Film Daten

Titel:
Lady Snowblood
Originaltitel:
Shurayukihime
Land & Jahr:
Japan 1973
Laufzeit ca.: ?
97 Min.
Regie:
Toshiya Fujita
Darsteller:
Meiko Kaji
Toshio Kurosawa
Miyoko Akaza
Masaaki Daimon
Noboru Nakaya
Yoshiko Nakada
Akemi Negishi
Kaoru Kudata
Sanae Nakahara
Hosei Komatsu
Hitoshi Takagi
Eiji Okada
Kô Nishimura
Alternativtitel:
• Blood Snow
• Lady Snowblood: Blizzard From the Netherworld
• Shura-yuki-hime
• Snow of Blood
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Rapid Eye Movies
Label:
Rapid Eye Movies
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.50:1 (anamorph) / 96:52
Sprachen/Ton:
Japanisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Interview mit Mark Schilling
  • 16 Trailer zu weiteren REM Titeln
  • Poster

Lady Snowblood

Review

Lady Snowblood - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Japan im Jahre 1873: Ein Grundschullehrer wird versehentlich für einen Regierungsbeamten gehalten und brutal ermordet. Seine Frau wird vergewaltigt und ins Gefängnis gebracht, nachdem sie einen ihrer Peiniger getötet hat. Dort bringt sie Yuki zur Welt und stirbt direkt nach der Geburt. Yuki wächst bei einem Kampfsportmeister auf und als erwachsene Frau (Meiko Kaji) beginnt sie 20 Jahre später den Tod ihrer Eltern zu rächen und sucht die anderen Mörder ihrer Eltern auf...

Lady Snowblood - ScreenshotLady Snowblood - Screenshot

Das in Martial Arts Filmen und auch im Western-Genre so gern genommene Motiv der Rache ist auch das Thema des japanischen Klassikers Lady Snowblood aus dem Jahre 1973. Dabei handelt es sich aber hier gar nicht mal um eine unmittelbare Rache, der Rächer wurde also nicht direkt Zeuge von dem Tod Angehöriger oder Freunde, sondern eher um eine vererbte Rachsucht. Yuki hat ihre Eltern nie persönlich kennengelernt, streng genommen war ihr Vater ja nicht mal der Ehemann, der ermordet wurde. Lediglich ihre Mutter lag noch einige Minuten neben ihr, bevor sie durch die Folgen der anstrengenden Geburt starb, gab aber einer Frau genaue Anweisungen, wie sie sich um Yuki zu kümmern hat. Bereits mit acht Jahren musste das kleine Mädchen eine harte Ausbildung zur Schwertkämpferin über sich ergehen lassen und wurde von Kindesbeinen an darauf gedrillt, ihre Eltern zu rächen.

Zitat

Für Dich gibt es nur ein Bestreben. Um von Rachsucht durchdrungen zu sein, musst Du Freude, Zorn, Liebe, alle Gefühle ablegen. Trauer gibt es nicht. Das Wort passt nicht zu einem Kind der Vergeltung.

Eingefangen wird dies in wunderbaren Bildern, denen trotz mancher deutlicher Studioatmosphäre irgendwo eine gewisse Poesie innewohnt. Dazu gehört auch das übertriebene Spritzen der Blutfontänen, die einen harten Kontrast zu der meist weißen Umgebung, entweder Landschaft oder Kleidung, bilden. Bei ihrer Geburt, beim ersten Kampf im Film und im Finale rieseln weiße Schneeflocken sanft herunter, was für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgt und ihrem Filmnamen alle Ehre macht. Die ganzen optischen Ideen wurden zudem in einem extremen Breitbild von 2.50:1 festgehalten. Neben den schönen Kamerafahrten vermag die stellenweise arg wackelige Handkameraarbeit zunächst etwas unkonventionell erscheinen, aber auf der anderen Seite sorgt dies aber auch für einen höheren Grad an Realismus. In Flashback-Sequenzen kommen zudem noch andere Techniken wie vertikal scrollende Texttafeln und gezeichnete Standbilder zum Einsatz.

Lady Snowblood - ScreenshotLady Snowblood - Screenshot

Der politische und gesellschaftliche Hintergrund zu dieser Geschichte spielt in einer Zeit, in der Japan langsam wieder den Kontakt zu anderen Ländern und vor allem den Westen und Amerika suchte. Bisher nie gekannte Dinge wie die Wehrpflicht wurden erlassen, was Unruhen unter der Bevölkerung verursachte. Außerdem kamen so auch Schußwaffen ins Land, während die klassischen Kämpfer immer noch mit Schwertern arbeiteten. Dies wird im Film in der Konfrontation mit den beiden letzten Gegnern Yukis deutlich. Während sie auf die klassische Art mit dem Schwert ausgebildet wurde, haben die anderen (also die "Bösen") sich bereits den veränderten Bedingungen angepasst und nutzen ihrerseits Pistolen.

Lady Snowblood unterscheidet sich in einigen Aspekten von vielen typischen Ablegern des Martial Arts Kinos. Hier scheinen die Frauen allesamt die stärkeren Charaktere zu sein. Nicht nur Yuki alleine, sondern auch bereits ihre Mutter, die viele Erniedrigungen über sich ergehen lassen musste. Einer von Yukis Gegnern ist die Frau Okono Kitahama (Sanae Nakahara), die eine erfolgreiche Anführerin einer Triade ist. Die meisten Opfer gibt es eindeutig unter den Männern und fast alle sterben durch die Hand einer Frau. Trotzdem bleibt auch hier die Moral, dass Gewalt nur Gegengewalt erzeugt. Die vier Mörder von Yukis Vater werden von Yuki gerächt. Einer von ihnen hat aber eine Tochter, die ihrerseits den Tod ihres Vaters rächen will und nach Yuki sucht.

Lady Snowblood - ScreenshotLady Snowblood - Screenshot

Yuki wird dabei sehr gut von Meiko Kaji verkörpert. Man lernt sie zunächst als kompromisslose Killerin kennen, aber in manchen Momenten erkennt man doch, dass all das nicht spurlos an ihr vorbeigeht. Später steht ihr der Zeitungsherausgeber und Romanschreiber Ryuurei Ashio (Toshio Kurosawa) zur Seite, der von der Frau und ihrer Vergangenheit fasziniert ist und eine Geschichte über sie Veröffentlicht. Vor seiner Einführung in die Handlung kann man ihn aber bereits als Off-Sprecher hören, wo er die verschiedenen Ereignisse kommentiert. Daher wird alles mehr oder weniger aus seiner Sicht erzählt.

Zitat

Eine Frau überließ sich dem Strudel des Schicksals, verachtete den Tod und kannte gegenüber ihren Feinden weder Mitleid noch Vergebung. Ihr Name war Lady Snowblood, Kinder der Vergeltung...

Meiko Kaji war zu der Zeit keine unbekannte Schauspielerin in Japan. In den zwei Jahren vor Lady Snowblood sorgte sie mit den vier Joshuu sasori (Female Prisoner Scorpion) Filmen für Furore. Aber eigentlich war sie eine Pop-Sängerin und sang das Titelstück von Lady Snowblood selbst, was zudem ein Hit in Japan wurde. Ein Jahr später folgte mit Shura-yuki-hime: Urami Renga (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance) ein Sequel, das aber nicht die Klasse des ersten Films erreichen konnte. Zu ihren späteren bekannteren Filmen gehört noch der 1976 gedrehte Yakuza no hakaba: Kuchinashi no hana (Yakuza Graveyard) von Kinji Fukasaku.

Lady Snowblood - ScreenshotLady Snowblood - Screenshot

Der Film wurde bereits in Japan, Großbritannien und den USA auf DVD veröffentlicht. Da die japanische DVD nicht gerade günstig zu ergattern ist und die anderen DVDs bildtechnisch auch nicht wirklich begeistern konnten, brachten nun Rapid Eye Movies den Film in Deutschland heraus. Dabei ist ihnen sogar das Kunststück gelungen, die DVD bildtechnisch neben der japanischen Veröffentlichung zu plazieren. Zwar ist das Bild objektiv betrachtet keine Referenzleistung, aber an vernünftiges Material zum Mastern bei einem doch eher unbekannteren Film aus Japan aus den 70er Jahren zu kommen, dürfte sich als nicht gerade einfach gestalten. Das Bild im anamorphen original 2.50:1 Format liegt dabei in einer sogenannten "windowboxed" Form vor, d.h. man hat an allen vier Seiten schwarze Balken. Dies vermag auf den ersten Bild seltsam erscheinen, sorgt aber dafür, dass auf Fernsehern keine Bildinformationen im Overscan-Bereich verloren gehen. Der Ton ist auch nicht gerade perfekt, ab und an kann man doch leichtes Rauschen ausmachen, aber in Anbetracht des Alters noch okay. Eine deutsche Synchronisation gibt es im übrigen nicht, dafür aber gut lesbare deutsche Untertitel.

Die Extras sind leider nicht sehr umfangreich, was aber bei einem Titel wie diesen auch nicht unbedingt zu erwarten war. Die Bildergalerie ist selbstablaufend, musikalisch unterlegt von Titelstück des Films und zeigt neben Szenenbildern auch einige Promotionfotos. Mark Schilling, ein amerikanischer Experte für japanische Filme, stand für ein ca. viertelstündiges Interview zur Verfügung, in der er nicht nur kurz auf die Verbindungen zu Kill Bill eingeht, sondern auch ein wenig über die damalige Filmlandschaft in Japan und über am Film Beteiligte erzählt. Den Kinotrailer gibt es auch noch, sowie gleich 16 verschiedene Trailer von Filmen aus dem weiteren Rapid Eye Programm. Die DVD wird als Digipack im Pappschuber verkauft und es liegt noch ein Poster bei.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 09.02.2005
Letzte Textänderung: 22.02.2005

Leser-Kommentare

28.06.2005, 20:36:51 Anubisdeus

Der Grundschullehrer wird nicht versehentlich, sondern als Teil des Betrugs getötet.
Ansonsten wie immer ein ausgezeichnetes Review zu einem sehr sehenswerten Film, der besonderns durch seine stilisierende Art besticht.

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