Film Daten

Titel:
Countess Dracula
Originaltitel:
Countess Dracula
Land & Jahr:
England 1970
Laufzeit ca.: ?
93 Min.
Regie:
Peter Sasdy
Darsteller:
Ingrid Pitt
Nigel Green
Sandor Elès
Maurice Denham
Patience Collier
Peter Jeffrey
Lesley-Anne Down
Leon Lissek
Jessie Evans
Andrea Lawrence
Susan Brodrick
Ian Trigger
Nike Arrighi
Peter May
John Moore
Alternativtitel:
Komtesse des Grauens
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - MGM
Label:
MGM
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
1.66:1 / 92:36
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
Englisch, Französisch, Spanisch
Extras:
  • Audiokommentar von Peter Sasdy, Jeremy Paul, Ingrid Pitt und Jonathan Sothcott
  • Trailer

DVD Daten

DVD Cover - Anolis Entertainment
Label:
Anolis Entertainment
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.78:1 (anamorph) / 88:51
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Interview mit Ingrid Pitt
  • Englischer Trailer
  • US Double Feature Trailer
  • Deutscher Vor- und Abspann
  • Bildergalerie
  • US-Presseheft
  • Booklet mit Liner Notes

Countess Dracula

Review

Countess Dracula - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Als die alte Gräfin Elisabeth (Ingrid Pitt) die Entdeckung macht, dass das Blut eines Dienstmädchens ihre Haut jünger werden läßt, bringt sie sie um und erscheint einige Zeit später mit jugendlicher Frische und einer strahlenden Schönheit. Gegenüber nicht-Eingeweihten gibt sie sich als ihre eigene Tochter Ilona aus und beginnt ein Liebesverhältnis mit dem erst kürzlich angereisten Imre Toth (Sandor Elès). Ihre richtige Tochter (Lesslie-Anne Down) läßt sie von Captain Dobi (Nigel Green) entführen und gefangen halten, damit der Schwindel nicht auffliegt. Aber ihre Schönheit ist nur von kurzer Dauer, denn von einer Minute auf die andere ist sie wieder älter und dabei auch häßlicher geworden. Also verlangt sie nach weiteren Mädchen, um ihre Jugend und Schönheit wiederzuerlangen...

Countess Dracula - ScreenshotCountess Dracula - Screenshot

Die alte Sage der ungarischen Gräfin Bathory, die angeblich Hunderte junge Frauen töten ließ um ihre Schönheit zu erhalten, dient nur als grobe Grundlage für diese Hammer Studios Produktion aus dem Jahre 1970. Ingrid Pitt stellt eine Frau dar, die bereits deutlich gealtert ist und nach dem Tod von Männern nicht mehr viel zu erwarten hat, außer vielleicht noch von Captain Dobi, der die Frau bereits seit vielen Jahren begehrt. Für sie geht unerwartet der Wunsch in Erfüllung, durch ein Mittel wieder jünger und schöner zu erscheinen, in diesem Fall das Blut von Jungfrauen. Dabei nimmt sie den Verlust von Menschenleben billigend in Kauf. Wie bereits ganz zu Anfang deutlich wird, bedeutet ihr das Schicksal ihrer Untergebenen rein gar nichts, als ein Bauer von ihrer Kutsche überrollt wird und sie nicht mal anhalten läßt. Auch sonst ist sie eine harschsüchtige Herrin, bei der ihre Angestellten nichts zu lachen haben. In diesem Hinblick kann man es schon fast als ironisch bezeichnen, dass sie auf die jungfräulichen Mägde angewiesen ist, um den Umwandlungsprozess zu einem besseren Aussehen auszulösen.

Zitat

You are insane. Don't you realize that you get uglier each time you get old? And you can't go on killing forever!

Dabei steht ihr Verlangen eigentlich stellvertretend für die teilweise aberwitzigen Methoden und Operationen, die der moderne Schönheits- und Jugendwahn mit sich bringt. Das Blutbad der Gräfin ist im Prinzip nichts anderes als die heutige plastische Chirurgie mit ihren Silikonimplantaten, Fettabsaugungen und aufgepumpten Lippen, die manche Frauen aus einem irrationalen Schönheitswahn heraus bereitwillig über sich ergehen lassen. Captain Dobi wäre dabei mit der "alten" Gräfin durchaus zufrieden, aber die Gräfin verlangt es nach der Zuneigung eines jungen Mannes und nimmt daher gerne die Rolle von Ilona ein, um noch einmal die Aufregung einer jugendlichen Liebe zu erfahren. Dobi liefert ihr aber trotzdem bereitwillig neue Opfer, obwohl er weiß, dass die Gräfin ihre Zeit mit Imre verbringt. Schließlich ist der Punkt erreicht, wo die "alte" Gräfin durch ihre ständigen Wandlung langsam zu einer häßlichen Hexe verkommt. Die "junge" Gräfin hingegen versteht es dann doch, mit ihren Reizen Dobi zu ihrem Vorteil zu beeinflussen und schließlich begehrt er ebenfalls die "junge" Gräfin und will von der "alten" nichts mehr wissen. Beide, die Gräfin wie auch Captain Dobi, haben verfügen eigentlich über genug Macht und Intelligenz um nach ihren Vorlieben zu regieren. Sie setzen dies aber nur selten zu ihrem Vorteil ein, denn sie denken nur noch an ewige Jugend.

Countess Dracula - ScreenshotCountess Dracula - Screenshot

Der Horrorfaktor hält sich in dieser Produktion noch ziemlich zurück. Richtige Gänsehautmomente gibt es kaum, der Schrecken erzeugt sich eher aus den abrupten Wechseln zwischen "alter" und "junnger" Gräfin, die höllisch aufpassen muss, dass niemand außer Dobi und ihrer treuen Magd Julie (Patience Collier) davon erfährt. Dafür spielt der Film aber offen mit Sexualität und den Reizen, die eine junge hübsche Frau auf Männer haben kann. Gegen Mitte des Films besuchen Dobi und Imre ein Wirtshaus, wo Imre recht deutlich von einem leichten Mädchen angemacht wird, indem sie ihre Brüste direkt vor sein Gesicht hält. Sie und einige andere Darstellerinnen, selbst Ingrid Pitt, kann man im Laufe des Films einmal kurz barbusig sehen. Selbst für Hammer-Verhältnisse ist das Thema sexualle Anziehungskraft hier sehr stark vertreten. Auch wenn der Film ein übernatürliches Thema hat, so kann man ihn doch nicht als einen reinrassigen Horrorfilm bezeichnen, da es mehr um persönliches Verlangen und Emotionen geht, als um bluttriefenden Schrecken. Der Titel "Countess Dracula" bzw. die Betitelung der Gräfin am Schluß mit diesem Namen, war von Regisseur Peter Sasdy überhaupt nicht gewollt. Dies wurde durch Druck der Produzenten noch eingebaut, weil sie sich so einen höheren kommerziellen Erfolg versprachen.

Die schauspielerischen Leistungen lassen sich ironischerweise auch am Alter der Darsteller messen. Während Ingrid Pitt und Nigel Green ein wirklich gutes Schauspiel liefern, Nigel Green wirkt sogar wie eine Art Christoper Lee Ersatz, können die jüngeren da nicht mithalten. Vor allem Sandor Elès ist ein ziemlich blasser Darsteller ohne jede Ausstrahlungskraft. Zu seinem Nachteil muss er einen Schnäuzer tragen und zu Beginn sieht man ihn häufig mit einer großen Fellmütze auf seinem Haupt, die so gar nicht zu ihm passt, sondern eher lächerlich wirkt. Leslie-Anne Down, die hier ihr Spielfilmdebüt ablieferte, kann auch nicht überzeugen. Allerdings hat sie hier auch die typische Opferrolle und ist aber im Gegensatz zu den meisten anderen Darstellern auch deutlich seltener zu sehen. Dabei war Ingrid Pitt nicht mal wirklich glücklich mit der Darstellung der Gräfin Elisabeth. Sie hatte sich im Vorfeld über die wahre Gräfin Bathory informiert und sah ihren Charakter ganz anders, als er im Film letztendlich dargestellt wurde. Durch ihren starken Akzent wurde sie zudem nachträglich von einer anderen Schauspielerin synchronisiert.

Countess Dracula - ScreenshotCountess Dracula - Screenshot

Dafür kann das Production Design wieder einmal vollkommen überzeugen, wie eigentlich immer bei den Hammer Studios. Das Schloß der Gräfin ist ein großes Gebäude mit engen Gängen und vielen Geheimwegen. Die Kostüme wurden von einem Mitarbeiter der BBC angefertigt, den Peter Sasdy kurzerhand für seinen Film engagierte, nachdem Sasdy selber für die BBC einige erfolgreiche TV-Serien produziert hat. Einige Sets wurden von der 1969er Universal Produktion Anne of a Thousand Days übernommen. Trotz des niedrigen Budgets konnte Sasdy durch einige Improvisationen und dem Engagement bestimmter Leute einen Film kreieren, dem man dies nicht unbedingt ansieht. Er spannte sogar für die Choreograhie eines Zigeunertanzes seine eigene Frau ein. Peter Sasdy ist ein gebürtiger Ungar und damit bestens vertraut mit der Geschichte der Elizabeth Bathory. Er ging Anfang der 60er Jahre nach England und nach den Produktionen für die BBC entstand für Hammer unter seiner Regie Taste the Blood of Dracula (Wie schmeckt das Blut von Dracula?) und der 1971er Hands of the Ripper (Hände voller Blut).

Die gebürtige Polin Ingrid Pitt wurden von Hammer 1968 für The Vampire Lovers (Gruft der Vampire) engagiert, einer der Filme, die der sogenannten "Karnstein" Trilogie zugerechnet werden. In The Wicker Man stand sie an der Seite von Christopher Lee vor der Kamera, hat sich aber seit Ende der 80er Jahre weitestgehend aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. Nigel Green, der bereits zwei Jahre nach Fertigstellung von Countess Dracula starb, war unter anderem als Hercules in Jason and the Argonauts (Jason und die Argonauten), in Roger Cormans The Masque of the Red Death (Satanas - Das Schloß der blutigen Bestie), als Nayland Smith in The Face of Fu Manchu (Ich, Dr. Fu Man Chu) oder dem James Bond Rip-Off Deadlier than the Male (Heisse Katzen) zu sehen. In der Rolle des Captains der Staatsgewalt kann man hier Peter Jeffreys sehen, der in den beiden The Abominable Dr. Phibes (Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes) Teilen vergeblich versucht hat Vincent Price zu schnappen.

Countess Dracula - ScreenshotCountess Dracula - Screenshot

MGM hat den Film in den USA im Rahmen ihrer "Midnite Movies" Reihe veröffentlicht, und zwar gleich als Double Feature mit The Vampire Lovers. Im Gegensatz zu dem anderen Film liegt Countess Dracula nicht anamorph vor. Dies ist aber auch der einzige größere Mangel an der ansonsten zufriedenstellenden Bildqualität. Lediglich die Detailschärfe hätte noch ein wenig besser sein können. Der englische Monoton verfügt über eine schöne Klarheit, die Dialoge sind immer gut verständlich. Diese DVD kann auch mit einem Audiokommentar von Peter Sasdy, Drehbuchautor Jeremy Paul und Ingrid Pitt glänzen, der von Jonathan Sothcott, Autor eines Buches über Christopher Lee, moderiert wird. Dieser Audiokommentar kann zwar mit einigen interessanten Details aufwarten, ist allerdings dabei auch recht trocken ausgefallen. Am meisten erzählen Sasdy und Paul, während sich Ingrid Pitt ziemlich zurückhält und nur selten etwas erzählt. Durch ihren starken Akzent sind ihre Ausführungen auch am schwersten zu verstehen. Ansonsten gibt es nur noch einen Trailer, der durch einen unfreiwilligen Humor auffällt ("Mirror mirror on the wall, who's the ugliest of them all?").

Die "Comtesse des Grauens", so der deutsche Titel des Films, bildet den Auftakt für die "British Horror Classics" Reihe von Anolis Entertainment. Genau wie die empfehlenswerte Hammer Edition werden alle DVDs aus dieser Reihe ein gemeinsames Rückenmotiv bilden, wenn sie nebeneinander im Regal stehen. Im Gegensatz zur US-DVD von MGM ist hier das Bild anamorph abgetastet worden. Zwar gibt es keine qualitativen Quantensprünge, aber im direkten Vergleich zur US-Scheibe ist die Anolis DVD einen ganz leichten Tick unschärfer. Allerdings bietet sie aber auch links und rechts ein wenig mehr Bildinformationen und verfügt über etwas kräftigere Farben. Neben dem englischen Originalton gibt es auch die deutsche Synchronisation und deutsche Untertitel.

Countess Dracula - ScreenshotCountess Dracula - Screenshot

Nur bei den Extras unterscheiden sich beide DVDs grundlegend. Der Audiokommentar konnte leider nicht übernommen werden, dafür gibt es aber ein 27-minütiges Interview mit Ingrid Pitt, das 1994 bei dem "Festival of Fantastic Films" in Manchester aufgenommen wurde. Die bestens gelaunte und sympathische Ingrid Pitt erzählt von dem Beginn ihrer Schauspielkarriere, ihre Zeit in einem Indianerreservat, wie sie zu ihrer ersten Rolle bei Hammer gekommen ist, einige zum Schreien komische Anekdoten von den Dreharbeiten und wie das Arbeiten für die Hammer Studios war. Daneben gibt es auch hier den englischen Trailer, dem US Double Feature Trailer (zusammen mit Vampire Circus, den deutschen Titelvorspann und Abspann, eine Bildergalerie und die Abbildung des US-Presseheftes. Genau wie bei den DVDs aus der Hammer-Reihe gibt es auch hier ein Booklet mit Liner Notes, diesmal geschrieben von Uwe Sommerlad.

Abschließend der Bildvergleich beider DVDs: Bildvergleich MGM - Anolis

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 04.07.2004
Letzte Textänderung: 14.09.2006

Leser-Kommentare

16.11.2005, 18:13:04 hansb1946 ( Email schreiben )

Für Hintergrundinfos zur echten Gräfin Bátory hier ein paar Buchtipps:

Countess Dracula von Tony Thorne, sehr gutes Buch, leider nur in englisch, bestellbar unter:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0747536414/senseofview-21

Heroine des Grauens von Michael Farin, historisch wohl das beste Buch, leider ein bisschen zu wissenschaftlich für nicht Historiker, bestellbar unter:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3874100383/senseofview-21

Das Geheimnis der Báthory von Andreas Varesi, eigentlich ein Roman, basiert aber auf historischen Fakten, liest sich sehr gut (hatte das Vergnügen ein Vorabexemplar zu lesen), bestellbar unter:
http://www.bathory.biz

Die Blutgräfin von Wolfgang Hohlbein, nimmt zwar im Titel Bezug auf den Beinamen Erzsébet Báthorys, der Inhalt hat jedoch nichts mit der historischen Blutgräfin zu tun (nur was für echte Hohlbein-Fans), wer's trotzdem bestellen möchte, findet das Buch unter:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3548261566/senseofview-21

Wünsche gruselige Lesestunden
Euer Hans

01.10.2004, 17:54:08 Lars Hellmann ( Email schreiben )

Der wahre Fall der Blutgräfin Erzebeth Bathrory ist so bedrückend schrecklich, das eine detailgetreue Schilderung nur die Indizierung eines solchen Filmes zurfolge haben kann. Die sadistischen Tyrannin stand eine grausige Folterkammer zur Verfügung in der die Mädchen qualvoll umkamen und sie eigenen Tagebucheinträgen zufolge sich dermaßen an deren Schmerzen weidete, das sie zuweilen vor Lust ohnmächtig wurde. Das erspart uns COMTESSE DES GRAUENS, ein Film der trotz seiner Längen und Mängel unterhält. Ingrid Pitts überzeugendes Spiel zeigt die inneren Qualen der Gräfin: Die blanke Angst vor dem Altern. Die Ahnung wieder häßlich und gebrechlich zu sein. Die Gewißheit wieder schön zu werden. Die Erleichterung wieder jung zu sein. Was die Nadasdy aus COMTESSE DES GRAUENS mit der echten Bathrory verbindet ist die skrupellose Ausbeutung der Leibeigenen. Auch die Bathrory hat den eigenen Hofstaat angestiftet ihr bei den Morden behilflich zu sein. Zu den Unzulänglichkeiten des Films zählen die schlechten sonstigen Darsteller: Sandor Eles und Lesley Anne Down entpuppen sich als zwei Knallchargen.

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann