Film Daten

Titel:
Carnival of Souls
Originaltitel:
Carnival of Souls
Land & Jahr:
USA 1962
Laufzeit ca.: ?
78 Min.
Regie:
Herk Harvey
Darsteller:
Candace Hilligoss
Sidney Berger
Frances Feist
Art Ellison
Stan Levitt
Tom McGinnis
Forbes Caldwell
Dan Palmquist
Bill de Jarnette
Steve Boozer
Pamela Ballard
Larry Sneegas
Cari Conboy
Karen Pyles
T.C. Adams
Alternativtitel:
• Tanz der verlorenen Seelen
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Criterion
Label:
Criterion
Regionalcode / Norm:
0 / NTSC
Bild / Zeit:
1.33:1 / k.A.
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 1.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Disk 1:
    Kinoversion des Films
  • "The Movie that wouldn't die" (Dokumentation)
  • Outtakes
  • Geschichte des Schauplatzes der Handlung
  • "The Carnival Tour"
  • Trailer
  • Disk 2:
    Director's Cut des Films
  • Audio-Kommentar vom Regisseur und Drehbuchautor
  • Auszüge von Filmen von Centron Corp., das Filmstudio des Regisseurs
  • Essay über die Geschichte von Centron
  • Text-Interviews mit Regisseur, Drehbuchschreiber und der Hauptdarstellerin

Carnival of Souls

Review

Carnival of Souls

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

Die Organistin Mary Henry ist die einzige Überlebende eines Autounfalls. Sie nimmt kurz danach einen Job in einer anderen Stadt an. Aber schon auf den Weg dorthin geschehen seltsame Dinge. Ein ihr unbekannter Mann, extrem blaß und mit dunkel unterlaufenen Augen, begegnet ihr an den unmöglichsten Stellen. Auf der Fahrt in die Stadt sieht sie außerdem ein Gelände, das früher mal ein Jahrmarkt war, aber heute nicht mehr genutzt wird. Sie kommt in der Pension der freundlichen Mrs. Thomas unter, wo außer ihr nur noch der schmierige Playboy John Linden wohnt, der auch keine Zeit verliert, um sich an sie heranzuschmeißen. Mary ist aber eine in sich gekehrte, einsame Frau, die kaum jemanden an sich heranläßt. Aber sie fürchtet sich fürchterlich vor dem unbekannten Mann, den außer ihr scheinbar niemand sieht. Ein paar Tage später hat sie ein noch viel schrecklicheres Erlebnis: Bei einem Einkaufsbummel verändert sich plötzlich etwas. Sie bemerkt das, aber kann es auch nicht einordnen. Nur das sie jetzt von anderen Personen vollständig ignoriert wird! Sie kann die Personen ansprechen, aber die scheinen sie gar nicht zu hören. Wie auch sie auf einmal die Geräusche der Menschen und der Umwelt überhaupt nicht mehr wahrnimmt. Erst nach einer scheinbar unendlich langen Zeit kann sie wieder die normalen Alltagsgeräusche hören und wird von den Menschen wahrgenommen.

Langsam aber sicher droht sie dem Wahnsinn zu verfallen. Als einzigen Rettungsanker erscheint ihr da John Linden und geht auf eine Einladung für einen gemeinsamen Abend ein. Aber sie redet kaum ein Wort und was sie sagt, versteht John völlig falsch und meint sie ins Bett zu bekommen. In ihrer Wohnung wird er sogar recht aufdringlich. Als sie aber in ihrer Wohnung wieder den unbekannten Mann erblickt und in Panik gerät, hat John zuviel von ihr. Am nächsten Tag verläßt sie die Pension und fährt zu dem Jahrmarktsplatz. Dieser Ort zog sie schon immer seltsam an und dort scheint sich die Lösung aller Mysterien zu verbergen...

Dieser Low-Budget-Klassiker aus dem Jahre 1961 wurde damals wirklich mit geringsten Mitteln produziert. Richtige Special-FX bekommt man gar nicht zu sehen, sondern der Film bezieht seine Atmosphäre und Wirkung aus einfachsten Mitteln und beeinflußte andere Regisseure bis heute. Selbst David Lynch hat sich von dem Film inspirieren lassen, daß sieht man am besten an seinem letzten Meisterwerk Lost Highway. Die Art, wie der unbekannte Mann Mary erscheint wurde in Lost Highway ähnlich umgesetzt.

Regisseur Herk Harvey, der eigentlich Regisseur für Schulfilme war, drehte Carnival of Souls innerhalb von zwei Wochen während eines Urlaubs. Damals wurden selbst Passanten für kleine Auftritte eingesetzt, die einfach kurz vorm Dreh gefragt wurden, ob sie gerade aushelfen könnten. Danach drehte Harvey nie wieder einen Spielfilm, leider, denn Carnival of Souls ist mittlerweile ein Klassiker im Gruselfilmbereich geworden. Seine Faszination gewinnt er durch die ruhige, aber düstere und unheimliche Atmosphäre. Und so effektive Tricks, wie das Ausblenden aller Umweltgeräusche, erzeugen eine Gänsehaut, wie es heutzutage kaum noch ein Film schafft. Beim ersten Auftauchen des unbekannten Mannes (im ganzen Film gibt es keinen richtigen Namen für die Person) zuckt man als Zuschauer fast genauso zusammen, wie Mary. Der Mann wurde im übrigen von Regisseur Herk Harvey persönlich gespielt!

Das ein-zwei kleine Längen auftreten, sei dem Film verziehen. Bedenkt man sein Alter und die Umstände ist es mehr als respektabel, daß der Film bis heute überlebt hat und nichts von seiner Wirkung verloren hat. Man sollte sich nur auf die Art und Weise, wie der Film seine Story erzählt einlassen, denn teilweise wirkt er mehr wie ein Traum, mit surrealen Sequenzen versehen und nicht alles logisch erklärend.

Die einzige DVD bislang ist die mehr als lohnenswerte US-DVD von Criterion. Der Film kommt hier gleich in einer Doppel-DVD-Fassung. Auf der ersten befindet sich der Film in der normalen Kinoversion mit zwei Dokumentationen, Trailern, usw. Auf der zweiten DVD wurde der ca. 5 Minuten längere Director's Cut gepackt, sowie eine kleine Text-Dokumentation über Centron, die Filmgesellschaft für die Herk Harvey gearbeitet und hunderte von Schul- und Erziehungsfilmen gedreht hat. Dabei wurden auch gleich 6 dieser Werke vollständig auf der DVD mitgegeben! Die Bildqualität des Films ist für sein Alter einfach atemberaubend. Man sieht nur ganz selten mal eine Macke oder eine Beschädigung des Filmmaterials und ich bezweifel, daß der Film jemals besser ausgesehen hat. Die Qualität des Bonusmaterials schwankt zwar, aber darauf kommt es dann auch nicht mehr so an. Und unter uns: Wer braucht schon Schulfilme in 16:9 anamorph? ;)

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 18.06.2000

Leser-Kommentare

13.12.2004, 22:04:47 jogiwan

ein absoluter Klassiker: die Story der etwas ähm... unterkühlten Organistin, die nach einem Autounfall von einem mysteriösen Mann verfolgt wird und von Visionen geplagt wird, mag zwar für heutige Verhältnisse etwas vorhersehbar sein, aber einfach unglaublich zu sehen, mit welchen simplen Mitteln, schräger Kameraführung und interessanten Lichteffekten hier eine mysteriöse Stimmung gezaubert wird, die seinesgleichen sucht. Das dieser Film nicht als absoluter Kultfilm sondern nur als kleiner-aber-feiner-Genre-Klassiker gilt, wird meiner Meinung nach wohl für immer ein Rätsel der Filmgeschichte bleiben.

Mittlerweile gibt es auch eine englische DVD mit Vollbild und (man höre und staune) deutschen und französischen Untertiteln. Leutchen, die auf ruhigen "Oldskool"-Horror mit dem gewissen Etwas stehen können jedenfalls bedenkenlos zugreifen!

02.07.2004, 10:42:27 Gisbert

Mein Lieblingsfilm. Wer Ambrose Bierce' "Occurrence at Owl Creek Bridge" gelesen hat , weiß zwar schnell, worum es in diesem Film geht. Dennoch bleibt der Film ein überaus spannendes, Gänsehaut erzeugendes Ereignis - auch in der 10. Wiederholung. Erstaunlich, was man mit geringen Mitteln erreichen kann (Ähnliches gilt z.B. für "Blast of Silence"). Übrigens, auch ein Video des HipHoppers Everlast, nämlich "What it's like", bezieht sich eindeutig auf diesen Film.

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