Film Daten

Titel:
Forbidden Zone
Originaltitel:
Forbidden Zone
Land & Jahr:
USA 1980
Laufzeit ca.: ?
73 Min.
Regie:
Richard Elfman
Darsteller:
Hervé Villechaize
Susan Tyrrell
Marie-Pascale Elfman
Matthew Bright
Virginia Rose
Gene Cunningham
Phil Gordon
Hyman Diamond
Danny Elfman
Gisele Lindley
Jan Stuart Schwartz
Kedric Wolfe
Alternativtitel:
Totaler Sperrbezirk
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Fantoma Films
Label:
Fantoma Films
Regionalcode / Norm:
0 / NTSC
Bild / Zeit:
1.78:1 (anamorph) / 73:07
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 5.1
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Audiokommentar von Richard Elfman und Matthew Bright
  • Isolierte Soundtrackspur
  • Dokumentation "A Look Into The Forbidden Zone"
  • "The Hercules Family" (2 Kurzfilme)
  • Deleted Scenes & Outtakes
  • Musikvideo "Private Life"
  • Trailer

Forbidden Zone

Review

Forbidden Zone - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Frenchy (Marie-Pascale Elfmann) hält es in der Schule nicht mehr aus und betritt aus Neugierde und Trotz die Tür zur "Forbidden Zone", die sich im Keller ihres Elternhauses befindet. Als sie vermisst wird, betreten ihr Bruder Flash (Phil Gordon) und ihr Großvater (Hyman Diamond) ebenfalls die Forbidden Zone, um sie zu retten. Derweil hat Fausto (Hervé Villechaize), der König der Forbidden Zone ein Auge auf Frenchy geworfen, worauf die Königin (Susan Tyrell) höchst eifersüchtig reagiert. Frenchy muss um ihr Leben fürchten und Flash und ihr Großvater müssen sich in der Forbidden Zone zurechtfinden, wo es vor Froschdienern (Jan Stuart Schwartz), folterungsgeilen Königstöchtern (Gisele Lindley) und anderen seltsamen Gestalten nur so wimmelt ...

Forbidden Zone - ScreenshotForbidden Zone - Screenshot

Forbidden Zone in igendeiner Form auch nur annähernd in wenigen Worten zu beschreiben ist eine äußerst schwierige Aufgabe und als grober Versuch einer Kategorisierung dürfte folgende Beschreibung dienen: Alice in Wonderland gerät mit dem Yellow Submarine in die Rocky Horror Picture Show, die von Alejandro Jodorowsky zusammen mit John Waters als schwarz-weißer LSD-Trip inszeniert und mit der Musik von Mike Pattons Projekt Mr. Bungle im 1970er/1980er Rock und Pop Stil vertont wurde. Wer jetzt verschreckt das Weite sucht, wird mit dem Film in der Tat nicht viel anfangen können. Wer jedoch neugierig geworden ist, darf gerne weiterlesen, denn dieses Werk ist in der Tat einzigartig, originell, belustigend, mitreißend und hat sich irgendwo seine eigene kleine Nische geschaffen, in der sich so schnell wohl auch kein anderer Film hinverirren dürfte. Kein filmsiches Ereignis im konventionellen Sinne, sondern ein audiovisuelles psychedelisches Erlebnis!

Surreale Theaterkulissen, vollkommen überdrehte Charaktere, nackte Haut und ein schmissiger, wenngleich auch sehr ungewöhnlicher Soundtrack, der irgendwo in der Schnittmenge von Jazz, Progressive Rock und Popmusik der frühen 1980er Jahre liegt, lassen diesen Film zu einem wirklich außergewöhnlichen Ereigniss werden. Sowas wie Forfbidden Zone ist mir jedenfalls bislang noch nie untergekommen und kann auch wohl auf lange Sicht nicht getoppt werden. Allgemein kann man Forbidden Zone sicherlich nicht jedem empfehlen, aber wenn dies Werk den Zuschauer mal gepackt hat, dann tanzt selbst das Sofa, mit Inbrunst werden die verrückten Songtexte mitgesungen und man kann sich seltsamer Seitenblicke seiner Freunde sicher sein. Dieser Film ist eine einzige Gute-Laune-Wolke, dessen durchgeknaller Magie man sich kaum entziehen kann. Es sei denn, man ist ein steifer und unmusikalischer Klotz, dem jede noch so kleine Form von surrealem Filmemachen zuwiderläuft.

Forbidden Zone - ScreenshotForbidden Zone - Screenshot

Der Eintritt in die Forbidden Zone, auch die "Sixth Dimension" genannt, erfolgt durch eine Tür im Keller des Hauses der Hercules Familie. Danach gehts dann mit Schmackes in einer Zeichentricksequenz, die entfernt an die von Monty Pythons Flying Circus erinnert, durch einen Darmtrakt, diverse Maschinerien und durch einen Pappmache-Anus hinein in die Forbidden Zone. Dort werden die Neuankömmlinge meist von dem treuen Diener der Königin begrüßt: dem Frosch (Edgar Wallaces Frosch mit der Maske hatte also noch einen Nebenjob). Die Forbidden Zone wird von allerlei komischem Persönlichkeiten bevölkert und von der Königin und dem zwergenwüchisigem Fausto regiert, während ihre kaum bekleidete Tochter ihren Spaß an Folterungen nachgeht. Verdeckt agiert dann noch Soundtrackkomponist Danny Elfman als Satan in der Unterwelt. Aber auch schon auf der Oberwelt sieht es kaum normaler aus. Die Familie von Frenchy scheint neben einem AKW aufgewachsen zu sein, ihre Schulklasse besteht aus Schülern die Ähnlichkeiten mit Adolf Hitler oder auch mit einer Gang aus der Bronx haben und es werden sich schon mal Schießereien mit der Lehrerin geliefert. Squeezit (Matthew Bright) benimmt sich wie ein Huhn und seine Mutter (Susan Tyrrell in einer Doppelrolle) läßt sich von einem betrunkenen Joe Spinell (der Maniac!) verführen. Normal ist hier nichts und niemand und schon gar nicht dieser Film.

Ein wichtiges Element ist hier aber die Musik und ganz wie in einem Musical dienen die Musik und die Songtexte als zusätzliche Form des Erzählens. Der Musik von Danny Elfman und den zusammen mit der Gruppe Mystic Knights of Oingo Boingo komponierten Songs kann man sich kaum entziehen. Auf eine innovative Art und Weise werden Popsongs mit teils seltsamen Soundeffekten oder einfach nur irgendwelchen Lauten ausgeschmückt, auch werden einzelne Songs von Josephine Baker oder Cab Calloway integriert. Aber auch neben der Musik spielen Soundeffekte eine wichtige Rolle. Als z.B. die Königin entdeckt, dass Fausto Frenchy mit einem Fernrohr beobachtet, entweicht ihrem Mund das Fauchen einer Löwin. Vieles erinnert akkustisch an die Vertonung von Cartoons und das als Stilelement auch Zeichentricksequenzen ihren Weg in den Film gefunden haben, erscheint dabei ganz natürlich.

Forbidden Zone - ScreenshotForbidden Zone - Screenshot

Woran man sich evtl. ein wenig gewöhnen muss, aber zu der unwirklichen Atmosphäre des Films sehr gut passt, sind die an Theaterkulissen erinnernden Sets. Auf Außenaufnahmen wurde komplett verzichtet und stattdessen ein Setdesign erschaffen, dass seinen Einfluss aus Filmen wie Das Cabinett des Dr. Caligari zu haben scheint, der ja auch von seinen theaterhaften Kulissen lebt. Neben spartanischen Hintergründen wie Squeezits Wohnung gibt es vor allem in der Forbidden Zone unzählige Räume, deren Wände mit cartoonesken Grafiken verziert worden sind. Des öfteren kann man auch die Wände wackeln sehen, wenn die Darsteller sie mal ungünstig berühren, aber das erhöht nur den Effekt, ein Musical auf einer Theaterbühne zu sehen. Die zweidimensionalen Hintergründe wurden von Marie-Pascal Elfman erschaffen, der ex-Frau von Regisseur Richard Elfman, die als Frenchy auch vor der Kamera stand. Ihr französischer Akzent war übrigens nicht gespielt, sondern sie ist eine gebürtige Französin.

Der einzige wirkliche Kritikpunkt, den man dem Film anlasten könnte wenn man wollte, ist seine inhaltich magere Geschichte. Wenn man ganz streng mit dem Film ins Gericht geht, ergibt dass das Geschehen in Forbidden Zone im Grunde genommen überhaupt keinen Sinn - aber der Film versucht das auch gar nicht! Da stolpert eine junge Frau in eine andere Dimension mit allerlei komischen Gestalten und ihre Verwandschaft versucht sie zu retten. Um mehr geht es hier eigentlich nicht. Sowas wie Charakterentwicklung wird man hier vergebens suchen. Allerdings weiß die Verpackung so sehr zu begeistern, dass dies nicht weiter ins Gewicht fällt. Denn der Film versteht es allein durch seine Kreativität, seinen Humor und den ungewöhnlichen Ideen zu begeistern. Man kann den Film mögen oder auch nicht, sicher ist jedoch, dass dieser Film schon fast einzigartig in seiner Art ist und im Gedächtnis haften bleibt.

Forbidden Zone - ScreenshotForbidden Zone - Screenshot

Entstanden ist der Film zudem nicht unbedingt mit der Absicht, ein gewisses Zielpublikum zu erreichen und bewußt landesweit in den Kinos zu starten. Regisseur Richard Elfman Intention war es, das Werk der Künstlergruppe The Mystical Knights of Oingo Boingo filmisch noch einmal festhalten, da diese Vereinigung bereits einige sehr kreative Jahre auf Theater- und Musicalbühnen hinter sich hatte und langsam dabei war sich aufzulösen. Die ganze Gruppe ist in dem Film vertreten, Matthew Bright ist gar eines der Gründungsmitglieder. Außerdem ließ Richard Elfman hier auch seinen Einflüssen durch die Three Stooges oder den Cartoons von Max Fleischer freien Lauf, was manchen Szenen deutlich anzumerken ist. Gedreht wurde zunächst auf 16mm Material. Dann wollte man es mit 35mm Material mischen, entschloß sich aber dazu den Film gleich komplett auf 35mm zu drehen, wodurch einige Szenen wiederholt werden mussten. Insgesamt betrug die Produktionszeit des Films fast 3 Jahre.

Die Besetzung war eine Mischung aus ausgebildeten Schauspielern und Leuten die noch nie zuvor vor einer Filmkamera standen. Die Schauspieler kamen alle über persönliche Bekanntschaften zu dem Film. So war Hervé Villechaize kurzzeitig ein Zimmerkollege von Matthew Bright und über Hervé kam Susan Tyrrell zu dem Film, die zu der Zeit mit ihm zusammen war und sie brachte wiederrum andere Personen zu dem Projekt. Auch die eigene Verwandschaft kam zum Einsatz. Richard und Danny Elfmans Vater spielt einen Arbeiter in der Fabrik und der den alte Juden spielende Herman Bernstein war ihr Großvater. Auch Richard Elfman selber tritt in einer kurzen Statistenrolle auf. Der Darsteller, der den Großvater spielt, war eigentlich ein Grundstücksmakler und sein Name Hyman Diamond nur ein Pseudonym, dass sich Richard Elfman ausgedacht hat.

Forbidden Zone - ScreenshotForbidden Zone - Screenshot

Forbidden Zone kann allen empfohlen werden, die auch vor den schrägsten Filmen nicht zurückschrecken oder mal was komplett anderes und neues entdecken wollen. Als einziger, wenn auch etwas weit entfernter Vergleich mag hier noch die Rocky Horror Picture Show herhalten können. Der Humor mag für manche etwas gewöhnungsbedürftig sein und kann am besten mit dem von wilderen Cartoons verglichen werden. Optisch gibt es (für Männer) einige Leckerbissen wie Gisele Lindley als gut gebaute Tochter der Königin und allgemein geht es sowieso hier etwas freizügiger zu, was den leichten, aber auf einer künstlerischen Ebene liegenden anarchistischen Charakter des Films unterstreicht. Selbst in Deutschland war Forbidden Zone unter dem Titel Totaler Sperrbezirk herausgekommen. Ich habe diese Version nie gesehen, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie der Film in einer Synchronisation funktionieren soll, wo doch die Songtexte mindestens genauso wichtig sind wie die normalen Dialoge.

Richard Elfman hat als Filmregisseur noch nicht sehr viele Arbeiten hinter sich gebracht, was allerdings bei seinen vielen Theater- und Musikarbeiten auch nicht weiter verwundert. Erst ab Mitte der 1990er Jahre begann er wieder etwas mehr im Filmbereich zu arbeiten. Der 1998 entstandene Modern Vampires hat es dabei als Revenant - Sie kommen in der Nacht sogar nach Deutschland geschafft. Sein Bruder Danny ist mittlerweile ein anerkannter und geschätzter Soundtrack-Komponist geworden, der unter anderem den Sledge Hammer Theme und die Scores zu Army of Darkness, Sleepy Hollow, dem Planet of the Apes (Planet der Affen) Remake oder auch den beiden Spider-Man Filmen geschrieben hat. Hervé Villechaize bekannteste Rolle ist sicherlich die des Dieners Nick Nack in dem James Bond Abenteuer The Man with the Golden Gun (Der Mann mit dem goldenen Colt). Daneben war er als Tattoo für fünf Jahre in der Serie Fantasy Island zu sehen gewesen. Susan Tyrrell war unter anderem in Andy Warhol's Bad, Paul Verhoevens Flesh & Blood (Fleisch & Blut) zu sehen gewesen oder stand auch für John Waters neben Johnny Depp in Cry Baby vor der Kamera.

Forbidden Zone - ScreenshotForbidden Zone - Screenshot

Die US-DVD aus dem Hause Fantoma Films bietet eine sehr gute Bildqualität. Zwar läßt sich eine dezente Körnigkeit und damit verbundenes Rauschen nicht verleugnen, allerdings nimmt man das mit normalem Sitzabstand schon fast nicht mehr war. Außerdem belegt dies, dass kein Rauschfilter verwendet wurde, der auf Lasten der Schärfe gegangen wäre. Viel wichtiger ist hier der Kontrast, der sehr gut ausgesteuert erscheint und auch Details zu erkennen gibt. Der Ton liegt hier ausschließlich in einer Dolby Digital 5.1 Abmischung vor. Die hinteren Lautsprecher werden zumeist nur für die Musik benutzt, allerdings passiert über die Frontbühne verteilt schon ein bißchen mehr. Auffällig sind nur ein paar Qualitäts- und Soundunterschiede, wenn von Dialogen zu Lieder gewechselt wird, was aber wohl eher damit zu tun hat, dass damals manches im Tonstudio nachbearbeitet werden musste.

Auch sind hier einige nette Extras vorhanden. Der Soundtrack des Films, sofern man sich nicht sofort die CD zu dem Film kaufen möchte, kann über eine zusätzliche Tonspur separat genossen werden. Der Audiokommentar von Richard Elfman und Matthew Bright gehört zu der Sorte, bei der es durchaus Spaß macht, den Ausführungen zu lauschen. Beide sind bestens gelaunt, Matthew Bright verfällt jedesmal ins Schwärmen sobald Gisele Lindley auftaucht und beide haben ein paar nette Anekdoten von den Dreharbeiten zu erzählen. So erfährt man z.B. hier, dass der Kampf zwischen Susan Tyrrell und Viva, die im Film die ex-Königin spielt, von den beiden nicht nur zum Schein gefochten wurde und Richard Elfman dazwischen gehen musste, als die Szene im Kasten war, die beiden aber nicht voneinander loslassen wollten.

Forbidden Zone - ScreenshotForbidden Zone - Screenshot

Und mit "A Look Into The Forbidden Zone" hat man sogar eine fast 40-minütige Dokumentation für diese DVD produzieren lassen, die einige der damals Beteiligten nach 24 Jahren wieder vor die Kamera holt. Neben dem ständig eine dicke Zigarre rauchenden Richard Elfman, seinem Bruder Danny und Marie-Pascal Elfman kommen hier auch Matthew Bright, John Muto (kreativer Kopf für die Zeichentricksequenzen) und sogar Susan Tyrrell zu Wort, die mit unglaublich ehrlichen Worten von ihrer ersten Begegnung mit Hervé Villechaize erzählt. Gegliedert ist diese Dokumentation in kurze Abschnitte, wo auf Oingo Boingo, die Ideen zum Film, der Soundtrack, die Darsteller und verschiedene andere Aspekte eingegangen wird. Hier gibt es auch einige Aufnahmen von Shows der Mystical Knights of Oingo Boingo.

Hinter dem Punkt "The Hercules Family" befinden sich zwei Sequenzen aus dem gleichnamigen Film von Richard Elfman, der das 16mm Vorbild für Forbidden Zone war. Die Nummer "Minnie the Moocher" (3:14 Min.) ist in verbesserter Form in Forbidden Zone zu sehen und beinhaltet die Nummer, die Danny Elfman als Satan und weitere Oingo Boingo Mitglieder singen. Die zweite Sequenz "Johnny" (2:04 Min.) ist eine deutschsprachige(!) Gesangsnummer von Marie-Pascale Elfman, die aber in Forbidden Zone nicht mehr übernommen wurde. Die 11 Deleted Scenes und Outtakes sind teilweise schon interessant, z.B. die Bewerbung von Flash und Gramps als neue Soldaten von Fausto, und füllen durchaus 1-2 Lücken, die dem Zuschauer im Film auffallen könnten. Manche Szenen sind aber auch einfach nur Füller, die berechtigterweise aus dem Film entfernt wurden. Zum Abschluß des Bonusmaterials gibt es noch das "Private Life" Musikvideo von Oingo Boingo und den Trailer zum Film. In dem beigelegten Booklet gibt es neben einem kurzen Vorwort von Richard Elfman noch alle Songtexte!

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 14.12.2005
Letzte Textänderung: 20.12.2005

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