Film Daten

Titel:
Crying Freeman
Originaltitel:
Crying Freeman
Land & Jahr:
USA/Frankreich/Kanada/Japan 1995
Laufzeit ca.: ?
97 Min.
Regie:
Christophe Gans
Darsteller:
Mark Dacascos
Julie Condra
Rae Dawn Chong
Byron Mann
Masaya Kato
Yoko Shimada
Mako
Tchéky Karyo
Kevan Ohtsji
Debbie Podowski
Murray Lowry
Mikal Tang
Jerry Wasserman
Tong Lung
Kiyoto Matsumoto
Alternativtitel:
• Crying Freeman - Der Sohn des Drachen
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Metropolitan
Label:
Metropolitan
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / k.A.
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 5.1
Französisch - DD 5.1
Untertitel:
Französisch
Extras:
  • Audio-Kommentar des Regisseurs (französisch)
  • Storyboards
  • Storyboard-Film-Vergleich
  • Behind-the-Scenes
  • Promo-Featurette
  • Making-Of
  • B-Roll
  • Deleted Scenes
  • Featurette über den Schnitt
  • Featurette über den Vorspann
  • 2 Trailer
  • Hidden Feature: Le Pacte des Loups Trailer

Crying Freeman

Review

Crying Freeman - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Emu O'Hara (Julie Condra) befindet sich gerade in San Francisco, als sie ungewollt Zeugin eines Mordes an drei asiatischen Männern wird. Der Killer sieht sie, bringt sie aber nicht um, sondern stellt sich sogar mit Namen vor. Yo (Mark Dacascos), so sein Name, verschwindet aber sofort wieder. Aber irgendetwas fasziniert sie an diesem Mann und er geht ihr nicht aus dem Kopf. Yo reist kurze Zeit später nach Vancouver, Emus Heimatstadt, wo er als Crying Freeman einen weiteren Auftrag ausführen soll. Diesmal ist sein Ziel der Yakuza Shimazaki (Mako), der Vater von einem der Opfer aus San Francisco. Der hat sich bereits an die dortige Polizei gewandt und den Beamten 48 Stunden Zeit gegeben und ihnen auch Emu als Zeugin genannt. Er erwähnt ebenfalls den Crying Freeman, der Auftragskiller einer japanischen Sekte namens "Sons of the Dragon". Gerade als der Yakuza das Polizeigebäude verläßt und Emu dort ankommt um ihre Aussage zu machen, schlägt der Freeman wieder zu. Trotz seiner Maske erkennt sie ihn wieder und er sie ebenfalls. Seine Auftraggeber weisen ihn an sie umzubringen, da der Codex vorschreibt, dass jeder der den Crying Freeman identifizieren kann, sterben muss.

Crying Freeman - ScreenshotCrying Freeman - Screenshot

Yo kann die Frau aber nicht umbringen. Im Gegenteil, die beiden verlieben sich sogar ineinander. Die Yakuzas geben aber nicht auf und brechen in Emus Haus ein, vorher wurde noch die sie bewachende Polizei ausgeschaltet. Der Freeman kann sie beschützen, sie wird aber im Feuergefecht verletzt. Sie wacht schließlich im Krankenhaus auf, kann von dort aber vor den Polizisten flüchten und reist mit der Hilfe des Freemans nach Hokkaido in Japan. Dort trifft sie Yo wieder, der sich durch seinen Ungehorsam langsam den Zorn der "Sons of Dragon" zuzieht. Er erzählt ihr, wie er überhaupt der Crying Freeman wurde und will seine Tätigkeit einstellen. Vorher muss er aber noch einen letzten Auftrag ausfüllen und sich gegen den großen Yakuza-Clan behaupten...

Crying Freeman stellt schon ein Kuriosum dar. Zuerst einmal handelt es sich um eine Ko-Produktion von Frankreich, Kanada, Japan und den USA. Eine Konstellation, die nun nicht gerade alltäglich ist. Trotz der internationalen Beteiligung hatte der Film aber nicht ein riesiges Budget zur Verfügung, eher im Gegenteil. Trotzdem gelang es Regisseur Christophe Ganz mit seinem ersten richtigen Spielfilm (vorher betätigte er sich als Filmkritiker und drehte eine Episode von Necronomicon) eine unglaubliche Mischung aus Action, leichter Romantik und Drama zu kreieren, die seltsamerweise keinen sensationellen Erfolg verbuchen. Dabei hat der Film alles, was man zur guten und auch anspruchsvolleren Unterhaltung braucht. Einen charismatischen Hauptdarsteller, eine ebensolche hübsche Dame an seiner Seite, die nicht nur schmückendes Beiwerk ist, gut ausgewählte Sets, tolle Kameraführung und eine nie langweilig werdende Handlung. Gedreht wurde im übrigen fast ausschließlich in Kanada, auch die Szenen, die im Film eigentlich in Japan spielen.

Crying Freeman - ScreenshotCrying Freeman - Screenshot

Der Film basiert auf der gleichnamigen und auch recht bekannten Manga-Serie von Kazuo Koike und Ryoichi Ikegami. Ich kenne leider nur einen Band der Mangas und kann daher nicht viel dazu sagen, ob die Adaption nun gelungen ist oder völlig an der Vorlage vorbeirattert. Yo, der Crying Freeman und unfreiwilliger Killer, ist ein recht interessanter Charakter. Seinen Namen verdankt er der Tatsache, dass er nach jedem Auftragsmord eine Träne für seine Opfer vergießt, da er zu den Taten gezwungen wird und nicht aus freien Stücken handelt. Erst durch die Liebe zu Emu gelingt es ihm aus dem Bann der Sekte zu brechen und wieder ein eigenes Leben beginnen zu können. Die Rückblicke, wie er eigentlich zum Freeman wurde, sind gut plaziert, so dass auch Nicht-Kenner der Mangas wissen worum es geht. Yo ist kein kaltblütiger Killer der ohne eine Miene zu verziehen jeden umbringen kann, sondern ein recht einfühlsamer Menschen, den seine Taten psychisch mitnehmen. Emu erkennt den Menschen in ihm sofort und dies ist auch ein Grund für die aufkommenden Gefühle zwischen den beiden. Er kann sich ihr anvertrauen, während sie sich von seiner sensiblen Art angezogen fühlt und sogar bereit ist ihr bisheriges Leben für ihn hinter sich zu lassen.

Dafür, dass es sich hierbei um den ersten Spielfilm in voller Länge für seinen Regisseur handelt, ist die technische Umsetzung bemerkenswert. Gans nutzt geschickt verschiedene Stilelemente wie z. B. Zeitlupen und Kamerafahrten um den Actionszenen eine gute Dynamik zu verpassen und erinnert hierbei leicht an die besten Hongkong Werke von John Woo. Was allerdings auch daran liegen mag, dass sich David Wu für den Schnitt mitverantwortlich zeigt, der auch schon die Woo Filme A Better Tomorrow und Hard Boiled bearbeitet hat und daneben auch bei Klassikern wie The Bride with White Hair beteiligt war. In den ruhigeren Szenen wiederum bleibt die Kamera recht ruhig, bewegt sich nur langsam um die Atmosphäre nicht zu stören. Hier sollte man Kameramann Thomas Burstyn erwähnen, der wirklich gute Arbeit geleistet hat. Das auch in den Martial Arts Szenen Erinnerungen an die genretypischen Produktionen aus Fernost wach werden, ist nicht verwunderlich wenn man weiß, dass Christophe Gans schon seit frühester Jugend ein Fan des asiatischen Kinos ist. Mittlerweile hat er in Frankreich sogar ein eigenes DVD-Label gegründet, auf dem ausgewählte Filme aus Hongkong veröffentlicht werden. Unterstützt wird der Film auch noch von einem größtenteils eher ruhiger gehaltenen Soundtrack, der aber trotzdem wunderbar zu den Szenen passt.

Crying Freeman - ScreenshotCrying Freeman - Screenshot

Erst 2001 kam mit dem insgesamt etwas enttäuschenden Le Pacte des Loups (aka "Pakt der Wölfe"), der nächste Film von Christophe Gans in die Kinos. Der war allerdings sogar auch international ein recht guter Erfolg und dürfte zumindestens neugierig auf Gans nächste Projekte machen. Mark Dacascos spielte auch dort eine Hauptrolle. Ansonsten kennt man ihn vielleicht noch aus dem Actionkracher Drive oder der etwas mißglückten TV-Serienversion von The Crow. Julie Condra hat davor und auch nach Crying Freeman in eher unbekannteren Produktionen mitgemacht und auch viel fürs Fernsehen gerarbeitet. Rae Dawn Chong, die hier eine Polizistin spielt, kämpfte an der Seite von Arnold Schwarzenegger in Commando. Als fieser Inspektor Cristini aus Dobermann sorgte Tchéky Karyo für mächtig Eindruck und war sogar schon in großen Mainstream-Produktionen wie James Bond 007 - Goldeneye oder an der Seite von Jet Li in Kiss of the Dragon vertreten.

Auf DVD gibt es den Film meines Wissens nach bislang nur in Deutschland und in Frankreich. Während die deutsche DVD sich gleich disqualifiziert durch ihr falsches Bildformat (1.78:1) und nicht ausblendbaren deutschen Untertiteln bei dem englischen Originalton, ist die französische DVD ein wahres Schmuckstück. Die kommt gleich in einem Doppel-DVD-Set daher, das zudem noch von einem schicken und stabilen Pappschuber umhüllt wird. Außerdem liegt dem Set noch ein 16-seitiges Booklet bei, das aber leider komplett in französischer Sprache verfasst wurde. Das Bild ist zwar nicht ohne kleinere Fehler, die werden aber mehr als ausgeglichen durch die natürliche Farbgebung und guten Kontrastwerten. Um Längen besser als bei der deutschen Version, vor allem weil die französische Disk den Film in seinem Originalformat von 2.35:1 (anamorph) präsentiert. Auf der ersten Disk ist an Bonusmaterial nicht viel drauf, außer dem Audiokommentar von Christophe Gans, der aber leider in französischer Sprache gehalten wird. Daneben findet sich als Hidden Feature noch ein Trailer zu Gans' letztjähriger Produktion Le Pacte des Loups (Pakt der Wölfe).

Crying Freeman - ScreenshotCrying Freeman - Screenshot

Auf Disk 2 gehts dann gleich in die Vollen mit dem Extramaterial. Erfreulicherweise sind die wichtigsten Extras mit einer englischen Tonspur versehen, so dass man auch wirklich was mit dem Material anzufangen weiß. Die einzelnen Beiträge sind in drei Oberkategorien eingeteilt: "Pre-Production", "Tournage" (die Dreharbeiten), "Post-Production". Die Abteilung Pre-Production beginnt mit "La Genèse", einem kurzen Interview mit Christophe Gans. Danach folgt "Le Scénario", das auf Texttafeln eine kurze Zusammenfassung wiedergibt, wie der Film überhaupt zustande kam. "La Direction Artistique" behandelt die Optik und Gans visuelle Vorstellungen von seinem Film. Daran schließt sich gleich eine Galerie an, in der verschiedene Storyboardentwürfe zu bewundern sind. In dem nächsten Interview geht dann Gans genauer auf die Storyboards ein und die letzten beiden Punkte sind dann ein Vergleich Storyboard-Film und eine Storyboard-Galerie. Der Vergleich wird quasi als Splitscreen dargestellt, wo im oberen Bereich ein Stück des Films abläuft und darunter die Zeichnungen zu sehen sind. Die Galerie ist verdammt umfangreich und berücksichtigt alle wichtigeren Szenen des Films. Diese ganzen Beiträge sind übrigens alle komplett in französischer Sprache (Ton und Schrift) gehalten.

Der zweite Bereich Tournage beginnt mit einem fünfeinhalb-minütigen Behind-the-Scenes Filmchen. Hier sind die Dreharbeiten zu dem Filmfinale zu sehen, unterbrochen mit Kommentaren von Christophe Gans, Tchéky Karyo (beide in französisch), Marc Dacascos, Julie Condra und Yôko Shimada (englisch). Die nachfolgende Featurette ist mehr eins dieser üblichen Marketing-Filmchen, wo Filmausschnitte und Interviews mit den Beteiligten appetitanregend vermixt werden. Dieses Teil ist allerdings mal komplett in englischer Sprache gehalten. "Les Coulisses de Crying Freeman" ist ein fast 20-minütiges Making-Of, das wie eine längere Version der Behind-the-Scenes Featurette aussieht. Hier sind allerdings noch mehr Aufnahmen von den Dreharbeiten zu sehen und die Interviews sind etwas ausführlicher. Ein dicker Brocken kommt dann noch bei letzten Teil in diesem Bereich, den B-Rolls. Dies sind über 38 Minuten an unkommentierte Aufnahmen vom Dreh. Dabei liegt der Schwerpunkt auf die Szenen im Restaurant bei Freemans Flashback, der Action bei der Beerdigung von Shimazaki auf dem Hanada-Anwesen und dem Finale. Zwar sieht man hier auch vieles, was auch schon in dem vorherigen Material zu sehen war, trotzdem ist es insgesamt sehr interessant. Vor allem bekommt man hier auch einen guten Einblick in die Special Effects.

Crying Freeman - ScreenshotCrying Freeman - Screenshot

Die Beiträge im Bereich Post-Production widmen sich dann ganz der Fertigstellung des Films. In "Le Montage" geht es um den Schnitt des Films von David Wu. Dabei ist es schon befremdlich zu sehen, wie der gute Mann mit den wertvollen Filmstreifen umgeht. Interessant ist dieser kurze Film aber allemal, denn auf den Aspekt eines geschickten Schnittes und Zusammensetzung des Films wird doch eher selten eingegangen. Die den beiden "Scène Coupée" handelt es sich um Deleted Scenes, die nicht im fertigen Film verwendet wurden. Die erste, "Booby Trap" zeigt den Freeman, wie er Emu aus einem Raum rettet, der mit einer Falle ausgestattet war. Die zweite Szene, "Tokyo Hotel", zeigt eine Bettszene mit Inspector Netah und Lady Hanada, wo sie ihren Willen zur Macht noch einmal deutlich darstellt. In "Le Générique" wird noch auf die Produktion des stilvoll gemachten Vorspanns eingegangen. Abgeschlossen wird dieser Bereich von den amerikanischen und französischen Trailern. Während der amerikanische Trailer Crying Freeman als typischen Actionfilm verkauft, trifft der französische Trailer den Ton des Films viel besser und ist vor allem perfekt auf die Musik abgestimmt und kommt auch ohne den üblichen Off-Sprecher aus.

Insgesamt kann man mit dem Material schon zufrieden sein, auch wenn man die ganzen Texttafeln mangels Sprachkenntnisse nicht unbedingt verstehen kann. Allein schon durch das richtige Bildformat bei der französischen DVD fällt die Entscheidung einer Investition nicht schwer. Allerdings sollte man sich beeilen, da die DVD nur in einer limitierten Auflage erschien und langsam schon nicht mehr zu bekommen ist!

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 14.08.2002

Leser-Kommentare

01.10.2005, 15:10:52 Sunny ( Email schreiben Homepage )

Einer meiner Lieblinge - ein audiovisuelles Meisterwerk mit genialer Kameraarbeit, einem wunderbaren Soundtrack und einmalig gefilmter Action. Jede Kameraeinstellung ist perfekt geplant und die Locations atemberaubend. Mark Dacascos in seiner Glanzrolle - der Mann bekommt einfach zu wenig Angebote für große Filme :-( Auch hier unbedingt die französische Special Edition mit englischem O-Ton besorgen! Denn die deutsche DVD von Warner bietet leider mal wieder nur das falsche Bildformat 1,85:1 (Originalformat 2,35:1).

21.07.2004, 11:54:18 Kusanagi

Wirklich eine sehr gute Comicverfilmung, mit zwar recht unspektakulären Actionszenen, aber dafür ist er
schön photographiert und hat einen astreinen Soundtrack.

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann