Film Daten

Titel:
Casa dalle finestre che ridono, La
Originaltitel:
Casa dalle finestre che ridono, La
Land & Jahr:
Italien 1976
Laufzeit ca.: ?
109 Min.
Regie:
Pupi Avati
Darsteller:
Lino Capolicchio
Francesca Marciano
Gianni Cavina
Giulio Pizzirani
Vanna Busoni
Andrea Matteuzzi
Bob Tonelli
Pietro Brambilla
Ferdinando Orlandi
Ines Ciaschetti
Flavia Giorgio
Carla Astolfi
Tonino Corazzari
Pina Borione
Arrigo Lucchini
Alternativtitel:
• House with Laughing Windows, The
• House with the Windows That Laugh
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - 20th Century Fox
Label:
20th Century Fox
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 106:02
Sprachen/Ton:
Italienisch - DD 2.0
Italienisch - DD 5.1
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
Englisch, Italienisch
Extras:
  • Restaurationsdemo
  • Making-of

Casa dalle finestre che ridono, La

Review

Casa dalle finestre che ridono, La - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Italien, in den 50er Jahren: der Künstler Stefano (Lino Capolicchio) reist in einen kleinen Ort, wo er in der dortigen Kirche ein Fresko restaurieren soll, das der örtliche Maler Legnani entworfen hat. Legnani galt als exzentrisch, leicht verrückt und fasziniert von Schmerz und Tod, was sich in seinen Werken widerspiegelt. Schon kurz nach seiner Ankunft bekommt Stefano einen Anruf von einer unbekannten Person, die ihm eindringlich auffordert das Fresko in Ruhe zu lassen und aus dem Ort zu verschwinden. Antonio (Giulio Pizzirani), ein alter Freund von ihm scheint mehr über die Hintergründe des Malers und des Freskos zu wissen, stirbt aber noch bevor er Stefano alles erzählen kann. Während er an dem Kunstwerk arbeitet, erfährt er mehr und mehr über den Maler, dessen seltsame Schwestern und über die Vergangenheit des Ortes. Dadurch geraten er und seine Geliebte Francesca (Francesca Marciano) schließlich in höchste Lebensgefahr...

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Wow, welch eine Entdeckung! La Casa dalle finestre che ridono ist ein zwar recht ruhig gehaltener Film, bietet aber von der ersten Minute an eine seltsame, bedrückende, ja irgendwie unbequeme aber doch stimmungsvolle Atmosphäre. Pupi Avati erschuf mit seinem Film einen bemerkenswerten Spagat zwischen traditionellem italienischen Gothic-Horror und einem Giallo, wunderbar eingefangen von der Kamera Pasquale Rachinis. Die Handlung baut vor allem darauf auf, dass Stefano von außerhalb in eine verschlossene Gemeinschaft eindringt, in die er irgendwie nicht so richtig reinpasst. Über dem Ort schwebt der Hauch des Seltsamen, des Undefinierbaren. Irgendwas liegt in der Vergangenheit des Ortes, was ihm unbekannt ist und auch in einer Form mit dem Fresko und dem Maler zu tun hat. Die Bewohner scheinen da deutlich mehr zu wissen, aber sämtliche Hinweise muss er sich mühsam zusammenerarbeiten.

Und gerade dadurch erzeugt der Film seine Spannung. Denn als Zuschauer weiß man auch nie mehr als Stefano selber, zusammen mit ihm wird Stück für Stück des großen Puzzles erkundet. Dabei sieht zunächst noch alles in Ordnung aus. Er hat eine interessante Arbeit, freundet sich schnell mit der lokalen Frauenwelt an und trifft einen alten Freund wieder. Aber schon mit dem seltsamen Anruf und spätestens mit dem Tod Antonios ist es vorbei mit der Idylle und irgendwie scheint alles mit dem verstorbenen Maler zu tun zu haben, der unter der Bevölkerung auch der "Maler der Agonien" oder "Maler der Schmerzen und des Todes" genannt wurde. Als er das Hotel verlassen muss, weil sein Zimmer angeblich an einen langjährigen Stammgast vermietet wurde, bezieht er eine Etage in einer alten Landvilla, in der nur noch eine bettlägerige alte Frau wohnt. Dort findet er auf dem Dachboden ein altes Tonbandgerät, auf dem ein Mann, wahrscheinlich Legnani, seltsame Sätze gesprochen hat. Er redet dort von "Blut" und "Farben" die durch "seine Venen fließen". Die gleichen Worte unterlegen bereits den Vorspann des Films, der schon für die passende Atmosphäre sorgt. In verwaschenen grau-braunen Bildern sieht der Zuschauer wie ein Mann immer wieder von scharfen Messern getroffen wird, unterlegt ist diese Sequenz von der Titelmelodie und eben den Monologen des Tonbandes. Bereits hier nimmt der Film den Zuschauer gefangen und läßt ihn erst mit seinem Ende wieder frei.

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Die Kunst ist hier gleichzeitig Bewahrer und Erzähler eines schrecklichen Geheimnisses. Das Fresko das Stefano zu restaurieren hat, zeigt zunächst nicht mehr als den gemarterten Körper eines Mannes, allerdings gezeichnet von einer talentierten Hand und mit einer gewissen Faszinationskraft. Je mehr Stefano aber von dem Fresko freilegt, um so näher kommt er einem schrecklichen Geheimnis. Die Kunst als Basis für ein schreckliches Verbrechen war schon des öfteren Bestandteil von Filmen. David Hemmings vermutet in Blow-Up auf einen Mord gestoßen zu sein, was aber nur als extrem körnige Vergrößerung auf seinem Foto deutbar ist. In Uncovered von 1994 entdeckt Kate Beckinsale unter dem Gemälde eines Schachspiels den Text "Who killed the Knight?" und gerät ihrerseits in Lebensgefahr, als sie mehr darüber herauszufinden versucht. Stefanos Entdeckung auf dem Tonband hat eine Gemeinsamkeit mit einem späteren Film Pupi Avatis, den 1983 entstandenen Zeder (Zeder - Denn Tote kehren wieder). In dem entdeckt ein Schriftsteller auf einem alten Schreibmaschinenband einen seltsamen Text und wird ebenfalls immer tiefer in seltsame Ereignisse hineingezogen, die schon in den Bereich des Übernatürlichen ragen.

Man sollte allerdings schon ein Faible für langsam erzählte Filme haben. Die Handlung verläuft sehr ruhig, hier kommt es vor allem auf die Atmosphäre und weniger auf eine actiongeladene Geschichte an. Wenn Stefano durch nebelverhangene Straßen wandert oder einen Raum erkundet, der zunächst noch komplett im Dunkeln liegt, die Kamera dann aber langsam zurückfährt und Stefanos Silhuette im Türrahmen immer kleiner wird, sind das schon besondere Momente im Film. Oder wenn durch den alten Stromstecker des Tonbandgerätes ein Kurzschluß ausgelöst wird und der Strom ausfällt, das Tonband aber dann doch plötzlich anspringt und die gänsehauterzeugende Stimme des Sprechers beginnt, so bekommt man hier feinsten Gothic-Horror in einem relativ modernen Gewand geboten. Leugnen kann man allerdings auch nicht, das ab und an einige Löcher in der Handlung auftauchen und Stefanos Verhalten nicht immer logisch und nachvollziehbar erscheint. Für viele mag der Film vielleicht zu ruhig, zu zäh erzählt sein. Aber wem es gelingt in den Film hinabzutauchen, der wird mit einem exzellenten Filmvergnügen belohnt. Es ist schwer den Film zu beschreiben, ohne zuviel von der Geschichte wegzugeben. Am besten man weiß eigentlich gar nichts von dem Film und läßt sich überraschen. Im Gegensatz zu anderen Filmen aus dem Horror bzw. Giallo Bereich, die um die gleiche Zeit entstanden sind, verzichtete Pupi Avati hier bewußt darauf mit überflüssiger Gewalt und sexuellen Freizügigkeiten zu arbeiten. In dieser Hinsicht ist der Film sogar recht zahm, gerade für heutige Verhältnisse. Dies steht dem Werk aber ganz gut, denn so wird vermieden, dass ein zu billig wirkendes Gerüst die Handlung begleitet.

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Pupi Avati ist trotz einiger auch in Deutschland erschienen Filme hierzulande eher unbekannt und wird nur selten genannt, wenn es gilt die großen italienischen Genreregisseure aufzuzählen. In seinem Heimatland ist das schon anders, dort wurden seine Filme schon des öfteren auf Festivals gewürdigt und 1994 war er sogar Jurymitglied bei den Filmfestspielen in Cannes. Mit La Casa dalle Finestre che Ridono begann er seine Film für seine eigene Produktionsfirma "A.M.A. Film" zu drehen, die er zusammen mit seinem Bruder Antonio und Gianni Minervini gründete und aus der später ohne Minvervini die "DUEA" hervorging. In dem Film verarbeitete der 1938 geborene Regisseur sogar Kindheitserinnerungen. In einem kleinen Dorf in der Emilia wurden durch einen Bombenangriff Leichen an die Oberfläche befördert. Über die Kirche im Film wird erzählt, dass sie bereits sechsmal fast zerstört und immer wieder neu aufgebaut wurde, zuletzt während des zweiten Weltkrieges. Auch wenn das Dorf in dem Film keinen Namen hat, so liegt es doch in dem gleichen Landstrich Italiens, der Emilia.

Hauptdarsteller Lino Capolicchio mag zunächst etwas steif und wenig diversifikationsfähig erscheinen, aber seine stille, schon fast träge Art passt gut zu dem Gesamtbild des Films. Capolicchio begann Mitte der 60er Jahre mit der Schauspielerei und war unter anderem noch in dem Giallo Solemante Nero (Blutiger Schatten) oder der dritten Staffel von "La Piovra" (Allein gegen die Mafia) zu sehen und ist heutzutage auch noch aktiv. Francesca Marciano hingegen war nur in einer Handvoll Filmen vertreten und schrieb ab und zu mal Drehbücher für andere Filme. Auch die meisten der weiteren Nebendarsteller sind eher selten vor der Kamera tätig gewesen.

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In Italien ist eine wunderbare DVD dieses eher unbekannten Film von 20th Century Fox erschienen, die den Film extra dafür restaurierten. Das Ergebnis dieser Restauration ist wirklich beeindruckend, es gibt nur ganz selten mal Verschmutzungen oder kleine weiße Punkte zu sehen. Insgesamt ist das anamorphe Bild recht scharf, von einigen Szenen abgesehen, in denen Pupi Avati bewußt mit einem Weichzeichnerfilter gearbeitet hat. Die Farben kommen sehr gut zur Geltung und auch in dunklen Szenen kann man noch recht viel erkennen. Neben dem original italienischen Ton und Mono gibt es auch noch eine neue 5.1 Abmischung. Die ist sehr stimmungsvoll ausgefallen, allerdings werden die hinteren Lautsprecher zumeist für ambiente Effekte und Umgebungsgeräusche genutzt und weniger für einzelne Effekte. Der größte Teil konzentriert sich doch eher auf die vorderen Lautsprecher und dem Center. Eine englische Tonspur in Mono ist ebenfalls vorhanden, aber glücklicherweise kann man durch optionale englische Untertitel den Film in seiner Originalsprache genießen.

An Extras gibt es nicht so viel. Eine 2-minütige Restaurationsdemo verdeutlicht noch einmal die Unterschiede wie der Film vor und nach der Restauration ausgesehen hat. Zu den Ausführungen des Sprechers gibt es zwar keine englischen Untertitel, allerdings reicht hier auch das gezeigte Bildmaterial zum Verständnis. Die viertelstündige Making-of Featurette ist leider auch nicht mit Untertiteln versehen worden, was hier schon ein bißchen mehr schmerzt, da es sicherlich interessant ist, was Avati zu dem Film zu erzählen hat. Besonders erwähnen sollte man noch die zwar statischen, aber grafisch sehr stimmungsvollen Menüs erwähnen, die gut zur Atmosphäre des Films passen.

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Eine US-DVD von Image Entertainment gibt es ebenfalls von dem Film, für die das restaurierte italienische Master verwendet wurde. Wenn man allerdings diversen Reviews Glauben schenken darf, dann leidet der Transfer unter den Nebenwirkungen der Normkonvertierung von PAL nach NTSC, aber dafür gibt es das Bonusmaterial mit englischen Untertiteln und einen zusätzlichen DTS-Track.

Quellennachweis

Peter Blumenstock: Interpretation eines Mythos: Pupi Avati. Splatting Image #20

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 14.10.2004
Letzte Textänderung: 15.10.2004

Leser-Kommentare

15.10.2004, 08:34:11 matthias ( Email schreiben )

hi carsten,

sehr gute review zu einem geheimtipp (zumindest außerhalb italiens)... ich hab übrigens die "image"-version und bin damit hochzufrieden, bild ist ok und die specials klein aber fein (avati erzählt recht ausführlich über entstehung und erfolg des films).

grüße aus innsbruck

matthias

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