Film Daten

Titel:
I Will Walk Like A Crazy Horse
Originaltitel:
J'irai comme un cheval fou
Land & Jahr:
Frankreich 1973
Laufzeit ca.: ?
100 Min.
Regie:
Fernando Arrabal
Darsteller:
Emmanuelle Riva
George Shannon
Hachemi Marzouk
Marco Perrin
François Chatelet
Marie-France
Gerard Borlant
Jean Chalon
Raoul Curet
Pierre Gernot
Luc Guérin
Yves le Moustre
Antoine Marin
Pedro Meca
Gilles Meyer
Alternativtitel:
• Ich werde laufen wie ein verrücktes Pferd
• I Will Go Like a Wild Horse
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Cult Epics
Label:
Cult Epics
Regionalcode / Norm:
0 / NTSC
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 89:24
Sprachen/Ton:
Französisch - DD 2.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Interview mit Fernando Arrabal
  • dt. Aushangfotos
  • Trailer zu "Viva la muerte"
  • Liner Notes (6 Seiten)

I Will Walk Like A Crazy Horse

Review

I Will Walk Like A Crazy Horse - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

Nach dem Tod seiner überdominanten Mutter, die ihn getrieben von religiösem Wahn seit frühester Kindheit in bizarren Ritualen zum Heiligen und Märtyrer stilisiert hat, flieht Aden Rey aus der Stadt in eine namenlose Wüste. Dort trifft er auf einen Eremiten namens Marvel, der mitten im Nirgendwo zu leben scheint und u.a. über die Fähigkeit verfügt, mit Tieren und den Elementen zu sprechen. Die Gemeinschaft des kleinwüchsigen Schamanen öffnet Aden die Augen für die schlichte Schönheit der Natur.

Als Aden seine Rückkehr in die Zivilisation plant, bittet er Marvel, ihn zu begleiten, um ihm nun im Gegenzug die wunderbare Welt der Moderne und des technologischen Fortschritts zu zeigen. Aber die Erfahrungen in der Wüste haben nicht nur Marvels Sicht der Dinge verändert...

I Will Walk Like A Crazy Horse - ScreenshotI Will Walk Like A Crazy Horse - Screenshot

Ähnlich wie schon Arrabals Debüt begint auch I Will Walk Like A Crazy Horse mit der Einblendung eines Bildes. War es in Viva la muerte allerdings eine ausufernde surrealistische Zeichnung seines Freundes Roland Topor greift Arrabal hier auf die zweite Version des berühmten "Nachtmahr"-Bildes (1791) des Schweizer Romantikers Heinrich Füssli zurück, welches neben dem auf der Brust hockenden Kobold, der für den Alpdruck sorgt, den Kopf eines geisterhaften weißen Pferdes zeigt. Diese sog. Mähre, das dämonische Reittier des Alptraumbringers, wird gemeinhin als sinnbildliche Verkörperung verbotener Begierden gedeutet - womit eine überaus passende Überleitung zum Gegenstand des Films gefunden wäre: Alptraumhafte Bilder und sexuelle Absurditäten.

Generell handelt es sich bei Arrabals Zweitling um einen ziemlich wüsten Genre-Crossover, der sich irgendwo zwischen surrealistischem Bilderrausch, Zivilisationskritik und Exploitationkino bewegt, wobei um den Tod von Adens Mutter am Rande sogar noch so etwas wie eine Krimihandlung mit Giallo-Elementen untergeflochten wird. Allerdings, um es gleich vorweg zu sagen, meines Erachtens geht diese Rechnung nicht wirklich auf. Im Ergebnis landet I Will Walk Like A Crazy Horse zwischen den Stühlen, und am Ende mag sich der Zuschauer ein wenig wie der verstört dreinblickende Kommissar nach der Wohnungsdurchsuchung fühlen...

Zitat

Anwohnerin: Did you find anything?
Kommissar: More than I hoped for.

Da wären zum einen die Rückblenden in eine gar schauerliche Kindheit mit allerlei psychischen wie physischen Misshandlungen, die einen zu dem Schluss kommen lassen könnten, dass der gute Aden mit seinem kleinen Mutterkomplex eigentlich noch recht gut davongekommen ist; denn gegen die privaten Passionsspiele von Mrs. Rey nimmt sich der religiöse Fanatismus von Fandos Mutter in Viva la muerte beinahe wie eine gewöhnliche Betstunde aus: Mit Nadeln traktierte Genitalien. Ein als Kerze zweckentfremdetes erregiertes Glied. Dornenkronen. Kastrationsrituale. Dinge, die sich in Arrabals Debüt lediglich metaphorisch in Fandos wahnhafter Phantasie zugetragen haben, scheinen für die Figur des Aden grausame Realität geworden zu sein.

Aber auch darüber hinaus geizt der Film nicht mit wunderlichen Darstellungen und abstrusen Bildern, die wohl die wenigsten auf ihrer "Dinge-die-ich-immer-schon-mal-sehen-wollte"-Liste haben dürften: Fussnägelsammlungen, Rücken an Rücken abkotende Männer, blumige Exkrementnaschereien, uvm. Da erstaunt es fast, dass am Ende ein Hermaphrodit noch ausreicht, um Aden aus der Fassung zu bringen.

I Will Walk Like A Crazy Horse - ScreenshotI Will Walk Like A Crazy Horse - Screenshot

Der eigentliche Kern der Handlung ist allerdings die Zivilisationskritik, die einen hier allein schon in der Zweiteilung des Films (Wüste vs. Stadt) förmlich anspringt. Aus seiner Naturenklave in die Gegenwart entführt, zeigt sich der unverdorbene Marvel ein ums andere Mal von den modernen Menschen irritiert und beobachtet teilweise belustigt, teilweise schockiert ihr "merkwürdiges" Verhalten. Prinzipiell kein uninteressanter Ansatz, nur lässt die Auswahl der Alltagsszenen kein aussagekräftiges Muster erkennen. So amüsiert sich Marvel über den Gebrauch von Regenschirmen ebenso wie er Unverständnis für den Verzehr von Fleisch zeigt. Ist er nun der ursprüngliche Naturbursche oder doch der esoterisch angehauchte Idealist?

Sein Charakter pendelt ständig zwischen Naivität & Weisheit, Ohnmacht & Allmacht, ohne dass es eine hinreichende Erklärung dafür gäbe. Widersprüche haben natürlich durchaus ihren Reiz, aber in diesem Fall beschleicht einen dann doch eher das Gefühl, dass das Konzept einfach nicht ganz ausgereift ist und sich darüber hinaus die surreale Absurdität schlicht und ergreifend mit der gesellschaftskritischen Botschaft beißt. Bspw. fällt es schwer, die Kritik an fleischhaltiger Ernährung ernst zu nehmen, wenn die von unserem kleinen Naturguru angebotene Alternative lediglich im Verzehr von Ziegenkot besteht. Wäre der Film etwas kritischer gegenüber der Figur des Marvel, könnte man fast den Eindruck gewinnen, Arrabal möchte sich über die Kritiker des blinden Fortschrittsglaubens ebenso lustig machen wie über seine Anhänger.

I Will Walk Like A Crazy Horse - ScreenshotI Will Walk Like A Crazy Horse - Screenshot

Ob nun gewollt oder ungewollt kommen die zivilisationskritischen Anteile auf jeden Fall eher schwachbrüstig daher, und es stellt sich die Frage, ob es wirklich surrealistischer Verfremdung bedarf, um die allzu realen Auswüchse von Technologie und Fortschritt ad absurdum zu führen. Muss ich zur Verdeutlichung der Gefahr der Abholzung der Wälder wirklich einer nackten Baumnymphe von einem Holzfäller die Zunge herausreißen lassen, oder lenkt die exploitative Darstellung nicht viel mehr von der eigentlichen Aussage ab? Ein gutes Bespiel für eine effektive Gegenüberstellung von Natur und Kultur lieferten bspw. Jacopetti & Prosperi mit ihrer Doku Mondo Cane (1962), in der sie im Gegensatz zu I Will Walk Like A Crazy Horse auf nüchternen Realismus setzten, um den Irrsinn der Zivilisation zu entlarven.

Wirklich prophetischen Weitblick bewies Arrabal eigentlich nur in einer Szene, in der ein Prediger die anstehenden Wunder der technischen Zukunft preist und dabei u.a. prophezeit, dass in Zukunft Computer den Hausfrauen helfen werden, Diätpläne für ihre Kinder zu erstellen. Eine solche Entwicklung dürfte Anfang der 70er kaum abzusehen gewesen sein. Und tatsächlich ist zu vermuten, dass er hier eigentlich auch nur satirisch übertreiben wollte; denn schließlich stellt er die alltägliche Computernutzung in eine Reihe mit dem Einsatz bakteriologischer Reinigungswaffen zur Ausrottung von Individualismus.

I Will Walk Like A Crazy Horse - ScreenshotI Will Walk Like A Crazy Horse - Screenshot

Die Rückblicke in Adens Kindheit schlagen nicht nur die Brücke zu Arrabals Debüt Viva la muerte (religiöser Wahn, Dominanz der Mutter), sondern dienen in gewisser Weise auch innerhalb des Films als Bindeglied, um die verschiedenen Handlungsebenen miteinander zu verknüpfen. Aber auch wenn der Tod der Mutter den Ausgangspunkt von I Will Walk Like A Crazy Horse liefert, ebenso wie sich in der Aufklärung der Ereignisse der Kreis schließt, fügt sich dennoch Adens Trauma zu keinem Zeitpunkt wirklich mit dem zivilisationskritischen Erzählstrang um den mysteriösen Eremiten zusammen.

Dies äußert sich bspw. auch in einer bis zum großen, transzendenten Finale bestehenden Diskrepanz zwischen einem in Bezug auf seine Mutter schwer traumatisierten, völlig pathologischen Aden und in einem in Gegenwart von Marvel geradezu entspannt-unauffälligen Aden. Hier strapaziert Arrabal die Figur in gewisser Weise nach Gusto als Durchschnittsexemplar des zivilisierten Menschen wie auch als Extrembeispiel für einen sehr speziellen und schwer traumatisierten Charakter. Natürlich kann man all diese Überlegungen mit dem bloßen Verweis auf die Aufhebung jeglicher logischer Beschränkungen im surrealistischen Kino vom Tisch fegen, allerdings stellt sich im dem Fall die Frage, warum I Will Walk Like A Crazy Horse dann so offensichtlich gesellschaftskritische Aspekte in den Vordergrund stellt.

I Will Walk Like A Crazy Horse - ScreenshotI Will Walk Like A Crazy Horse - Screenshot

Nichtsdestotrotz weiß der Film auf visueller Ebene auf jeden Fall zu beeindrucken. Insbesondere die Szene in der Kirche ist in dieser Hinsicht wirklich gelungen und bemerkenswert photographiert. Auch die Aufnahmen in der Wüstenlandschaft sowie die an die Optik früher Argento-Filme erinnernden Momente stehen dem kaum nach. Desweiteren wird wohl niemand Herrn Arrabal einen gewissen Einfallsreichtum absprechen können, egal wie man nun letztendlich zu den Abstrusitäten, die er dem Zuschauer präsentiert, stehen mag.

Blinde, die sich in der Wüste vortastend mit ihren Blindenstöcken nach Aden schlagen. Ein rasender Sarg (dieses Mal kein Wohnmobil!), mit dem Aden auf einen collagenartig eingefügten brennenden Schädel zu jagt. Oder ein weiterer Höhepunkt im Kuriositätenkabinett, als er versucht seine Mutter mit einer Maske zu erschrecken, in der er so ein bisschen wie eine Kreuzung aus Paul Naschy, Weird Al Yankovic und einem der drei Stooges aussieht. Musikalisch werden die Szenen wie schon in Viva la muerte durch den Einsatz eines sich wiederholenden Kinderliedes und klassischer Musik konterkariert. Nichtzuletzt dürfte Arrabals Film für Freunde des Exploitationkinos von Interesse sein, da einem in I Will Walk Like A Crazy Horse definitiv Dinge vorgeführt werden, die es nur hier zu sehen gibt. Immerhin ausreichend kontrovers, dass es Probleme mit den französischen Zensurbehörden gab und der Film vorübergehend verboten wurde.

I Will Walk Like A Crazy Horse - ScreenshotI Will Walk Like A Crazy Horse - Screenshot

Insgesamt bewegt sich der Film auf dem schmalen Grad zwischen Kuriosität und Banalität - und droht dabei leider auch im einen oder anderen Moment selbst wahl- bzw. belanglos zu werden, weil die Grenzen zwischen den Belanglosigkeiten die Arrabal darstellen möchte und der Wahllosigkeit der eigenen Darstellungen verwischen. Natürlich, im Surrealismus ist wie gesagt grundsätzlich alles erlaubt; allerdings sollte man sich vielleicht schon entscheiden, ob man nun eine moralische Botschaft verkaufen möchte oder sich von vorneherein jeder Sinndeutung entziehen will, wie es bspw. Bunuel und Dali mit Der andalusische Hund (Un Chien Andalou, 1929) getan haben. Arrabal legt sich nicht fest und pendelt zwischen den Extremen hin und her, womit er seinen Film insgesamt zu überladen und Geduld wie Aufmerksamkeit des Zuschauers überzustrapazieren droht.

Erinnert die Art und Weise, in der Aden in der Korsage seiner Mutter zugleich ihre Rolle als Frau übernimmt und als Metapher für seine neue Weiblichkeit einen Schädel gebiert, entfernt an Motive aus Hitchcocks Psycho (1960), schaut in einer anderen Szene einer der ganz großen Meister des surrealistischen Kinos vorbei: Jean Cocteau!

I Will Walk Like A Crazy Horse - ScreenshotI Will Walk Like A Crazy Horse - Screenshot

Nach Marvels überraschender Heiratszeremonie werden Aden und das frischvermählte Paar von zwei Motorrad-Streifen verfolgt, deren Auftreten in einem Film surrealistischer Prägung fast unvermeidlich Erinnerungen an Orphée (1949) wecken. Wer dieses Meisterwerk nicht kennt, dem sind Cocteaus Verfolgerfiguren vermutlich trotzdem, wenn auch unwissentlich, aus der Hommage im Videoclip zu "Take on me" der Schwedenpopper a-ha bekannt. In Orphée sind sie Häscher der Unterwelt und auch in I Will Walk Like A Crazy Horse werden sie rasch dorthin zurückgeschickt.

Da ich auf die Person Fernando Arrabals ja bereits im Review zu Viva la muerte eingegangen bin, will ich mich hier mal auf das filmische Schaffen der übrigen Beteiligten beschränken. Vielleicht sei aber noch erwähnt, dass Arrabal zwei Jahre nach I Will Walk Like A Crazy Horse seinen aufwendigsten Film The Guernica Tree (L'arbre de Guernica, 1975) drehte, mit dem er aber nicht an die internationale Aufmerksamkeit, die seine ersten beiden Projekte auf sich zogen, anknüpfen konnte.

I Will Walk Like A Crazy Horse - ScreenshotI Will Walk Like A Crazy Horse - Screenshot

George Shannon (Aden Rey) stand kurz vor dem Dreh von I Will Walk Like A Crazy Horse gemeinsam mit Lynn Lowry (The Crazies) und Mary Woronov (Rock n Roll Highschool) für dem klassischen Sleaze-Trash-Streifen Sugar Cookies (1973) vor der Kamera. Danach schlug er sich aber fast ausschließlich mit TV-Soaps (General Hospital, Generations) durch. Seine erwähnenswertesten Filmauftritte wären wohl Helden USA 3 - Die Abrechnung (Private War, 1990) sowie eine kleine Nebenrolle in Wanted: Dead or Alive von Gary A. Sherman (Tot und Begraben, Tunnel der lebenden Leichen), einer Filmadaption der gleichnamigen Steve McQueen-Serie. Zuletzt war er in Playing Dangerous (1994), einer eher einfallslosen Kevin - Allein Zuhaus-Kopie, zu sehen.

Emmanuelle Riva konnte erstmals in Alain Resnais Hirosmhima mon amour (1959) von sich reden machen. Die mittlerweile 78-jährige Dame ist bis heute als Schauspielerin aktiv und trat u.a. im ersten Teil von Krzysztof Kieslowskis Farben-Trilogie Drei Farben: Blau (Trois couleurs: Bleu, 1993) auf sowie an der Seite von Gérard Depardieu und Gina Lollobrigida in XXL (1997) von Ariel Zeitoun (Samakasi, Blueberry) auf.

I Will Walk Like A Crazy Horse - ScreenshotI Will Walk Like A Crazy Horse - Screenshot

Für den größten Teil der anderen Schauspieler, einschließlich Hachemi Marzouk (Marvel), sollte es der einzige Kinoauftritt bleiben. Eine kleine Ausnahme wäre noch Marco Perrin (Oscar Tabak), der bis in die 80er immer wieder Nebenrollen im französischen Kino besetzt hat. U.a. in Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe (La soupe aux choux, 1981) und Den Mörder trifft man am Buffet (Buffet froid, 1979) oder dem Alain Delon-Thriller Der unheimliche Fremde (Attention, les enfants regardent, 1978).

Aus dem (damals) kleinen Luc Guérin, der hier den jungen Aden spielte, ist übrigens auch ein Schauspieler geworden, der bspw. eine Hauptrolle in der in Kanada und Frankreich ziemlich erfolgreichen Eishockey-Filmreihe Les Boys ergattert hat, die derzeit in die dritte Verlängerung geht (Les Boys en prolongation, 2005).

Zitat

Marvels Braut: Talk with your feet. I can translate, you know.
Marvels Füße: In a sadness of torn mists I Will Walk Like A Crazy Horse.

Der Aufbau der DVD von Cult Epics entspricht ziemlich genau ihrer Veröffentlichung von Arrabals Debüt Viva la muerte (1970). Bild- und Tonqualität des anamorphen Transfers sind großartig gelungen, wobei die meisten sich wohl über die gut lesbaren englischen Untertitel zur französischen Tonspur freuen werden. Als Extras gibt es dieses Mal den Trailer zu Viva la muerte (da hätte man eigentlich netterweise auf beiden Veröffentlichung beide Trailer mitliefern können) sowie den zweiten Teil des 2002 geführten Interviews, dessen andere Hälfte wir schon von der vorangegangen DVD kennen. Dieses Mal spricht er etwas weniger speziell über den vorliegenden Film, sondern eher allgemein über Dinge wie Gesellschaft und Natur.

I Will Walk Like A Crazy Horse - ScreenshotI Will Walk Like A Crazy Horse - Screenshot

Aufschlussreich sind z.B. seine Anmerkungen zu den Schauspielern, in denen er erklärt, dass die Figur des Marvel stellvertretend für ihn selbst steht - insbesondere was die Liebe zur Natur angeht. Vielsagend ist aber auch einmal mehr seine Körpersprache, die den kleinen Surrealisten als gnadenlosen Selbstdarsteller entlarvt. Wenn er wie im ersten Teil des Interviews auf sehr plakative Art und Weise einen Stuhl auf seinem Schoß (de-)platziert, dann ist genau wie bei seiner Schuhschnüffel-Aktion (im Interview der Viva la muerte-DVD zieht plötzlich eine Latsche aus und freut sich am Geruch seiner Käsefüße - im Gegensatz zum Interviewer!) sehr offensichtlich, wie bemüht Arrabal ist, sich einem Surrealisten gemäß ungewöhnlich zu benehmen. Da darf man sich dann auch seinen Teil denken...

Komplettiert wird die DVD durch ein 6-seitiges Booklet mit verhältnismäßig ausführlichen Liner Notes zum Film und zu Arrabal sowie (man höre und staune) einer Bildergalerie mit den deutschen Aushangfotos zu "Ich werde laufen wie ein verrücktes Pferd". Sehr nett.

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 07.03.2005
Letzte Textänderung: 26.03.2005

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