Film Daten

Titel:
Bug
Originaltitel:
Bug
Land & Jahr:
USA 2006
Laufzeit ca.: ?
97 Min.
Regie:
William Friedkin
Darsteller:
Ashley Judd
Michael Shannon
Lynn Collins
Brian F. O'Byrne
Harry Connick Jr.
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

Bug

Review

Bug

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

Agnes (Ashley Judd) lebt nach dem nie aufgeklärtem Verschwinden und der Scheidung mit ihrem Mann alleine in einem billigen Motel und hat außer ihrer Arbeitskollegin R.C. (Lynn Collins) keine weiteren Freunde. Diese bringt eines Tages Peter Evans (Michael Shannon) mit, der schließlich bei Agnes bleibt und eine Beziehung mit ihr beginnt. Aber bereits in ihrer ersten Nacht wird Peter von einem Käfer gebissen und mit jedem weiteren Tag scheint die Insektenplage immer schlimmer zu werden. Peter erzählt ihr schließlich eine haarsträubende Geschichte, dass er im Irakkrieg als lebendes Versuchskaninchen für irgendwelche Experimente ausgenutzt wurde und nun auf der Flucht vor dem Militär ist. Er und Agnes verschanzen sich paranoid in ihrer Wohnung aus Angst vor Insekten und seinen Verfolgern...

Also leichte Kost hat uns William Friedkin hier nicht gerade aufgetischt. Aber um allen falschen Erwartungen aus den Weg zu gehen, Bug ist kein Insektenhorrorfilm! Auch wenn Trailer und Plakatmotiv dies in Ansätzen andeuten, so bekommt man als Zuschauer keine einziges Krabbeltier zu Gesicht. Vielmehr handelt der Film von zwei Menschen, die langsam aber sicher in ein paranoides Delirium abdriften. Agnes, die seelisch durch die Ereignisse mit ihrem Kind und unter ihrem gewalttätigen Mann zu leiden hatte, ist ohnehin ein leichtes Nervenbündel und somit besonders empfänglich für die abstrusen Vorstellen Peters. Der Film benutzt dabei die Enge des kleinen Motelzimmers um die Atmosphäre immer dichter werden zu lassen. Nur sehr wenige Szenen sind mal außerhalb dieses Zimmers, womit schließlich kammerspielartig die Spannungen noch deutlicher hervortreten. Bug steigert sich dabei von Minute zu Minute. Anfangs ist der Film noch relativ ruhig und dialoglastig, wird aber später zu einem verfilmten Alptraum zweier Menschen, die sich komplett von der Außenwelt isoliert haben und in ihrer eigenen wahnsinnigen Welt leben.

Auf seine Art ist Bug durchaus gelungen. Ashley Judd und Michael Shannon spielen ihre Rollen sehr gut, auch wenn sie in der zweiten Hälfte fast schon am Rande des Overactings stehen. Aber ihnen gelingt es den Film alleine zu tragen, der im übrigen auf einem Theaterstück basiert. Zumal ist es Friedkin gelungen, den Film keine unnötigen Längen zu verpassen, sondern ihn wirklich kompakt und ohne unnötigen Schnörkel zu inszenieren. Das Problem mit Bug ist nur, dass man sich hinterher nicht so im klaren darüber wird, warum das alles so passiert und wofür es steht. Zumal auch einige Elemente vollkommen unerklärt bleiben und deren Stellenwert in der Geschichte damit etwas vage bleiben. Bug ist kein einfacher Film für zwischendurch, sondern eher was zum interpretieren und mutmaßen und wird sicherlich auch bei vielen auf wenig Gegenliebe stoßen. Es ist kein Werk, das man mit einer klar definierten Punktzahl bewerten könnte, vielmehr ist eher ein zweites Anschauen vonnöten um sich über ein paar Dinge nochmal nachdenken zu können. Friedkin ist mit Bug sicherlich kein Meilenstein geglückt, aber auch keinen Totalflop, sondern ein Film der nicht einfach zu greifen ist und schon einiges vom Zuschauer verlangt.

William Friedkins frühere Filme aus den 1970ern sind sicherlich bekannt, French Connection (1971) und Der Exorzist (The Exorcist, 1973) sind beide Klassiker ihres Genres, während Cruising (1980) ein grandioser, aber eher unbekannter düsterer Thriller im Umfeld der New Yorker Homosexuellenszene ist, bei dem Al Pacino die Hauptrolle spielte. Von seinen etwas jüngeren Filmen kennt man vielleicht noch Leben und sterben in L.A. (To Live and Die in L.A., 1985) oder Rules of Engagement (2000). Ashley Judd spielte unter anderem in Heat (1995) und High Crimes - Auf höchsten Befehl (High Crimes, 2002) mit, während man Michael Shannon z.B. in Nebenrollen in Cecil B. DeMented (2000), Vanilla Sky (2001) oder The Woodsman (2004) sah.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 14.08.2007

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