Film Daten

Titel:
Lone Wolf and Cub - Baby Cart in the Land of Demons
Originaltitel:
Kozure Okami: Meifumando
Land & Jahr:
Japan 1973
Laufzeit ca.: ?
89 Min.
Regie:
Kenji Misumi
Darsteller:
Tomisaburo Wakayama
Akihiro Tomikawa
Michiyo Ookusu
Shingo Yamashiro
Tomomi Sato
Akira Yamauchi
Hideji Otaki
Taketoshi Naito
Fuji Suga
Rokko Toura
Alternativtitel:
• Okami 5: Der weisse Pfad der Hölle
• Baby Cart in the Land of Demons
• Sword of Vengeance V
• Crossroads to Hell
• Le Territoire des Démons
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - AnimEigo
Label:
AnimEigo
Regionalcode / Norm:
1 / NTSC
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 89:09
Sprachen/Ton:
Japanisch - DD 1.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • Liner Notes (4 Seiten)
  • Trailer (Baby Cart in the Land of Demons, White Heaven in Hell, Zatoichi's Conspiracy, Lady Snowblood)

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in the Land of Demons

Review

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in the Land of Demons - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

Ring frei zu Runde 5: Lord Naritaka gefährdet aus närrischer Liebe zu einer Konkubine den Fortbestand des Kuroda-Clans, in dem er seinen Sohn, den wahren Thronfolger verstoßen und weggesperrt hält und stattdessen einem aus der Liebschaft hervorgegangenen Kind seine Ämter übertragen hat. Noch brisanter wird die Lage dadurch, dass es sich bei dem vermeintlichen Stammhalter in Wahrheit um ein Mädchen handelt, und zudem ein Schreiben, in dem Lord Naritaka den Betrug offenbart, droht in die Hände der Shogunats zu geraten. Denn der von Naritaka zum Hüter der Schrift bestimmte Abt Jikei hat sich als geheimer Spion der Yagyus entpuppt und ist bereits auf dem Weg, das kompromitierende Schriftstück an Lord Retsudo zu übergeben.

Zitat

How dare you, Ogami Itto?! - Retsudo.

Um dies zu verhindern schickt der Kuroda-Clan fünf Boten aus, um Ogami Itto zu ausfindig zu machen, seine berüchtigten Fähigkeiten zu prüfen und ihm jeweils ein Bruchstück des Auftrages sowie ein Fünftel des Kopfgeldes von 500 Goldstücken auszuhändigen. Allerdings ist die Motivlage innerhalb des Clans nicht so ganz eindeutig. Während dem alten Oberhaupt nur daran gelegen ist, die Übergabe des Geständnisses zu verhindern, planen andere eine radikalere Neuordnung der Strukturen, in dem die unrechtmäßige Thronfolgerin samt ihrer Familie ausgelöscht, der wahre Sohn als Herrscher eingesetzt und der unselige Fehler Naritakas somit endgültig korrigiert werden soll. Und so wird auch dieser Auftrag, der sie in einen unlösbaren Konflikt zwischen der geschworenen Treue zum Clan und ihrem Herrn stürzt, an den einsamen Wolf herangetragen...

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in the Land of Demons - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart in the Land of Demons - Screenshot

Die Nebenhandlung gehört dieses Mal ganz allein dem kleinen Daigoro. Während Vater und Sohn auf der Fährte des Abtes an einer Tempelfeier teilnehmen, trifft der Sohn des einsamen Wolfes zufällig auf die Taschendiebin Oyo, die ihn zunächst lediglich als Beuteversteck missbraucht. Doch letztlich kann Daigoro nicht nur unter Beweis stellen, was er bei seinem Vater über Ehre und Entschlossenheit gelernt hat, sondern bringt es sogar fertig die Gesetzesbrecherin wieder auf den rechten Weg zu führen.

Von der Handlung her handelt es sich bei Baby Cart in the Land of Demons mit einigem Abstand um den komplexesten Teil der Reihe. Nicht nur weil es dem einsamen Wolf hier zunächst einmal ungleich schwerer gemacht wird, überhaupt herauszufinden, welchen Auftrag genau er für die Kurodas übernehmen soll (man hat ihn zwar auch vorher schon auf die Probe gestellt, aber der Kuroda-Clan treibt es wirklich auf die Spitze!), sondern vor allem weil seine Auftraggeber unterschiedliche Interessen verfolgen und ihre Motivlage hierbei nicht unbedingt westlicher Logik folgt. So sind es zum Teil die gleichen Personen, die zwar in der Eliminierung der Herrschaftsfamilie die einzige Chance zur Sicherung des Fortbestands des Kuroda-Clans sehen, aber dennoch gebunden durch ihren Treueschwur wiederum ihr Leben geben, um genau dies zu verhindern.

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in the Land of Demons - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart in the Land of Demons - Screenshot

Nachdem für Teil 4 vorübergehend Bushi Saito die Regie übernommen hat, kehrte in Baby Cart in the Land of Demons wieder Meister Kenji Misumi auf den Chefsessel zurück - und das merkt man! Denn die vorletzte Episode der Lone Wolf-Reihe bietet wieder genau die kleinen Feinheiten, die der letzte Film doch ein wenig vermissen ließ. Ruhige Passagen, in denen die Kamera für einen Moment auf Naturdetails wie einem Frosch oder auch nur einer Pfütze ruht, und die erst gemeinsam mit den furiosen Action-Szenen die einzigartige Mischung aus poetischer und spannungsgeladener Atmosphäre entstehen lassen, die die Filme so auszeichnen.

Gleichzeitig bedeutet die Rückkehr Misumis aber nicht, dass sich Freunde der farbenfrohen Schlachtengemälde mit ihren leuchtend-roten Blutfontänen, wie man sie aus den ersten drei Filmen kennt und schätzt, Sorgen darum machen müssten, in Ogamis fünften Abenteuer auf ihre Kosten zu kommen (an blutigen Details gibt es u.a. einen kompletten Rumpfschnitt zu bewundern). Im Gegenteil. Schliesslich war es ja Misumi, der den Stil der Reihe etabliert hat, und entsprechend imposant fallen auch dieses Mal die Kampfszenen aus. Positiv fällt hierbei ebenfalls auf, dass man sich wieder vermehrt auf die Stärken der ersten beiden Episoden besonnen hat, d.h. klassische Schwertkampfszenen, eine einfallsreiche Choreographie und weniger Frühzeit-HighTech im Holzkarren. Old School-Okami, wenn man so will.

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in the Land of Demons - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart in the Land of Demons - Screenshot

Neben einem gewohnt großangelegten Schlusskampf zählt dieses Mal insbesondere Daigoros Solo-Abenteuer, in dem er sich als dermaßen tapfer erweist, dass er sich nicht nur den Respekt der Staatsbeamten und der Diebin Oyo verdient, sondern sogar Standing Ovations der anwesenden Menschenmenge, zu den Highlights, die sich im Gedächtnis festsetzen. Aber auch Ogamis Wasserkampf im spärlichen Unterkleid und mit langem offenen Haar, die maskierten Kämpfer des Kuroda-Clans, eine wilde Schlittenfahrt mit dem Holzkarren durch die Dünen oder das tragische Ende der Kuroda-Familie wird man so schnell nicht vergessen. Überzeugend auch die Äußerungen der sterbenden Boten, die sich nach tödlichen Treffern Ogamis durch eine spezielle Notfallmedizin einige Minute verschaffen, um mit ihren letzten Atemzügen den einsamen Wolf über seinen Auftrag zu instruieren. Besonders eindringlich, als einer von ihnen Feuer fängt und aus den Flammen heraus sein Geheimnis Preis gibt.

Mit Tomisaburo Wakayama (Ogami Itto), Akihiro Tomikawa (Daigoro) und wie bereits erwähnt Regisseur Kenji Misumi sowie nahezu der kompletten übrigen Crew ist die Stammbesetzung der Lone Wolf-Reihe wieder komplett, und alle Beteiligten laufen gemeinsam noch einmal zur Höchstform auf. Und wie schon beim letzten Mal wagt sich Komponist Hideaki Sakurai auch in Baby Cart in the Land of Demons in teilweise experimentelle Klangwelten vor. Aber es passt, und das für meinen Geschmack eine Spur besser als in Baby Cart in Peril.

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Auch nicht uninteressant: die übrige Besetzung: Zu Tomomi Sato (Quick Change Oyo) interessantesten anderen Filmen gehört die trashige SciFi-Invasion Body Snatcher from Hell (Kyuketsuki Gokemidoro, 1968) und ihre Hauptrolle in Kinji Fukasakus Blackmail is My Life (Kyokatsu koso Waga Jinsei, 1968). Michiyo Ookusu (Shiranui) trat im Samurai-Genre außer im fünften Teil der Lone Wolf-Reihe auch im 14ten Zatoichi-Film auf (Zatoichi umi o wataru, 1966). Außerdem besetzte sie Takeshi Kitano aktuell in seinem Remake Zatoichi - Der blinde Samurai (2003).

Ein Remake war auch die letzte Rolle von Shingo Yamashiro (Kurdao Naritaka), nämlich Takashi Miikes Graveyard of Honor (Shin jingi no hakaba, 2002). Im Gegensatz zu Kinji Fukasakus Original Yakuza-Klassiker (Jingi no hakaba, 1975) bekleidete er hier aber nur eine kleinere Nebenrolle. Weitere Zusammentreffen mit dem organisierten Verbrechen Japans hatte er in den Teilen 3 bis 5 der Yakuza Papers (Jingi naki tatakai, 1973-74). Außerdem hatte er Gastauftritte in zwei von Sonny Chibas Street Fighter-Filmen, Return of the Street Fighter (Satsujin ken 2, 1974) und The Street Fighter's Last Revenge (Gyakushu! Satsujin ken, 1974).

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In Nebenrollen als verschleierte Clan-Boten sind Akira Yamauchi, Hidejii Otaki, Taketoshi Naito, Fujio Suga und Rokko Toura zu sehen. Yamauchi sah sich 3 Jahre zuvor in Franksteins Kampf gegen die Teufelsmonster (Gojira tai Hedora, 1971) noch Godzilla gegenüber und tauchte ansonsten bspw. auch in den Razor-Filmen auf (Goyokiba, 1972; Goyokiba: Oni no Hanzo yawahada koban, 1974). Hidejii Otaki spielte u.a. im ruhigen Samurai-Porträt Gonza, der Lanzenkämpfer (Yari no gonza, 1986) und Akira Kurosawas großartigem Kagemusha - Der Schatten des Kriegers (1980). Taketoshi Naito kennt der eine oder andere bestimmt als bestohlenen Feudalherrn Kanzen Inukai in Hiroyuki Nakanos Samurai Fiction (SF: Episode One, 1998). Weitere bekannte Filme mit Naito sind Der Tod des Teemeisters (Sen no Rikyu, 1989) und Godzilla - Die Rückkehr des Monsters (Gojira, 1984). Im Rahmen der Lone Wolf-Filme war er in Teil 1 bereits in der Rolle des Yagyu Bizen zu sehen. Und auch die letzten beiden Boten, Fuji Sugo (Zatoichi 15, Sleepy Eyes of Death 2+6) und Rokko Toura (Zatoichi and the Chess Expert, Zatoichi and the Drums) verfügen über einschlägige Genre-Erfahrungen. Letzterer war in einer Nebenrolle auch in Nagisa Oshimas Gefangenendrama Merry Christmas, Mr. Lawrence (1983) mit David Bowie zu sehen.

In der 2ten Reihe versteckt sich in Baby Cart in the Land of Demons übrigens auch noch der spätere Asien-Star Renji Ishibashi, bei uns bspw. durch seine Rollen in Takashi Miikes Dead or Alive (Hanzaisha, 1999) und Audition (Odishon, 1999) bekannt. Und wir werden ihn auch im letzten Teil der Lone Wolf-Reihe noch einmal wiedersehen...

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in the Land of Demons - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart in the Land of Demons - Screenshot

Die für ihr Alter von über 30 Jahren hervorragende Bildqualität der AnimEigo-Veröffentlichung sollte beim 5ten Teil ebenso wenig überraschen wie die gewohnt eher spärliche Zusatzausstattung der DVD. Die Untertitelung ist wiederum erstklassig, gegebenfalls ergänzt um Zusatzinfos und so erfreulich dicht am japanischen Original, worüber sich interessierte Fans sicherlich mindestens ebenso sehr freuen werden wie über das kontrastreiche Bild der neuen digitalen Abtastung.

Am Aufbau der Menüführung wurde nichts geändert, wieder gibt es ein um eine kleine animierte Slideshow herum arrangiertes Hauptmenü, von dem man in die Szenenwahl, die Ton bzw. UT-Optionen, zum Bonusmaterial und in den Credits-Bereich wechseln kann. Als Extras wurden dieses Mal die Trailer zum Hauptfilm Baby Cart in the Land of Demons und zum letzten Film der Reihe White Heaven in Hell sowie ein weiterer Zatoichi-Trailer (Zatoichi's Conspiracy) und den Werbefilm zum Klassiker Lady Snowblood. Die Liner Notes in Form von Texttafeln beschränken sich hier tatsächlich auf das Bildschirmformat, eine ergänzende Printversion wurde dieses Mal nicht beigelegt. Die Informationen beschränken sich dieses Mal auf ein wenig Trivia zum Ursprung der Geschichten um Ogami Itto, den Höllenbiestern, die von den an Ogamis Diensten Interessierten als Erkennungszeichen verwendet werden (Gozu-rasetsu, Mezu-rasetsu) und einige geographische und kulturelle Hinweise. Alles in allem etwas spärlicher als in den vorangegangenen Teilen, aber schließlich hat man als treuer Zuschauer bis zu diesem Zeitpunkt ja auch bereits etliches an Wissen angehäuft und darf sich fast schon Japan-Experte fühlen!

Lone Wolf and Cub - Baby Cart in the Land of Demons - ScreenshotLone Wolf and Cub - Baby Cart in the Land of Demons - Screenshot
Autor: Frank Meyer
Film online seit: 02.07.2005
Letzte Textänderung: 02.12.2005

Leser-Kommentare

10.01.2006, 09:20:32 Evil Wraith

Meiner Meinung nach der beste Teil der Reihe, zumindest storytechnisch betrachtet. Vom Aufbau und der Action her hat Kapitel 2 aber die Nase etwas vorn.

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