Film Daten

Titel:
Die Passion Christi
Originaltitel:
The Passion of the Christ
Land & Jahr:
USA 2004
Laufzeit ca.: ?
120 Min.
Regie:
Mel Gibson
Darsteller:
James Caviezel
Monica Bellucci
Claudia Gerini
Maia Morgenstern
Sergio Rubini
Toni Bertorelli
Roberto Bestazzoni
Francesco Cabras
Giovanni Capalbo
Rosalinda Celentano
Emilio De Marchi
Francesco De Vito
Lello Giulivo
Abel Jefry
Hristo Jivkov
Alternativtitel:
Passion of Christ, The
Weitere Infos:
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Die Passion Christi Cover

Die Passion Christi

Review

Die Passion Christi

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

Nun habe ich ihn also auch gesehen. Den "Skandalfilm des Jahres", das "brutalste Werk der Kinogeschichte" und wie er auch sonst noch betitelt wurde. Zuschauer verließen aufgebracht und angeekelt die Kinosäle und andere Marketingmaßnahmen wie Herzattacken labiler Zuschauer gingen durch die Presse (mal ehrlich, seit The Exorcist erzeugen solche Meldungen doch nur ein müdes Gähnen...) Alles nur heiße Luft von Moralaposteln und überreligiösen Menschen, deren Meinung von mit dem Strom schwimmenden Reportern unterstützt wurde, die sich nicht mal richtig mit dem Film befasst haben, oder ein verkanntes Meisterwerk, das nur von den richtigen Leuten entdeckt werden muss? Nun, die Wahrheit dürfte, wie so oft, irgendwo in der Mitte liegen.

Zunächst aber meine Hochachtung vor Mel Gibson. Das dieser Mann sein Projekt so konsequent durchgezogen hat, es sogar aus komplett eigener Tasche finanziert hat, weil sich kein Studio wagte sich des Filmes anzunehmen, und dann als Ergebnis ein Werk abliefert, das so unkommerziell konzipiert ist, dass es eigentlich nach normalen Hollywood-Standards floppen müsste, erntet meinen vollen Respekt. Nun gut, durch seine Erfolge als Schauspieler kann er es sich leisten solch ein Projekt auf die Beine zu stellen, aber genausogut hätte er dabei auch ganz böse verlieren können. Die Werbung haben andere für ihn gemacht, darum brauchte er sich nicht mehr kümmern.

Erzählt werden die letzten Leidensstunden Jesu ab dem Zeitpunkt wo er von den Pharisäern gefangen genommen und abgeführt wird, nachdem er kurz zuvor den Versuchungen Satans (eine höchst subtile und effektive Darstellung) widerstehen konnte. Zuerst wird er öffentlich verprügelt und dann dem Römischen Imperator Pilatus vorgeführt, der ihn verurteilen soll. Der kann zunächst keine Schuld feststellen, muss sich aber notgedrungen dem öffentlichen Druck beugen, um keine Revolte heraufzubeschwören. Jesus wird ausgepeitscht, gefoltert, und muss schließlich mit dem Kreuz auf seiner Schulter zu seiner eigenen Hinrichtung wandern. Dies alles wird in großartigen, opulenten Bildern gezeigt, die von ruhigen, nahezu ästhetischen Szenen bis hin zu der brutalen Auspeitschungssequenz reichen. Dabei wurden sämtliche Dialoge in den damals gängigen Sprachen (Aramäisch, Lateinisch, Hebräisch) verfasst und lediglich untertitelt.

Und damit wäre ich an einem der Hauptkritikpunkte angelangt: die gezeigte Gewalt. Nun, der Horrorfilm-erprobte Filmfan wird sich vielleicht etwas leichter tun mit den brutalen Szenen, fürs normale Mainstream-Publikum ist das doch teilweise sehr starker Stoff, der auf der Leinwand gezeigt wird. Scharfe Peitschen reißen Risse in die Haut, eine neunschwänzige Katze krallt sich in die Rippen und wird brutal herausgerissen, Nägel werden in die Hände gehämmert. Viele Kritiken reduzierten den Film auf diese Folterszenen, übersahen dabei aber wohl völlig, das eben diese Taten in der Bibel bereits erwähnt werden und keine neue Idee von Mel Gibson sind. Gibsons Absicht war es, die letzten Stunden von Jesus darzustellen. Dazu gehören leider nun auch einige sehr unschöne Dinge wie die Kreuzigung oder der Kreuzigungs-Zug durch die Stadt. Und glaubt wirklich jemand, eine Auspeitschung oder Kreuzigung sei eine völlig unblutige Angelegenheit? Manch einer wird mir jetzt bestimmt Gewaltgeilheit vorwerfen. Aber dem ist nicht so. Wenn Gewalt nur ihrer selbst willen und ohne Sinn und Verstand in einem Film vorkommt, so kritisiere ich das auch. Hier aber dient sie ja einem bestimmten Zweck, nämlich festzuhalten was für Qualen ein Mensch durchleben muss, dem so etwas angetan wird. Zugegeben, ob man die Auspeitschung und einige andere Szenen so ausführlich und lang hätte darstellen müssen ist sicherlich ein Punkt den man vorbringen könnte. Aber komplett ohne diese Szenen würde der Film auch nicht funktionieren. Als Zuschauer soll man emotional berührt werden und ich denke Mel Gibson ist dies zum größten Teil auch gelungen.

Der andere Punkt der häufig vorgebracht wird, ist der Vorwurf des Antisemitismus im Film. Ich bin vielleicht nicht ganz so tief in der Thematik drin, aber ich habe zu keiner Zeit eine einseitige Parteiergreifung oder Schuldzuweisung entdecken können. Die Pharisäer werden zwar als diejenigen dargestellt, die Jesus am Kreuz sehen wollen, aber dies ist nun mal in der Bibel so festgehalten worden und wird sich auch wohl kaum anders darstellen lassen, ohne das man die Geschichte verfälscht. Mel Gibsons Film stellt einfach nur dar, er verurteilt nicht.

Zurück zum Film. James Caviezel als Jesus gibt eine beeindruckende Leistung ab und bei manchen Szenen habe ich mich gefragt, ob er beim Dreh nicht auch den einen oder anderen körperlichen Schaden mitgenommen hat. Auch die Nebenrollen sind relativ gut besetzt, wenn aber auch manche Charaktere ein wenig blass und ohne viel Tiefe erscheinen. Dies liegt aber darin begründet, dass nur ein begrenzter Zeitraum dargestellt wird, der durch die Fokussierung auf den Jesus Charakter kaum noch Raum für andere Personen läßt. Zum Beispiel hätte ich mir einiges mehr an Charakterzeichnung des Pilatus gewünscht, der ein Mann mit vielen Seiten zu sein scheint, dies aber im Film nicht ganz zum Ausdruck gebracht wird. Die Rolle der Maria hingegen wird ebenfalls überzeugend von Maia Morgenstern dargestellt.

Was nur leider ein wenig versäumt wurde ist eine Erklärung warum die Pharisäer so einen Hass auf Jesus haben. Man könnte es in der Bibel nachlesen (die haben bestimmt nicht alle gelesen, ich kenne auch nur das, was man im Religionsunterricht so mitbekam) und durch einige Dialoge bekommt man ein ungefähres Bild geliefert, worin denn ihre Motivation liegt. Aber trotzdem hätte ich mir da schon ein wenig mehr Hintergrundwissen erwünscht. Auch tauchen des öfteren einzelne Personen auf, die man zunächst nicht wirklich zuordnen kann oder nicht weiß, wie sie in der Bibel dargestellt werden. Auch fehlt dem Film eine gewisse Spannung, da die Kernereignisse der "literarischen Vorlage" ja als Allgemeinwissen einzuordnen sind und man somit genau weiß, was man als nächstes erwarten kann. Trotzdem sind die zwei Stunden des Films relativ fix um und auffällige Längen sind mir nicht bewußt in Erinnerung geblieben.

Das Fazit: Die Passion Christi ist in meinen Augen nicht der Skandalfilm, zu dem er in der reißerischen (und größtenteils unglaubwürdigen) Presse herangewachsen ist. Versucht man möglichst unvoreingenommen an den Film heranzugehen, wird dem Zuschauer ein durchaus hartes, aber opulentes und ausgereiftes Werk geboten. Zwar nicht ohne kleine Mängel, aber ein Kinoereignis der besonderen Art. Leute die kein (Film-)Blut sehen können, sollten allerdings lieber zuhause bleiben. Die imposanten Bilder, die Musik und die atmosphärische Dichte durch die Verwendung der damaligen Sprachen beweisen, dass es sich bei diesem Film nicht um ein Werk handelt, das mit der Absicht entstanden ist, durch Skandale Erfolg zu bekommen. Ich gehe jede Wette ein, dass in einigen Jahren, wenn sich eine dicke Staubschicht über die wilden Meldungen über den Film gelegt haben, wird er als ein verkanntes Meisterwerk wiederentdeckt werden. Ob es wirklich eins ist, muss jeder für sich selber entscheiden.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 25.03.2004

Leser-Kommentare

11.10.2005, 01:05:16 Mathias

"Die Passion Christi" ist ein wunderschöner Film, den jeder gläubige Christ gesehen haben sollte.
Aber natürlich auch die, die nicht glauben können/ wollen. Keineswegs sind die Szenen zu blutig, grausam oder sogar antisemitisch. Eine Kreuzigung war damals die schrecklichste und unterste Bestrafung, die Jesus Christus für uns auf Sich nahm. Es war kein Kaffee- Klatsch ohne Blutvergießen, wie es sich ja einige vorstellen.
Ich bin mir sicher, dass "The Passion" noch lange nicht das Leiden Christi zeigt, wie es in Wirklichkeit geschehen ist.
Mel Gibson ist klasse, Hut ab, dass er das gedreht hat!
Gottes Segen uns allen!
Mathias

19.09.2004, 20:38:55 GÜNTER ( Email schreiben Homepage )

Grüß GOTT.
Ich war entsetzt als ich den Film gesehen habe.
Entsetzt weil ich nicht begreife wie Gibson das Leid Jesus mit so einen Film würdigen will.
Gibson ist ein propagandistischer, übertriebener und
Gewaltverherrlichender Film "gelungen", der absolut oberflächlich und eine Schande ist.
Gewalt an Jesus wird verherrlicht, anstatt den Menschen
Jesus Christus näher zu beleuchten.
Die Heiligen drei könige, geburt christi, seine guten taten.
Jesus wollte uns Hoffnung geben , wahrlich muß er die
Menschen geliebt haben.
Nur Gibsons Film bringt KEINE HOFFNUNG.
Typisch Amerikanisch´, ein weiterer Meilenstein in seiner Karriere, denn über so einen Film spricht man.
Die Geschichte Jesus Christus wird von Machtgierigen Machern mirbraucht und falsch dargestellt.
Sagt mir was soll ein junger Mensch daraus lernen, haben wir nicht Verantwortung der jungen Genaration gegenüber.
Ein junger Mensch sieht nur Gewalt in diesem Film ,und
keine Hoffnung.
Jesus mit euch.

11.07.2004, 11:19:45 Dietmar Kesten ( Email schreiben )

KURZER ABRISS ZUR UNERKENNBARKEIT DES HISTORISCHEN JESUS

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 14. MÄRZ 2004

Warum Mel GIBSON einen Jesus Film gemacht hat, ist eine Frage der Ideologie. Ihm vorzuwerfen, er wollte missionieren, ist ein rechtes Stück der Kritik. Der Film wird die erschreckenden Ausmaße von Unwissenheit über das ?Neue Testament? reflektieren. Die These von der Verdummung der Menschen durch das Christentum wird sich nicht in einer frechen Lüge auflösen. GIBSON wird sich fragen lassen müssen, ob nicht sein vielgepriesener Jesus Film und seine Bibelinterpretation ein altersschwaches Unternehmen ist, dass mit Tricks und Action auf ein psychologisierendes Mitleidgefühl insistiert, dass den Sinn für (wahre) menschliche Humanität abstumpfen lässt, einer Religion und einem Gott huldigt, wozu Karl MARX in seiner ?Einleitung zur Hegelschen Rechtsphilosophie? schrieb: ?Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist, Verhältnisse, die man nicht besser schildern kann als durch den Aufruf eines Franzosen bei einer projektierten Hundesteuer: Arme Hunde! Man will euch wie Menschen behandeln.? (Karl MARX/Friedrich ENGELS: ?Über Religion?, Ausgewählte Texte, Berlin 1958.)

Mel GIBSON wirft mit seinem Film ?The Passion of the Christ? auch die Frage nach dem historischen Jesus auf. Damit steht und fällt der Film, wie überhaupt das Christentum, dass ja mit Jesus eine Glaubensbewegung verbindet, die im säkularisierten Abendland eine ganz eigenartige Kultur und Gläubigkeit hervorgerufen hat, die durch zig Dogmen des Klerus moralisch und bisweilen auch extrem politisch wirkt, und die für ihn und seine Anhänger ganz selbstverständlich erscheinen. Dieser kurzer Abriss möchte versuchen, die Frage nach der Historizität von Jesus ein wenig zu klären, oder besser: Licht in die dunkle Welt zu bringen.

Die Frage nach dem historischen Jesus muss von der entscheidenden Tatsache ausgehen, dass er selber KEINE schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen hat. Konsequent zugespitzt heißt das: alles, was man weiß, oder über ihn wissen könnte, kann nur aus Berichten seiner Anhänger, den Evangelien stammen. Als letzte Stufe ist die christliche Gemeinde nur selbst zu erreichen, niemals aber er selbst. Von den vier Evangelien fällt das Johannesevangelium als denkbare Quelle über ihn heraus. Wann es entstand, oder verfasst worden ist, muss unklar bleiben. Vielleicht im späten 1. Jahrhundert oder Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. Die Qumranfunde und deren bisherige Auswertungen geben dazu keinerlei gesicherten Auskünfte. Das älteste Evangelium ist das Markus-Evangelium. Es wurde um 70 n. Chr. von einem Unbekannten verfasst. Auch Matthäus und Lukas stammen von Autoren, die nicht bekannt sind, die auch Jesus (falls er denn gelebt haben sollte!) nicht kannten. Formgeschichtlich sind sie zwischen 80 und 100 n. Chr. entstanden.

Die bloße Erwähnung dieser Fakten, die in griechisch geschriebene Schriften, rufen grundlegende Probleme hervor:
1. Ein Sprachproblem. Jesus sprach angeblich einen hebräischen Dialekt, Aramäisch. Die Evangelien sind in griechischer Sprache verfasst.
2. Ein Zeitproblem. Jesus starb nach den Quellen vermutlich um 30. Das älteste Evangelium entstand ca. 40 Jahre später.
3. Vielleicht sprach Jesus auch einen anderen (übergreifenden) Provinzdialekt, was die Frage nach der Übersetzung noch extremer verschärft. Sämtliche Evangelien sind griechische Originaltexte. Es gibt keinen Beweis dafür, dass sie die Übersetzung von aramäischen Urschriften sind.

Wie im alltäglichen Leben, so ist die mündliche Überlieferung von gesprochenen Worten eine Frage nach der Seriosität der Urquellen. Wenn die christliche Überlieferung damit endet, dass Menschen einer andere Sprache - ohne Kontrolle - eine beliebige Botschaft weitergeben, dann legt das den Aspekt nahe, dass sich Missverständnisse und womöglich bewusste Täuschungen eingeschlichen haben. Diese These verdichtet sich, wenn beachtet wird, dass zwischen Jesu Tod und der Entstehung des ältesten Evangeliums ca. 40 Jahre vergingen. In diesen 40 Jahren gab es nur eine sog. mündliche Tradition. Bei einem solche anonymen Traditionsprozess kann man kaum begründet erhoffen, noch geschichtlich zuverlässiges über ihn zu erfahren.

Warum wurden die Evangelien spät abgefasst? Der zu vermutende Grund wird in der sozialen Struktur der ältesten christlichen Gruppen gelegen haben. Die Urgemeine oder christliche Gruppen waren vermutlich arme Bauern, Landarbeiter, Handwerker (Jesus soll Zimmermann gewesen sein!), Fischer oder andere Gewerbetreibende, die nach dem Stand der Forschung nicht lesen und nicht schreiben konnten und somit wohl kaum Bücher verfassten. Daraus ist auch das späte Erscheinen der Evangelien abzuleiten; denn die ersten Christen rechneten zu jeder Zeit mit dem mirakulösen Wunder, mit der Erlösung, mit dem jüngsten Gericht. Insofern dürfte es ihnen egal gewesen sein, wie sie die Passionsgeschichte ausschmückten.

Die formgeschichtliche Tradition (Forschung) hat schon früh gezeigt, welche Widersprüche es bei den Evangelien gibt. Hinzuweisen ist auf David Friedrich Strauß, Bruno BAUER, Albert SCHWEITZER oder Karl KAUTSKY. Später waren es Forscher und Theologen, die ganz und gar ein anderes Bild von Jesus entwarfen, als das, was heute unter Christen bekannt ist. Dazu gehören die Autoren: Karl Ludwig SCHMIDT, Martin DIBELIUS, Rudolf BULTMANN, Herbert BRAUN, Hans CONZELMANN und viele andere. Allgemein kann man ihnen folgen, indem sie sagen, dass die Geschichten, Gleichnisse, Sprüche und Heilungen die Jesus angedichtet wurden, anfangs nur einzelne Worte waren, die sich in der Gegenüberstellung der Evangelien (synoptischer Vergleich) als eklatanten Widersprüche herausstellen. Diese mündliche Weitergabe dienten jedenfalls den ersten Missionaren dazu, sie als Beleg und Beispiel für ihre Predigt anzuführen, die die Menschen dazu bewegen sollten, an ihn (Jesus) zu glauben und seinen Erlösertod am Kreuz zu rechtfertigen. Auf diese Weise verschmolzen Passionsgeschichte (womit sich GIBSON beschäftigt) und später die Ostergeschichte zu einer zusammenhängen Erzählung.

Man kann sogar mutmaßen, dass die uns bekannten Evangelien nichts anders sind, als eine moderne Kulturlegende, in der sich alles hielt, was für eine Legende von Bedeutung ist. Der Theologe Gerd KONZELMANN kam zu dem Ergebnis: ?Damit ist es nicht mehr möglich, die Reihenfolge der Ereignisse im Leben Jesu festzustellen, eine Biografie Jesu zu schreiben und ein Bild seiner Gestalt zu entwerfen.? (vgl. Hans KONZELMANN: ?Jesus Christus?, Religion in Geschichte und Gegenwart, Tübingen 1957ff., S. 260).

Literaturgeschichtlich betrachtet, gehören die Evangelien zur sog. ?Kleinliteratur?. Eigentlich sind sie ohne Bedeutung. Den urchristlichen Schriften (einschließlich der Qumrantexte) fehlt jedes Interesse an der menschlichen Persönlichkeiten Jesus, seiner Herkunft, Bildung, seines Charakters und seiner Entwicklung. Etwas gesichertes sagen sie nicht aus. In seinem Werk ?Geschichte der Leben-Jesu-Forschung? stellte Albert SCHWEITZER fest: ?In dem Maße, als man von den Berichten abstreicht, wird Jesus unbedeutender und lebloser so dass er für die Religion nichts oder im besten Falle nicht mehr bedeutet, als eine Reihe anderer Talente... In Wirklichkeit hat der geschichtliche Jesus... eine ganz nebensächliche Rolle gespielt.? (Albert SCHWEITZER: ?Geschichte der Leben-Jesu-Forschung? (2. Bd.), Tübingen 1977, Bd. 2, S. 518f.).

Die Evangelien und ihre Mythenbildung haben keinerlei Interesse an einer zeitlichen Reihenfolge von Ereignissen gehabt. Diese gesicherten historischen Erkenntnisse wird der Film ebenso verschweigen, wie die Tatsache, dass sie (die Evangelien) nichts anderes sind, als anekdotenhafte Aussprüche. Sie müssen sogar als Sekundärliteratur bezeichnet werden, da Jesus nichts schriftliches oder mündliches hinterlassen hat. Die Jahrzehnte, die zwischen der schriftlichen Expertise der Tradition und dem Tod Jesu liegen, sind so enorm, dass viele Theologen natürlich nach Texten suchen, die ihre Auffassungen von der ?Niederkunft des Heilands? bestätigen und die sich in der Zeit zurückdatieren lassen.

Diese apologetische Funktion soll die Spruchquelle ?Q? sein, die sie zur Rekonstruktion benutzen. Diese zweite Quelle soll angeblich den Evangelien Matthäus und Lukas vorgelegen haben, und soll später schriftlich fixiert worden sein. Markus dürfte sie nicht benutzt haben, so dass weiter für das älteste Evangelium ein Abstand von vier Jahrzehnten angenommen werden muss. Wie aussichtslos es also ist, den historischen Jesus zu Gesichte zu bekommen, hat der Theologe Martin KÄHLER auf den Punkt gebracht: ?Die Evangelien sind die Passionsgeschichte mit ausführlicher Einleitung.? (Martin KÄHLER: ?Der sogenannte historische Jesus?, 2. Aufl. 1896, zitiert nach: Karlheinz Deschner (Hrsg.): ?Jesusbilder in theologischer Sicht?, München 1966, S. 201).

Aufgrund der mündlichen Überlieferung besteht bei den Evangelien die durchgängige Tendenz zum Fortlassen, der sog. Ausschnitthaftigkeit. Der Verdacht erhärtet sich, dass sie eine idealisierende Vereinfachung darstellen. Günther BORNKAMM (einst Professor in Heidelberg) hatte in seinem Buch ?Jesus von Nazareth? (1960) die Probleme der Theologie in die Worte gefasst: ?Würden wir die Überlieferung kritisch auf das reduzieren wollen, was mit keinerlei historischen Gründen sich mehr bezweifeln lässt, wir behielten am Ende nur ein Torso zurück, der wieder mit dem der in den Evangelien bezeugten Geschichte kaum noch etwas gemein hat.? Günther BORTNKAMM: ?Jesus von Nazareth?, Stuttgart 1960, S. 13).

Der Taschenspielertrick der Evangelien besteht in der Tatsache, dass sie Jesus Worte in den Mund gelegt haben, die als ?formal? zu gelten haben, als unecht. Sie betonen NUR einen tieferen Sinn, eine Sache, dessen Historizität sich nicht mehr nachprüfen lässt. Ihre Argumente sind zwiespältig, ihre Filter sind offensichtlich, und ihre Informationssperren deutlich zu erkennen. Sie sind Verlegenheitsmanöver, die sich aus der damaligen Zeit und der apokalyptischen Schau ergeben. Dieses Vorgehen der Evangelien muss historisch als verantwortungslos gebrandmarkt werden.

Nur wenige Neutestamentler waren im übrigen bereit, sich das zuzugestehen. Es war der Theologe Rudolf BULTMANN, der als erster mit seiner ?Entmythologisierung? das ganze klerikal Gebäude fast zum Einsturz brachte. Doch als Mann des Glaubens wurde er nie konsequent. Trotzdem geht auf ihn jener Forschungsansatz zurück, der ihm bisweilen (gerade unter katholischen Theologen) sogar den Vorwurf der Ketzerei einbrachte. BULTMANN gab unverblümt zu dass ?für einzelne Jesus-Worte der Beweis einer Echtheit zu führen ist?. (Rudolf BULTMANN: ?Die Geschichte der synoptischen Tradition?, Göttingen 1979, S. 161ff). Und er räumte ein, dass ?seine Predigten nicht neu waren; denn in ihrem Gehalt sind sie nichts anderes als reines Judentum, reiner Prophetismus?. (Zitiert nach: Joachim KAHL: ?Das Elend des Christentums oder für eine Humanität ohne Gott?, Hamburg 1968, S. 80f.).

Nach BULTMANN, BURI, DESCHNER, CARMICHAEL, ECKERT, BRAUN oder BORNKAMM entpuppen sich etwa Wunderheilungen Jesu, Jungfrauengeburt, Wandel auf dem See, Auferstehung und Himmelfahrt als Legenden und Mythen. Zwar soll jeder ?nach seiner Fasson selig werden?, doch das vernichtende Urteil über die Evangelien kann nur lauten: die Texte gelten vielleicht nur noch als Spuren eines gescheiterten messianischen Putsches, den die Urgemeinde später zu vertuschen suchte. So betrachtet dürfte selbst die Kreuzigung kein Missverständnis gewesen sein, sondern übliche Praxis so mit Rebellen zu verfahren. Zu diesem Schluss kam einst der Historiker Joel CARMICHAEL in seinem Buch ?Leben und Tod des Jesus von Nazareth?. ?The Passion of the Christ? wird nicht darum herumkommen, sich diesen Streitpunkten zu stellen.

Da das Christentum nichts anderes als glühende Apokalyptik, Mysterienreligion und Populärphilosophie ist, wird der Film die Bekehrung als Mission auf seine Fahne schreiben. In dem Maße, wie er Ideologie und scheinbare Wirklichkeit vermengen wird, alte Botschaften in ein neues Gewand kleidet und sie auf der Leinwand zur Schau stellt, wird das Bewusstsein mit allen erdenklichen Formen der Massenpsychologie vernebelt. Die These von der Verdummung der Menschen durch den Film wird sich einmal mehr bestätigen werden. GIBSON wird das armselige Bild der Hinterlassenschaften des Klerus nicht korrigieren können und auch gar nicht wollen.

?Ich darf wohl sagen, dass mich das Christentum mein Leben gekostet hat. Sofern ich, wiewohl ich es nie besaß und nur durch ein ?Missverständnis? Theologe wurde, mein Leben gebraucht habe, um es ganz loszuwerden.? (Franz OVERBECK, Theologe)

Ausgewählte Literatur zum Thema:

Adorno, Theodor, W.: Negative Dialektik, Frankfurt/m. 1966.
Altizer, Thomas J. J.: Dass Gott tot sei. Versuch eines
Chrtistlichen Atheismus, Zürich 1968.
Backhaus, Günther: Atheismus, eine Selbsttäuschung?, München, 1962.
Baigent, Michael/Leigh, Richard: Verschluss-Sache Jesus.
Die Qumranrollen und die Wahrheit über das frühe Christentum, München 1991.
Bauer, Bruno: Kritik der evangelischen Geschichte des
Johannes, in: Schweitzer, Albert: Geschichte der Leben-Jesu-
Forschung, Bd. 1, Tübingen 1967.
Baschwitz, Kurt: Hexen und Hexenprozesse. Geschichte eines
Massenwahns, München 1966.
Bishop, Jourdain: Die Gott-Ist-Tot-Theologie, Düsseldorf 1968.
Blinzler, Josef: Der Prozess Jesu, Regensburg 1960.
Bornkamm, Günther: Jesus von Nazareth, Stuttgart 1960.
Braun, Herbert: Jesus, Stuttgart 1969.
Ders.: Jesus- der Mann aus Nazareth und seine Zeit, Stuttgart 1984.
Bultmann, Rudolf: Das Urchistentum (im Rahmen der antiken
Religion), München 1965.
Ders.: Geschichte der synoptischen Tradition, Göttingen 1979.
Campenhausen, Hans von: Griechische Kirchenväter, Stuttgart 1961.
Ders.: Lateinische Kirchenväter, Stuttgart 1960.
Carmichael, Joel: Leben und Tod des Jesus von Nazareth, München 1965.
Conzelmann, Hans: Jesus Christus, in: Die Religion in Geschichte und
Gegenwart, Tübingen 1957-1965.
Karlheinz Deschner: Das Kreuz mit der Kirche, München 1978,
Ders.: Kirche des Unheils, München 1977.
Ders.: Jesusbilder in theologischer Sicht, München 1966.
Ders.: Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. 1-5, Hamburg 1988ff.
Ders.: Abermals krähte der Hahn. Eine kritiische Kirchengeschichte,
Stuttgart 1968.
Eckert, Willehad P./Levinson, Nathan/Stöhr, Martin (Hrsg.):
Antijudaismus im Neuen Testament, München 1967.
Eisenman, Robert/Wise, Michael: Jesus und die Urchristen.
Die Qumran-Rollen entschlüsselt, München 1992.
Feuerbach, Ludwig: Das Wesen des Christentums, Stuttgart 1980.
Friedman, Richard Elliot: Wer schrieb die Bibel?, Darmstadt 1989.
Gollwitzer, Helmut/Weischedel/Wilhelm: Die marxistische
Religionskritik und der christliche Glaube, München 1965.
Jaspers, Karl: Rudolf Bultmann. Die Frage der Entmythologisierung,
München 1981.
Kahl, Joachim: Das Elend des Christentums oder Plädoyer
Für eine Humanität ohne Gott, Hamburg 1968.
Kautsky, Karl: Der Ursprung des Christentums. Eine historische
Untersuchung, Bonn/Bad Godesberg, 1977.
Koch, Werner: Der Prozeß Jesu, Berlin 1966.
Käsemann, Ernst: Jesu letzter Wille nach Johannes, Tübingen 1966.
Lauenstein, Diether: Der Messias. Eine biblische Untersuchung,
Frankfurt/M. 1984.
Lapide, Pinchas: Wer war schuld an Jesu Tod, Gütersloh 1987.
Lenzman, Jakow: Wie das Christentum entstand, Wuppertal 1974.
Marx, Karl/Engels Friedrich: Über Religion, Berlin (Ost) 1958.
Mayer, Anton: Der zensierte Jesus. Soziologie des Neuen Testaments,
Gütersloh 1983.
Robinson, John A.T.: Hoest to God, München 1967.
Russell, Bertrand: Warum ich kein Christ bin, München 1963.
Schweitzer, Albert: Geschichte der Leben-Jesu-Forschung,
2 Bände, Tübingen 1977.
Strauß, David Friedrich: Der Christus des Glaubens und der
Jesus der Geschichte, in: Schweitzer, Albert: Geschichte der
Leben-Jesu-Forschung, Bd. I, Tübingen 1977.
Ders. Geschichte des Leben Jesu, in: in: Schweitzer, Albert: Geschichte
der Leben-Jesu-Forschung, Bd. I, Tübingen 1977.
Wyneken, Gustav: Abschied vom Christentum, München 1964.

11.07.2004, 11:18:42 Dietmar Kesten ( Email schreiben )

IMMER WENN DER HAHN KRÄHT

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 31. MÄRZ 2004

Mel GIBSON und seine Passion ist in seiner radikalen Art, Action auf die Leinwand zu bringen, eine konsequente Weiterführung der Splatter-Movies, die uns aus dem Kino der Moderne seit Jahren bekannt sind. Dieses Kino scheint unnachgiebig auf Gewalt zu setzen, und da es selbst ein Hort der Gewalt ist, reiht sich der Film hier gnadenlos ein. Die Gewaltbereitschaft wird unerträglich bedient, und sie ist schon fast eine hermetische Versiegelung im fiktionalen filmischen Raum. Dieser wird letztlich nur noch eine bestimmte Art von Filmen zulassen, die sich am dem Repertoire ihrer Protagonisten orientieren.

Allerdings muss man auch wieder diese Position etwas abschwächen, weil es immer wieder Filme geben wird, die gesellschaftliche Probleme aufgreifen, Gegenentwürfe zum modernen Kino auf die Beine stellen, und sich auf Aussagen konzentrieren, die an den Grundfesten der menschlichen Existenz rütteln. Verweisen möchte ich ich u. a. auf "In America", "Mystic River" und "21 Gramm". Obwohl diese Filme natürlich auch ohne ein gewisses Gewaltpotential nicht auskommen, so sind sie doch Verkörperungen der alltäglichen Gewalt in Staat, Gesellschaft, Familie usw. Sie entledigen sich in gewisser Weise auch ihrer bürgerlichen Maske, und nehmen von den Versatzstücken des etablierten Kinos Abstand.

Im Weltbild des Horrorspektakels und der Actionklassiker, wird Mel GIBSON und sein Passions-Spektakel eine besondere Bedeutung besitzen. Wagt er sich doch an ein Thema, an dem sich die Geister scheiden. Doch es war auch "Der Herr der Ringe", der die Figuren überzeichnete, die Dominanz und die Stärke der Guten, die Unterkühlung der Bösen, die Neutralität der geschminkten populären Kultur (z. B. Gandalf) herausstellte. Obwohl die Ring-Saga ein ganzes anderes Genre bedient, so gibt es doch Parallelen, die sicherlich auf den ersten Blick nicht zu durchschauen sind, die aber jene emotionale Geborgenheit heucheln, die beide Filme auszeichnet. Ist doch das Stilprinzip dieser: der Kontrast, der Armut und Reichtum, hoher und niedriger Sozialstatus, Gefühlskälte und Emotionalität plakativ gegenüberzustellen und die Charaktere als Verkörperung dieser kontrastierenden Eigenschaften anzulegen.

Dass der Film Klischees über Klischees bedient, ist keine Frage. Die Attraktivität für GIBSON war doch, einen Film zu machen, der sich mit der zurückgenommenen Aussage des Vatikan "so war es" arrangieren konnte. Und völlig unabhängig von der Existenz der historischen Figur im NT, strickt er seinen Traum von Liebe und Glück mit deutlichen Märchenmotiven einer kompensationsbedürftigen gesellschaftlichen Wirklichkeit. GIBSON tut so, als ob diese manifestierte Liebesgeschichte mit ihrem Tragödienhaften Aufbau und dem tragische Ende die eigentliche Apokalypse der Menschheit vorwegnimmt. Insofern ist dieser Film eine einziger reaktionärer Schuss in den Ofen; denn die Warenproduktion insistiert auf den ausbeutungsfähigen Menschen, und nicht auf Konflikte mit Strenggläubigen.

GIBSON bedient die Oberflächenebene, unter der sich die eigentliche Geschichte verdeckt. Das ist ziemlicher unlauter, weil er Liebe, wenn es sie überhaupt gibt, auf eine Symbolfigur projiziert. Diese Funktion hat für ihn womöglich auch einen relevanten politischen Wert; denn sie (die Figur) erscheint ja als Mittel zur Bewältigung gesellschaftlicher Konflikte (Tempelreinigung usw.). Mit Verlaub: wer sich auf diese Personifikation eines neuen 'Werts' stützen möchte, dem muss diese befremdliche Behauptung einer personifizierten Identität als Horrorvorstellung vorkommen: "Die Menschen machen ihre Geschichte selbst" hätte Karl MARX gesagt, und er hätte hinzugefügt "Religion ist Opium des Volkes".

In Staat und Gesellschaft geht es in der Zwischenzeit um Aggression und Verbrechen, um Mord und Terror. Und die Darstellung darüber ist im Film vielleicht so zu gewichten wie in "A Clockwork Organge" (Regie Stanley KUBRICK, 1971). In diesem Sinne ist der Diskurs über staatliche Hilflosigkeit bei Gewalt und Terror ein viel wichtigeres Thema, als ein Disput über einen Film mit vielen sadistischen Szenen einer Blutorgie. Die Tendenz zur Aktualisierung dieses Stoffes ist im übrigen seit "Braveheart" die paranoide Verzückung, in die sich GIBSON zu verstricken scheint. Deswegen ist er realitätsfern und von einem unglaubwürdigen Humanismus durchzogen. Dass die immer wiederkehrende Verbindung von Sex, Gewalt und Träumen (orgastische Präsenz) in Bibelfilmen ein beliebiges Thema ist, ist auch seit "Das Leben des Brian" (Regie: Terry JONES, 1971) unumstritten.

Die exemplarische Konfliktfigur aus der Bibel war ja dort nichts anderes als ein intellektueller Assoziationstest, der die pointierte Wiederholung einer imaginären Geschichte zum Thema hatte. Das entwicklungsgeschichtliche Credo war aber der Versuch, die Obrigkeit und die Uniformität zu desavouieren, und sie mit imaginierten Bibelzitaten, mit dem ideologischen Subsens der zirkulierenden Erzählstruktur zu verbinden. Die Hintergründigkeit dieses Films war: "Wie schrecklich ist es auf der Welt zu sein" (F. KAFKA) mit einem ironisierten Unterton nahezu zu überdimensionieren.

Das durchstilisierte moderne Design eines GIBSON unterscheidet sich natürlich von dieser Persiflage, obwohl er in Konsequenz nichts anderes ist, als eine manipulative Wiederholung der aufbrechenden Pop- und Op-art dieses Bibelgenres. So gesehen haben beide Filme eine Tradition vorzuweisen: sie greifen das alte viktorianische Thema von der Kraft der bösen Lust und die gereinigte Darstellung darüber auf. Doch diese in sich paraphrasierende Pop-Kunst hebt sich selbst wieder auf, nämlich durch die Verbindung von Imperialismus und Konsumkultur, von Warenästhetik und Geldfetischismus. Die in sich zerstörende Selbstreflexion des Films, die Selbstzweifelexzesse, das Masochistisch-Sadistische erobert die Kinobühnen. Das irritiert und schockiert auch aus der gesellschaftlich-politischen Perspektive; denn der einfache Wunsch, Werte zu artikulieren, kann nicht durch plumpe Gewaltdarstellungen begründbar erscheinen.

Eine hochrangige Verfilmung ist "Die Passion Christi" nicht. Er lotet alle Ansätze der sadistisch-masochistischen heutigen Alltagsrituale gekonnt aus. Das ist die Dominanz der westlichen Kultur, aber auch des Warenfetischismus und der daraus resultierenden Beziehung 'Ware-Geld-Ware'. Hollywood ist nur zu gerne dazu bereit, dieses Pferd weiter zu bedienen.

"Nur ein Atheist kann ein guter Christ sein; nur ein Christ kann ein guter Atheist sein." (Ernst BLOCH)

11.07.2004, 11:17:42 Dietmar Kesten ( Email schreiben )

FETISCH RELIGION

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 7. MÄRZ 2004

Mel GIBSON hat nach eigenen Angaben seinen Jesus-Film selbst finanziert. 25 Millionen Dollar soll das Spektakel gekostet haben, was zeigt, worauf man in dieser Branche fixiert ist. Nach einer beispiellosen Medienschlacht in den USA, ist der Film, der dort in ca. 4000 Kinos bereits angelaufen ist, ein Renner, und soll dort allein am Aschermittwoch ca. 20 Millionen Dollar eingespielt und damit bereits ?rund zwei Drittel der Produktionskosten eingespielt? haben. (Zitat: Stern Online, 26. 2. 2004). In Deutschland wird der Film vermutlich am 18. März anlaufen, und dieser Blockbuster wird die Kritiker herausfordern. Unter Gläubigen könnte er als ?Das unbekannte Meisterwerk? gehandelt werden.

Der Vater von Mel GIBSON soll den Holocaust geleugnet haben. GIBSON selbst ist erzreaktionärer Katholik, gehört dem traditionalistischen Zweig des Katholizismus an, der die Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ablehnt. Beiden wird Verbindungen zur radikalen christlichen Sekte ?Catholic Church? nachgesagt, die auch die Kollektivschuldthese von den Juden als ?den Mördern Christus? verficht und an der lateinischen Messe festhält.

In ?Braveheart? (Regie: Mel GIBSON, 1995, Oscargewinn), in dem Versuch einer historischen Darstellung der Schlacht der Schotten gegen die Engländer (das Epos spielt zwischen 1275 und 1305), gibt es eine Szene, in der der Held, von ihm selbst gespielt, seiner Geliebten von Rom erzählt, vom Mittelpunkt der Christenheit. Nach dem Film wird man bestimmt wissen warum, man wird dazu neigen, sich zu vergegenwärtigen, dass diese Sätze nicht einfach in die Luft gepustet waren; denn GIBSON soll seit sehr langer Zeit einen Jesus-Film geplant haben. Und man wird auch sehen, ob die voyeuristischen Grausamkeiten aus ?Braveheart? hier eine Entsprechung finden.

GIBSON hat sich in mehreren Interviews zum Holocaust geäußert, sich von ihm distanziert (Fernsehinterview auf ABC). Den Vorwurf, dass dem Film ein Antisemitismus anhänge, ließ er nicht gelten, und soll ihn als ?eine Sünde? bezeichnet haben. Wie es scheint, hat er sich mit diesem Film aller seiner Sünden entledigt. Durch die Darstellung des Martyriums hab er ?seine eigenen Wunden geheilt?. (TAZ vom 27. Februar 2004). Antisemitismus ist im übrigen das Stichwort, mit dem die Kritiker gegen den Film opponieren. Während jüdische Gemeinden in den USA dem Film und GIBSON vorwarfen, dass er einen Hass zwischen Juden und Christen schüren würde, hatten christliche Institutionen den Film mit Lobpreisungen bedacht und die Jesus-Darstellung verinnerlicht.

Mel GIBSON will DAS Geschehen zeigen, wie es wirklich war, und soll am Martyrium herumgebastelt haben, bis es ihm wirklich gefiel, mit allen Einzelheiten und Grausamkeiten. Der Film wurde in Aramäisch und in Latein gedreht, um eine echte ??Authentizität? zu erzielen. ?Der Heilige Geist wirkte durch mich?, soll GIBSON gesagt haben. (Zitat: TAZ, ebd.). Sein Mitdrehbuchautor (Benedict FITZGERALD, ebenfalls strenggläubiger Katholik) soll wie er selbst die vier Evangelien nahezu zu einer Rezeptur benutzt haben, um daraus eine krude Geschichte zu stricken, die aus einem Fantasy-Spektakel stammen könnte, durch das ein effeminierter Teufel nebst züngelnder Schlange huschen soll.

Frühere Verfilmungen, deren Anleihen von GIBSON natürlich abprallen werden, verweisen auf ?The Last Temptation of Christ?. (Regie: Martin SCORSESE, 1988). ?The Passion of the Christ? soll im übrigen, was nicht verwundert, im sog. ?flächendeckenden Bibelgürtel, im Süden und in der Mitte der USA? seine Anhänger gefunden haben. ?Hauptzielgruppe sind die Evangelikalen, also Fundamentalisten unterschiedlicher protestantischer Sekten. Die Zahl ihrer Anhänger wird in den USA auf 25 bis 50 Millionen geschätzt.? (TAZ vom 25. Februar 2004).

Papst Johannes Paul II soll angeblich auch den Film gesehen haben. Die Hinweise in den Medien, dass er zum Film die Äußerung getan haben soll ?er zeige, wie es war?, lässt sich nicht bestätigen. Vermutlich hat er sich zu angeblich strittigen antisemitischen Szenen gar nicht geäußert. Er habe ?keinen Kommentar dazu abgegeben?. (Zitat: Deutsche Welle Online, 22. 1. 2004).

Das Gerangel um den Verleih hatte im Vorfeld bereits für heftigen Ärger gesorgt, so in Amerika. Die dort ansässige ?Fox News Group?, die über ?20th century Fox? die Erstvertriebsrechte für GIBSON Filme hält, und sich auch in seine Produktionsfirma ?Icon? eingekauft haben soll, wollte das Werk nicht vertreiben. Nach Informationen der ?Deutschen Welle? habe er dann mit seiner Partnerfirma ?Newmarket Films? den Film ?selbst auf den Markt gebracht?. (Zitat: Deutsche Welle-Online, 15. 1. 2004).

In Deutschland ist der Film von ?Constantin? gekauft worden, und man erhofft sich ähnliche Einnahmen wie beim ?Herrn der Ringe?. Markus GÜNTHER (überregionaler WAZ-Regisseur), der den Film in Amerika bereits gesehen hat, hat ihn als ?die Fortsetzung des Reality-TV mit anderen Mitteln? bezeichnet, eben ?keine Realität, sondern die Präsentation einer Kunstwelt?. Der Film zeige nicht ?Authentisches, sondern Artifizielles?. (alle Zitate: Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 27. 2. 2004).

GIBSON, der ?Mad Max?, ist im letzten Jahrzehnt durch folgende Filme bekannt geworden: ?Braveheart?, 1995 (führte selbst Regie), ?Fletcher?s Visionen? (Regie: Richard DONNER, 1997), ?Der Patriot? (Regie: Roland Emmerich, 2000), ?Was Frauen wollen? (Regie: Nancy MEYERS, 2000), ?Signs-Zeichen? (Regie: M. Night SHYAMALAN, 2002), ?Wir waren Helden? (Regie: Randall WALLACE, 2002).

11.07.2004, 11:16:42 Dietmar Kesten ( Email schreiben )

DAS KREUZ MIT DEM KREUZ

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 19. MÄRZ 2004

Ob im Kino reichlich Tränen fließen, oder sie nur unterdrückt werden, kann an dieser Stelle nicht beurteilt werden. Nur eines ist klar: dafür tropft reichlich Blut von der Leinwand auf die Zuschauer. Blut, zwei Stunden lang, spritzendes Blut, versickerndes Blut, vertrocknetes Blut. Überall ist es! Haut in Fetzen gerissen, fast heruntergeschält. Blut in großen Lachen, die Widerhaken verursachen, die tief ins Fleisch eindringen, es dann herausreißen. Und Blut aus einem Körper, das wie Wasser fließt. Mel GIBSON will ein Geschehen zeigen, so wie es gewesen sein soll, mit allen Einzelheiten und Grausamkeiten. Angeblich will er nicht interpretieren, sondern nur mit der Kamera arbeiten.

Zwei Stunden lang wird der Zuschauer mit Blutaction konfrontiert, um die ihn jeder andere Regisseur beneiden könnte. Zwei Stunden widmet GIBSON sich in seinem Film einer Leidensgeschichte, die einem Horrorfilm entlehnt sein kann, oder ist, wenn etwa an die Exesse aus den letzten Monaten gedacht wird, die auf den Kinobesucher niederprasselten. Der Genuss an der Entfaltung dieser Geschehnisse ist nichts anderes als Ekel, der den Nervenschock perfekt machen soll. Um diesen Film ertragen zu können, in dem viele auch die größten Dummheiten für wahr halten werden, weil das Auge sie wahrnimmt, muss man nur auf ein einziges Organ verzichten: auf das Gehirn.

Man muss es gegen das mechanische Gehirn eines Apparates eintauschen, der so konstruiert ist, dass sein starres Auge unserem eigenen unaufhörliche Bewegung vorgaukelt, während im Kopf alles stillsteht. Je perfekter diese Apparatur funktioniert, je stärker dieses Magnet ist, mit dem es die Wahrnehmung fesselt, desto tiefer erscheint die Dunkelheit des Films, in die er alle Sinne taucht. Er ist ein unvollkommenes Exemplar des mechanischen Kinos, des Kinos der Umnachtung, aber hier vor allem der Mission.

In diesem Film sind alle Sinne grau. Dieser Film ist ein Feind. Er tötet, zieht die Haut ab- fast wie im ?Schweigen der Lämmer? (Regie: Jonathan DEMMES, 1991), und ist auf schreckliche Weise irrational. ?The Passion of the Christ? ist pure Lust am Töten, und er hinterlässt gleichsam seine Signatur, ein Zeichen: er folgt den Regeln der amerikanischen Kinodramaturgie, dem schematischen Ablauf von Exposition, Durchführung und Schluss, den raschen und glatten Typisierungen, dem hektischen, kaum durch Reflexion gebremsten Handlungsfluss. Dem schließen sich auch die Bilder an. GIBSON betreibt nur ein Bilderspektakel. Doch welche Bilder sind das?

Es sind die der Grausamkeiten und der Dunkelheit. Sie sind die praktische Verwandlung von Klischees, ein Abbild des Kino-Alltags, in der sich jede Szene erst durch Blut manifestiert muss. Und sie wird bereits von der nächsten nahezu massakriert. Jeder Shot vermehrt nur noch das Gemetzel. Es sind verstümmelte Schaumomente, eine audiovisuelle Schlacht, an deren Ende das Reste-Kino steht: Fetzen, Tricks, grobkörniges Acht-Millimeter-Material. Und dadurch wird die Moral gestärkt: wer glaubt, der wird gerettet, das ist die Botschaft!

Bereits in den siebziger Jahren war ein Kinogenre entstanden, das von Grausamkeiten handelte. Aus dem alten Horror der Riesenameisen, Spinnen, Vampire, deren gefräßiges Vernichtungswerk diskret aus dem Bilderrahmen verbannt blieb, wurde der neue Horror, der mordlüstige Horror zum Stil erchoren.

Wer sich nie die Mühe machte, Filme der Freddy Krueger Serie, oder eines anderen Werkes der Zombie-Industrie zu analysieren, weiß nicht, wovon hier die Rede ist. Es war ?Der Exorzist? (Regie: William FRIEDKIN, 1973), der Angst und Schrecken verbreitete, der mit klotzigen Instrumenten der Folterindustrie seine esoterischen Botschaften der gräulichen Prophezeiungen weit übers Land hinaus als Meilenstein der Filmgeschichte verkaufen wollte, und der diesen Alptraum mit der Grundfarbe Rot ins Kino setzte. Das ästhetische Gesetz seit dieser Zeit, scheint zu sein, das alles das, was spritzt und schleimt, was fließt und splittert, was teilbar und abgetrennt ist, erst die eigentliche Blutsymphonie ausmacht und fortschrittliches Kino darstellt. Der Zuschauer wurde zusehendst mit einer Art Stimmungskeule konfrontiert, an die die Macher der kommenden beiden Jahrzehnte gnadenlos anknüpften.

Sie sind kaum noch zu ertragen, die Splatter Filme, in denen der Gedärme-, Blut- und Ekelrausch schon fast verherrlicht wird. Und wenn nicht jeder normale Action Film Leichen in Massen präsentiert, hat es die Verleihfirma schwer, den Film überhaupt in den Kinos zu präsentieren. Das Kino der Tüftler hat das Kino der Vernunft ersetzt. In diesen Filmen sind die Hauptfiguren gleichzeitig Marionetten des Spiels, das der Mörder über ihre Köpfe hinweg mit dem Zuschauer spielt. Ihnen allein, den Betrachtern, gilt der Terror. Nicht von ungefähr wird im April ?Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apokalypse? (Regie: Olivier DAHAN, Frankreich 2002) anlaufen. Die dortige Apokalypse wird nur die widerwärtige Wiederholung der diabolischen Farce von ?The Passion of the Christ? sein. Es gibt keine unsichtbare Grenze mehr im Kino. Das Kino der aufgeschlitzten Weichteile ähnelt dem Movie Massaker wenn sich zwecks Kreuzigung Nägel in Hände bohren. Hier kommt die Ahnung hoch, dass dieser Fluss des Geschehens den mechanischen Abläufen der Gewalt folgt.

Der Film ist Ausdruck einer Ausdruckslosigkeit, der Signalton für absolute Gleichgültigkeit einer einzufordernde Moralität. Nicht nur im Kino, sondern als Wertmassstab im mitmenschlichen Umgang. Denn wenn immer öfter Jugendliche ausrasten, ihre Mitschüler erpressen, ihnen Gewalt antun, sie Drangsalisieren und Tyrannisieren, oder sonst wie schwer demütigen, dann ist der Totentanz, der einst im homerischen Hades verbannt, jetzt auf die Erde zurückgekehrt.

Als der Film ?Natural Born Killers? (Regie: Oliver STONE, 1994) in die Kinos kam, ging ein Aufschrei durch die Presse, weil STONE es wagte, aus den Comicmännchen im Achtklässler-Outfit die ?serial Killer? Mickey und Mallory zu machen, die auch zu Killern in den Medien wurden, weil Killer und ihre Opfer immer Medienpräsent sind. Und sei es nur aus dem Grunde der Bekehrung. Ein hochmoralisches Thema, das STONE anschnitt, verkam leider wie ein Bluthund, der alle Wunden aufspürte. Jetzt hat die Blutgewalt das Kino erneut eingeholt, die ein Jahr zuvor in ?Romper Stomper? (Regie: Geoffrey WRIGHT, 1993) in der endlosen Mechanik der Gewaltspirale einmündete.

Die amerikanische Seele krankt, ausgebombt durch Kriege, die tiefe Wunden durch den Terror der radikalen Islamisten und globalisierender Weltherrschaft gerissen haben. Soll jetzt wenigstens ein Stück Moral gerettet werden? Kein Wunder: der Christus Film wirkt bei denen, die sich noch ein Stück des alten und guten Amerika bewahren wollen wie ein Pfahl im Fleisch. Denn ?The Passion of the Christ? ist auch ein Film über die Gewalt von Männern, ihrer sadistischen Triebe, Wollust und Folter, Hinrichtung. Eine Gewalttat schlechthin. Der Männlichkeitswahl einer Männergesellschaft!

Mit Genuss bereitet GIBSON seine Schockelemente aus. Ein Rabe hackt einem mitgekreuzigten Verbrecher ein Auge aus, taucht in die sabbernde blutige Höhle ein. Die lange Tradition der filmischen Gewaltdarstellungen setzt sich ungeschminkt fort. Und ewig bluten die Bilder. Das ist die Qual von Mel GIBSON, aber insgesamt auch der amerikanischen Filmindustrie, die ihre Frohnaturen und Dickerchen durch den versteinerten Dschungel der Gewalt schickt, der Horrorvisionen, der Vernichtungsschlachten und der Blutmassaker. Und sie ersetzt Stück für Stück das heile Kino. Was am Ende bleibt, sind wehrlose Opfer ohne Kampf, Unschuldige, die fürs Gemetzel auf der Leinwand auch noch bezahlen müssen.

Fazit: Jeder Täter hinterlässt seine Handschrift. In ?Sieben? wählte er seine Opfer nach dem Katalog der sieben Todsünden aus. In ?The Passion of the Christ? wählt er das tiefste Mittelalter in der modernen Welt. 2 Stunden Blutorgie- eine Obsession, die keine Gnade kennt. Der Film reiht sich ein in der unerträglichen und zermürbenden Geist der Splatter Movies der letzten Jahre.

?Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen als begangen zu werden.? (Franz KAFKA)

11.07.2004, 11:15:30 Dietmar Kesten ( Email schreiben )

ANTISEMITISMUS IN NEUEN TESTAMENT

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 10. MÄRZ 2004

Nachdem erste Vorwürfe laut geworden waren, GIBSON hätte in seinem Film ?The Passion of the Christi? strittige Stellen, die antisemitische Vorurteile bedienen würden, herausschneiden lassen, wird trotzdem die Frage nach einem Antisemitismus nicht verstummen. Jüdische Verbände und viele Theologen sehen die Gefahr, dass die Juden für die Kreuzigung verantwortlich gemacht werden könnten. Der Vorwurf des Antisemitismus tauchte erstmals auf, als die Amerikanische jüdische Liga ?Anti-Defamation League? (ADF) in den Besitz eines Drehbuch Entwurfs kam. Der nächste Schritt war die Einberufung einer Expertenkonferenz, die untersuchen sollte, was an diesen Vorwürfen stichhaltig ist. Die Theologin Paula FREDRIKSEN soll sich in der Zeitschrift ?New Republic? dahingehend geäußert haben, dass sie den Vorwurf des Antisemitismus für berechtigt hält. Der Film würde die ?alten Juden-Stereotypen der Passionsgeschichte neu aufwärmen, die schon auf Hitlers Vernichtungspolitik vorausdeuteten?. (Zitiert nach: FAZ. Net vom 3. März 2004)

GIBSON hat bisher immer behauptet, dass er den Evangelien folgen würde. Unter diesen ist es die strittige Quelle Johannes, der die Verantwortung für die Kreuzigung auf die Hohenpriester fallen lässt: ?Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen, aber die Juden schrien: wenn Du ihn freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich als König ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf.? (Johannes 19, 12) Die Ungereimtheiten bei den Evangelisten tangierten ihn wohl nicht besonders. Die deutschen Bischöfe haben den GIBSON Film kritisiert, und vor einer ?antisemitischen Instrumentalisierung? (Netz-Nachrichten Online, 8. März 2004) gewarnt.

Was bewegt die Gemüter? Das ?Neue Testament? (später nur noch NT, d. Vf.) ist mit antisemitischem Geist nur so durchtränkt, quasi ein Lehrstück des Antisemitismus, der die gesamte Kirchengeschichte bis in die Neuzeit hinein begleitet hat. Er tritt überall dort auf, wo die Welt säuberlich in ?Schafe und Böcke? eingeteilt wurde, in Gute, zu denen man selbst gehörte (?Ihr seid das Licht der Welt?, Matthäus. 5, 14) und in Böse, den Rest der Menschheit. Die Mentalität der urchristlichen Autoren zeigt, wie sie mit Schablonen und Schemata ihre Gedankengebäude rechtfertigten. Als Gegner Jesu tauchen in der Regel Pharisäer und Schriftgelehrte auf. (vgl. Markus 2, 6, 16, 3, 6) Sie sind es auch, die wegen ihres ?falschen Glaubens? verteufelt werden. Der Tod der Person Jesu wird im NT ganz auf die Juden abgewälzt. Die römischen Behörden sind außen vor, obwohl die historischen Quellen etwas ganz anderes sagen.

Bei Markus, dem ältesten Evangelium sträubt Pilatus sich, Jesus zu verurteilen: ?Denn er erkannte, dass ihn die Hohenpriester aus Neid überliefert hatten.? (vgl. Markus 15, 10) Noch eindringlicher lässt Lukas den Pilatus die Unschuld Jesu beteuern: ?Pilatus sagte aber zu den Hohenpriestern und der Volksmenge: ich finde keine Schuld an diesem Menschen.? (vgl. Lukas 23, 4) Matthäus fügt diese Szene ein, wo Pilatus sich die Hände wäscht und beteuert: ?Ich bin unschuldig am Blut dieses Gerechten; sehet ihr zu.? (vgl. Matthäus 27, 24) Dann folgt jener hanebüchene Satz, der sich in den folgenden Jahrhunderten schauerlich erfüllen sollte: ?Und alles Volk antwortete und sprach: sein Blut komme über uns und unsere Kinder.? (vgl. Matthäus 27, 25) Diese Selbstverfluchung halst dem jüdischen Volk als Ganzem die Schuld am Tode Jesu auf.

Der antisemitisch zugespitzte Vorwurf des Christusmordes findet sich auch bei Paulus, der im ?1. Thessalonicherbrief? schreibt: ?Sie haben den Herrn Jesus und die Propheten getötet und haben uns verfolgt und gefallen Gott nicht und sind gegen alle Menschen feindselig. Sie hindern uns den Heiden zu ihrem Heil zu predigen, damit sie das Maß ihrer Sünden jederzeit voll machen.? (2, 15f.) Diese Kollektivverurteilung passt nicht nur zum Wesen der paulinischen Theologie, sondern insgesamt zu den ?Mühseligen und Beladenen?, die die Projektion des absoluten Außenfeindes benötigen.

Den Gipfel neutestamentlichen Antisemitismus stellt das Johannesevangelium dar. An ihm lässt sich besonders ablesen, dass jede christliche Theologie notwendig ihre Juden, die mythische Projektion benötigt. Dieser strenge Dualismus geht ständig mit den Begriffen: Licht und Finsternis, Wahrheit und Lüge, oben und unten, himmlisch und irdisch, Gott und Teufel, Freiheit und Knechtschaft usw. schwanger. ?Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.? (Johannes 14, 6) Der Finsternis und Lüge ist der verfallen, der den himmlischen Gesandten abweist, ja derjenige, der seine Legitimation anzweifelt. Daher belegt Johannes das gerne mit ?Welt der Juden? oder einfach ?der Juden?. Die spätere Nazi-Terminologie ?die Juden sind unser Unglück? findet hier übrigens eine kolossale Entsprechung.

?Die Juden stammen weder von Gott noch von Abraham ab, sondern vom Teufel.? (Johannes 8, 44) Als Kinder des Teufels, des Vaters der Lüge und des Menschenmörders von Anfang an, trachten sie Jesus notwendigerweise nach dem Leben. Bereits 1964 kam Prof. Erich GRÄSSER (damals Lehrstuhlinhaber für NT an der Ruhr-Universität Bochum) zu dem Ergebnis, dass Johannes die Juden als ?stilisierte Typen? kennzeichnen wollte, die ?den Unglauben in der Welt exemplarisch verkörperten?. (Erich GRÄSSER: ?Die antijüdische Polemik im Johannesevangelium?, in: New Testament, Studies 11, 1964) Bei den Evangelisten, speziell bei Johannes dienen die Juden als ein wesentlicher Bestandteil der christlichen Dogmatik: als Konkretion der Satanologie und Dämonologie.

Im erbitterten Kampf der verschiedenen Gruppierungen innerhalb des Christentums im 1. Jahrhundert und zu Beginn des 2. Jahrhunderts, siegte allmählich die Tendenz sich vom Judentum endgültig zu trennen. In der Literatur ist das mit dem Apostel Paulus verbunden, der im NT öfter auch der ?Heiden Apostel? genannt wird. (Vgl. Römer 11, 13; 15,16) Der endgültige Bruch erfolgte wohl in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts, in der auch die Zusammenstellung der Apostelgeschichte erfolgte, des letzten Teils des NT Kanons. Diese Erzählungen verweisen auf die endgültige Abgrenzung vom Judentum, oder besser: der antisemitische Hass ging einher mit der schon erwähnten christlichen Dogmatik, die die mythische Begründung des Christentums seit der wundersamen Wandlung des Christenverfolgers Saulus zum reinen Paulus aufbereiteten.

Zudem wurde das Schicksal der Juden während des 1.Jüdischen Krieges (vermutlich 66 n. Chr.) in einem erheblichen Maße verschärft, hatte natürlich zur Folge, dass die Tendenzen zur Ausgrenzung vom Judentum in den christlichen Gemeinden noch größer wurden. Unmittelbarer Anlass des Aufstandes war das Verhältnis des römischen Statthalters in Jerusalem (Gessius FLORUS), der die Juden nicht vor einem Pogrom der Griechen schützte und Geld aus dem Tempelschatz forderte. Die Niedermetzelung der römischen Besatzung in Jerusalem nach Bewilligung freien Abzugs durch die Juden provoziert eine allgemeine Aufstandsbewegung, die bald auch von den politischen Führern des Judentums, den Pharisäern, unterstützt wurde.

Im Jahre 132 n. Chr. kam es zu einem neuen Konflikt in Judäa. Der äußerer Anlass war gegeben, als der römische Kaiser HADRIAN (76-138. n. Chr.) die ?Beschneidung? unter Todesstrafe stellte, und weiter ankündigte, dass an der Stelle des zerstörten Jahweheiligtums ein Jupitertempel gebaut würde. Die Juden unter BAR KOCHBA erhoben sich gegen die Römer. Somit begann der 2. Jüdische Krieg, der vermutlich erst 134/35 n. Chr. endete. Die Römer gingen nun zu verstärkten Repressalien gegen das Judentum über (Eintreibung von Steuern etc.)

Die wichtigste Bedingung für den Erfolg des Antisemitismus war nicht nur der äußere Bruch mit dem Judentum, sondern die Einlösung des Gesetzestreue seit dem ?Alten Testament? (rituelle Vorschriften). Mit der Absage an diese Gesetze (vgl. Offenbarung des Johannes) war auch die Absicht verbunden, die Konflikte innerhalb der ?reinblütigen Juden? (der Bekehrten) zu verschärfen. ?Nicht alle sind Israeliten, die von Israel stammen.? (Römer 9, 6) Und sie selbst sollen zu den 144.000 reinblütigen Juden gehören, ?die ins Himmelreich gelangen?. (vgl. Offenbarung des Johannes)

Die christliche Propaganda, die sich an alle Stämme und Völker wandte, musste die antisemitische Polemik gegenüber dem Judentum selbst im evangelischen Mythos über Jesus verschärfen, in der Legende über seinen Opfertod in Jerusalem, worüber der Film von GIBSON handelt. Der Vorwurf, mit dem sich GIBSON konfrontiert sieht, ist der Streit um Kaiser Bart. Und es ist völlig unerheblich, was GIBSON vorgeworfen wird; denn das NT ist durch und durch antisemitisch. Und der Antisemitismus als solcher ist das christliche Erbe, dass vor allem unter den Evangelisten verbreitet war um die Juden in ihrer Gesamtheit für den Tod eines Menschen verantwortlich zu machen; denn das Fortbestehen des Judentums war für die Christen unweigerlich ein Frevel, was sich in den folgenden Jahrhunderten deutlich zeigte (siehe auch meine Lutherkritik). Letztlich wurde die jüdische Ablehnung der Göttlichkeit Christi damit zum eigentlichen Gottesmord, einem Akt, den jeder Jude begeht, indem er einfach dem Judentum treu blieb.

Bleibt noch die Frage nach der Verantwortung für die angebliche Kreuzigung. Wer hatte Schuld am Tode Jesu? Dieser Frager sind unzählige Forscher nachgegangen. Die Bücher darüber füllen ganze Bibliotheken. Vielleicht gab es ein römisches Todesurteil, vielleicht auch nicht. Lukas meinte dazu: ?Darauf sagte er zum drittenmal zu ihnen. Was hat denn dieser Böses getan. Ich (Pilatus, d. Vf.) habe keinen Grund zu einem Todesurteil bei ihm gefunden.? (Lukas 23, 22) Die Studie von Professor Josef BLINZLER ?Der Prozess Jesu?, Regensburg 1960), sei hier als Ausklang stellvertretend für all die Literatur zitiert, die sich mit diesen Fragen beschäftigt: ?Wie der Fortgang der Passionsgeschichte zeigt, haben nicht etwa die Juden, sondern römische Soldaten die Hinrichtung vollstreckt... Der Ausdruck ?er übergab? hebt die Tatsache hervor, dass Pilatus mit seiner Entscheidung dem Begehren der jüdischen Ankläger nachgekommen ist. Darüber, ob diese Entscheidung die Bestätigung eines Urteils der jüdischen Richter oder ein selbständiges Urteil war, gibt jene Wendung keinen Aufschluss.? (S. 252f.)

Der amerikanische Historiker Joel CARMICHAEL, kam 1965 zu dem verblüffenden Schluss, dass nach Markus 14, 49 Jesus eine Streitmacht besessen haben muss, die sich mit Waffengewalt gegen die Gefangennahme gewehrt haben soll. Diese soll sich mit Macht nicht nur gegen die Römer, sondern auch gegen andere Häscher (hier primär der Juden) gewehrt haben. Die Juden haben danach ?keinerlei Sympathie für den anmaßenden Galiläer gehabt?. (Joel CARMICHAEL: ?Leben und Tod des Jesus von Nazareth?, München 1965, S. 149) Es ist möglich, dass man ihn wegen ?politischen Aufrührertums zur damaligen (üblichen) Todesstrafe durch Kreuzigung verurteilt habe?. (ebd.) Ob sie (die Römer) von jüdischen Würdenträgern gedrängt worden waren, muss geschichtlich unklar bleiben.

Der kulturelle Kampf um diese Fragen hört, wie man sieht, nicht auf. Er wird weiterhin jede Richtung bedienen, die sich ein Gewinn von einer scheinbaren Beantwortung nach der Frage eines Antisemitismus im Film erhoffen. Das Christentum hat insgesamt den Antisemitismus übernommen. Da es aus dem Judentum hervorging und in vielerlei Hinsicht jüdisch blieb, verwundert es nicht, dass es auf den ersten Blick befremdlich erscheint, dass zum Film ?The Passion of The Christ? nun auf einmal ?alter Wein in neue(n) Schläuchen? auftaucht. Man wird den Eindruck nicht loswerden wollen, dass die Propaganda beider Seiten sich nun eminent verschärft. Betrachten sich doch beide als Gottes ?auserwähltes Volk?. Gerade hier liegen auch die Wurzeln des christlichen Judenhasses bis heute; denn die Christen wollen es gerne sein.

Wer sich mit Antisemitismus beschäftigen will, der stellt fest, dass ihn das NT auf Schritt und Tritt predigt. Das Urchristentum mit seiner antijüdischen Polemik dürfte nichts anderes gewesen sein als eine Agentur einer repressiven Gesellschaft unter der Theologie des Kreuzes. Der Antisemitismus ist somit zu einer gesellschaftlichen Frage von höchster Brisanz geworden.

13.04.2004, 14:43:19 John Morlar ( Email schreiben )

Jesus Christ, American Hero

Du meine Güte. Das Neue Testament als Splattermovie, als Porno. Vorne Oberammergau, hinten ?Ein Zombie hing am Glockenseil?.

Dass der erfolgreiche Star drittklassiger Hollywoodplotten ab und an heftig spirituelle Anwandlungen gebiert, zeigte er schon vor Jahren als yellowpresskompatibler Dackelblickhamlet in Franco Zeffirellis glattpolierter Schulfernsehversion des großen Dramas (merke: Vollbart = intellektuell).

Da hilft es ungemein, sich auf die Lehren einer infamen Traditionalistensekte stützen zu können, deren einflussreiches und finanzpotentes Mitglied der sendungsbewusste Möchtegernregisseur & Sohn eines bekanntermaßen rassistischen Vaters ist.

Bei ?Passion of Christ? handelt es sich ein unglaublich plumpes, blutrünstiges, eindimensionales und tendenziöses Machwerk. Der Gimmick mit der lateinisch-aramäischen ?Originalfassung? ist ? ein Gimmick, albern, nichts weiter (?dokumentarisch?? haha!). Eine filmische Handlung im Sinne einer (wie auch immer konzipierten Erzählstruktur) existiert praktisch nicht. Zelebriert, als ob es sonst nicht zu sagen gäbe, wird ein monströses Grand Guignol, das detaillierte, geradezu lustvolle Verhackstücken eines menschlichen Leibes. Okay, Seines Leibes. Und wenn schon. Gibt es da ein Exklusivrecht auf Martyrium? Was also sollen uns solche Bilder verkünden? Katharsis? Ein Schuft, der Schlechtes davon spricht? Verdammung? Verdummung? Hä? Welche Schlüsse sollen wir also ziehen?

Dass sich Mel Gibson gefälligst hinter verschlossenen Therapeutentüren in seinen selbstpersönlichen Delirien suhlen soll?

Dass die Verbreitung religiöser Ideologien nicht zuletzt auch auf der planmäßigen Erzeugung von Angst, Schmerz und Ekel beruht?

Dass ein Glaube schon armselig sein muss, wenn er sich einer solch ebenso selbstgefälligen wie grobschlächtigen Performance bedienen muss? (Ist Jesu` Aussagen in der Bergpredigt zu entnehmen, dass er Gefallen an einem derart perversen Marketing finden könnte?)

Nota bene: Wäre einer auf die Idee gekommen, mit einem ähnlichen Sujet derart unappetitlich in Blut und Schmutz zu waten, etwa mit der Verfilmung einer der ebenfalls historisch verbürgten grausamen Hexenfoltern im Namen des Herrn, keiner bekäme sie je zu sehen. Jugendschutz und so, Sie wissen schon, inklusive geweihtem Pfui, wie Lichtenberg es mal ausdrückte.

Wie man liest, hat dieser Film in den USA großen Erfolg. Nicht dass das verwundern würde. Der dort beständig wachsenden Koalition aus Neokonservatismus und Borniertheit, Provinzialismus und Intoleranz wird der Film wohl trefflich munden. Anders formuliert, er wird garantiert keine Bush-Feuer löschen. Er wird sein üppig Scherflein dazu beitragen, die entsprechenden Leute in ihrem rechten Glauben zu bestätigen. Das passt, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, zur richterlichen Entscheidung gegen den Vollzug der gleichgeschlechtlichen Ehe. Aber auch die zählt schließlich zu den Schweinereien, die Our Good Lord dort drüben immer noch nicht wohlgefällig sind (siehe auch unter ?links?, ?liberal?, ?altes Europa? und anderen Reizvokabeln).

God bless America, grölt man auf der anderen Seite des Atlantiks gern & oft. Gott schütze uns vor diesem Amerika ? ein dringendes Stoßgebet am hiesigen Ufer.

Und vor solchen Filmen. Tiefdaumen!!!

10.04.2004, 20:04:29 Phantomia

Ich bin in Die Passion Christi gegangen weil ich sehr neugierig darauf war, wie Mel Gibson eine biblische Geschichte umsetzt. Ich wusste zwar, dass im Film brutale Szenen vorkommen sollten aber dass es dann doch so hart fleischig wurde war wie ein völlig neues Kinoerlebnis für mich. Allein schon, wie der ganze Saal geschockt in den Sitzen festfror und manche zu weinen begannen, war unglaublich.
Allem in Allem war die Folterung so dargestellt, dass man sich am Ende des Filmes nur noch einen erlösenden Tod für Christi wünschte und das ist Mel Gibson allemal gelungen.

Zu den Kameraeinstellungen kann ich jetzt nichts weiter sagen, war wohl Standard hollywoodmäßig gemacht. Aber der Inhalt an sich war gut durchdacht, z.B. wurden die Folterungsszenen für mich dadurch intensiviert, dass Jesus immer mal wieder solche Erinnerungen (backflashes) hatte. Sowas ist einfach heftig, zuerst sieht man noch Zeiten, in denen alles in Ordnung war und dann Cut - wieder zurück zum fast zerstückelten Jesus. (Diese Erinnerungsszenen sollten wohl eigentlich dazu sein, dass Jesus aus ihnen seine Kraft schöpft die ganze Folterung zu durchstehen - für mich sind sie aber, wie gesagt, eine Intensivierung der Folter).

Zu der verkörperten Darstellung des Teufels kann ich nur gratulieren, ich fand' den ziemlich genial. Durch sein feminines Gesicht hatte er etwas psychophatenhaftes an sich. Nur, als er am Ende sein Gewandt nicht mehr anhatte, hätte ich mir eine glatte Glatze gewünscht (diese Stoppel hatten mich eher an einen Nazi erinnert).

Dass der Dialog in den damaligen Sprachen geschieht störte mich keineswegs. Im Gegenteil, durch die Sprache sah man sich erstrecht in eine andere Zeit versetzt. Die Geschichte Des Leidensweges Jesus ist mir jedenfalls so bekannt, dass ich dazu keine Untertitel mehr benötige.

09.04.2004, 16:40:09 schwert-bischof ( Email schreiben Homepage )

?Die Passion CHRISTI? - Film von Mel Gibson

Ich habe den Film ?Die Passion? von Herrn Gibson gesehen. Gewiss, Grausamkeiten sind zu sehen, trotzdem: Nie kann das Geschehen so grausam dargestellt werden, wie es dazumal war. Wieso darf man die Grausamkeiten von Auschwitz usw. immer von neuem darstellen und niemand regt sich hierüber auf? Es wird vielmehr noch gepriesen, für nötig erachtet und als ?aufarbeiten? gerechtfertigt. Und wie verhält sich dies mit JESUS? Dass die Juden dazumal JESUS nicht als den verheissenen Messias erkannten, ist und bleibt eine Sache zwischen GOTT und dem Judenvolk. Als Christen aber sollten wir wissen, dass JESUS als GOTT in Maria menschliches Fleisch annahm, um uns zu erlösen.

GOTT wurde durch das menschliche Geschöpf beleidigt und missachtet. Das muss der göttlichen Gerechtigkeit wegen gutgemacht werden. Doch, was kann der Mensch schon GOTT anbieten, das der Allmacht und Majestät Gottes gleichkäme? Einfach unmöglich. Deshalb auch zeugte GOTT Seinen einziggeborenen SOHN. Er allein konnte in unserem Namen GOTT ebenbürtige Genugtuung leisten in Seinem angenommenen Menschsein sowie auch in Seiner Gottheit, die in Ihm eins waren. Er als Gottmensch!

Es ist doch immer dasselbe: Der Mensch macht sich immer wieder nach seinem menschlichen Ermessen ein Bild von GOTT. Was er dann als Mensch nicht fassen kann, das gibt es bei ihm einfach nicht. Dabei heisst es in der Heiligen Schrift: ?Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken ?? oder: ?Ihr sollt euch kein [menschliches ? SB] Bildnis machen von Mir ?!?

Wieso wird gerade dieser blutige Film verurteilt? Warum wirft man gerade ihm Brutalität und Antisemitismus vor? Viele Menschen regen sich über diesen Film auf. Selbst Priester und Bischöfe der Kirche ereifern sich so sehr hierüber, dass in mir tatsächlich ein Vergleich mit den Priestern und Schriftgelehrten in ihrem öffentlichen Auftreten bei der Verurteilung und Kreuzigung JESU aufkommt.

Heilig gesprochene Seher bezeugen viel schlimmere Brutalitäten, als sie der Film zeigt. Sie sahen, dass keine heile Stelle an JESU Körper war. Seien wir es uns bewusst und sehen wir in dieser Grausamkeit doch unsere eigenen Sünden. Oder will jemand seine eigene Sündhaftigkeit ummänteln? Fürwahr, es kann gar nicht grausam genug gezeigt werden, was JESUS innerlich und äusserlich litt, weil wir Menschen nie erfahren können, was CHRISTUS in sich erlebt und gelitten hat als Mensch und GOTT! Die Menschheit sündigt und wir können nie ebenbürtig Genugtuung leisten. Nur einem Gottmenschen war es möglich, dies zu vollbringen. Und siehe, JESUS hat dies getan.

Jeder Mensch wäre schon auf dem Ölberg gestorben, wenn er das hätte sehen und erfahren müssen, was JESUS voraussah und Ihn zum Blutschwitzen brachte. JESUS wollte bei jedem Menschen die Sünden mit Seinem Kostbaren Blute abwaschen und ihn für die ewige Seligkeit erkaufen. Er wollte damit jeden Menschen vor der ewigen Verwerfung retten. Jeder Mensch ist Gottes Kind. Und doch musste Er mit göttlichem Schmerz erkennen, dass viele Menschen Sein Kostbares Blut nicht holen werden, um sich damit rein zu waschen, bevor sie sterben! Zudem ist es doch auch verständlich, dass Er Angst hatte vor den brutalen Qualen, die Ihm bevorstanden. Denn Er benützte Seine göttliche Macht nur, um nicht eher zu sterben, bis alles vollbracht war.

Diese brutalen Szenen im Film ?Die Passion? sollten uns Menschen zu erkennen geben, wie schwerwiegend unsere Sünden sind ? und was sie für GOTT bedeuten. Ja, JESUS rang, bebte und zitterte in unfassbarem Schmerz und Wehklagen. Er hat furchtbar gerungen um die Seelen, gelitten wegen unserer Sünden. Er erschauerte ob dem Grauen und dem Verlust der Seelen und all jener, die weiterhin nicht gerettet werden wollen. Wer kann diesen Schmerz und diese göttliche Liebe begreifen? ? Es war der Kampf um die Erlösung der MENSCHHEIT. JESUS wollte alles Leid und allen Schmerz ertragen und aushalten, bis Er sagen konnte: ?Es ist vollbracht.? Was muss das für den VATER und den HEILIGEN GEIST gewesen sein? ? Was für ein Anblick für den hl. Erzengel Michael?

Hast du schon Leid oder Sorge gehabt für die, welche in Gefahr sind, durch ihr Leben ewig verdammt zu gehen? Was hast du dafür getan?

Eines muss gesagt sein: Auf dass diese Kreuzigung JESU überhaupt geschehen konnte, gab GOTT der Hölle hierzu freie Hand. Anders wäre es der Hölle nie möglich gewesen. Es war die Stunde des Bösen. Satan selbst führte Regie. Er liess seine ganze höllische Brut in diese Menschen fahren. Jegliche Verfehlung gegen die Anordnungen Gottes von Seiten eines Menschen bewirkte diese Brutalität. Ist es da nicht angebracht, auf die Knie zu gehen und sich an die Brust zu schlagen?!


Wer ist denn von uns ?ohne Sünde??

Übrigens, wie viel Brutalität wird in Kinos, TV und Games/Computerspiele geboten und nichts hört man von denen, die beim Film ?Passion? über Brutalität schreien. Wie könnte dieser Film (gerade in der Fastenzeit) vielen Menschen zum Segen werden und zur Erkenntnis der Schwere ihrer Sünden führen! Aber, salzlos wie die Kirche geworden ist, kann sie die Chance dieses Filmes nicht mehr erkennen und nützen. Jeder, der Liebe besitzt, wird Nutzen aus diesem Film ziehen. Liebe, welche doch unser HAUPTGEBOT ist! JESU Antwort auf diesen Film könnte heissen:

?Das tat Ich für dich! Was tust du für Mich??

Die Mutter Gottes sagte in La Salette, dass die Zeit kommen wird, da die Menschen sieben Stunden Weg haben werden für ein GOTT wohlgefälliges Heiliges Messopfer! Diese Zeit haben wir. Welch ein Schmerz für GOTT: So mancher Geistliche schreitet in todbringender Sünde und ohne Liebe an den Altar zum Heiligen Messopfer und CHRISTUS liefert sich ihm aus, so er glaubt. Bei der Brechung der Heiligen Hostie ohne Liebe und Zartheit ? welch ungeheure neue schmerz- und schmachvolle Kreuzigung! Und WEHE den Gläubigen, die daran Anteil nehmen!
Hinzu kommt der unwürdige Empfang der Heiligen Kommunionen. Jeder, der bewusst unwürdig den Leib CHRISTI (in der Hostie) empfängt, stösst CHRISTUS in die übel riechendste Kloake!

GOTT SEI DANK, die Liebe Gottes zu uns Menschen existiert immer noch. Doch bevor das für uns vergossene Kostbare Blut JESU sich über den Sünder ergiessen kann, muss er seine Schandtaten erkennen und reumütig um Verzeihung bitten: ?VATER, ich habe gesündigt vor Dir und ...?

Diese brutalen Qualen sollen dir zu verstehen geben, dass IHM kein Leid zuviel war, um dich von deinen Sünden rein zu waschen, wenn du nur willst!

Schwert-Bischof
JESU CHRISTI

06.04.2004, 19:10:36 Wissenschaftler ( Email schreiben )

Liebe Leser,

Ich habe nun endlich die Gelegenheit gefunden, den so umstrittenen Film "Die Passion Christi" im Kino zu besuchen. Viel war zu lesen und zu hören im Vorfeld zu Mel Gibsons ?Die Passion Christi?. Zu gewalttätig sagen die einen, antisemitisch die anderen.

Es gab Aussagen wie: realistische Darstellung - so ist es gewesen; absoluter Hammer. Kann man so etwas wirklich sagen?

Wenn man die Lehre des Leiden Christi am Kreuz, welche im Jahre 451 n.Chr., am Konzil von Chalkedon durch Papst Leo I. erstmals eingeführt wurde, als verbindliche Lehre akzeptiert, dann kann man vielleicht diesen Film trotz übertriebener Brutalität als realistische Darstellung ansehen. Und auch dann, wenn man nur eins der vier Evangelien für die Bibel- Recherchen verwendet, obwohl die anderen drei eine ganz andere Passion enthalten, als das verwendete.

Unrealistisch wird der Film erst, wenn man die historischen Aspekte nicht in den Film einbezieht. Denn vor dieser Papstregelung im 5. Jahrhundert wurde etwas ganz anderes von der Mehrheit im heiligen Land geglaubt. Was da verbreitet war, findest Du im Link unten:

http://www.f19.parsimony.net/forum34255/messages/1673.htm

Hier findest Du eine detailliertere Kritik zum Film:

http://www.f19.parsimony.net/forum34255/messages/1702.htm

Mit freundlichem Gruss

Ein Wissenschaftler

02.04.2004, 12:42:01 Christian Schulze ( Email schreiben )

Ich fand den Film vor allem hochgradig unfreiwillig komisch. Die Vorlage wurde völlig trivialisiert, veräußerlicht und mit plattester Symbolik geschmückt. Als kurioser Exploitation-Trash - es ist wohl der erste christliche Exploitationfilm - ist der Streifen aber durchaus interessant und unterhaltsam. Außerdem liefert er unfreiwillig eine sehr aufschlußreiche und entlarvende Analyse des extremen christlichen Fundamentalismus, für den ja auch Regisseur Mel Gibson steht. Dass die christliche Religion - zumindest in ihrer für die Fundis typischen vulgären Interpretation - deutlich sado-masochistische Elemente aufweist, wurde wohl noch nie so deutlich wie in diesem Machwerk.

30.03.2004, 21:10:40 LarsVader

Ich fand den Film hochgradig abstossend, weil ich den Verdacht einfach nicht loswerde, dass man hier versucht, einen Film mit brutalster Gewalt in die Köpfe der Zuschauer zu hämmern!
Ansonsten fand ich den Film vom Inhalt mehr als mager. Es gab nichts, was ich aus dem Film "mitnehmen" konnte. Und das die Leiden Christi unerträglich gewesen sein mussten, hätten sich die vielen Millionen Kinogänger auch ohne dieses überflüssige Splatterfilmchen denken können! AMEN!

27.03.2004, 11:45:58 Stefan Büchler ( Email schreiben )

klasse review! endlich mal jemand, der sag wie der film wirklich ist und ihn nicht nur auf die "Gewalt-Szenen" beschränkt. Wobei ich auch zugeben muss (trotz kenner und seher von einigen Kannibalen-filmen) dass die hier gezeigte Gewalt doch eine andere wirkung auf mich hatte... wenn beispielsweise die peitsche auf die haut jesu trifft, zuckt man doch mal zusammen und schluckt.

ich finde es gut, dass die original-sprache und original-Bibelzitate (von jesus zumindest) beibehalten wurden. verleiht dem film einen "realistischeren" touch. (zum glück war ich in der spätvorstellung und konnte so problemlos mitlesen *g*)

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