Film Daten

Titel:
Lone Wolf and Cub - Baby Cart at the River Styx
Originaltitel:
Kozure Okami: Sanzu no kawa no ubaguruma
Land & Jahr:
Japan 1972
Laufzeit ca.: ?
81 Min.
Regie:
Kenji Misumi
Darsteller:
Tomisaburo Wakayama
Akihiro Tomikawa
Kayo Matsuo
Akiji Kobayashi
Minoru Ohki
Shin Kishida
Izumi Ayukawa
Shogen Nitta
Kanji Ehata
Alternativtitel:
• Okami 2 - Am Totenfluss
• unbesiegbare Samurai, Der
• Lone Wolf and Cub: Perambulator of the River of Sanzu
• Sword of Vengeance, Part II
• L'enfant Massacre
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - AnimEigo
Label:
AnimEigo
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 80:59
Sprachen/Ton:
Japanisch - DD 1.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • 25 Seiten Liner Notes
  • Trailer (Baby Cart in the Land of Demons, White Heaven in Hell, Zatoichi The Outlaw, Zatoichi: The Festival of Fire)

Lone Wolf and Cub - Baby Cart at the River Styx

Review

Lone Wolf and Cub - Baby Cart at the River Styx - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

Industrie-Spionage im alten Japan. Der einsame Wolf erhält vom Awa-Clan den Auftrag, die Überführung eines gewissen Makuya zum Shogunat nach Edo zu verhindern. Die Brisanz liegt für den Clan darin, dass der Überläufer über das geheime Wissen um die Produktion jenes kostbaren Indigo-Färbemittels verfügt, das die wirtschaftliche Existenz der Awa-Familie sichert. Verlieren sie das Indigo-Monopol, wäre die ihnen auferlegte Steuerlast nicht mehr zu bewältigen und die Regierung hätte endlich einen willkommenen Grund, den Clan zu enteignen. Wohlwissend um diese weitreichenden Konsequenzen beauftragt das Shogunat die drei gefürchteten Hidari-Brüder, auch genannt "Die Meister des Todes", den Transport zu überwachen und Makuya sicher nach Edo zu eskortieren. Aber wie heißt es so schön im Werbetext: Der wahre Meister des Todes ist Ogami Itto...

Doch bevor der ehemalige Henker des Shoguns seinen Auftrag erfüllen kann, sieht er sich zunächst einmal mehr den Schergen des Yagyu-Clans gegenüber. Zwar ist man eigentlich an das Ehrenwort gebunden, Ogami Itto nach dem gewonnenen Duell gegen Retsudos Sohn ziehen zu lassen (Wir erinnern uns an Teil 1!), aber da diese Abmachung sich nicht auf die Verbündeten der Yagyus bezieht, hetzt Retsudo nun die Shinobi-Kämpfer des Kurogawa-Clan und eine Gruppe weiblicher Ninja, die tödlichen Akashi-Kriegerinnen unter der Führung von Sayaka, auf die Fährte des einsamen Wolfes.

Lone Wolf and Cub - Baby Cart at the River Styx - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart at the River Styx - Screenshot

Nach Ansicht vieler Fans erreicht die 6-teilige Lone Wolf-Reihe mit Teil 2 bereits ihren Höhepunkt - was i.d.R. keinesfalls abwertend gegen die anderen fünf Filme gemeint ist. Denn nicht nur inhaltlich, sondern auch qualitativ knüpft Baby Cart at River Styx nahtlos an den kaum weniger grandiosen Vorgänger an. Umso erfreulicher, dass er als einer von 2 Okami-Filmen seinerzeit sogar den Weg in die deutschen Kinos gefunden hat. Weniger erfreulich war allerdings die Art und Weise, in der der Film Mitte der 70er veröffentlicht wurde. Ein Jahr nach Japango (Lone Wolf and Cub - Baby Cart to Hades, 1972), dem eigentlich dritten Teil, wurde unter dem Titel Der unbesiegbare Samurai eine geschnittene und inhaltlich falsch synchronisierte Fassung gezeigt, für die es später nicht einmal zur Videoveröffentlichung reichen sollte. Erst 1998, als sich Rapid Eye Movies der Reihe annahm, wurde der Film als Okami 2 - Am Totenfluss im japanischen Original mit deutschen Untertiteln neu aufgelegt.

Bekannt ist die (Kern-)Handlung aber vor allem aus dem Zusammenschnitt Shogun Assassin, den Produzent Robert Houston 1980 aus den ersten beiden Teilen für den amerikanischen Markt zusammengestellt hat und dessen Löwenanteil Baby Cart at River Styx entstammt - aus gutem Grund. Denn während sich Sword of Vengeance neben einigen überzeugenden Kampf-Sequenzen vor allem Zeit nimmt, die Charaktere zu etablieren und die Ereignisse in den historischen Kontext einzubetten, startet Teil 2 ohne weitere Umschweife zur wesentlich action-lastigeren Tour de Force. Und doch gibt es auch hier wieder einiges über die Geschichte des alten Japans zu lernen. Haben wir in Sword of Vengeance bereits eine Menge über die Herrschaftsstrukturen erfahren können, vertiefen wir hier ganz nebenbei u.a. unser Wissen über das Lehns- und Steuersystem der Edo-Zeit.

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Warum so viele Eastern-Fans Baby Cart at River Styx zu ihren Alltime-Favorites zählen? Nun, vermutlich weil er genau das bietet, wofür man die Lone Wolf-Filme generell schätzt - und davon reichlich! Das Blut fließt leuchtend rot und schießt in sprühenden Fontänen gleich literweise aus den Wunden, die Ogamis Schwert in die Leiber seiner Gegner schlägt. Aber egal wie viele Gliedmaßen durch die Luft segeln, der Film ist so viel mehr als ein auf Effekthascherei angelegtes blutiges Spektakel; denn all dies geschieht auf eine dermaßen kunstvoll-malerische Art und Weise, wie sie eigentlich nur asiatischen Filmen zu eigen sein kann. Eine präzise Choreographie, eine grandiose Bildgestaltung und ein fast schon experimentell reduziertes Sounddesign (wie schon in Teil 1 hören wir in den Kampfszenen nur ausgewählte Geräusche) sorgen ein ums andere Mal für unglaublich faszinierende Szenen, die man so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Dabei sind es insbesondere die kleinen gestalterische Einzelheiten, die für eine nachhaltige Wirkung sorgen. Und auch wenn ich die gezeichnete Version von Kozure Okami nicht gut genug kenne, um das Ausmaß, in dem die Manga-Vorlage Koikes ihre Spuren in der Szenengestaltung hinterlassen hat, einschätzen zu können, kann man den Eindruck gewinnen, dass die Bildkomposition der als relativ werktreu geltenden Filme im wesentlichen bereits der Comic-Version entstammt. Ein gutes Beispiel für diese punktgenaue Präzision ist die Szene, in der die Akashi-Kriegerinnen mit einem einheitlichen Griff ihre kurzen Schwerter aus ihren Gewändern ziehen. Die kurze Bewegung ist kaum mehr ein verlängerter Moment, und doch so prägnant, dass sie sich vor unserem inneren Augen festsetzt, selbst wenn man sie nur kurz im Trailer zu Shogun Assassin gesehen hat. Und der Film ist prall gefüllt mit Szenen von derartigem Prägnanz-Potential: Ogamis geworfenes Schwert, das durch die Wand sein Ziel findet. Die Gemüse-Attacke von Sayakas Ninjas. Der erste Kampfeinsatz des kleinen Daigoro. Oder die Szenen mit den drei Meistern des Todes in der Dünen von Oura samt dem unglaublich furiosen Schlussduell mit dem einsamen Wolf. Auch wenn Liebhaber der Shogun Assassin-Version vermutlich den prägnanten Synthie-Sound vermissen werden, gibt es hier trotzdem nur noch ein passendes Prädikat zu vergeben: Klassiker!

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Allerdings hat Baby Cart at River Styx definitiv mehr zu bieten als bloßes Schlachtengetümmel im Land der aufgehenden Sonne; denn bei all den blutigen Kampfszenen sind es nicht großangelegte Action-Szenen, sondern gerade die perfekte Mischung aus Rasanz und Ruhe, die dem Film (und im Übrigen der ganzen Reihe) beinahe epische Breite verleiht. Während die Leinwand im einen Moment vor Bewegung explodiert, entfaltet sich die Handlung dann wieder gemächlich, gönnt sich Momente von geradezu poetischer Gelassenheit, baut in aller Ruhe Spannung auf, die sich dann wiederum eruptiv entladen kann. Immer wieder nimmt sich der Film Zeit für die Entwicklung seiner Figuren, in dem er bspw. den liebevolle Miteinander im Umgang von Vater und Sohn schildert oder sogar der todbringenden Sayaka, die neben unseren beiden Titelhelden die komplexeste Rolle in diesem Teil übernimmt, den Schritt aus der Eindimensionalität des Bösen erlaubt.

Für den an westliche Action-Standards mit 35 kpm (Krabumms per Minute) gewöhnten Zuschauer mag diese Entdeckung der Ruhe zunächst zwar etwas ungewohnt sein, aber es lohnt, sich auf das ganz eigene Tempo des Films einzulassen. Schließlich gibt es ein grandioses Kinoerlebnis zu entdecken, das in den vergangenen 30 Jahren nicht nur Quentin Tarantino (Kill Bill Vol.1+2, 2003) und John Carpenter (Big Trouble in Little China, 1986) als Inspirationsquelle und Lehrstück in Sachen "perfektes Timing" gedient hat.

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Abgesehen von den neu auftretenden Charakteren hat sich an der Besetzung des im gleichen Jahr wie Sword of Vengeance gedrehten zweiten Teils nichts geändert. Tomisaburo Wakayama läuft in seiner Rolle als Ogami Itto zu absoluter Höchstform auf. Er leidet, er schweigt und drückt doch soviel mehr aus. Der kleine Daigoro wird wie in allen anderen Lone Wolf-Filmen wieder von Akihiro Tomikawa gespielt, und auch wenn sich die Anforderungen natürlich rollenbedingt in Grenzen halten (3-Jährige halten erfahrungsgemäß nun mal keine ausgedehnten Monologe), mutet die Leistung des ja auch im echten Leben noch Beinahe-Säuglings wirklich erstaunlich an. Die dritte Hauptrolle in Form der Akashi-Anführerin Sayaka übernahm Kayo Matsuo, unter deren anderen Filmen sich aber kaum international bekannte Titel finden, mit Ausnahme von Lied der Gewalt (Kenka erejii, 1966), dem sich in den USA die Qualitätsgaranten von Criterion angenommen haben. Als Finsterling Ozunu, der auf die hässliche Idee kommt, den kleinen Daigoro zu kidnappen, macht Izumi Ayukawa seine Sache gut. Trotzdem gab es für ihn nur noch zwei eher belanglose Rollen in Hissatsu! (1984) und dem ein Jahr später gedrehten Sequel Hissatsu! Baraun-kan no kaibutsutachi (1985).

Die drei Meister des Todes werden überzeugend verkörpert von Akiji Kobayashi, Minoru Ohki und Shin Kishida. Kobayashi kennt man vielleicht noch aus japanischen Monsterstoffen wie Godzilla - Duell der Megasaurier (Gojira tai Kingu Gidora, 1991), Godzilla - Kampf der Sauriermutanten (Gojira tai Mosura, 1992) und Gamera 2 (1996). In Japan ist er außerdem bekannt als Hauptdarsteller der Urutoraman-Reihe (1966-1996), die im englischsprachigen Raum unvollständig unter dem Titel Ultraman veröffentlicht wurde. Shin Kishida durfte vorher bereits in Zatoichi meets Yojimbo (Zatoichi to Yojimbo, 1970) (Kampf-)Erfahrungen im Samurai-Genre sammeln. Außer seinen Auftritten in den Okami-Filmen (Teil 2 und 4) war er u.a. in Lady Snowblood 2 - Love Song of Vengeance (Shura-yuki-hime: Urami Renga, 1974) oder dem zweiten Film um den in Japan recht populären Razor (Goyokiba: Kamisori Hanzo jigoku zeme, 1973). Anfang der 80er trafen sich er und einige andere Darsteller der Reihe, darunter auch Tomisaburo Wakayama und Sayaka-Darstellerin Kayo Matsuo, am Set von Conquest (Seiha, 1982) an der Seite von Japan-Star Toshiro Mifune wieder. Minoru Ohki, der älteste der 3 Brüder, wird ins in Teil 5 und 6 der Lone Wolf-Filme noch einmal begegnen, allerdings nicht als Todesmeister, sondern in der Rolle des Retsudo.

Lone Wolf and Cub - Baby Cart at the River Styx - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart at the River Styx - Screenshot

Regie führte wiederum Routinier Kenji Misumi nach dem wie schon bei Teil 1 von Kazuo Koike und Goseki Kojima, den Verfassern der Manga-Vorlage, geskripteten Drehbuch. Auch der übrige Stab angefangen von Komponist Hideaki Sakurai über Kameramann Chishi Makiura bis zum Produzenten-Team Shintaro Katsu (Zatoichi meets the One-Armed Swordsman, 1971) und Hisharu Matsubara blieb identisch, was sicherlich nicht unwesentlich zur nicht nur in der Handlung, sondern auch im Stil geschlossenen Kontinuität zwischen den Teilen beigetragen hat. Eine rundum gelungene Fortsetzung, die den Vorgänger qualitativ sogar noch übertrifft - wenn auch nur knapp.

Auch die zweite Lone Wolf-Veröffentlichung des US-Labels AnimEigo kann in Punkto Bildqualität voll überzeugen. Wiederum anamorph kodiert wirkt es nur minimal unruhiger als das von Sword of Vengeance. Die Tonqualität fällt hingegen im Vergleich zu Teil 1 etwas ab, d.h. die Mono-Spur kippelt stellenweise in den Höhen. Hingegen wiederum einsame Spitze sind die hervorragenden englischen Untertitel samt der zusätzlich eingebauten Erläuterungen für die wichtigsten historischen Schlüsselbegriffe. So dicht könnte keine Synchro der Welt am Original bleiben.

Lone Wolf and Cub - Baby Cart at the River Styx - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart at the River Styx - Screenshot

Traditionell eher spärlich fällt das Bonusmaterial der DVD aus. Neben den Trailern zu den Lone Wolf-Teilen Nr. 5 und 6 (Baby Cart in the Land of Demons, White Heaven in Hell) finden sich als kleiner Bonus noch die Trailer zu den Zatoichi-Filmen Zatoichi the Outlaw und Zatoichi - Festival of Fire. Allerdings sind 2 der 4 Promotion-Clips bereits in den Extras zu Sword of Vengeance zu finden, was den effektiven Teil der Sektion gewissermaßen noch einmal zusammenschrumpfen lässt. Dafür finden sich die Liner Notes sowohl in Gestalt einer mehrseitigen Karteikarte in der Hülle, als auch in Texttafel-Form im Bonusmaterial auf der DVD, wobei letztere auch einen Teil der historischen Hintergrund-Infos zu Sword of Vengeance wiederholt und so auf insgesamt 25 Seiten kommt. Inhaltlich beschäftigen sich die Zusatzinfos dieses Mal u.a. mit den im Film erwähnten Kämpferklassen (Igamono, Shinobi und Ninja) und den titelgebenden Fluss Sanzu, der laut japanischer Mythologie eine ähnliche Funktion erfüllt wie der Fluss Styx bei den Griechen (womit sich auch der englische Titel erklärt...).

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 02.07.2005
Letzte Textänderung: 12.07.2005

Leser-Kommentare

10.01.2006, 09:23:33 Evil Wraith

Mit der brutalste Teil der Serie - Durch den Einsatz der drei mordenden Brüder, von denen gerade der älteste, also der mit der Kralle (die Videospieler stark an die von Vega aus Street Fighter erinnert :-), seine Gegner am schmerzhaftesten Traktiert.

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