Film Daten

Titel:
Explosion des Schweigens
Originaltitel:
Blast of Silence
Land & Jahr:
USA 1961
Laufzeit ca.: ?
75 Min.
Regie:
Allen Baron
Darsteller:
Allen Baron
Molly McCarthy
Larry Tucker
Peter Clume
Danny Mechan
Dean Sheldon
Charles Creasap
Bill DePrato
Erich Kollmar
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

Explosion des Schweigens

Review

Explosion des Schweigens

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

Frank Bono ist Berufskiller. Sein neuester Auftrag bringt ihn nach Manhattan. Dort soll er den Gangster Troiano umbringen, der sich in den Augen Anderer zu schnell nach oben arbeitet. Frank beobachtet ihn, merkt sich seine Gewohnheiten, die Plätze, zu denen er hinzugehen pflegt. Über den Waffendealer Big Ralph läßt er sich eine Waffe besorgen. Problematisch wird für ihn der Auftrag, als er alte Freunde aus seiner Zeit im Waisenhaus wiedertrifft. Darunter auch Lorrie, eine Frau, für die er viel empfindet. Seine persönlichen Gefühle beeinflussen auf einmal seine Arbeit, er beginnt über sein Leben nachzudenken und will aus dem Auftrag aussteigen. Sein Auftraggeber läßt dies aber nicht zu und setzt Frank eine Frist. Frank setzt seine Beobachtung Troianos fort. Als Troiano eine Bar besucht und Frank ihm folgt, sitzt dort auch Big Ralph. Der bekommt Wind von Franks Auftrag und setzt ihn unter Druck, droht ihm sogar mit Erpressung. Das muß er in der darauffolgenden Nacht mit seinem Leben bezahlen und Frank muß jetzt doppelt aufpassen, nicht noch von der Polizei geschnappt zu werden. Er lauert Troiano in der Wohnung seiner Geliebten auf und erschießt ihn. Danach trifft er sich wieder mit seinem Auftraggeber, der versprochen hat, Frank zu helfen. Aber in einem einsamen Landstrich wird Frank von anderen Killer umgebracht, da sie sich nicht mehr auf ihn verlassen können.

Der Titel Explosion des Schweiges (bzw. "Blast of Silence" im Original) steht stellvertretend für Frank. Ein im alltäglichen Leben unsicherer und äußerst wortkarger Mensch, der seine Arbeit konzentriert durchführt, aber sich außerhalb davon nicht zurechtfinden kann. Seine Beziehung zu Lorrie stellt er selber in Gefahr, als er versucht sich ihr mit Gewalt anzunähern und später noch herausfindet, daß sie einen Freund hat, was sie ihm bislang verschwiegen hat. Seine Gefühle, die er durchmacht, werden von einem Sprecher aus dem Off kommentiert. Sie beschreiben sein Innerstes, analysieren es. Die hervorragende Kameraarbeit unterstützt die porträthafte Sichtweise des Films. Die Kamera ist immer nah am Geschehen, bleibt aber dabei stets in Distanz zu Frank, der bei seiner Arbeit genauso kalt und distanziert zu seinen Kontaktpersonen bleibt. Ein recht ungewöhnlicher Vertreter des Film-Noir, dem es trotz seiner kurzen Lauflänge gelingt, dem Zuschauer die Person Frank Bono bekanntzumachen. Dies ist im übrigen einer der wenigen Filme, den Regisseur Allen Baron nicht fürs Fernsehen gedreht hat.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 05.02.2000

Leser-Kommentare

04.12.2005, 15:15:21 Wolfman

Kleiner Nachtrag:

Hier gibt es noch mehr Info:
http://www.hollywoodclassics.info/blast-of-silence/index.htm

15.11.2005, 18:48:00 Wolfman

Einer meiner absoluten Lieblingsfilme, von einer unglaublich dichten Atmosphäre und mitreißend verfilmt, daß man fast meinen könnte, man wäre live dabei. Allen Baron trat hier nicht nur als Hauptdarsteller auf, sondern war außerdem noch Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in einer Person. Die Rolle des Frank Bono sollte ursprünglich Barons Freund Peter Falk ("Columbo")übernehmen, aber der hatte leider keine Zeit, so daß Baron diesen Part auch noch übernahm, was sich, wie ich finde, für den Film als Glücksfall herausgestellt hat. Seine Authentizität verdankt der Film nicht zuletzt der Tatsache, daß Baron nicht genug Geld auftreiben konnte, um ins Studio zu gehen...und so hat er dann eben auf der Straße gedreht, mit ganz normalen Passanten als Statisten, und in richtigen echten Bars bei Publikumsverkehr. Im Kino damals ein Flop, zu düster und pessimistisch war wohl die Grundstimmung für den breiten Geschmack, wurde der Film in den 90ern anläßlich der Filmfestspiele in Cannes noch einmal abgestaubt und vorgeführt, diesmal mit so großem Erfolg, daß Baron über eine Rückkehr zur Leinwand nachzudenken begann (er hatte seither keinen Kinoflim mehr gedreht). Es gibt zu "Blast of Silence" eine sehr interessante und empfehlenswerte Dokumentation, die unter dem Titel "Allen lebt hier nicht mehr..." sozusagen im Anschluß an den Hauptfilm gelegentlich ganz versteckt ebenfalls auf den dritten Programmen gezeigt wird. Hier hören und sehen wir Allen Baron, wie er 30 Jahre nach "Blast of Silence", zurückgekehrt an die Drehorte von damals, von der Arbeit am Film und von seinem Leben danach berichtet.
Einer der wenigen Filme übrigens, bei denen die deutsche Synchronfassung die bessere Wahl ist, hier verleihen die knappen Dialoge und die harte, böse Stimme aus dem Off der Szenerie noch zusätzliche Wucht.

02.07.2004, 10:50:39 Gisbert

Die beste Eingangssequenz, die ich kenne! Ein Film, der von seiner düsteren Stimmung, weniger von der Handlung lebt. Was für Bilder, kam mir auch beim wiederholten Anschauen immer wieder in den Kopf. Etwas nervend - zumindest am Anfang- ist die Stimme aus dem Off.

24.01.2004, 06:10:04 ParanoidAndroid ( Email schreiben )

ich habe den film vor einen halben jahr, auf irgend einen dritten programm der öffentlich rechtlichen gesehen... ich war positiv überrascht! ich hätte niemals erwartet, das ein solcher film, in den frühen sechziger jahren gedreht wurde! toll fotografiert! ausserdem ist es aussergewöhnlich, das ein film aus den sechzigern, für frühere verhältnisse, so drastische gewaltszenen zeigt! ich dachte immer, damit fing man erst mitte der siebziger an! aber egal! ein sehr empfehlendswerter film! spannend und mitreissend! man ergreift sofort sympathie für frank bono, obwohl er ein killer der übelsten sorte ist! aber hinter den harten kern, verbirgt sich ein zerbrechlicher, von selbstzweifeln zerfressener mensch, der sich nur nach zwei dinge sehnt: zu lieben und geliebt zu werden!

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann