Film Daten

Titel:
Blow-Up
Originaltitel:
Blowup
Land & Jahr:
England / Italien 1966
Laufzeit ca.: ?
111 Min.
Regie:
Michelangelo Antonioni
Darsteller:
David Hemmings
Vanessa Redgrave
Sarah Miles
John Castle
Jane Birkin
Gillian Hills
Peter Bowles
Veruschka von Lehndorff
Julian Chagrin
Claude Chagrin
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Warner Bros.
Label:
Warner Bros.
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 111:02
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 1.0
Französisch - DD 1.0
Untertitel:
Englisch, Französisch, Spanisch
Extras:
  • Audiokommentar von Buchautor Peter Brunette
  • Isolierte Soundtrackspur
  • Teaser
  • Trailer

DVD Daten

DVD Cover - Warner Bros.
Label:
Warner Bros.
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 106:33
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 1.0
Englisch - DD 1.0
Spanisch - DD 1.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Italienisch, Kroatisch, Polnisch, Portugiesisch, Schwedisch, Slowenisch
Extras:
  • Audiokommentar von Buchautor Peter Brunette
  • Isolierte Soundtrackspur
  • Teaser
  • Trailer

Blow-Up

Review

Blow-Up - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Fotograf Thomas (David Hemmings) nimmt in einem Park Fotos von einem Pärchen auf. Die Frau ist erboßt darüber und will den Film zurück. Sie folgt ihm in sein Atelier und bietet ihm dafür sogar ihren Körper an. Er gibt ihr schließlich einen Film, allerdings bewußt den falschen, und nachdem er den richtigen Film entwickelt hat, entdeckt er auf den Fotos mehr als auf den ersten Blick ersichtlich ist und er glaubt einem Mord auf die Spur gekommen zu sein...

Blow-Up - ScreenshotBlow-Up - Screenshot

In Zusammenhang mit Blow Up fiel mal irgendwann der Begriff "Filmkunst-Thriller". Dies ist eine recht passende Bezeichnung für dieses Werk, der nicht nur ein Film zur Unterhaltung ist, sondern wirklich den Begriff "Kunst" als ein Stilmittel benutzt um seine Geschichte zu erzählen. Die Story selber gibt nicht viel Substanz her und ist schnell mit ein paar Sätzen zusammengefaßt. Aber Regisseur Michelangelo Antonioni verband die Handlung mit einem völlig einzigartigen Look und originellen Kameraperspektiven. Thomas ist ein Fotograf und der Film spielt daher sehr viel mit verschiedenen Perspektiven, Kamerafahrten und anspruchsvollem Set Design. Die Kamera nimmt dabei Perspektiven ein, die dem Zuschauer suggerieren, dass er der Fotograf ist, der die Geschehnisse mit seiner eigenen Kamera einfängt. Teilweise gibt es mehrere Minuten lang keinen einzigen Dialog. Hier läßt Antonioni einfach das Bild für sich sprechen und greift dabei auf bildliche Erzählstrukturen und -methoden zurück, die bis zur Stummfilmzeit zurückreichen.

Wer jetzt einen atmosphärisch dichten und temporeichen Thriller erwartet, was aufgrund oberflächlicher Inhaltsangaben leicht passieren kann, wird sich nur schwer mit dem Film anfreunden können. Man sollte schon recht offen an den Film herangehen und bereit sein, eine etwas andere Erzählweise geboten zu bekommen. Blow Up ist ein sehr ruhiger und langsam erzählender Film, der mehr den Fokus auf den Charakter Thomas. Zudem läßt sich der Film vielseitig interpretieren, was ihn sehr interessant macht, aber auf konventionelle Stoffe orientierte Zuschauer abschrecken dürfte. Es ist nicht nur ein Thriller, sondern auch ein recht persönlicher Film Antonionis, der hier sicherlich seine eigenen Erfahrungen als Filmemacher in die Geschichte und David Hemmings Charakter einfließen ließ.

Blow-Up - ScreenshotBlow-Up - Screenshot

In dem Film geht es aber nicht nur darum, ob Thomas nun zufällig einen Mord beobachtet hat oder nicht. Vielmehr wird die Frage aufgestellt, in wie weit man seinen eigenen Sinnen vertrauen kann. Die eigene Empfindungskraft wird in Frage gestellt, ist dieser unscheinbare, schon fast verschwommene Fleck auf dem vergrößerten Ausschnitt des Fotos (daher der Name "Blow-Up") wirklich ein Leichnam oder nur ein Spiel der Schatten und Lichter? Ist das im Gebüsch wirklich ein Mann mit einer Pistole in der Hand oder scheint das Licht nur so günstig durch die Äste, das dieser Eindruck entsteht? Wie man Gestalten in Wolkenmassen zu erkennen glaubt, so meint auch Thomas in seinen Bildern etwas zu sehen, was bei oberflächlicher Betrachtung niemandem auffallen würde, denn gerade er als Fotograf hat ein gewisses Gespür für Details. Dies verändert sein Leben, dass er bislang zum größten Teil nur durch das Objektiv seiner Kamera beobachtet hat. Zum ersten Mal in seinem Leben muss er seinen eigenen Augen vertrauen ohne die sichere Distanz des Kameraobjektivs zwischen sich und dem Zielobjekt zu haben. Sein normales Leben ist von terminlich eng an eng gelegten Fotoshootings bestimmt, die er mit einer eher geringen Begeisterung erledigt. Durch das Schießen von Bildern außerhalb seines Studios erhofft er sich etwas Erholung und wird so auf die Frau und ihren Mann oder Liebhaber aufmerksam. Das anschließende Entwickeln und Vergrößern der Fots erweckt nach langer Zeit wieder sowas wie ein Feuer in ihm, treibt ihn immer weiter an der Sache mehr und mehr auf den Grund zu gehen. Endlich ist er wieder an etwas dran, was seinen Eifer anregt, nachdem ihn sein normaler Job so langsam langweilt. In der minutenlangen Sequenz in der er die Bilder analysiert hören wir im übrigen keinen Dialog und keine Musik. Trotzdem bleibt es spannend, denn der Zuschauer entdeckt zusammen mit Thomas mehr und mehr Details auf den Bildern und man ist gespannt darauf, was sich mit dem nächsten Abzug offenbart.

Und dies Spiel mit den Sinnen wird dabei gleichzeitig auf den Zuschauer übertragen. Der Film zeigt zu Beginn ein ganzes Rudel von jungen Studenten, die als Pantomimen durch die Stadt ziehen und Spenden sammeln. Aber ganz im Gegensatz zu ihrem Aussehen verhalten sie sich nicht still, sondern rennen jubelnd und schreiend durch die Straßen. Das normale Empfinden wird durcheinander gebracht, Personen von denen man eine absolute Stille erwartet, übertönen die ganze Straße. Dies wird mit Schnitten zu dem Feierabend in einer Fabrik kontrapunktiert, wo die Arbeiter stillschweigend das Gelände verlassen. Erst am Schluß werden sie ihrer Verkleidung gerecht und spielen ein imaginäres Tennisspiel, dem Thomas als Zeuge beiwohnen wird und ihnen in einer wunderbaren Einstellung den Ball zurückwerfen wird, der über die Abgrenzung hinaus geschossen wurde.

Blow-Up - ScreenshotBlow-Up - Screenshot

So ganz nebenbei portätierte Antonioni noch das Leben in den "Swinging Sixties", in denen die damalige Jugend einer ganzen Generation ihren Stempel aufdrücken sollte. Das Jahrzent in dem die Pop- und Rock-Musik ihren größten Aufschwung erlebte, ein etwas dekadenter Lebenswandel nach den Aufbau-Jahren nach dem zweiten Weltkrieg Einzug hielt (Thomas fährt einen Rolls Royce), leichte Drogen offen auf Partys konsumiert und die Sexualität noch ohne Vorbehalte und Angst vor Krankheiten frei entfaltet wurden. Thomas hat kein Problem damit, sich zwischendurch mal einen Joint anzuzünden oder gleich zwei Mädels, die sich bei ihm für einen Modelljob vorstellen, gleichzeitig zu vernaschen (die Blonde der beiden ist im übrigen die damals recht bekannt gewesene Jane Birkin). Dabei ist er nicht mal ein durch und durch symapthischer Charakter, sondern legt eine Überheblichkeit an den Tag, die ihn manchmal enorm unfreundlich erscheinen läßt. Das Ergebnis seiner inneren Leere und Langeweile.

Damals war der Film ein großer Erfolg und wurde sogar für das beste Drehbuch und Antonioni als bester Regisseur für den Oskar nominiert und gewann weitere internationale Filmpreise. Er geriet allerdings auch durch die "Orgienszene" in der Mitte des Films ins Gerede, in der sich Thomas mit den beiden Möchtegern-Modells vergnügt. Diese Szene ist für heutige Verhältnisse eher harmlos und auch nicht sehr explizit inszeniert. Allerdings zeigt sie wunderbar, wie damals mit dem Thema Sexualität umgegangen wurde, denn es scheint für Thomas selbstverständlich zu sein, mit den beiden Mädchen zu schlafen, auch wenn sie sich anfangs noch zieren. Für ein paar Minuten taucht auch die britische Rockband The Yardbirds im Film auf. Zuerst war Antonioni an The Who interessiert, konnte sie aber für den Film nicht bekommen.

Blow-Up - ScreenshotBlow-Up - Screenshot

Der Italiener Michelangelo Antonioni drehte seinen ersten Film bereits 1943 und ist bis heute auch noch als Regisseur aktiv. Seine bevorzugten Themen sind meistens im Dramen oder Thriller verwurzelt, aber Dokumentationen gehören ebenso zu seinem Oevre. Zu seinen bekannteren Werken gehören die als Trilogie ausgelegten L' Avventura (Die mit der Liebe spielen), La Notte (Die Nacht) und L' Eclisse (Liebe 1962) sowie der einige Jahre nach Blow Up entstandene Zabriskie Point. David Hemmings wird Genre-Fans sicherlich aus Dario Argentos Profondo Rosso bekannt sein, wo er ebenfalls einen Künstler spielte, der Zeuge eines Mordes wird. Er ist ebenfalls heutzutage noch im Geschäft und war in Nebenrollen sogar in größeren Hollywood-Produktionen wie Equilibrium, Gladiator oder League of Extraordinary Gentlemen (Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen) vertreten. Vanessa Redgrave konnte man später in so unterschiedlichen Werken wie Ken Russels The Devils (Die Teufel), Howards End (Wiedersehen in Howards End) oder Girl, interrupted (Durchgeknallt) sehen.

Die deutsche wie auch die US-DVD von Warner bieten eine grundsolide Bildqualität, die so gleichwertig ist, dass sich ein Bildvergleich bei dieser Version nicht lohnen würde. Die Körnung des Filmmaterials ist zwar präsent, aber dafür gibt es eine gute Schärfe, ordentliche Farben und der Kontrast wirkt recht ausgewogen. Für einen 38 Jahre alten Film ganz ordentlich. Die Komprimierung arbeitet recht unauffällig und neigt nur in ganz wenigen Szenen zu einer leichten Blockbildung. Der englische Originalton klingt zwar klar und sehr natürlich, allerdings sind die Dialoge teilweise nur schwer zu verstehen, da sie direkt am Set aufgenommen wurden. Manchmal muss man den Ton schon recht laut drehen, um alles verstehen zu können. Der französische Ton der US-DVD leidet unter einem leichten Hintergrundrauschen. Die Synchronisation auf der deutschen DVD ist hingegen in der Dialogverständlichkeit deutlich besser und insgesamt etwas lauter abgemischt. Bei der spanischen Tonspur verhält es sich genauso. Die deutsche DVD bietet allerdings deutlich mehr Untertitel.

Blow-Up - ScreenshotBlow-Up - Screenshot

Auch bei den Extras sind beide DVDs identisch. Da wäre zunächst der Audiokommentar von Peter Brunette, der bereits ein Buch über Michaelangelo Antonioni geschrieben hat. In seinem Kommentar, den er übrigens mit flotter Stimme erzählt, geht er weniger auf produktionstechnische Hintergründe wie z.B. das Casting ein, sondern mehr auf Deutungen von Szenen und Charakteren und bringt zudem den damaligen gesellschaftlichen Kontext zur Sprache. Dabei fördert er durchaus das Verständnis des Filmes und macht auf Aspekte aufmerksam, die man bei ersten Anschauen nicht unbedingt erkennt. Als einziger Kritikpunkt wäre anzumerken, dass er manchmal viel zu lange Pausen einlegt. Als weitere zusätzliche Tonspur bekommt man noch den kompletten Soundtrack des Films in isolierter Form geliefert. Der Rest des Bonusmaterials besteht nur noch aus dem Teaser und dem Kinotrailer.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 07.05.2004

Leser-Kommentare

05.08.2007, 19:37:33 wellermaniac ( Email schreiben )

Oh, nein die Film- und Kunstwelt wird sie schmerzlich vermissen. Nach David Hemmings also nun der Meister persönlich, Michelangelo Antonioni fährt zusammen mit Ingmar Bergmann auf eine Reise ohne Wiederkehr in eine bestimmt bessere Welt....
Hätte Morricone nicht dieses Jahr endlich den Oscar erhalten, wäre dieses Jahr schon eine kleine Katastrophe. Pardon, das hat nicht wirklich viel mit dem Film zu tun, aber wo und wie sonst, soll man seinen kleinen persönlichen Herzschmerz verarbeiten, wenn nicht auf einer der gelungensten Webseiten für den deutschsprachigen Raum. Danke Senseofview und danke Herr Antonioni

10.04.2005, 21:10:33 wellermaniac ( Email schreiben )

Mein absoluter Lieblingsfilm, welcher nicht nur die Swinging-Sixties in London so grandios wiederspiegelt. Selbst nachdem ich den Film in den späten Siebzigern (oder frühe Achtziger?!?, egal) das erste Mal im TV gesehen habe, fesselt dieser Streifen mich jedesmal aufs Neue, wobei die Szene im Park mein persönliches Highlight ist. Nun habe ich mich letztes Jahr in London auf den Weg gemacht und den für die Schlüßelszene so wichtigen " Maryon Wilson Park" aufgesucht und was soll ich sagen, es war wie eine Zeitreise, einfach großartig. Der Park sieht unverändert so aus wie im Film, mit den Wiesen und Zäunen, Treppen und dem Tennisplatz, welcher wiederum für die Schlußszene im Film als Schauplatz dient. Ich hatte das Glück, kaum einer Menschenseele zu begegnen und glaubt mir, ich hörte den Wind in den Bäumen so geheimnisvoll wie im Film rauschen und auf dem Tennisplatz spielte ich ohne Gegner und ohne Equipment ein fantastisches Match...

14.05.2004, 16:30:10 Dr.Schwemmler ( Email schreiben Homepage )

Soweit ich weiss, ist das nicht wahr. Antonioni ist 91und sein neuester Film Eros, ein Episodenfilm in Zusammenarbeit mit Wong Kar Wai und Steven Soderbergh, ist gerade in der Post-Production.

12.05.2004, 11:54:12 jyunin

Und Antonioni ist leider auch schon gestorben.

08.05.2004, 19:26:44 Dr.Schwemmler ( Email schreiben Homepage )

Hallo!

Ein gelungenes Review eines Meisterwerks!

Ich wollte Dich aber darauf hinweisen, dass der großartige David Hemmings am 3. Dezember letzten Jahres gestorben ist.

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann