Film Daten

Titel:
Originaltitel:
The Hills Have Eyes
Land & Jahr:
USA 2006
Laufzeit ca.: ?
104 Min.
Regie:
Alexandre Aja
Darsteller:
Aaron Stanford
Dan Byrd
Emilie de Ravin
Ted Levine
Vinessa Shaw
Kathleen Quinlan
Robert Joy
Laura Ortiz
Tom Bower
Michael Bailey Smith
Ezra Buzzington
Billy Drago
Gregory Nicotero
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - 20th Century Fox
Label:
20th Century Fox
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 103:29
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 5.1
Englisch - DD 5.1
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Türkisch
Extras:
  • Audiokommentar von Alexandre Aja, Gregory Levasseur und Marianne Maddalena
  • Audiokommentar von Wes Craven und Peter Locke
  • Making-of "Surviving the Hills"
  • Musikvideo "Leave the Broken Hearts" von The Finalist
  • Trailer: Im Fadenkreuz 2 / The Omen / The Ringer / 28 Days Later

Review

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(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Der ex-Polizist Big Bob und seine Frau Ethel (Ted Levine, Kathleen Quinlan) reisen mit ihren Jeep und Wohnwagen zusammen mit Schwiegersohn Doug (Aaron Stanford), den Töchtern Lynn (Vinessa Shaw), Brenda (Emilie de Ravin), Sohn Bobby (Dan Byrd) sowie Doug und Lynns Baby Richtung Kalifornien. Mitten in der Wüste von New Mexiko halten sie an einer Tankstelle und erhalten den Tipp für eine Abkürzung, die ihnen angeblich mehrere Stunden Fahrt ersparen würde. Auf dieser Abkürzung kommt es zu einem folgenschweren Unfall und der Jeep ist nicht mehr fahrtüchtig. Während Doug und Big Bob versuchen Hilfe zu holen, bleiben die anderen beim Wohnwagen. Schon bald entdeckt Bobby einen ihrer Schäferhunde ausgeweidet in den umliegenden Hügeln und in der darauffolgenden Nacht werden sie die Opfer einer durch Atomversuche degenerierten Familie, die fast alle töten und Dougs Baby entführen...

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Im Zuge der aktuellen Remake-Welle in Hollywood blieben auch die kleinen Kulthits nicht unberührt, die normalerweise nur den Genrefans bekannt sind und von der breiten Allgemeinheit eigentlich meist kaum wahrgenommen wurden. Zu diesem Kreise gehört jetzt auch Wes Cravens zweiter Film The Hills have Eyes, in dem eine heile-Welt-Familie mit einer Gruppe von Leuten konfrontiert wurde, die jegliche Menschlichkeit verloren hatten, durch Atomtests körperlich entstellt waren und auch vor Kannibalismus nicht zurückschreckten. Die wesentlichen Elemente wurden in dem von Alexandre Aja (High Tension) inszenierten Remake übernommen, die Wirkung beider Filme ist allerdings grundverschieden und könnte kaum unterschiedlicher sein.

Worin sich aber beide Filme zunächst nicht voneinander unterscheiden ist die Personenkonstellation innerhalb der Familie. Big Bob als Familienvater und ex-Polizist setzt sich meistens durch und vertraut im Zweifelsfall auf seine Waffe. Seine Ehefrau hingegen ist ein harmloses Frauchen, die zudem sehr christlich angehaucht ist und schon mal ein Gebet von der ganzen Familie verlangt. Doug ist eigentlich das genaue Gegenteil von Bob, denn er will mit Waffen nichts zu tun haben. Er liebt seine Frau Lynn und sein Baby, hat aber das Gefühl von Bob nicht wirklich akzeptiert zu werden. Bobby und Brenda sind zwei normale Teenager, die sich ständig gegenseitig ärgern.

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Wes Cravens Film stellte schließlich die Wandlung innerhalb einer Familie dar, die sich plötzlich einer Extremsituation ausgesetzt sieht und endete mit der Einstellung auf einem im Blutrausch befindlichen Doug der sein entführtes Baby zurückholen wollte. Im Grunde genommen geschieht im Remake größtenteils das gleiche wie im Original, mit der Wiederholung bekannter Schlüsselszenen die von einigen Anpasungen für die heutige Zeit und einem vollkommen anders und länger verlaufenden Finale angereichert wurden. Bloß wo es Craven wenigstens gelang mit seinem Film etwas zu vermitteln, die Wandlungen durch einen langsamen Spannungsaufbau nachvollziehbar zu machen und durch etwas bessere Charakterzeichnungen dem Zuschauer die einzelnen Personen näherbrachte, setzt Alexandre Aja ganz auf Blut und billige Effekte.

Der erste Fehler des Films ist es bereits, dass er zu schnell zu viel will. Die Personen und ihre Charakterzüge werden gerade mal grob vorgestellt und dann wird von einer Terrorszene zur nächsten gehetzt. Bereits nach einer Stunde ist man dort angelangt, wo Craven das Finale seines Films beginnen ließ, nur nahm sich der dafür deutlich mehr Zeit. Es wird kein Zeitraum zur Verfügung gestellt, um die Wirkung der Angriffe auf die Familie erstmal sacken zu lassen. Ehe man sich versieht ist zur Häfte des Films auch bereits die halbe Familie dezimiert. Und selbst die degenerierte Familie wurde bei Craven wenigstens ein bißchen näher vorgestellt, so das zumindestens die Befehlhierarchien klar waren. In Ajas Version scheint jeder völlig losgelöst von den anderen und willkürlich zu agieren.

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Formal kann man dabei Alexandra Aja keine Vorwurf machen. Inszenierung, Schnitt und Soundkulisse entsprechenden dem Stand der heutigen Sehgewohnheiten, insofern wurde Cravens Geschichte souverän in die Neuzeit gebracht, wenn auch optisch etwas glattgebügelt und eine Spur zu "sauber". Allerdings ließ es sich Aja nicht nehmen, der ja schon mit dem durchwachsenn High Tension sein Faible für blutige Tötungsszenen bewiesen hat, die Gewaltszenen richtig auszuwalzen. So wird man Zeuge wie sich ein Mann selbst das Gesicht wegbläst, es gibt unzählige Szenen wie sich irgendwelche Gegenstände in menschliches Fleisch bohren und auch die Nahaufnahme auf das Gesicht eines verbrennenden Mannes ist im Programm enthalten. Was aber schockieren und abschrecken soll, und wer noch nicht viel gesehen hat im Horrorbereich, auf den wird es sicherlich auch so wirken, verkommt im weiteren Verlauf der Handlung zu einer langweiligen Blutorgie an der Grenze zur Farce.

Und hier kommt auch noch ein weiterer Schwachpunkt des Films in Spiel. Bei Wes Craven reichte ein einzelner Michael Berryman ohne großartiges Make-Up um die Kannibalen-Familie zu einer abschreckenden Galerie menschlicher Degeneration und Mutation werden zu lassen. Bei Aja hingegen wurde sich ganz auf die Künste der Special Effects Abteilung verlassen, die die verformten Körper mit einem Hang zum Grotesken erschuf. Im Remake wurde vieles einfach eine Spur zu weit getrieben und somit einen großen Teil seiner Wirkung beraubt. Hügel der blutigen Augen hätte durchaus effektives Terrorkino werden können. Herausgekommen ist aber leider nur ein simpel gestrickter Splatterfilm, der die Intelligenz manch eines Zuschauers beleidigt, aber aufgrund seiner extremem Szenen von den Gore-Fans wahrscheinlich mit Begeisterung aufgenommen wird.

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Die paar wenigen Elemene die positiv auffielen, sollen aber nicht ganz ignoriert werden. Als gelungen kann man die Anfangscredits-Sequenz bezeichnen, die zu süßlicher 50er-Jahre-Musik Archivaufnahmen von Atombombentests zeigt. Das junge Mädchen der Kannibalen taucht im Stile von Wenn die Gondeln Trauer tragen stets nur für Augenblicke in einer knallroten Jacke auf, die deutlich in der Bildkomposition auffällt. Und die nur hier im Remake vorkommende kleine künstliche Stadt, die damals für die Atombombentests aufgebaut wurde, liefert eine schöne morbide Kulisse ab (wobei es aber unwahrscheinlich sein dürfte, dass so eine Test-Stadt überhaupt noch so gut erhalten geblieben sein kann). Wenn Ajas Hügel der blutigen Augen überhaupt sowas wie eine Message hat, dann wenigstens eine unterschwellige Kritik an der amerikanischen Atompolitik und der leichtsinnige Umgang mit der Technik vor vielen Jahrzehnten.

Zitat

Your people asked our families to leave. So we hid in the mines, and you brought out your bombs and turned everything to ashes. You destroyed our homes and made us what we've become. Boom! Boom! Boom!

Als Jugendliche haben Alexandre Aja und sein Freund und Drehbuchschreiber Grégory Levasseur die Filme von Wes Craven gesehen und waren natürlich sehr begeistert, als man ihnen nach dem Erfolg von High Tension das Remake von The Hills have Eyes anbot. Ursprünglich war geplant gewesen den Film wie das Original in der Gegend von Victorville zu drehen, aber die hatte sich in den fast 30 Jahren grundlegend verändert. Auch andere Schauplätze wie New Mexico kamen aus diversen Gründen nicht in Frage und so wurden schließlich alle Außenaufnahmen in Marokko gedreht, wo die Wüste landschaftlich New Mexico sehr ähnlich ist. Man betriebt einigen Aufwand, so wurde z.B. die Tankstelle und das Atomtest-Dorf dort von Grund auf aufgebaut. Die Szenen in dem Wohnwagen entstanden hingegen größtenteils später im Studio. Die Special Effects wurden von den bekannten KNB übernommen, Greg Nicotero hat sogar eine kurze Rolle als der Mutant mit der Kopffixierung. Nur das Gesicht der jungen Ruby entstand fast ohne Make-Up, sondern ungewöhnlicherweise wurde dies mit Computergrafiken realisiert.

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Alexandre Aja scheint jetzt jedenfalls die erste Adresse für Remakes zu sein, denn sein derzeitiges Projekt ist eine amerikanisierte Version des koreanischen Horrorthrillers Into the Mirror (Geoul sokeuro, 2003). Aaron Stanford wird den meisten als Pyro aus X-Men 2 (X2, 2003) und X-Men - Der letzte Widerstand (X-Men: The Last Stand, 2006) bekannt sein. Dan Byrd spielte kurz zuvor noch in Mortuary (2005) mit und Emilie de Ravin hat als Claire Littleton in der Mystery-Serie Lost eine feste Rolle.

Ted Levine spielte unter anderem in Das Schweigen der Lämmer (The Silence of the Lambs, 1991), Heat oder kürzlich in Birth (2005) und Die Geisha (Memoirs of a Geisha, 2005) mit. Genrefans wird Kathleen Quinlan wohl am ehesten als medizinischer Offizier in Event Horizon bekannt sein und bekam für ihre Nebenrolle in Apollo 13 (1995) eine Oscar-Nominierung. Der den Mutant Lizard (der mit der hochgezogenen Oberlippe) spielende Robert Joy war auch in George A. Romeros letztem Zombie-Epos Land of the Dead zu sehen, trat früher aber unter anderem noch in Amityville 3-D (1983) und Resurrection - Die Auferstehung (Resurrection, 1999) auf.

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Die ungekürzte Fassung des Films, die etwas länger ist als die Version, die man im Kino sehen konnte, ist von 20th Century Fox auf DVD erschienen. An der Bildqualität gibt es nicht viel zu bemängeln. Die Schärfe ist wirklich gut, der Kontrast mag etwas steil erscheinen, was aber in bewußt eingesetzten Bildmanipulationen begründet liegt, um die Hitze der Wüste besser zu vermitteln. Wenn überhaupt, dann kann man hier und da ein dezentes Blockrauschen erkennen, das aber auf normalen Fernsehern schon gar nicht mehr auffällt. Sehr positiv fällt auch der Ton auf. Zwar hat man es hier nicht mit einem rasanten Actionreißer mit vielen Effekten zu tun, gerade die erste Hälfte des Films ist doch eher ruhig, aber die Soundeffekte werden trotzdem sehr gezielt auf die einzelnen Lautsprecher verteilt, wenn es die Szene anbietet. Die Dialogverständlichkeit ist gut, insgesamt kann man eine leichte Frontlastigkeit attestieren, aber insgesamt passt die Soundabmischung gut zum Film.

Auch beim Bonusmaterial kann die DVD einigermaßen überzeugen, auch wenn zunächst der Anti-Piraterie-Spot und die drei Werbetrailer (The Omen, 28 Days Later und die Alien Quadrilogy) vorm Menü nerven. Gleich zwei Audiokommentare werden geboten. Der erste wird von Regisseur Alexandre Aja, Drehbuchschreiber Grégory Levasseur und der Produzentin Marianne Maddalena gesprochen und geht vor allem auf die Dreharbeiten des Films ein. Man erfährt etwas über die Drehort-Suche, die Drehbedingungen bei glühender Hitze und diverse Anekdoten vom Dreh. Der zweite Audiokommentar wird von Wes Craven und Peter Locke gesprochen, die beide als Produzenten an dem Film beteiligt waren und ja auch schon das Original zusammen drehten. Da Craven bei den Dreharbeiten in Marokko aufgrund der Post-Production seines eigenen Filmes Red Eye nicht dabei sein konnte, erzählt hauptsächlich Peter Locke von den Dreharbeiten dort, während Craven vor allem auf die Unterschiede zu seinem Film eingeht. Das 50-minütige Making-of "Surviving the Hills" droht zu Beginn erst eine dieser üblichen oberflächlichen Featurettes zu werden, bekommt dann aber noch die Kurve und geht vor allem auf die Entstehung bestimmter Schlüsselszenen und die Make-Up-Effekte ein. Abschließend gibt es noch ein Musikvideo, einen weiteren Trailer zu Im Fadenkreuz 2 und zwei kurze Teaser zu anderen 20th Century Fox Produktionen (nochmals The Omen und The Ringer). Seltsam ist nur, dass der Trailer zum Hauptfilm selbst nicht angeboten wird.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 01.11.2006

Leser-Kommentare

23.06.2007, 21:42:24 Christian Schulze

Habe mir jetzt auch mal die "unrated" angesehen (kannte bisher nur die Kinofassung). Na ja - in der alten Version sind zwar einige Schnitte drin. Die sind aber so mega-kurz, dass sie selbst dem geübten Zuschauer kaum auffallen. Da stellt sich natürlich auch die Frage, was eine solche Form von Zensur überhaupt bezwecken soll.

Besser wird der Streifen dadurch jedenfalls nicht. Noch schlimmer als die typisch amerikanischen heroischen Rache-Sequenzen (die die vorgeblich kritische Botschaft ja völlig auf den Kopf stellen): Die unerträglichen Kitsch-Einlagen (besonders schlimm: das Ende).

10.03.2007, 23:55:26 Gorehound

Im großen und ganzen kann ich dem Review durchaus zustimmen, denn auch ich finde, dass das Review gemessen am Original allein schon deshalb durchfällt, weil es weniger auf eine gerechte Charakterzeichnung und Atmosphäre setzt, sondern eher auf Effekte und Ekel.
Allerdings kann man die Anfangssequenz meines Erachtens auf keinen Fall als gelungen bezeichnen, da hier neben den Aufnahmen der Atombombentests ja immer diese Bilder von deformierten Föten etc. gezeigt werden, die dabei aber in einer derart besseren Qualität präsentiert werden, dass es wieder lächerlich wirkt. Hier sieht man ganz klar, dass auch diese Szenen Make-Up Effekte sind, die man mal eben eingestreut hat und die Stimmund somit komplett ruiniert!

08.02.2007, 08:51:50 Christian Schulze

Ein Remake der überflüssigen Sorte: Teils wird das Original 1:1 kopiert, fast schon wie in dem unsäglichen "Psycho"-Remake. Die Änderungen, die dann doch noch vorgenommen werden, etwa, dass die Tötung der Mutanten überaus heroisch dargestellt wird, sind vollkommen unpassend.

Das Original ist für mich alles andere als grottig, sondern ein zeitloses Meisterwerk, das nichts an Intensität verloren hat. Leider wurde es in der deutschen Fassung durch Schnitte und eine völlig irreführende Synchronisation (die auch in den DVD-Neuveröffentlichungen unverändert blieb) völlig verhunzt. Nachdem der Streifen nun vom Index gestrichen wurde, besteht aber die Hoffnung, dass man sich endlich die Mühe macht, den Film neu zu synchronisieren oder wenigstens korrekt zu untertiteln.

17.01.2007, 14:05:22 Marilyn ( Email schreiben )

Ich finde den Film einfach super!!
Aja hat einen perfekten Horror-Schocker der Extraklasse geschaffen der besser nicht sein könnte!!
Finde dieses Remake auch viel besser als das grottige Original!!
Die Schauspieler(ganz besonders Emilie de Ravin) überzeugen auf ganzer Linie,die Mutanten sind ebenfalls genial in Szene gesetzt,Spannung und Gemetztel ist auch als mehr anzutreffen.
Mir hat der Film ziemlich gut gefallen.
Für mich der beste Horrorfilm 2006!!

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann