Film Daten

Titel:
Opera
Originaltitel:
Opera
Land & Jahr:
Italien 1987
Laufzeit ca.: ?
107 Min.
Regie:
Dario Argento
Darsteller:
Cristina Marsillach
Ian Charleson
Urbano Barberini
Daria Nicolodi
Coralina Cataldi Tassoni
Antonella Vitale
William McNamara
Barbara Cupisti
Antonino Iuorio
Carola Stagnaro
Francesca Cassola
Maurizio Garrone
Cristina Giachino
György Gyõriványi
Bjorn Hammer
Alternativtitel:
• Im Zeichen des Raben
• Terror at the Opera
• Terror in der Oper
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Anchor Bay Entertainment
Label:
Anchor Bay Entertainment
Regionalcode / Norm:
0 / NTSC
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / k.A.
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Englisch - DD 5.1-EX
Englisch - DTS
Untertitel:
-
Extras:
  • 36-minütige Dokumentation "Conducting Dario Argento's Opera"
  • Daemonia Music Video
  • Biographie von Dario Argento
  • 2 Trailer
  • Soundtrack-CD (nur bei Limited Edition)

Opera

Review

Opera - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Als die Operndiva Cecova durch einen Verkehrsunfall verletzt wird, muss die junge Betty (Cristina Marsillach) für sie einspringen und zwar gleich in der Hauptrolle der Oper Macbeth. Trotz eigener Bedenken wird sie nach der Aufführung bejubelt. Leider wird der Abend durch einen herunterfallenden Scheinwerfer und einen Mord an einem Bediensteten überschattet. Die Ermittlungen führt Inspektor Alan Santini (Urbano Barberini), dem Betty aber auch nicht weiterhelfen kann. Sie verbringt die Nacht bei einem Freund. Dort wird sie von einem Unbekannten geknebelt und gefesselt und muss qualvoll mitansehen, wie ihr Freund brutal umgebracht wird. Denn der Mörder befestigt kleine Nadeln an ihren Augen, so kann sie nicht die Augen schließen ohne sich dabei erstnhaft zu verletzten. Nach seiner Tat löst der Killer aber die Fesseln und verschwindet. Völlig fertig flüchtet sie aus der Wohnung und wird kurze Zeit später von ihrem Regisseur Marc (Ian Charleson) auf der Strasse eingesammelt.

Opera - ScreenshotOpera - Screenshot

In der gleichen Nacht bricht ein Einbrecher in das Lager der Oper ein und beschädigt Bettys Kostüm, dass sie bei der Aufführung getragen hat. Gestört wird er dabei von energischen Raben, die ein Teil der Opernaufführung sind. Ein paar der Vögel tötet er, bevor er vor dem Nachtwächter verschwinden muss. Am nächsten Tag kann Santini keine weiteren Hinweise finden, auch der Rest der Opernbelegschaft kann ihm nicht weiterhelfen. Die Schneiderin Giulia (Coralina Cataldi Tassoni) will das Kleid wieder reparieren und findet dabei einen Anhänger, der dem Einbrecher gehört haben muss. Sie zeigt den Anhänger Betty, aber keine der beiden kann die mittlerweile stark verblasste Gravur genau lesen. Bevor die beiden überhaupt noch weiter nachforschen können, ist der Mörder wieder zur Stelle, fesselt erneut Betty und ermordet Giulia, nur wegen des Anhängers. Nachdem der Killer Betty wieder befreit hat, flüchtet die nach Hause. Dort wartet schon Santini auf sie und erzählt ihr, dass er ihr einen Polizisten zum persönlichen Schutz schicken wird.

Der kommt auch recht schnell vorbei, aber als ihre Agentin Mira (Daria Nicolodi) sie besucht und ihr erzählt, dass ihr unten im Haus eben jener Polizist Fragen gestellt hätte, sind sich beide nicht mehr sicher, welcher der beiden Polizisten nun echt ist. Mira stirbt schließlich einen schnellen Tod und der Polizist wird auch ermordet. Nur mit Hilfe des jungen Nachbarmädchens kann Betty vor dem Mörder flüchten. Sie bleibt in der Oper, wo Marc sich schon einen Plan ausgedacht hat um den Mörder zu identifizieren. Bei der nächsten Aufführung ist es dann soweit. Das Stück nimmt erst seinen ganz normalen Verlauf, bis Marcs Plan einsetzt, für heftigen Tumult in der Oper sorgt, aber doch funktioniert und der Mörder eindeutig identifiziert wird...

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Dario Argento war stets von Phantom der Oper fasziniert gewesen und verarbeitete in Opera einen Teil dieser Faszination. Erst 1998 drehte er seine eigene Version des Klassikers. Die ursprüngliche Idee bekam er durch Vorbereitungen für eine richtige Operninszenierung von Rigoletto, was aber nie über ein Planungsstadium hinausging. Opera stellt allerdings in Argentos Karriere ein besonders schweres Projekt dar, was ihn physisch wie psychisch stark beanspruchte und von vielen negativen Ereignissen begleitet war. Kurz vor Drehbeginn sagte die für die Rolle der Diva Cecova besetzte Vanessa Redgrave ab (deswegen ist die Diva selber im Film auch nicht zu sehen), seine Beziehung zu Daria Nicolodi brach endgültige auseinander, Hauptdarsteller Ian Charleson fiel wegen eines Unfalls mehrere Wochen aus und obendrein starb auch noch sein Vater während der Dreharbeiten. Zudem war der Film nicht mal sonderlich erfolgreich, auch nicht in Italien, wo der Film nach ein paar Wochen noch auf eine 14er-Freigabe heruntergekürzt wurde um noch ein bißchen was zu retten, was aber auch nicht funktionierte. Das bewegte ihn dann dazu, die nächsten Projekte in Amerika in Angriff zu nehmen. In der Zeit entstanden seine Episode für Two Evil Eyes und sein Thriller Aura (Trauma).

Nach seinem Ausflug Richtung Mystery mit Phenomena und seiner Produktionsarbeit für Lamberto Bavas Splatterwerke Demons und Demons 2 kehrte er mit Opera zum Giallo-Genre zurück. Und wie! Argentos Thriller waren ja schon immer etwas ausgefallener was die Tötungsdelikte anging, "normal" wurde ja selten mal jemand umgebracht. In Opera treibt er seine Ideen fast auf die Spitze, was sich in der schnittechnisch geschickten Ermordung Miras gipfelt. Die schielt durch einen Türspion auf den Flur, wo jemand sich als Polizist ausgibt, ihr auch die Waffe zeigt, dann aber den Lauf genau vor den Spion hält und abdrückt. Dabei wurde der Flug der Kugel durch den Spion festgehalten, die schließlich Mira genau trifft und beim Austritt noch das Telefon neben Betty zerstört. Ich möchte jetzt wahrlich keine Gewaltgeilheit an den Tag legen, sowas liegt mir absolut fern, aber diese Sequenz zeugt von einem großen handwerklichen Geschick von Regisseur, Kameramann und Cutter. Die Szene dürfte sicherlich einzigartig in der Kinogeschichte sein. Nur Daria Nicolodi bereitete sie schlaflose Nächte, als sie herausfand, dass Argento und seine Special-Effects Leute mit kleinen Sprengladungen an ihrem Kopf arbeiten wollten.

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Vor allem Kameramann Ronnie Taylor ist es zu verdanken, dass der Film einige wunderbare Einstellungen vorzuweisen hat. Lange Kamerafahrten, mehrere Blickwinkel aus Sicht einer Person inklusive entsprechender Bewegungen etc. Und bei dem Flug eines Raben durch die Oper hat er sich selbst übertroffen, die Kamera bewegt sich spiralförmig von der Decke langsam nach unten und rast knapp über die Köpfe der Besucher in ihren Sitzen hinweg. Nur ein kleiner Patzer ist dem Team passiert, denn bei einer Kamerafahrt durch den Arbeitsraum Giulias kann man einmal sehr deutlich das Team und den Kamerawagen in einem Spiegel sehen. Der Soundtrack des Films wurde von mehreren Personen komponiert. Neben einige New Age Stücken von Brian Eno steuerte Claudio Simonetti, ein Mitglied der Band Goblin, die Argentos Meisterwerk Suspiria und weitere Filme von ihm vertont haben, ein paar Stücke bei. Daneben hat Argento, nachdem er es in Phenomena schon nicht lassen konnte, auch noch ein paar Metalsongs eingestreut, die nicht so ganz zu dem Geschehen passen wollen. Sie wirken ein wenig fehlplaziert, auch wenn sie in den brutalsten Momenten des Films erklingen.

Leider kann der Film in handlungstechnischer Hinsicht nicht voll überzeugen. Irgendwie ist die Story nicht ganz ausgereift und hat ein-zwei Längen, auch wenn Argento hier wieder mit seinem beliebten Motiv eines Kindheitstraumata arbeitet. Zum Beispiel ist der Dialog zwischen Betty und Marc im Auto, wo sie sich unter anderem über das Sexualleben von Schauspielern unterhalten, eigentlich völlig unwichtig für den weiteren Verlauf des Films und stoppt lediglich für einen Moment das Geschehen auf dem Bildschirm. Dabei sieht Argento in Opera Allegorien auf die AIDS-Thematik. Denn im ganzen Film bekommt man keine Liebesszene zu sehen, Betty findet keine Freude am Sex und in Flashbacks zu Kindheitserinnerungen sieht man eine Frau sexuelle Lust am Tode anderer empfinden. Ian Charleson offenbarte Argento am Schluss der Dreharbeiten, dass er HIV-positiv sei und starb 1990 an AIDS.

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Auch ist das Ende in einer schweizer Alpenregion meiner Meinung nach ein wenig verunglückt und passt nicht in den Gesamtkontext des Films. Aber Argento wollte unbedingt den Film so enden lassen, bestand damals beinhart darauf, nachdem schon sehr viele Ideen des ursprünglichen Skriptes nicht benutzt wurden. Anfangs sollte Betty auch über übersinnliche Fähigkeiten verfügen und so den Killer beeinflussen können. Somit hätte das ursprüngliche Ende noch einen Schlüsselpunkt gehabt, denn Betty sollte versuchen den Killer vor seiner letzten Tat mit ihrem Gesang daran zu hindern, was wegen des Rauschens nahegelegener Wasserfälle nicht geglückt wäre. Da die übersinnlichen Komponenten aber komplett gelöscht wurden, war ein Ende in der Schweiz nicht unbedingt erforderlich. Aber Argento liess sich auch nicht von Drehbuch Co-Autor Franco Ferrini und Daria Nicolodi davon abbringen. Nicolodi meinte dazu: "The movie was good, but I didn't like the ending - and I still don't. I think it could have stopped before the Swiss nonsense." Laut Ferrini wäre der Film in der ursprünglichen Skriptfassung zweieinhalb Stunden lang gewesen. Trotz der Kürzungen ist Argento noch ein handwerklich überragender Giallo geglückt, der immer noch besser ist als viele andere Produktionen aus der Zeit. Zum Teil verarbeitet er in der Figur des Regisseurs Marc autobiografische Züge, da es sich bei dem um einen Horrorfilmregisseur handelt, der eine Oper inszeniert.

Wie schon gesagt, bedeutete Opera das Ende der Zusammenarbeit zwischen Dario Argento und Daria Nicolodi, Nicolodi trat danach in keinem von Argentos weiteren Filmen mehr auf. Mit Hauptdarstellerin Cristina Marsillach hatte er so seine Probleme. Zwar war er froh, dass er in der gebürtigen Spanierin eine geeignete Schauspielerin für die Rolle gefunden hatte, allerdings stellte sich die Zusammenarbeit mit ihr als recht schwierig heraus. Sie erwies sich als launisch und folgte nicht immer seinen Anweisungen. Urbano Barberini liess sich in Demons von Dämonen auseinandernehmen und war auch in der Argento-Episode von Two Evil Eyes dabei. Heutzutage tritt er eher in TV-Produktionen auf. Coralina Cataldi Tassoni ist den meisten wohl als nervige Sally aus Demons 2 bekannt. Sie hatte danach noch diverse Rollen, unter anderem in Evil Clutch (Il Bosco), bis sie dann 1998 wieder mit Argento bei Phantom of the Opera zusammenarbeitete. Ian Charleson war Argento wegen seiner Rollen in Chariots of Fire und Ghandi bekannt. Als Regieassistent fungierte wieder Michele Soavi, der hier auch eine kleine Rolle als Daniele Soavi hat, der Polizist der Betty bewachen soll, aber auch ein Opfer des verrückten Mörders wird. Ronnie Taylor, der schon an größeren Produktionen wie Tommy, Ghandi oder A Chorus Line beteiligt war, führte für Argento auch in seinen letzten Werken Phantom of the Opera (Il Fantasma dell'Opera) und Nonhosonno die Kamera.

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Ganz ihrer bisherigen Linie treu, haben die Leute von Anchor Bay den Film wunderbar restauriert und auf DVD gebannt und zwar in seiner ungekürzten Fassung. Die Qualität nicht ganz so genial wie bei Suspiria, aber dennoch über alle Zweifel erhaben. Das Bild liegt im original Bildformat vor, ist anamorph codiert für Breitbild-Fernseher und abgesehen von etwas Kompressionsrauschen und minimalen Defekten absolut störungsfrei. Der Ton wurde ebenfalls gewaltig aufgeblasen und liegt in den Formaten Dolby Digital Surround EX, Dolby Digital 2.0 und DTS vor. Italienischen Originalton und Untertitel gibt es aber leider gar nicht. Bei den Extras sticht mal wieder eine recht interessante Dokumentation hervor, die extra für die DVD produziert wurde.

Opera - ScreenshotOpera - Screenshot
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"Conducting Dario Argento's Opera" beinhaltet zum größten Teil Interviews mit Argento, Nicolodi, Ronnie Taylor, Sergio Stivaletti, Claudio Simonetti und Urbano Barberini, der sehr sympathisch rüberkommt. Aber daneben gibt es auch ein paar interessante Aufnahmen von den Dreharbeiten. So sieht man z. B. wie der Flug der Pistolenkugel durch den Türspion realisiert wurde und diverse Makeup-Arbeiten an den "Opfern". Außerdem auch die Konstruktion, mit derer der imposante Rabenflug durch die Oper überhaupt möglich gemacht wurde. Daneben gibt es noch zwei Trailer, ein weiteres von Simonetti produziertes Musikvideo zu Titelstück und die gleiche Biographie von Argento, die auch schon auf der Suspiria DVD zu finden war. Der Limited Edition, von denen in den USA 30.000 und in Kanada 3.000 Stück produziert wurden, liegt außerdem noch eine CD mit dem Soundtrack bei.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 05.03.2002

Leser-Kommentare

14.04.2005, 04:49:37 emunio deodato ( Email schreiben )

Der Film ist ein wahres Kunstwerk von hervorragender Bedeutung für alle Nachfolgenden Giallo und Horrorfilme.
Ein Muß für jeden Liebhaber des etwas anderen Films.
Stilsicher und mit Meisterhand gedreht. Perfekt bis ins kleinste Detail, wie ein Strom von Silberwein windet sich dieses Kunstwerk durch dein Gehirn und wandelt sich dort in Schrecken und Lust am zuschauen.
10 Punkte von 10 , Besser geht es nicht mehr !

09.02.2004, 21:53:53 dario666

ich fand den film damals sehr beeindruckend. vor allem was die türspion-szene (einfach nur genial) als auch die typische argento atmosphäre angeht. würde ihn gerne mal wieder sehen.

29.11.2002, 15:02:47 CADE FOSTER

Der Film ist eher langweilig als spannend.Die Stpry ist etwas Plump.Der Film ist kein Horror.Die Kamera ist wie beim Homevideo.Typisch Dario Argento.Punkte 1 von 10

29.11.2002, 15:00:44 FARM

GUTER THRILLER.DIE MUSIK IM FILM IST PASSEND.DIE SPLATTEREFFEKTE GUT UND REICHLICH.DER FILM IST MEHR EIN THRILLER ALS EIN HORRORFILM.DIE RABEN HABEN IN DER HANDLUNG WENIG ZU TUN

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