Film Daten

Titel:
Tetsuo II: Body Hammer
Originaltitel:
Tetsuo II: Body Hammer
Land & Jahr:
Japan 1992
Laufzeit ca.: ?
81 Min.
Regie:
Shinya Tsukamoto
Darsteller:
Tomorowo Taguchi
Shinya Tsukamoto
Nobu Kanaoka
Sujin Kim
Hideaki Tezuka
Tomoo Asada
Iwata
Keinosuke Tomioka
Torauemon Utazawa
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Tartan Video
Label:
Tartan Video
Regionalcode / Norm:
0 / PAL
Bild / Zeit:
1.33:1 / 80:49
Sprachen/Ton:
Japanisch - DD 2.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Trailer
  • Liner Notes
  • Biographien
  • weitere Trailer: Tetsuo / Audition / Nowhere to Hide / Ring / Ring 2 / Battle Royale

Tetsuo II: Body Hammer

Review

Tetsuo II: Body Hammer - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Beim Einkaufen wird der Sohn des Geschäftsmannes Taniguchi Tomoo (Tomorowo Taguchi) und seiner Frau in aller Öffentlichkeit entführt und Taniguchi nebenbei auch noch etwas in die Brust geschossen. Nach einer halsbrecherischen Verfolgung bekommt das Ehepaar aber ihr Kind zurück. Allerdings wird ihr Sohn wenige Tage später ein zweites Mal von den gleichen Leuten entführt. Als Taniguchi einem Entführer gegenüber steht, geschieht etwas seltsames mit ihm. Durch den ausglösten Zorn und Hass auf die Entführer beginnt sich sein Körper zu verändern. Sein rechter Arm wird zu einer gewaltigen Schusswaffe und überall wächst Metall aus seinem Fleisch ...

Tetsuo II: Body Hammer - ScreenshotTetsuo II: Body Hammer - Screenshot

Nach seinem schwarz-weiß Spielfilmdebüt Tetsuo - The Iron Man, der die konsequenze Fortführung seines Kurzfilms B]Futsu saizu no kaijin (The Phantom of Regular Size) darstellte, lieferte Regisseur Shinya Tsukamoto mit Tetsuo II - Body Hammer einen direkten Nachfolger ab, diesmal allerdings in Farbe. Es handelt sich aber nicht um ein Sequel in Bezug auf die Handlung - die ist gänzlich anders und es kehrt auch kein Charakter aus dem ersten Film zurück - sondern Tsukamoto variierte die in Tetsuo - The Iron Man aufgegriffenen Themen, verpackte sie in einer anderen Form und entwickelte sie weiter. Beiden Filmen gemeinsam ist die Tatsache, das der Hauptcharakter, ausgelöst durch andere Personen, zu etwas getrieben wird und sein Körper sich dadurch massiv verändert. Hat dieser Effekt bei Tetsuo - The Iron Man noch einen fast mystischen Ursprung, so wird es in Tetsuo II - Body Hammer zum Teil als Wirkung seltsamer Experimente dargestellt, die von einem Professor im Auftrag eines unbekannten Fremden durchgeführt werden.

Dies ist aber nicht alles, sondern nur die vordergründige Ursache. Die Mutation des Hauptdarstellers in ein Monster aus Fleisch und Metall ist Shinya Tsukamotos Weg zu zeigen, wie ein Mensch über sich hinaus wachsen kann, wenn man ihn nur weit genug treibt. Der Körper seine Grenzen überschreitet. Der menschliche Körper und Metall gehen eine Symbiose ein, die sowohl tödlich sein kann, als auch eine unterschwellige sexuelle Kraft ausübt. Getrieben von dem Hass der sich in ihm aufbaut, verändert sich Taniguchi Tomoo zu einem Mann, der fast blind seine Gewalt entlädt. Selbst die Familie ist vor ihm nicht mehr sicher. Und dies geschieht in einem Umfeld, dass zwar irgendwo alltäglich ist, aber auch sehr fremd erscheint. Taniguchi lebt mit seiner Famlie in einem kleinen, sterilen und spartanisch eingerichteten Appartment in irgendeinem Betonbunker in Tokio. Die Stadt selbst ist eine Wüste aus Beton und Stahlträgern, kein grüner Fleck durchbricht die graue Umgebung in der der unscheinbare Taniguchi wie isoliert, vollkommen allein gelassen wirkt. Auch wenn Tetsuo II in Farbe gedreht wurde, so wirken die meisten Szenen, die hauptsächlich in Blau- oder Brauntönen gehalten sind, durch die einseitige Farbgebung trotzdem monochron.

Tetsuo II: Body Hammer - ScreenshotTetsuo II: Body Hammer - Screenshot

Seine Gegner werden von Yatsu (gespielt von Regisseur Shinya Tsukamoto) angeführt. Yatsu hat einen Wissenschaftler damit beauftragt, durch ein Mittel Menschen in Kampfcyborgs zu verwandeln. Ihm untergeben sind eine Reihe von Skinheads, die den den ganzen Tag damit verbringen, Eisen und andere schwere Dinge zum Krafttraining zu heben. Eine anonyme Masse der Gewalt, die Yatsu ohne Probleme beeinflussen und nach seinem Willen lenken kann. Allerdings ist dies auch ein relativ flacher Charakter, denn seine Motive werden nie so richtig klar, warum er sich diese Armee aufbaut. Die Verbindung zu Taniguchi hingegen wird im weiteren Verlauf des Films geklärt.

Inszeniert wurde dies wieder in Tsukamotos ureigenem radikalen Stil. Harte Industrial-Soundattacken treffen auf Videoclip-artig inszenierte und schnell geschnittene Szenen, in denen neben Lichtspielen und Zeitraffer auch Effekte wie Stop-Motion-Animationen eingesetzt werden. Dazwischen liegen dann die ruhigen, normalen Handlungsszenen, in denen die Familie und später die Beziehung zwischen dem Geschäftsmann und seiner Frau stehen oder mehrere Flashback-Sequenzen. Tsukamoto attackiert wieder einmal die gewohnten Sehgewohnheiten mit ungewöhnlichen Einstellungen, Schnitten, Bildeffekten und die direkte Verzahnung von Bild und Musik. Im fast schon surreal anmutenden Finale kommen dann noch sogar Elemente des japanischen Monsterfilms dazu.

Tetsuo II: Body Hammer - ScreenshotTetsuo II: Body Hammer - Screenshot

Tetsuo II: Body Hammer ist die logische Fortführung der Themen aus Tetsuo - The Iron Man und auch ein Beleg dafür, dass sich Tsukamoto als Regisseur weiterentwickelt hat. Aber genau wie Tetsuo - The Iron Man oder überhaupt Tsukamotos Filme im Allgemeinen, ist auch Tetsuo II: Body Hammer kein Film für jedermann. Wer mit Tsukamotos Filmen vertraut ist, der wird sicherlich keine Probleme mit diesem Film haben. Ansonsten sollte man schon für etwas ungewöhnlichere, experimentelle Filme offen sein. Der gewöhnliche Kinogänger dürfte jedenfalls schnell überfordert sein mit Tetsui II: Body Hammer.

Auch wenn 1989 bereits nach Drehorten für Tetsuo II gesucht wurde, so drehte Tsukamoto doch erst Hiruko the Goblin (Yokai Hanta - Hiruko, 1990) für eine japanische Produktionsfirma. Die Erfahrungen mit dieser Firma ließen ihn aber zu dem Entschluß kommen, Tetsuo II lieber im Alleingang als Independentfilm fertig zu machen und so gründete er seine eigene Firma "Kaijyu Theatre". Bereits einen Monat nach Fertigstellung von Hiruko the Goblin begann die Pre-Production für Tetsuo II. Musste Tsukamoto bei Tetsuo - The Iron Man noch mit einem sehr kleinen Team arbeiten, so führte sein inzwischen gestiegener Bekanntheitsgrad und das höhere Budget dazu, dass bei Tetsuo II an die 60 Leute beteiligt waren. Allerdings zog sich die Produktion über ein Jahr hin und am Ende waren es dann nur noch 20, die mit Tsukamoto den Film fertigstellten. Zur Hälfte ging ihm auch noch das Geld aus und nur durch einen guten Kontakt fand man in Toshiba EMI eine investierungswillige Company, die das Budget von 300.000 Dollar auf eine Million aufstockte, ihm aber trotzdem noch gewisse Rechte an dem Film überließ.

Tetsuo II: Body Hammer - ScreenshotTetsuo II: Body Hammer - Screenshot

Die Entführungsszene drehte man ohne Dreherlaubnis in einem Einkaufszentrum. Da keiner der Kunden eingeweiht war, dachten viele sie würden wirklich Zeuge einer echten Entführung sein. Eine Szene, in der Hauptdarsteller Tomorowo Taguchi angeschossen wird, entstand in unmittelbarer Nähe zu einem Polizeirevier, ebenfalls wieder ohne Genehmigung. Die Beamten nahmen die Crew daraufhin erstmal nach der Szene fest. Ein weiterer Drehort war eine seit vielen Jahren stillgelegte Eisenhütte. Die war allerdings so extrem zugestaubt, dass die Luft bei jeder inszenierten Explosion komplett zugenebelt wurde.

Seine Premiere erlebte der Film außerhalb Japans, auf dem "Avoriaz Fantastic Film Festival" in Frankreich, wo er allerdings nur sehr verhalten angenommen wurde. Dies war auch der erste Auslands-Festivalbesuch für Tsukamoto, der den Film aber noch auf anderen Festivals zeigte, wo er schließlich auch mit Preisen bedacht wurde. So z.B. in Sitges. Shinya Tsukamoto war aber nie so wirklich zufrieden mit dem Schnitt des Films und bevor er Tetsuo II nach dem Avoriaz Festival noch woanders zeigte, überarbeitete er vor allem den Sound. Im Ausland wurde der Name Tsukamoto aber langsam ein Begriff unter Filmfreunden und selbst bekannte Regisseure wie Gaspar Noe oder Quentin Tarantino zeigten sich sehr angetan von seiner Arbeit. Tarantino war es auch, der Tsukamoto die Idee unterbreitete, unter freier Kontrolle einen dritten Tetsuo-Film zu drehen, bei dem Roger Avary das Drehbuch schreiben sollte und für den Tim Roth in der Hauptrolle angedacht war. Auch wenn sich Tsukamoto nicht unbedingt abgeneigt zeigte, kam das Projekt doch nie über den Status einer Idee hinaus. Der Musiker Trent Razor von den Nine Inch Nails wollte ebenfalls Tsukamoto für eines seiner Musikvideo haben, aber auch diese Zusammenarbeit scheiterte.

Tetsuo II: Body Hammer - ScreenshotTetsuo II: Body Hammer - Screenshot

Da der Film in Deutschland immer noch beschlagnahmt ist (eine Entscheidung, die heute nicht ganz nachvollziehbar erscheint), muss man für eine DVD-Veröffentlichung schon ins Ausland schielen. In Großbritannien ist der Film von Tartan im Rahmen ihrer "Asia Extreme" Reihe erschienen. Das Bildformat von 1.33:1 ist in diesem Falle korrekt. Allgemein scheint es sich hier um einen Normtransfer von einer NTSC-Quelle zu handeln. Die Schärfe erlangt auch kaum bessere Durchschnittswerte und der Kontrast erscheint ebenfalls ein wenig zu flach geraten. Der Ton liegt in der japanischen Originalfassung vor, dazu gibt es optionale englische Untertitel. Das Bonusmaterial ist leider nicht gerade üppig ausgefallen. Neben den Trailer zum Film und seinem Vorgänger Tetsuo - The Iron Man gibt es eine kurze Bildergalerie, Liner Notes von Justin Bowyer, Biographien zu Shinya Tsukamoto, Tomorowo Taguchi und Nobu Kanaoka sowie Trailer zu weiteren Filmen aus dem Tartan Programm.

Quellennachweis

Tom Mes: Iron Man - The Cinema of Shinya Tsukamoto

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 15.08.2006

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