Film Daten

Titel:
The Lodger
Originaltitel:
The Lodger
Land & Jahr:
England 1927
Regie:
Alfred Hitchock
Darsteller:
Marie Ault
Arthur Chesney
June
Malcolm Keen
Ivor Novello
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

The Lodger

Review

The Lodger

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

m nebelverhangenen London macht ein Serienkiller Schlagzeilen: der Avenger! Seine Opfer sind stets hübsche blonde Frauen in jungen Jahren, die er grundsätzlich an einem Dienstag tötet. Der einzige Hinweis durch eine schon etwas ältere Augenzeugin nach dem siebten Mord deuten auf einen großen schlanken Mann hin, der sein Gesicht aber zum Schutze verdeckt. Eben solch ein Mann (Ivor Novello) meldet sich im Haushalt der Familie Bunting und mietet das freie Zimmer im obersten Stockwerk. Der Mann legt ein seltsames Verhalten an den Tag. Die meiste Zeit bleibt er in seinem Zimmer und gleich bei seinem Einzug ließ er alle Portraits von blondgelockten Damen aus seiner Wohnung entfernen. Daisy (June) hingegen, die blonde Tochter der Buntings, läßt sich davon nicht irritieren und verbringt sogar einen Teil ihrer Freizeit mit ihm. Das kann sich Joe (Malcolm Keen) nicht lange mit ansehen und fällt durch Eifersüchteleien auf. Schließlich will er in naher Zukunft Daisy heiraten. Beruflich ist er als Inspektor aber voll in dem Fall des Avengers eingespannt. Mrs. Bunting (Marie Ault) traut ihrem Mieter Tag für Tag weniger über den Weg und wird endgültig mißtrauisch, als in einer Nacht ein weiteres Mädchen vom Avenger ermordet wurde und das zu einer Zeit, wo der Mieter auf leisen Sohlen das Haus verließ...

Auch wenn der Film weit davon entfernt ist an seine späteren Meisterwerke zu erinnern, so lassen sich doch einige typische Thrillerelemente Alfred Hitchcocks erkennen. Schon hier spielt er mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, legt einige Grundsteine für seine späteren Werke, hat zwar wenige, aber für die damalige Zeit recht ungewöhnliche Kameraprespektiven zu bieten und der sogenannte "MacGuffin" ist ebenfalls schon vorhanden. Auch wenn man es hier noch mit einem Stummfilm zu tun hat, so sorgt der Film durchaus für etwas spannende Krimiunterhaltung. Atmosphärisch ist der Film ebenfalls gelungen. London ist ein meist nebelverhangender Ort und das Haus der Buntings ein typisches Gebäude der Mittelklasse. Zwar von der Frau recht sauber gehalten, aber trotzdem meint man, dass stets eine leicht schmutzige Patina in dem Gebäude und über den Gegenständen liegt. Das Production Design ist stellenweise deutlich beeinflusst vom deutschen Expressionismus, wie es z.B. der schräge Schattenwurf des Fenstergitterschattens im Schlafzimmer von Daisys Mutter verdeutlicht. Die atmosphärische Dichte wird noch durch den sehr sparsamen Einsatz von Dialog-Karten erhöht. Zwar sieht man die Menschen durchaus öfter miteinander sprechen, aber von dem was sie sagen bekommt man nur das nötigste zu lesen.

Eine andere typische Eigenart von Alfred Hitchcock tritt ebenfalls in diesem Film zum ersten Mal in Erscheinung: sein persönlicher Cameo-Auftritt. Eher aus der Not entstanden, dass ein Schauspieler nicht rechtzeitig zum Dreh erschien, nimmt Hitchcock hier für einige Sekunden die Rolle eines Zeitungsredakteurs ein. Allerdings ist er nur sehr kurz und auch nur sehr schlecht zu erkennen, da er mit dem Rücken zur Kamera sitzt. Außerdem erkennt man ihn auch sehr schwach in einer Menschenansammlung gegen Ende des Films.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 02.02.2004

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