Film Daten

Titel:
Dark Water - Dunkle Wasser
Originaltitel:
Dark Water
Land & Jahr:
USA 2005
Regie:
Walter Salles
Darsteller:
Jennifer Connelly
John C. Reilly
Tim Roth
Dougray Scott
Pete Postlethwaite
Camryn Manheim
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

Dark Water - Dunkle Wasser

Review

Dark Water - Dunkle Wasser

(Ein Kurzreview von Carsten Henkelmann)

Dahlia (Jennifer Connelly) zieht mit ihrer Tochter in eine Wohnung im 9. Stock eines Hochhauses. Schon bald ereignen sich seltsame Dinge. Wasserleitungen scheinen zu spinnen, aus der Wohnung über ihr hört sie Geräusche obwohl dort angeblich niemand mehr wohnt und ihre Tochter hat plötzlich eine imaginäre Freundin ...

Diese Remakes von asiatischen Horrorhits sind immer so eine Sache für sich. Grundsätzlich stehe ich diesen Werken immer sehr skeptisch gegenüber, was sich z.B. bei dem amerikanischen "Ring" bestätigte, der auf ganzer Linie versagte. "The Grudge" hingegen war ausnahmsweise mal ein Remake, das die Schwächen des Originals ausbügelte und unterm Strich besser wegkam. Die verwestlichte Variante von "Dark Water" kann ich aber irgendwie in keins der beiden Lager einteilen, denn wirklich besser oder schlechter als das Original ist diese Version nicht.

Allerdings kann ich behaupten, dass die japanische Originalversion mir doch einige schaurige Gänsehautmomente bereitete, was ich vom Remake nicht behaupten kann. Dafür konzentriert sich das aber auch sehr stark auf Jennifer Connellys Charakter und ihr Versuch, eine gute und fürsorgende Mutter zu sein, was sich aufgrund ihrer Vergangenheit und der Geschehnisse in dem Haus als sehr schwierig erweist. Beide Versionen haben ihre Stärken und Schwächen und konzentrieren sich auf jeweils einen anderen Aspekt der Handlung. Als Horrorfilm zündet das Remake nicht so wirklich, dafür eher als ein Psychothriller mit surrealen Momenten.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 15.03.2006

Leser-Kommentare

21.05.2007, 15:51:28 Dietmar Kesten

DARK WATER

BEFLECKT

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN 24.

SEPTEMBER 2005.

Bewährte Filmstoffe sind für Hollywoods Filmschmiede immer die schlagkräftigsten Argumente gewesen, um im Bilderrausch düster, tragisch oder unterhaltsam den (ungeduldigen) Zuschauer ins Kino zu locken. Dabei ist frappant, dass diese Geschichten immer auf jene dramatischen Höhepunkte hinauslaufen, die die Vermarktbarkeit des Produktes zu garantieren verstehen. Die Geister der Vergangenheit, die man ruft, wird man schlecht wieder los. Bei „Dark Water“ von Walter SALLLES („Central Station“, 1997, „Hinter der Sonne“, 2001, „Die Reise des jungen Che“, 2004) stehen wiederum diese Geister im Vordergrund. Allerdings ist dieses Programm etwas anders gestrickt.

Mitten im Scheidungsstress zieht Dahlia Williams (Jennifer CONNELLY), die in Finanznöte geraten ist, mit ihrer Tochter Ceci (Ariel GADE) nach Roosevelt Island von Manhattan in eine neue Wohnung. Schon bald stellt sich heraus, dass in der Wohnung etwas nicht stimmt. Wasser tropft von der Decke, man hört altbewährte dumpfe Schritte, Stimmengewirr. Und die Tochter spricht nachts mit einer Unbekannten. Man sieht sie im Spiel mit einem unsichtbaren Mädchen. Weder der Vermieter noch der Hausmeister fühlen sich zuständig.

Wir Vergessen schnell. Im Leben und auch im Kino. 2001 kam „Dark Water“ von Hideo NAKATA in die Kinos. Der damalige Katastrophenauflauf kündigte sich zwar nicht mit Pfeifen, Heulen und Tosen an, sondern mit fließendem Nass. Der beiläufige Horror suggerierte Betroffenheit, mit kathartischen Elementen und dem Gefühl einer ständigen und diffusen Bedrohung. Alltägliche Szenen waren hier das verbindende Element zum eigentlichen Schock: kalte, graue Mietshäuser, unübersichtliche und öde Hausflure, spärliche Beleuchtung, Fahrstühle, die stecken bleiben und wieder losfahren- während die Kamera im trüben fischt.

Nah am Wasser gebaut ist dann auch dieses Remake. Mit dem Unterschied, dass hier ein flauer Abklatsch serviert wird, der zudem noch Mutterängste hervorruft, die an „Panic Room“ mit Judie FOSTER (Regie: David FINCHER, 2001) erinnern. Überhaupt scheint es die Raffinesse des Films zu sein, dass er wie die japanische Vorlage, die Psyche zu martern beginnt: warme Blicke, entsetzte Schreie, erstaunte Besorgnis, latente Vorahnung, paranoides Filmkind, das an „Shining“ (Regie: Stanley KUBRICK, 1980) erinnert, sind jene Peinlichkeiten aus denen der Horror gestrickt ist.

Das sind nicht nur grundsätzliche Defizite, sondern schlechte Kompromisse, mit denen Psychodramen des gängigen Mainstream daher kommen. Vor allem sollte an „The Ring II“ (Regie: (Hideo NAKATA, 2005) oder an die Verflüssigungen aus „Sin City“ (Regie: Robert RODRIQUEZ/Quentin TARANTINO/Frank MILLER, 2005) gedacht werden. Wenn Sturzbäche durch die Badezimmer rauschen, die Wasserflecken an der Decke größer werden, oder es im Fahrstuhl zu tröpfeln beginnt, Gewitter in Hausflure niedergehen, dann befindet man sich nicht auf einer Rafting-Tour, sondern in einem gefluteten Haus, in dem man am Ende buchstäblich unter Wasser steht, wenn erst die Geister losgelassen werden.

In der Welt Flecken ohne Schrecken gibt es dann auch wieder eine traumatische Mama, die als Mädchen von ihrer Mutter nicht geliebt wurde. Und die jetzt noch die tiefen Wunden in ihrer Kinderseele spürt. Man wird nicht müde, diese multiplen Mutterpersönlichkeiten als Begleitmusik den plakativen Horrorgeschichten zuzuschlagen. Da mysteriöse Begebenheit selten alleine kommen, muss kurzerhand eine Thematik her, die markant und abgrundtief menschliche Probleme rührend darzustellen vermag.

Hier ist es der Alkoholismus, dort Drogen und anderswo das mit psychischen Details durchsetzte Psychogramm eines Menschen. All das ist in der Zwischenheit dermaßen abgenudelt, dass die Lust, sich solche Filme anzuschauen, schnell vergeht. Der Horror ist nur noch bloße Effekthascherei, der mit unverfänglichen Situationen lebt, die schnell ins Gegenteil umschlagen. Ein ruhiges Zuhause gibt es deshalb nirgendwo mehr. Immer wieder geht es den Schockern darum, latente Angststimmungen zu erzeugen, die noch weit nach dem Kinobesuch nachwirken. Sollte das tatsächlich ein Hinweis darauf sein, dass wir uns willenlos verführen lassen?

Fazit: Grottenschlecht und grobschlächtig. Das Geld für die Kinokarte sollte man gewinnbringend anlegen.

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann