitreißt und emotional durchrüttelt, das es eine wahre Freude ist. Oder in dem bereits angesprochenen "Neon", mit seinen wunderbaren Gesangslinien. Ich gebe zu, nicht alle Songs sind dermaßen gelungen. Gerade das abschließende Instrumental "III" ist verzichtbar. Wenn sie das Hymnische von "Neon", die Energie von "Open Road" und den wunderschönen, aber zu kurzen Blues von "Ultimate Freedom" noch mehr auf der Platte verteilt hätte, ich wäre absolut begeistert. So finde ich's nur richtig geil, aber das ist schon mehr, als ich mir jemals von der Band erhofft hätte. Ach ja, eine gewisse Ähnlichkeit zu SLOUGH FEG lässt sich tatsächlich nicht leugnen, aber dann eher zu "The Animal Spirits"- als zu "Atavism"-Zeiten, wobei Mike Scalzi & Co. die Mätressen natürlich rein technisch an die Wand spielen.

Punkte: 8 / 10


Werbung

Christian Mistress: To Your Death

Audio CD

für 17,27 €
Amazon icon Kaufen bei amazon.de - Mehr Angebote

Tracklist:

  1. Neon
  2. Stronger than blood
  3. Eclipse
  4. Walkin' around
  5. Open road
  6. Ultimate freedom
  7. Lonewild
  8. III
Login
×