Film Daten

Titel:
The Card Player
Originaltitel:
Cartaio, Il
Land & Jahr:
Italien 2003
Laufzeit ca.: ?
103 Min.
Regie:
Dario Argento
Darsteller:
Stefania Rocca
Liam Cunningham
Silvio Muccino
Adalberto Maria Merli
Claudio Santamaria
Fiore Argento
Cosimo Fusco
Mia Benedetta
Giovanni Visentin
Claudio Mazzenga
Conchita Puglisi
Micaela Pignatelli
Luis Molteni
Carlo Giuseppe Gabardini
Alessandro Mistichelli
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Koch Media
Label:
Koch Media
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 99:17
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 5.1
Deutsch - DTS
Deutsch - Dolby Surround
Englisch - DD 5.1
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Filmographien
  • Slideshow
  • Trailer
  • International Promo
  • Behind-the-Scenes
  • Trailer: Blessed / Wake of Death / The Process

The Card Player

Review

The Card Player - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Ein auf den Namen "Card Player" getaufter Verbrecher verunsichert Rom. Er entführt junge Frauen um in einem Online-Pokerspiel mit der Polizei über ihr Schicksal zu entscheiden. Gewinnt er, werden sie vor laufender WebCam getötet, gewinnt die Polizei läßt er die narkotisierten Opfer irgendwo in der Stadt wieder frei. Um das Leben der Opfer zu retten holen die ermittelnden Beamten Anna Mari (Stefania Rocca) und John Brennan (Liam Cunningham) den Pokerprofi Remo (Silvio Muccino) hinzu, der tatsächlich ein glückliches Pokerhändchen besitzt und eines der Mädchen retten kann. Aber auch er schwebt kurze Zeit später in höchster Lebengefahr...

The Card Player - ScreenshotThe Card Player - Screenshot

Nach seiner Rückkehr ins klassische Giallo-Kino mit Nonhosonno durfte man wieder einmal mehr auf den neusten Film von Dario Argento gespannt sein. Auch wenn Nonhosonno nicht ganz an die Qualität der früheren Argento-Klassiker aufschließen konnte, so sorgten aber doch die Kameraführung und die Musik von Goblin für ein gewisses Heimatgefühl beim Zuschauer. Der Film bot nichts wirklich neues, aber so bewies er doch, dass man klassisches Giallo-Kino auch heute noch produzieren kann. Das The Card Player eine etwas andere Richtung einschlägt, war schon vorher bekannt und demzufolge erwartete man auch nicht unbedingt eine Art "Nonhosonno 2" geschweige denn eine Rückkehr zu alten Stärken. Das aber der Film fast auf ganzer Linie versagt stimmt doch mehr als traurig. War Nonhosonno gar nur ein kurzes Aufbäumen eines Regietalents, das mit Filmen wie The Bird with the Crystal Plumage oder Deep Red wahre Klassiker des Genres schuf, aber seine besten Zeiten nun hinter sich hat, oder liegen die Erwartungen einfach so hoch, dass diese gar nicht mehr erfüllt werden können?

Etwas befremdlich wirkt schon der Vorspann. Zwar zeichnet sich Goblin-Mitglied Claudio Simonetti für den Soundtrack verantwortlich, aber das man mit austauschbarer und auch etwas aufdringlich wirkender Techno-Musik begrüßt wird, wirkt doch sehr ungewohnt und läßt Atmosphäre kaum aufkommen. Was folgt ist die Vorstellung der wichtigsten Charaktere, darunter Anna Mari, und dann auch gleich das erste verhängnisvolle Pokerspiel. Kurz darauf wird dann auf Holzhammer-Art noch John Brennan eingeführt, ein Interpol-Beamter der britischen Botschaft. In einem Nebensatz erfährt man, dass es aufgrund irgendwelcher Vorschriften verlangt wird, dass er zu den Ermittlungen hinzugezogen wird, aber trotzdem erscheint es doch etwas seltsam, dass ein britischer Polizist sich in einen Fall der italienischen Polizei einzumischen hat.

The Card Player - ScreenshotThe Card Player - Screenshot

Diese abrupte Art der Charakterdarstellung zieht sich durch den ganzen Film. Personen werden eingeführt, aber meistens kaum weiter beachtet oder verschwinden schon kurze Zeit später wieder aus dem Geschehen. Nur Anna wird etwas ausführlicher dargestellt. Man merkt, dass sie eine Frau ist, die zwar gewissenhaft ihren Job erledigt, aber im privaten so ihre Probleme hat sich Menschen anzunähern und lebt relativ einsam. Im Laufe der Zeit erfährt man dann, dass dieser Fall für sie eine besondere Relevanz besitzt, da sich ihr Vater als Alkoholiker und notorischer Glücksspieler irgendwann das Leben nahm, als er für sich keinen Ausweg sah. Die Pokerspiele bringen ihr diese Erinnerungen zurück und mit dem Fall bereitet sie einen Teil ihrer eigenen Vergangenheit auf.

Auffällig ist bei The Card Player allerdings die sehr nüchterne, ja fast schon kalte Atmosphäre, die den Film durchzieht. Nur selten dringen mal warme Farbtöne durch und selbst die aufkeimende Zuneigung zwischen Anna und John wird sehr unterkühlt und mit wenig Emotionen dargestellt. Der Alltag eines Polizisten ist natürlich keine Hochglanzroutine, wie es uns unzählige Filme und Serien gerne weismachen wollen, aber irgendwie will in The Card Player der Funke nicht so wirklich auf den Zuschauer überspringen. Man fühlt sich ein wenig auf Distanz gehalten und der Film braucht relativ lange, bis sich mal etwas Spannung einstellt.

The Card Player - ScreenshotThe Card Player - Screenshot

Was aber nicht heißen soll, dass The Card Player durchweg schlecht sei, das stimmt nun auch wieder nicht. Die besten Momente hat der Film, wenn auf eine Person alleine fokussiert wird, dann schimmert sowas wie der "typische Argento" durch. Die Sequenz in Annas Wohnung, als sie von dem Mörder beobachtet wird, Remos Jagd nach dem gutaussehenden Mädchen bzw. seine spätere Flucht oder Johns Besuch eines bestimmten Ortes sind es, die dem Film seine spannungsgeladensten Momente liefern. Gerade letztgenanntes weiß durch eine schöne Kameraarbeit, Optik und einen netten Überraschungseffekt am besten zu gefallen und bringt dem Zuschauer etwas, was an Argentos frühere Arbeiten erinnert. Auch wirkt das Leiden der Opfer, deren Geschrei man nur über die PC-Lautsprecher des Polizeicomputer hört, sehr verstörend, gerade weil sie sich außerhalb jeglicher Zugriffsmöglichkeit der Polizei befinden und die tatenlos zuschauen müssen.

Zwar sollte man einem Regisseur durchaus zusprechen, auch mal was ganz neues auszuprobieren, aber im Falle von The Card Player wirkt dies leider ein wenig unausgereift. Die schauspielerischen Leistungen kann man zwar als halbwegs passabel bezeichnen, aber wirklich begeisterungsfähig sind die Darsteller leider auch nicht. Wären es nur einzelne Elemente, könnte man den Film sicherlich etwas besser bewerten, aber hier fließen gleich mehrere Faktoren negativ ein. Das Storyelement von mörderischen Taten, die irgendwie übers Internet ablaufen, wirkt immer noch nicht sehr glaubwürdig und akurat umgesetzt, die Handlung weist einige wirklich böse logische Lücken auf, bis auf Anna werden die Charaktere nur sehr oberflächlich dargestellt und Simonettis Musik passt fast nie wirklich zum Film und zerstört eher Atmosphäre als das sie aufgebaut wird. Und der Film macht einen wirklich fatalen Fehler, indem er den Zuschauer bereits früh auf die mögliche wahre Identität des Mörders hinweißt. Zwar nur durch eher sekundäre Szenen, aber die reichen bereits aus um am Ende nicht wirklich überrascht zu sein. Die Motive des Mörders wirken dann auch eher hahnebüchen und stellen keine allzu glaubwürdige Rechtfertigung für seine Taten dar. In zwei Szenen fühlt man sich obendrein auch noch an den Thriller Silence of the Lambs (Das Schweigen der Lämmer) erinnert, etwas das es in Argentos Oeuvre bislang noch nie gab, galten seine Filme eigentlich immer als relativ eigenständig.

The Card Player - ScreenshotThe Card Player - Screenshot

Somit bleibt leider ein ziemlich unbefriedigender und - für Argento-Verhältnisse - erschreckend konventioneller Film übrig, von Argentos Regiearbeiten vielleicht sogar sein schwächster Film bislang. Er hat sicherlich seine interessanten Seiten, aber im Ganzen gesehen können diese positiven Aspekte die negativen leider nicht überdecken. Es bleibt abzuwarten, wie es mit Argento weitergehen wird.

Vielleicht hat es etwas damit zu tun, wie The Card Player überhaupt zur Produktion kam. Nach dem Erfolg in Italien und der weltweiten DVD-Vermarktung von Nonhosonno wollte Dario Argento einen Film namens "Occhiali Neri / Dark Glasses" machen, der in bestimmten Elementen an eine abgewandelte Form seines The Cat O' Nine Tails (Die neunschwänzige Katze) erinnert. Für diesen Film, der in Co-Produktion mit Produzenten in Hongkong entstehen sollte, war Argento bereits mit dem Casting beschäftigt, als die heimische Produktionsfirma pleite ging und einer der Besitzer wegen Drogenbesitzes verhaftet wurde. Um noch von dem Erfolg von Nonhosonno profitieren zu können, musste also schnellstens ein neues Filmprojekt gefunden werden. In der Sammlung nicht fertiggestellter Drehbücher fand man dann "Al Buio / In the Dark", das grob an Argentos Stendhal Syndrome anknüpfen, Asia Argentos Charakter Anna Manni beinhalten und in Venedig spielen sollte. Asia Argento war ebenfalls wieder für die Hauptrolle vorgesehen, stieg dann aber relativ schnell wieder aus, da sie zu der Zeit in Hollywood Fuß fasste. Somit wurde aus Anna Manni eben Anna Mari und der Schauplatz nach Rom verlagert, weil es die Produktionskosten senkte. Beeinflußt wurde das Drehbuch auch noch von Fritz Langs Stummfilm Dr. Mabuse, der Spieler, ein Lieblingsfilm von Dario Argento und einer der ersten Filme in denen ein Filmbösewicht die Kontrolle über seine Opfer erlangte und sie zum fatalistischen Glücksspiel trieb.

The Card Player - ScreenshotThe Card Player - Screenshot

Mit einem Budget von gerade mal 2 Millionen Euro begannen die Dreharbeiten im März 2003, wurden wegen der Ferien im April für zwei Wochen unterbrochen und endeten schließlich Anfang Mai. Als Schauspieler kam auch die nähere Verwandtschaft zum Einsatz. Argentos ältere Tochter Fiore, die bereits früher mal in Nebenrollen in Argentos Filmen auftauchte, spielt die Tochter des Polizeichefs und Nilo Argento, Sohn von Dario Argentos Bruder Claudia, hat ebenfalls eine kleine Rolle bekommen. Als Kameramann wollte Argento ursprünglich Pin Bing Lee haben, der an Wong Kar Wais exzellentem Fa yeung nin wa (In the Mood for Love) mitgearbeitet hatte, aber da der aus Zeitmangel nicht teilnehmen konnte, fand man Ersatz in Irreversible-Kameramann Benoît Debie.

Stefania Rocca begann Mitte der 1990er Jahre mit Nebenrollen in diversen italienischen Kriminalfilm-Produktionen wie Poliziotti (Cops) oder Palermo Milano solo andata (Palermo Milano - Flucht vor der Mafia) mit ihrer Schauspielkarriere. 1997 sah man sie neben Christopher Lambert in Nirvana - Jagd im Cyberspace, internationaler trat sie in The Talented Mr. Ripley (Der talentierte Mr. Ripley) oder Tom Twykers Heaven auf. Liam Cunningham dürfte den meisten zuerst in First Knight (Der erste Ritter) über den Weg gelaufen sein, später sah man ihn unter anderem in Filmen wie z.B. Dog Soldiers. Adalberto Maria Merli, der hier den Polizeichef spielt, ist dagegen ein alter Hase im italienischen Filmgeschäft und war schon in Werken wie Piedone lo sbirro (Sie nannten ihn Plattfuß) oder den Belmondo-Kracher Peur sur la ville (Angst über der Stadt) zu sehen gewesen.

The Card Player - ScreenshotThe Card Player - Screenshot

Was die DVD-Veröffentlichungen des Films in Deutschland angeht, so wurde für einige Verwirrung gesorgt. Als Verleih-DVD kam der Film von Starmedia heraus. Angekündigt wurde diese DVD mit einer KJ-Freigabe, kam aber letztendlich doch mit einer FSK-16 Bewertung ungekürzt heraus. Bei der ersten Kauf-DVD kam dann ein Label namens NEW ins Spiel, die den Film ungeprüft als "Special Uncut Edition" herausbrachten, wobei diese Version keine Sekunde länger ist als die normale FSK-16 Fassung. Wahrscheinlich wollte man so gezielter das Börsen- und Splatterpublikum ansprechen, das sich aber wohl etwas veräppelt vorgekommen sein dürfte. Von diesem Label gibt es obendrein noch eine auf angeblich 777 Stück limitierte Edition in einer Holzkiste mit überflüssigen Beigaben wie ein Kartenspiel und ein T-Shirt. Die preisgünstigste und wohl sicherlich auch am einfachsten zu beschaffende DVD ist aber von Koch Media herausgebracht worden. Da die technischen Daten, Extras und Bild-/Tonqualität bei allen Veröffentlichungen gleich sind, beschränken wir uns auch hier auf die letztgenannte DVD von Koch Media, da die anderen DVDs eher als typische Stilblüten deutscher Independentlabel-Veröffentlichungspolitik anzusehen sind.

Die DVD kann zunächst durch ein Bild mit hervorragender Schärfe und Kontrast begeistern. Manche Major-DVDs neuerer Filme sehen da teilweise schlechter aus. In dunklen Szenen hat man zwar manchmal Probleme Details zu erkennen, dies ist aber eher in der von Kameramann Benoît Debie gewählten Art der Szenenbeleuchtung begründet. Ansonsten fallen weder Verschmutzungen oder Defekte am Master, noch kompressionsbedingte Mängel auf. An Tonspuren wird dem Zuschauer eine ganze Reihe geboten. Neben dem englischen Originalton (der Film wurde gleich in Englisch produziert) in Dolby Digital 5.1 und Dolby 2.0 Stereo gibt es auch eine deutsche Synchronisation in DTS, Dolby Digital 5.1 und Dolby Surround. An die Surround-Abmischungen sollte man allerdings keine all zu hohen Erwartungen stellen. Das meiste passiert im vorderen Bereich und wenn, werden die hinteren Lautsprecher meist nur für die Musik genutzt. Nur ganz selten erlebt man es mal, dass sich ein Effekt räumlich bewegt. Tontechnisch stand hier also eher Zweckmäßigkeit im Vordergrund, da der Film ohnehin nur selten mal das Tempo anzieht.

The Card Player - ScreenshotThe Card Player - Screenshot

Die Extras sind allerdings leider nicht sehr reichhaltig. Die Behind-the-Scenes Featurette verplempert über die Hälfte ihrer fast 12-minütigen Laufzeit mit der Wiedergabe der kompletten Sequenz in Annas Haus, wo sie von dem Card Player überfallen wird. Erst danach geht es mit dem eigentlichen Beitrag los, der aber außer ein paar oberflächlichen Interviewaussagen von Dario Argento und Stefania Rocca und ein paar Einblicken in die Dreharbeiten nicht viel zu bieten hat. Die "International Promo" (8:50 Min.) ist da leider auch nicht viel besser, da es sich hier um ein reines Werbeprodukt handelt, das ohne weitere weitere Erklärungen Aufnahmen von den Dreharbeiten zeigt und dies mit Musik aus The Card Player und früheren Argento-Filmen unterlegt. Ansonsten gibt es noch den Trailer mit englischer und deutscher Tonspur, eine selbstablaufende Bildergalerie, die allerdings nur Szenen aus dem Film bietet und Bio-/Filmographien zu Dario Argento, Stefania Rocca, Liam Cunningham, Claudio Santamaria und Fiore Argento.

Quellennachweis

Alan Jones: Profondo Argento - The Man, the Myths & the Magic

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 24.10.2005
Letzte Textänderung: 25.10.2005

Leser-Kommentare

24.03.2007, 20:42:57 knobi ( Email schreiben Homepage )

Um es kurz zu machen.Gut gelungenes Filmchen,der aber sicher nicht mehr an seinen Erfolgen von früher anknöpfen wird.Kann man getrost irgendwann mal in der nachtglotze zeigen.

10.11.2005, 19:23:28 jyunin

Ich muss für den Film jetzt mal in die Bresche springen, denn die Massen an vernichtenden Kritiken kann ich echt nicht mehr nachvollziehen. Er ist sicher nicht Argentos bester, aber auch nicht sein schlechtester Film. Wenig originell, aber spannend inszeniert. Die üblichen Argento-Kamera-Kinkerlizchen sind in einem Fall auch mal entbehrlich. Bezüglich Musik kann ich dem Carsten auch nicht wirklich recht geben. Es ist bekannt dass Carstens Geschmack in eine andere Richtung geht, aber nervender Techno ist Simonettis Musik sicher nicht. Nervenden Techno hört man in der Disco, die Klänge hier sind da schon um einiges hörbarer. Wobei ich zugeben muss, dass ich Argento auch hierfür keinen Originellheits-Preis geben würde.

Alles in allem, nicht das Desaster von dem jeder spricht, auf jeden Fall besser als "Phantom der Oper" oder "Cat O'Nine Tales" (Sorry, aber so gelangweilt hab ich mich schon lange nicht mehr bei einem Film), aber natürlich auch kein Meisterstück.

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