Film Daten

Titel:
Soylent Green
Originaltitel:
Soylent Green
Land & Jahr:
USA 1973
Laufzeit ca.: ?
95 Min.
Regie:
Richard Fleischer
Darsteller:
Charlton Heston
Leigh Taylor-Young
Chuck Connors
Joseph Cotten
Brock Peters
Paula Kelly
Edward G. Robinson
Stephen Young
Mike Henry
Lincoln Kilpatrick
Roy Jenson
Leonard Stone
Whit Bissell
Celia Lovsky
Dick Van Patten
Alternativtitel:
Jahr 2022... die überleben wollen
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Warner Bros.
Label:
Warner Bros.
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 92:34
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 1.0
Englisch - DD 1.0
Französisch - DD 1.0
Spanisch - DD 1.0
Untertitel:
Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Griechisch, Holländisch, Isländisch, Italienisch, Kroatisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch
Extras:
  • Audiokommentar von Richard Fleischer und Leigh Taylor-Young
  • Featurette "A Look at the World of Soylent Green"
  • Edward G. Robinsons Party
  • Trailer

Soylent Green

Review

Soylent Green - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

New York City im Jahre 2022. Diese Großstadt hat sich mittlerweile in einen völlig überbevölkerten Moloch verwandelt. Wohnraum ist knapp und nur ganz wenige Priviligierte können sich einen gewissen Luxus erlauben. Aufgrund der Bevölkerungsdichte ist die Nahrungsverteilung mittlerweile eine staatliche Aufgabe geworden. Obst, Gemüse und Fleisch sind zu unbezahlbaren Luxusgütern geworden. Die Allgemeinheit wird mit synthetisch hergestellten Nahrungsmitteln namens "Soylent Gelb", "Soylent Rot" und seit neustem mit "Soylent Grün" versorgt, deren Hauptgrundlage das Plankton der Meere ist. In dieser Welt muss der Polizist Robert Thorn (Charlton Heston) seinen Dienst verrichten. Aufgrund der Personalknappheit schiebt er Doppelschichten, in einer Schicht versucht er Morde aufzuklären, in der anderen ist er einer Einheit zugeteilt, die Unruhen unter der Bevölkerung zu unterdrücken hat. Von seinem Chef bekommt er den Auftrag den Mord an William R. Simonson (Joseph Cotton) aufzuklären, der tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde. Simonson war ein hoher Politiker und Mitglied im Aufsichtsrat der Soylent Gesellschaft. Bei seinen Ermittlungen stößt Thorn nicht nur auf einige seltsame Widersprüchlichkeiten, sondern gerät dabei sogar an eine Information, die die ganze Welt auf den Kopf stellen könnte...

Soylent Green - ScreenshotSoylent Green - Screenshot

Die Siebziger, goldenes Zeitalter der Science Fiction im Mainstream-Kino. In diesem Jahrzehnt entstand nicht nur der erste Teil der Space-Opera "Star Wars", sondern zum größten Teil eher düster gehaltene Zukunftsvisionen wie "Der Omega Mann", "Westworld" und "Futureworld" oder eher philosophisch angehauchte Epen wie "Silent Running". Was Regisseur Richard Fleischer hier ablieferte, basierend auf der Romanvorlage "Make Room! Make Room!" von Harry Harrison und adaptiert von Stanley R. Greenberg, dürfte so ziemlich die finsterste Einschätzung menschlicher gesellschaftlicher Entwicklung neben Michael Radfords "1984" in der Filmgeschichte sein. Die Kluft zwischen arm und reich ist mittlerweile riesig. Während die paar wenigen Reichen in Hochhäusern über viel Platz und ordentliche Nahrung verfügen, hat die dünne Mittelschicht immerhin kleine Wohnungen und etwas Hab und Gut, während der größte Teil der Bevölkerung, die Armen, mehr oder weniger vor sich hinvegetieren und gezwungen sind, in völlig überfüllten Kirchen oder auf Treppenfluren zu schlafen. So muss Thron auch jedesmal auf dem Weg in oder von seiner Wohnung über etliche schlafende Menschenkörper hinwegsteigen. Die Häuser werden von den bewaffnete Eigentümern bewacht, damit kein Unbefugter das Gebäude betritt. Die Frauen sind mittlerweile nur noch "Inventar" und werden von einem Wohnungmieter an den nächsten weitergegeben. Thorns Wohnungs- und Berufskollege Sol Roth (William G. Robinson) ist auch kein normales Mitglied der Gesellschaft, sondern aufgrund seines Alters nur noch ein "Polizeibuch", ein Gehilfe der für seinen Vorgesetzten recherchiert. Und was besonders bedrückt ist die Tatsache, dass im Falle von Revolutionen die Menschen mit Schaufelbaggern einfach aufgeladen und nach hinten auf die Ladefläche gekippt werden, ganz so als ob es sich bei ihnen um Schutt oder Abfall handelt, etwas das man so nebenbei entsorgen kann. Verstorbene Menschen werden auch nicht begraben oder eingeäschert, sondern sind ein Fall für die Abfallbeseitigung. Menschlicher Niedergang in seiner vollsten Blüte, aber von der Allgemeinheit akzeptiert.

Zitat

Als Du jung warst, da waren die Menschen besser
Ach quatsch. Die Menschen waren immer schlecht. Nur die Welt war wunderschön.

Thorn ist ein Mann, dem zwar die Umstände nicht wirklich gefallen, sich aber im Gegensatz zu seinem Kollegen Roth auch nicht an alte Zeiten mehr erinnern kann. Roth, auch wenn er etwas schrullig erscheinen mag, ist jemand in dessen Innersten noch sehr viel Wärme und Zuneigung glüht, aber dies mit der Welt nicht mehr in Einklang bringen kann. Als Thorn aus Simonsons Wohnung unglaublicherweise ein Stück Fleisch mitbringt, bricht Roth in Tränen aus weil er sich bereits damit abgefunden hat so etwas nie wieder zu sehen. Thorn kann dessen Sentimentalität nicht teilen, muss aber später in einem Schlüsselmoment erkennen, dass Roths ständige Schwärmerei von den guten alten Zeiten doch seine Berechtigung hat.

Soylent Green - ScreenshotSoylent Green - Screenshot

Die Kriminalgeschichte ist zwar ein Aufhänger für viele Ereignisse im Film, außerhalb dieser Umwelt würde man aber deutlich erkennen, wie dünn diese Geschichte eigentlich ist. Sie dient vielmehr dazu, verschiedene Aspekte aufzuwerfen und Details erkennbar zu machen, so dass man sich als Zuschauer des öfteren zu fragen hat, ob denn die Gesellschaft von heute nicht vielleicht schon den einen oder anderen Punkt erreicht hat, der hier noch in einer überspizten Form dargestellt wird. Thorns Arbeit und vor allem der Fall Simonson geben ihm die Möglichkeit mal zu sehen, wie andere leben, kurz in eine Welt einzudringen, die ihm sonst verschlossen bleibt. Dabei ist Thorn nicht mal ein strahlender Held, sondern muss sich durch Diebstahl und andere Methoden ebenfalls sein Überleben sichern.

Worum es in "Soylent Green" vielmehr geht: was bedeutet es eigentlich Mensch zu sein? Mensch zu sein in einer Welt, in der das Wort "Mensch" in keinem persönlichen, sondern eher in einem sachlichen Kontext steht und vom eigenen Überleben abhängt? Was bedeutet noch Freundschaft, Liebe, Menschenwürde? All diese Dinge sind zu Schatten längst vergangener Zeiten geworden, die nur noch von wenigen aufrecht gehalten werden. Roth ist einer davon, während Thorn relativ neutral und unemotional durch Leben geht. Die kurze Beziehung zu Simonsons Inventar-Frau Shirl (Leigh Taylor-Young) beginnt und endet höchst unspektakulär, fast sachlich. Als Roth sich schließlich mit seinem Schicksal abfindet und wie allgemein üblich sich an die Abfallbehörde wendet (mehr eine Suizidfarm als alles andere) um seine letzten Minuten mit einer Projektion von Aufnahmen des blauen Himmels, grünen Wiesen und frei umherlaufenden Tieren zu beenden, bahnen sich in Thorn sämtliche Emotionen ihren Lauf, die bis dahin konsequent unterdrückt wurden. Aufgrund der bis dahin so symapthischen Darstellung Robinsons ein Moment, der auch an dem Zuschauer nicht einfach so vorbeiziehen dürfte. Pikanterweise war Robinson zu dem Zeitpunkt der Dreharbeiten selber bereits schwer krank und starb kurze Zeit später an Krebs.

Soylent Green - ScreenshotSoylent Green - Screenshot

Der größte Pluspunkt des Filmes ist seine Zeitlosigkeit. Auch wenn er in den Siebzigern entstanden ist, so ist dies Jahrzehnt nur an Simonsons Wohnungseinrichtung, den Klamotten der Frauen und an einem doch verdammt antiquiert aussehendem Spielcomputer zu erkennen. Der Film beginnt mit schwarz-weiß Fotos, die die technische Entwicklung und damit verbundenen Nebenwirkungen wie eine Zeitraffer vorbeiziehen lassen. Angefangen von den Pionieren im Westen bis hin zur Industrialisierung, dem Automobilbau und schließlich der langsam herannahenden Überbevölkerung in den Städten. Hier spielt der Film nicht mit einer Fiktion, sondern mit Fakten. Fakten, die zu eben aus dieser vorgestellten möglichen Fiktion eine bittere Realität werden lassen könnten. Die Aufnahmen von den Straßen New Yorks bei Tage sind zudem mit einem grünlich-gelben Filter überlegt worden um den Smog visuell zu verdeutlichen.

Das Bild der Warner DVD bietet größtenteils die gleiche Qualität wie die schon sehr gute DVD von Der Omega Mann, allerdings mit ein paar Abstrichen. Insgesamt ist der Transfer schön scharf und bietet einen ausgewogenen Kontrast, könnte nur von der Farbsättigung etwas kräftiger sein. Allerdings weisen die Außenaufnahmen, in denen der "Smog-Filter" eingesetzt wurde, durch die nebelhafte Atmosphäre ein auffällig erhöhtes Rauschen auf. Dies kann man aber wohl weniger dem Mastering für die DVD anlasten, sondern hat seine Ursache vielmehr im Postediting des Films. Diese Szenen weisen auch die meisten Verunreinigungen und Defekte auf, während der Rest des Films nahezu frei davon ist. Alle Tonspuren sind frei von Störgeräuschen jeglicher Art. Allerdings könnten der deutsche und englische Track etwas klarer aus den Lautsprechern ertönen. Beide klingen ein wenig dumpf, wobei durch die Synchronisation die Dialogverständlichkeit bei dem deutschen Ton ein wenig besser ist. Untertitel gibt es reichlich, insgesamt sind es 19 Stück, davon jeweils einmal deutsche und englische Untertitel für Hörgeschädigte.

Soylent Green - ScreenshotSoylent Green - Screenshot

Im Gegensatz zum zeitgleich erschienenen Der Omega Mann bietet Warner auf dieser DVD ein wenig mehr an Bonusmaterial. Das Kernstück bei den Extras dürfte der Audiokommentar von Regisseur Richard Fleischer und der weiblichen Hauptdarstellerin Leigh Taylor-Young sein. Auch wenn der Kommentar ein wenig träge ausgefallen ist, man merkt Fleischer sein Alter an der Stimme an, so können doch beide viele Informationen über den Film an sich und die Dreharbeiten vermitteln. Gerade Leigh Taylor-Young bringt einige interessante Ansatzpunkte zur Handlung und Charakterisierung ins Spiel. Besonders hervorgehoben wird vor allem Edward G. Robinson, der trotz seines Alters und seiner Krankheit seinen Job wie ein Profi erledigte und einen besonderen Platz bei allen Beteiligten einnahm. Die 10-minütige Dokumentation "A Look at the World of Soylent Green" ist eine Behind-the-Scenes Featurette, die parallel zum Film entstand. Dieser Beitrag stammt scheinbar aus einer Videoquelle und die Bildqualität ist nicht die beste. Hier bekommt man wenigstens einen kurzen Einblick, wie die Sequenz der Massenunruhen gefilmt wurde und andere kurze Behind-the-Scenes Eindrücke. Viel mehr kann man in der kurzen Zeit auch eigentlich nicht erwarten. Die folgenden 4 Minuten an "Edward G. Robinsons Party" sind Aufnahmen der kleinen Feier aufgrund eines Jubiläums von Robinson. Abschließend gibt es noch den US-Kinotrailer.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 05.12.1999
Letzte Textänderung: 22.04.2004

Leser-Kommentare

06.03.2007, 15:37:45 Matthias ( Email schreiben )

Eine Apokalypse muß ja nicht sofort passieren,der Film hat mich damals aber begeistert,wenn man bedenkt,das die Menschheit ja zu allem fähig ist.Man kann nur wünschen,das die Vernunft siegt und die Menschen sich besinnen und lieber nützliches tun,solange Leben möglich ist...

14.11.2004, 17:38:21 Harry Hirsch

Soylent Green markiert in vielen Punkten die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft, nicht in einigen Ländern sondern global.

Schon heute haben die Entwicklungsländern gesehen mit einer teilweise extremen Bevölkerungsentwicklung zu kämpfen. Gleichzeitig mit Hungersnöten, fehlender medizinischen Versorgung, schlechten Umwelt Bedingungen und anderen bekannten Problemen.
Von Generation zu Generation wird in Afrika ein Bevölkerungszuwachs von 77% erwartet (quelle: bpb.de).
In den Industrieländern hingegen spiegelt sich das Leben der "reicheren" wie im Film wieder. Essen, Platz, sauberes Wasser, Strom.... Zeichen für Wohlstand und Macht. Diese Zustände lassen sich noch weiter ausbauen. Der Vergleich zum Film soll an dieser Stelle nur einen Denkansatz bieten.

Der Film hat in vielen Punkten schon einen realen Bezug zur heutigen Entwicklung. Man bedenke nur den Anteil chemisch also synthetisch Hergestellter Zutaten für die Lebensmittelindustrie. Nahrungsmittel die natürlich schmecken, es aber in kleinster weise sind. Wohin wird dies noch führen? Tests mit Kindern zeigen schon, dass diese Jogurt mit künstlichen Aromastoffen den rein natürlichen vorziehen, in der Annahme es würde sich um ein rein natürliches Produkt handeln. Auch hier war der Film seiner Zeit Jahrzehnte voraus.

Soylent Green ist durchaus spannend, hervorragend gespielt, sehr gut besetzt und schafft es mit Leichtigkeit den Zuschauer zu fesseln. Alleine der Vorspann sorgt aufgrund der Bildsprache für bedrückte Stimmung, in diesem werden ausschließlich Fakten wieder gegeben die ihre eigene Sprache sprechen....
Es gab aber auch wenige Punkte, die mir an Soylent Green weniger gefallen haben, auch wenn das Gesamtwerk an sich sehr gut gelungen ist und der Film absolut sehenswert ist....

23.04.2004, 13:26:03 Jockel [Berlin] ( Email schreiben Homepage )

Mein Gott was habe ich diesen Film damals geliebt, eines der Werke die mir total aus dem Gedächtnis entfallen sind. Dein preview bringt mich doch glatt wieder auf die Idee mir das Ding zu besorgen. Passt auch gut in meine Sammlung - Filme abseits des Mainstream.
Nochmals Danke und ein fettes Lob für dieses Preview

© 1998 - 2016: Sense of View / Carsten Henkelmann