Film Daten

Titel:
Suspiria
Originaltitel:
Suspiria
Land & Jahr:
Italien 1977
Laufzeit ca.: ?
98 Min.
Regie:
Dario Argento
Darsteller:
Jessica Harper
Stefania Casini
Flavio Bucci
Miguel Bosé
Barbara Magnolfi
Susanna Javicoli
Eva Axén
Rudolf Schündler
Udo Kier
Alida Valli
Joan Bennett
Margherita Horowitz
Jacopo Mariani
Fulvio Mingozzi
Franca Scagnetti
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Anchor Bay Entertainment
Label:
Anchor Bay Entertainment
Regionalcode / Norm:
0 / NTSC
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / k.A.
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Englisch - DD 5.1-EX
Englisch - DTS
Italienisch - DD 2.0
Französisch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Daemonia Music Video
  • Poster- und Fotogallerie
  • Biographien von Dario Argento, Daria Nicolodi und Jessica Harper
  • 2 Trailer
  • TV Spot
  • 3 Radio Spots
  • 52-minütige Dokumentation "Suspiria 25th Anniversary"(nur bei Limited Edition)
  • Soundtrack-CD (nur bei Limited Edition)
  • 32-seitiges Booklet (nur bei Limited Edition)
  • 9 Lobbycards (nur bei Limited Edition)

Suspiria

Review

Suspiria - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Susy Banyon (Jessica Harper), eine junge Amerikanerin, reist nach Freiburg um dort eine angesehene Tanzakademie zu besuchen. Schon bei ihrer Ankunft geschehen seltsame Ereignisse. Bei der offiziellen Begrüßung an ihrem ersten Tag erfährt sie, dass eine Schülerin in der Nacht zuvor ermordet wurde. Trotzdem geht der Unterricht an der Schule weiter. Tage später, beim Ballettunterricht, bricht Susy plötzlich mit einem Kreislaufkollaps zusammen. Am Abend geschieht dann unglaubliches, als die Decken der Studentenzimmer plötzlich übersät sind mit Maden, die vom Dachboden kommen. Auch an den Tagen darauf häufen sich mysteriöse Dinge und es sterben noch mehr Schülerinnen. Schließlich erfährt Suzy, dass das Schulgebäude früher die Heimat einer mächtigen Hexe war...

Suspiria - ScreenshotSuspiria - Screenshot

Mit Suspiria erschuf Dario Argento eine recht eigenartige, aber auch einzigartige Mischung aus Horrorfilm und Kunstkino. Jedes Zimmer, jeder Flur der Tanzakademie wirkt wie ein genau ausgearbeitetes Gemälde. Die Architektur, zusammen mit der ausgefeilten Beleuchtung, bildet eine ganz eigenwillige Umgebung für die Ereignisse. Manche Räume sind mit Motiven verziert, die aus der Hand von Escher hätten stammen können (passenderweise sitzt die Schule in der "Escherstrasse") und mit Hilfe einer damals gerade auslaufenden Technicolor-Technik bekommt jedes Element in einer Szene einen ganz eigenen Charakter. Zudem sind Gebäude und Räume in einem makellosen Zustand, kein sichtbarer Schaden beeinträchtigt den Blick des Betrachters. Nur der als Stauraum genutzt Dachboden wirkt "normal", stellt aber bei genauerer Betrachtung das marode Innere in der äußerlich makellosen Schale dar. In diese ohnehin schon unwirkliche Welt wird Susy, die gar nicht so recht weiß, was eigentlich passiert, in einen Strudel um Mord und Mysterien gestoßen.

Um diese Atmosphäre des Ungewissen zu schaffen bedarf es ja nicht nur guter Kulissen, sondern auch entsprechende Charaktere. Die Lehrerinnen, allen voran Miss Tanner (eine grandiose Leistung von Alida Valli), führen mit strenger Hand die Institution. Madame Blanc ist stets darum besorgt, dass nichts den Ruf der Akademie schmälert und alles seinen geregelten Gang geht. Deswegen fühlt sie sich schon fast beleidigt, als Susy lieber in Olgas Wohnung bleiben will, als ein Zimmer in der Akademie zu nutzen. An der Oberfläche wirkt alles recht normal, aber bei genauerer Betrachtung fallen dem Zuschauer doch einige Dinge auf. Der Neffe von Madame Blanc ist ein kleiner Junge, der ungewöhnlich ernst wirkt, man sieht ihn nirgendwo spielen, wie es sonst bei Kindern in seinem Alter der Fall ist. Die Küchenhilfe ist eine wortkarge Person, der Hausdiener sogar stumm, bekommt aber alles genau mit, was um ihn herum passiert. Susy wirkt da schon fast wie ein Fremdkörper. Sie ist ein wenig schüchtern, fällt kaum auf und kann mit ihren Mitschülerinnen zuerst nicht viel anfangen, da die sich mit sehr weltlichen und oberflächlichen Dingen befassen. Trotzdem wird sie mit Geschehnissen konfrontiert, die sie nicht zu deuten vermag, aber auch nicht davon abschrecken läßt.

Suspiria - ScreenshotSuspiria - Screenshot

Auch wenn Susy sich ihrer Situation zuerst überhaupt nicht bewußt ist, scheint sich hinter der zarten Person doch mehr zu befinden, als es zuerst den Anschein hat... ... mehr zum Film (Spoiler!) ...

Neben den übernatürlichen Elementen bleibt auch noch ein wenig Platz für die grausigen Morde an den Studentinnen, die in ihrer deutlichen Darstellung nicht jedermanns Sache sein dürften. Suspiria aber deswegen als Splatterfilm zu bezeichnen wäre doch sehr weit ausgeholt, denn der Schwerpunkt liegt eindeutig nicht auf einer Aneinanderreihung von Bluteffekten. Zwar ist manchen der Film stellenweise etwas langweilig, ich dagen schätze aber gerade die ruhige Weise, mit der die Geschehnisse sich langsam, aber bedrohlich aufbauen. Denn vor allem in der zweiten Hälfte kommen ein paar surreale Elemente ins Spiel, die zusammen mit dem Soundtrack den Film für immer ins Gedächtnis brennen. Es handelt sich auch um einen dieser Filme, die man mit einmal anschauen nicht verdauen kann, ein wiederholtes Ansehen ist empfehlenswert, damit man mehr auf Details achten kann, die sonst nicht unbedingt auffallen.

Suspiria - ScreenshotSuspiria - Screenshot

Suspiria wird von vielen Fans als Argentos Meisterwerk angesehen. Durchaus verständlich, denn im audiovisuellen Bereich wird dem Zuschauer einiges geboten, auch wenn Argento mit einigen Sehgewohnheiten bricht. So z. B. in der Szene, als Sarah bei Susy am Bett sitzt und bemerkt, dass sich jemand auf dem Flur nähert. Die Kamera (meisterlich geführt von Luciano Tivoli), hinter Sarah platziert, schwenkt hoch, bis die brennende Glühlampe an der Decke direkt im Bild zu sehen ist. Sarah schaltet das Licht aus und der Raum wird in ein dunkles Grün gehüllt, man sieht die Szene jetzt halb normal, halb durch das Glas der Glühbirne. Der Einsatz von Farben ist hier den Leistungen eines Mario Bava ebenbürtig, der im danach folgenden Film Inferno für die Ausleuchtung zuständig war. Als Inspiration nennt Argento hier Schneewittche und die Sieben Zwerge in der Walt Disney Version, dessen Gebrauch von Farben ihn sehr beeindruckt hat, und auch Filme des deutsche Expressionismus. Argento und sein Kameramann machten sich eine Technik von Technicolor zunutze, die gerade kurz vor Beginn der Dreharbeiten als veraltet angesehen und somit nicht mehr verkauft wurde. Die beiden musste geradezu betteln, um noch eine der Maschinen zu bekommen. Für Kameramann Tovoli war der Film eine gute Gelegenheit intensiv mit verschiedenen Techniken und Filtern zu experimentieren. Der markante Soundtrack der Progressiv-Band Goblin tut sein übriges um die Atmosphäre des Films noch weiter zu verdichten, Argento selber komponierte die ersten Stücke und versorgte die Band mit vielen seiner Ideen. Sie hatten den Soundtrack sogar schon fast komplett vor dem Film fertig, aber als sie dann den fertigen Film sahen, änderten sie alles. Dabei setzten sie auch bis dahin recht ungewöhnliche Instrumente ein, afrikanische Percussions oder eine griechische Buzuki, die Argento während eines Griechenlandurlaubs kennengelernt hat. Das Drehbuch zu dem Film hat Dario Argento mit seiner Freundin Daria Nicolodi geschrieben, die hier aber keine Rolle innehat, dazu später. Amüsanterweise behaupten beide in der Dokumentation "Suspiria 25th Anniversary", dass er/sie jeweils die Idee zu dem Film hatte. Nachwirkungen der damaligen Unstimmigkeiten zwischen den beiden? Jedenfalls war dies Argentos erster Film mit übernatürlichen Elementen, nachdem er vorher nur Giallos gedreht hat. Produziert wurde der Film von Argentos Vater Salvatore und seinem jüngeren Bruder Claudio und stellt den Auftakt seiner Trilogie um die "Drei Mütter" dar, die mit Inferno ihre Fortsetzung fand, aber bis heute leider noch nicht mit einem dritten Teil abgeschlossen wurde.

Suspiria - ScreenshotSuspiria - Screenshot

Laut einem Interview in dem Buch "Spaghetti Nightmares" fand er keinen Gefallen mehr an der Idee. Wohingegen Daria Nicolodi behauptet, dass sie das letzte Kapitel schon fertig verfasst hat und man es eigentlich nur aus der Schublade holen muss. Die Idee entstammt einer angeblichen wahren Geschichte, die Nicolodis Großmutter passiert sein soll. Sie war Schülerin an einer Akademie, an der die Lehrer unter anderem Tanzen, Klavier und Musik lehrten, aber auch im Stillen schwarze Magie praktizierten. Nicolodi vermischte die Erzählungen ihrer Großmutter mit Elementen aus "Alice in Wonderland", "Schneewittchen" und "Blaubart". Während der Ausarbeitung des Skriptes zusammen mit Argento kamen noch Ideen des Buches "Confessions of an Englisch Opium-Eater" von Thomas De Quincey dazu, der dort in einem Kapitel über die "Drei Mütter" schrieb. Häufig musste sich Argento den Vorwurf gefallen lassen, dass seine Filme frauenfeindlich wären, denn bei ihm sind oft die Frauen die Opfer verrückter Mörder. Bei Suspiria ist es aber fast umgekehrt, denn hier spielen nur Frauen die Hauptrollen, die paar männlichen Parts sind weiter kaum tragend für die Handlung. Udo Kier und Rudolf Schündler haben noch fast die längsten Dialoge und ihre Auftritte sind nur ein paar Minuten lang. Gedreht wurde teilweise in München, die Innenaufnahmen wurden allerdings komplett in einem römischen Studio gemacht.

Die erste große Rolle für Jessica Harper war die Phoenix in Brian De Palmas Das Phantom im Paradies, wo sie als Sängerin von dem durchgeknallten Regisseur begehrt wurde. Direkt danach wurde sie von Argento für die Rolle in Suspiria angeworben. Neben diversen Gastauftritten in TV-Serien wie Tales from the Crypt oder auch Ally McBeal, kann sie auch eine erfolgreiche Karriere als Sängerin von Kinderliedern vorweisen. Stefania Casini war eine der drei Adelstöchter, die Udo Kier in Blood for Dracula vernaschen und aussaugen durfte. Sie kam durch Zufall zu dem Projekt, als Daria Nicolodi sich verletzt hatte und Ersatz für die Rolle der Sara her musste. Wie Daria Nicolodi später zugab, war das nur ein Vorwand, weil Argento für die Hauptrolle unbedingt eine Amerikanerin haben wollte und Nicolodi es nicht einsah nur die zweite Hauptrolle zu spielen und stattdessen lieber gar nicht im Film auftrat. Sie beließ es mit einem Cameo-Auftritt gleich zu Beginn im Flughafen. Casini wurde auch die Rolle der blinden Lisa in Fulcis Splatterklassiker Geisterstadt der Zombies angeboten, was sie aber ablehnte. Joan Bennett gab in Suspiria ihren letzten Auftritt in einem Kinofilm und war von da an nur noch fürs Fernsehen oder Theater tätig. Ihre erste Filmrolle hatte sie bereits 1916 als 5-jähriges Mädchen, ein Jahr vorher stand sie schon auf Theaterbrettern. Sie erlebte die goldene Ära der 40er und 50er Jahre in Hollywood und stand schon für Fritz Lang vor der Kamera. Udo Kier hat nur einen recht kurzen Part in diesem Film, der auch eigentlich nicht weiter erwähnenswert ist. Der Dreh seiner Szene war aber so unvorbereitet, dass ihm jemand, von einer für die Kamera nicht sichtbaren Position, den Text vorsagen musste. Der ebenfalls nur in einer kurzen Rolle auftretenden Rudolf Schündler war schon vor dem zweiten Weltkrieg im Schauspielgeschäft und eine seiner ersten Rollen war in dem Fritz Lang Krimi Das Testament des Dr. Mabuse. Ansonsten dürfte der gute Mann noch aus deutschen Peinlichkeiten wie Die Lümmel von der 1. Bank bekannt sein oder als Hausdiener Karl in dem Horrorklassiker Der Exorzist. Jacopo Mariani als Madame Blancs Neffe Albert durfte in dem vor Suspiria gedrehten Deep Red ein Familiendrama der besonders blutigen Art beobachten.

Suspiria - ScreenshotSuspiria - Screenshot

Suspiria hat im Laufe der Jahre viele unterschiedliche Videoveröffentlichungen und Schnittfassungen erfahren. In Deutschland ist der Film nur gekürzt erschienen und trotzdem auf der Liste der indizierten Filme gelandet. Auch in UK gab es zuerst nur gekürzte Fassungen. Aus Japan kam eine der ersten DVDs, Großbritannien zog später nach, aber die definitive Version kommt mal wieder von dem amerikanischen Label Anchor Bay.

Wie auch schon bei ihrer DVD von Deep Red schmiss ich erwartungsfroh die DVD in den Player - und bekam für die nächste Viertelstunde die Kinnlade nicht mehr hoch! Meine Erinnerungen an den Film entstammten noch einem alten Vollbild-Tape, dessen Farben auf dem Band schon langsam verwaschen waren. Die DVD bietet dem Zuschauer eine unglaubliche Bildschärfe und Farbfülle, dass man schon fast versucht ist sich eine Sonnenbrille aufzusetzen, so massiv kommen Argentos Farbkompositionen zur Geltung. Ich hatte das Gefühl, dass ich den Film zum ersten Mal sehe, obwohl ich die Szenen eigentlich alle schon kannte. Im schönsten Widescreen (optimiert für 16:9 Fernseher) präsentiert sich ein makelloses Bild, gänzlich frei von Defekten, fabulös restauriert. Man nimmt Details war, die man vorher einfach übersehen hat. Selbst in kompressionsproblematischen rotlastigen Bildern gibt es fast keine Kompressionsartefakte zu sehen. Nur bei größeren Flächen macht sich ein leichtes Rauschen bemerkbar, dass aber leider kaum zu vermeiden ist. Auf einem Fernseher fällt das auch nicht weiter auf, erst am PC-Monitor kann man leichte Mängel ausmachen. Der Sound wurde gewaltig aufbereitet. Aus dem ursprünglichen Monoton wurde nicht der übliche Dolby Digital 5.1 Track gebastelt, sondern jeweils eine Abmischung in den neueren Formaten Dolby Digital EX und DTS. Eine zusätzliche Sprachfassung gibt es noch in Französisch und den italienischen Originalton, beide lediglich in Dolby Digital 2.0. Leider hat Anchor Bay es auch hier versäumt wenigstens englische Untertitel auf der DVD zu speichern, so dass man sich den Film leider kaum mal im italienischen Original anschaut. Laut dem Fanzine "Video Watchdog" unterscheidet sich allerdings der Sound in der neuen Abmischung von früheren Veröffentlichungen. Einige Soundeffekte wurden verstärkt, abgeschwächt oder fehlen ganz, wobei an anderer Stelle Dialogsätze klar verstanden werden können, die früher vom Rest des Sounds etwas unterdrückt wurden. Das mag nicht unbedingt böswillige Manipulation seitens Anchor Bay sein, denn auf der DVD-Rückseite wird damit geworben, daß der Transfer von den original italienischen Negativen gezogen wurde.

Suspiria - ScreenshotSuspiria - Screenshot

Was das Bonusmaterial angeht, so muss man bemerken, dass es zwei DVD Veröffentlichungen von Anchor Bay gibt. Und zwar eine normale Einzel-DVD und eine Limited Edition, die auf einer zweiten DVD noch eine Dokumentation bereit hält und obendrauf noch eine Soundtrack-CD bietet. Außerdem gibt es dazu noch 9 Lobbycards sowie ein 32-seitiges Booklett. Die normale Version und die erste Disk der Limited Edition sind allerdings identisch, auch bei den Extras. Neben den üblichen Trailern, TV und Radio Spots, Poster- und Fotogallerie und Biographien gibt es noch ein Musikvideo von Daemonia, der derzeitigen Band von Claudio Simonetti, der mit seinen Golbin-Kollegen maßgeblich für den Soundtrack verantwortlich war. Der Song ist eine Neuinterpretation des Suspiria-Themes. Ganz nett gemacht, aber das Video wirkt doch recht amateurhaft, auch wenn Simonetti persönlich Regie führte. Die zweite DVD der Limited Edition beinhaltet die extra für die DVD produzierte Dokumentation Suspiria 25th Anniversary, in der Regisseur Dario Argento, Daria Nicolodi, Jessica Harper, Udo Kier, Stefania Casini, Kameramann Luciano Tovoli und die Goblins zu Worte kommen.

Suspiria - ScreenshotSuspiria - Screenshot
Suspiria - ScreenshotSuspiria - Screenshot

Die Dokumentation ist ziemlich gut, man erfährt einiges von den Dreharbeiten und den Ideen die dahinterstecken. Sie ist aufgeteilt in die Kapitel "The Story", "The Director", "The Stars", "The Score", "The Style", "Favorite Scenes & Anecdotes" und "Looking Back". Informationsgehalt pur. Stefania Casini wirkt dabei sehr aufgedreht und nervt schon fast mit ihrer Art. Die Soundtrack-CD ist gut produziert, die Golbin-Stücke kommen mit einem amtlichen Sound aus den Boxen. Auch wenn man als Fan des Films die Limited Edition wegen der Dokumentation besitzen sollte, so finde ich die Veröffentlichungspolitik bei diesem Titel nicht gelungen. Nicht jeder ist unbedingt scharf auf die Soundtrack-CD oder besitzt sie bereits. Will man aber die Dokumentation haben, kommt man nicht drumherum den Soundtrack mitzukaufen, was natürlich auch mit einem deutlich höheren Preis verbunden ist. Der Mittwelweg, eine 2-Disk-Edition ohne Soundtrack-CD, wäre da optimal.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 05.03.2002
Letzte Textänderung: 08.08.2006

Leser-Kommentare

03.08.2006, 22:33:35 Patrick Wokoun ( Email schreiben )

"The only thing more terrifying than the last 12 minutes of this film are the first 92."

Dario Argentos Werk "Suspiria" (1977) ist eine kunstvolle Halluzination, in der die Form längst über den Inhalt gesiegt hat. Gezeichnet von grellen Technicolor-Farben, Mustern des schweizer Künstler und Grafikers M. C. Escher, wirkt der Film wie ein LSD-Trip. "Suspiria" ist das Meisterstück des Giallos, ein Genre, das wie kaum ein anderes von Argento geprägt wurde. Oder hat der Giallo Argento geprägt wie kaum ein anderes Genre? Ist das die Erklärung für den flauen Erfolg des Regisseurs in der heutigen Zeit?
Die junge Frau Suzy Bannon (Jessica Harper) reist nach München um dort an einer renommierten Tanz-Akademie zu studieren. Schon bei ihrer Ankunft geschehen seltsame Dinge. Es regnet fürchterlich und [man will ihr keinen Einlass gewähren/als Suzy an der Akademie ankommt, will man ihr keinen Einlass gewähren], obwohl sie sich schon angemeldet hatte. Suzy will am nächsten Tag noch einmal wiederkommen und es dann probieren. Kurz darauf geschehen allerdings [wiederum] seltsame Dinge. Suzy sieht aus dem Taxi heraus ein Mädchen, das in einem "schwarzen" Wald umherirrt. Offensichtlich läuft sie davon, aber vor was? Am nächsten Tag hat Suzy die Antwort: Das Mädchen wurde, brutal erstochen und an der Decke aufgehängt, von der Polizei gefunden. Die Direktorin, wunderbar gespielt von Alida Valli, kann sich die Tat nicht erklären und tut das Verbrechen damit ab, dass die Schülerin die Akademie sowieso verlassen wollte. Doch das ist nicht das Ende der seltsamen Geschehnisse: Suzy findet in Sara (Stefania Casini) eine gute Freundin. Sie erzählt ihr, dass sich an der Schule mysteriöse Dinge ereignen. Einst soll die Schule unter der Leitung einer dämonischen Hexe [gestanden haben], die allerdings von Dorfbewohnern aufgesucht und verbrannt worden sein soll. Je näher Suzy den Geheimnissen der Schule kommt, desto gefährlicher wird es für sie. Jeden Abend ist sie so müde, dass sie sich kaum wach halten kann und als sie in Blickkontakt mit der Köchin des Hauses kommt, wird ihr schwindelig und schließlich fällt sie in Ohnmacht. Offensichtlich wollen die Lehrer ihr etwas verheimlichen und tun alles, dass sie es nicht erfährt. Doch Suzy ist schon zu Nahe dran an der Wahrheit...

"Witch, Witch, Witch!"

Wenn man das Genre des Giallos auf typische Merkmale überprüft, dann bemerkt man nach gewisser Zeit einige Grundmerkmale:

- Der Täter ist immer vermummt, man sieht weder sein Gesicht noch seine Haare.
- Er trägt meistens schwarze Handschuhe.
- Er tötet lautlos und präzise.

Diese Punkte sind wichtig für den Giallo, ja, ohne ihn wäre die Spannung des Genrefilms dahin. Denn bekommt man den Täter zu Gesicht, kommt nie mehr dieses Spannungsgefühl auf: "Suspense", so der Begriff, der seit Hitchcock reichhaltig bekannt ist. Und so bedient sich auch das Genre des Giallos, eigentlich ein Subgenre des Horrorfilms, der typischen Elementen, die Hitchcock mit seinem Klassiker "Psycho" geprägt hat. Aber in "Suspiria" geht es nicht um die Suche nach dem Mörder. Der Film dreht sich um "Suspense", dieses dunkle, unheimliche Gefühl. Er benutzt die Kunst, um uns in ein Labyrinth voller Fallen zu führen, in dem es keinen Ausgang gibt. Grelle Farben und die Motive M.C. Eschers sind nicht bloße Spielerei, sondern werden zum zentralen Moment des Films, sie dienen der Unterstützung des Suspense. Und wie John Carpenter die Horrorfigur Micheal Myers im Kultfilm "Halloween" als zentralen Angelpunkt und die Reinkarnation des reinen Bösen benutzt hat, so benutzt Dario Argento bei dem früher entstandenen "Suspiria" die Kunst dafür, die seit Anbeginn der Menschheit für etwas Kaltes, emotionsloses gehalten wird, weil sie für uns genau wie die Wahrheit auch die ultimative Lüge sein kann.
Dario Argento verfolgt in seiner ganzen Filmographie ein bestimmtes Konzept: das des atemlosen Zuschauers, des perfekten Suspense, das er mit "Suspiria" auf seinen vorläufigen Höhepunkt gebracht hat. Der Regisseur zeigt uns auch, wie unser Heim, unser Innigstes, zur Gefahr, zu Tat/Ort von Verbrechen, werden kann. Diese Verbrechen werden nicht vom Menschen ausgeführt, sondern vom Ort selbst geht die Gefahr aus, Parallelen zur Vermenschlichung von Dingen und Gegenständen sind durchaus vorhanden.

"Suspiria" ist vor alledem eines: Perfektes Spannungskino eines italienischen Regisseurs, der viel zu lange im Schatten anderer großartiger italienischer und amerikanischer Regisseure stand wie Sergio Leone und George A. Romero.

Zu empfehlen ist der Original-Soundtrack der italienischen Progressive-Rock-Band Goblin, die auch für andere Dario Argento-Filme den Soundtrack komponierte und einige europäische Fassungen amerikanischer Filme vertonte ("Martin", "Patrick").

18.07.2005, 15:43:10 Steve BECKE ( Email schreiben )

"Suspiria": Ich kann mich noch erinnern als mein Bruder und meine besten Freunde damals ca. 1977 im Wiener Prater neben dem Riesenrad im Kino waren und mir von diesem Film erzählten. Die Schlagzeile - ich erinnere mich noch gut - lautete damals auf dem Plakat signifikant: "Mit einzigartigen Lchteffekten!"
Mein Bruder und ich nahmen damals oft zur persönlichen Erinnerung - Video und DVD gab es ja damals noch nicht - mit einem simplen Cassettenrecorder den Ton unserer Lieblingsfilme auf und so spielten sie mir den Ton von den beiden ersten Morden, dem Blinden, die Schlußsequenz und auch Teile der Musik vor. Das ganze wirkte dermaßen gruselig auf mich, das ich bis vor kurzem den Film einfach nicht anschauen konnte.
Ich kaufte in einer erweiterten Spezialedition aber die Musik von Goblin und das Celeste-Hauptthema (das dem von John Williams' Harry Potter in jeder Weise ebenbürtig ist) hatte ich seit damals unwiederbringlich im Kopf und spielte es auch immer wieder auf Gitarre oder Klavier und plane auch, eine CD mit einer Variation über dieses Thema noch heraus zu bringen.
Als ich Teile der CD hörte, konnte ich mich SOFORT wieder an die Stellen erinnern, die ich als damals 15jähriger gehört hatte und mir liefen tatsächlich wahre Schauer über den Rücken. Auch Besucherfreunden meines Tonstudios, denen ich Passagen hin und wieder vorspielte, reagierten wirklich ähnlich! Also allein der Soundtrack hat schon etwas für sich.
Im Laufe der Jahre näherte ich mich dem Film vorsichtig über Bilder aus dem Internet auf meine Weise, immer noch unsicher ob ich das Gefühl, dass ich allein durch die Erzählungen schon hatte, zerstören oder gar übertreffen würde.
Allein der hohe Preis (teilweise musste man wirklich über EUR 40,-- für div. DVD-Versionen hinblättern) des Filmes von Dario Argento bewies aber, neben den vielen sehr lobenswerten Berichten, dass es sich dabei wirklich um etwas besonderes handeln konnte. Außerdem gefiel mir, dass auf den offiziellen Bildern nicht unbedingt Brutalo-Szenen gezeigt wurden und die, die es gab, kannte ich aus den Erzaählungen doch so weit, dass ich damit umgehen konnte.
Trotz alledem wirkten gerade gewisse Screenshots allein durch die Farben und das bewußt unnatürliche Rot des Blutes oder die skurillen Tapeten und Raumgestaltungen wie ein schlechter Traum, von denen ich als Kind wahrlich einige hatte, auf mich.
Und vor kurzem kaufte ich mir doch eine DVD!
Sie hatte ein sehr hübsches Cover und viel Infomaterial und Anektoten und ich las, das man sich diesen Film, den ich wirklich für ein Meisterwerk halte, am besten ab 12h nachts anschauen sollte (sicher in jedem Fall besser, als eine von der Sonne raumdurchflutete Nachmittagsversion.
ich tendiere ohnehin dazu, Filme immer sehr bewußt anzusehen, aber vor diesem meine Kindheit sehr beeinflussenden Streifen hatte ich wirklich so etwas wie ein wenig Mulm. Kein Tag schien mir dafür geeignet bis vor kurzem in einer kühleren Sommernacht - allein und mit professionellen Studio-Kopfhörern!
Also, wer sich nachher nicht vor dem Dunkeln etwas fürchtet oder darüber zumindest über gewisse Szenen nachdenkt, ist schon - um es mit dem heutigen Jargon zu bezeichnen - eher uncool.
Allein der Vorspann und eben die Musik und die technische Perfektion der Kameraführung (es handelt sich ja immerhin um ein Werk aus den 70ern) waren von der ersten Minute an mitreissend und die Stimmung grandios und in keiner Weise lächerlich (davor hatte ich dioe meiste Sorge).
Im Gegenteil, ich zuckte in Erwartung von Ereignissen oft trotz allen Wissens erst recht zusammen und vieles überwältigte mich in seiner Machart noch mehr oder verpasste mir einen offenen Mund.
Nichts enttäuschte mich, alles war auf seine Art perfekt. Perfekt beängstigend, "gory" (und ich bin eigentlich kein Horrorfilm-Fan. Außer Coppola's "Dracula" und Burton's "Sleepy Hollow" spielt sich nicht viel ab in meinem Besitz und der "Weiße Hai" ist zwar auf seine Art ein Tier-Horror, aber doch auch eigentlich mehr ein wirklich toller Abenteuerfilm, doch bei genauem Nachdenken fällt mir noch der "Exorzist", "The Thing" und "Ghost-Ship" sowie "Rosemarie's Baby" und "End of Days" u. einige andere ein, die ich zumindest einmal auch gesehen habe).
Wirklich Kult ist aber zurecht verdient "Suspiria".
Das beweisen auch die vielen Web-Sites und -pages und die immer wieder neuen Releases, die auch jetzt ihre Abnehmer finden.

Ich muss sagen, das"Suspiria" - allein die Titelwahl ist phänomenal - wirklich ein für seine Zeit extrem guter Film ist, alle Fassetten der Filmkunst (Musik, plötzliche Stille, lange Gänge, Kamerafahrten, Blickwinkel, Typenwahl und besonders die Atmosphäre) grandios in Szene setzt und in keiner Weise veraltet oder unglaubwürdig wirkt und durch die teilweise gut aufgebaute Ruhe zwischendurch bedrohlicher wirkt als dies eine Anhäufung von Splatter-Effekten jemals bewirken hätte können.
Was den Film meiner Meinung nach wirklich künstlerisch wertvoll bzw. einzigartig macht ist, dass er sich damals und soweit ich weiss auch bis heute allein durch seine Machart und Farbenfreude und durch die Musik aus der unüberschaubaren Masse nichtssagender Werke heraushebt und die gut gewählten Hauptdarsteller jeder Szene ihren omnipresenten Charakter geben, der nachhaltig im Betrachter weiter klingt und er der einzig wirklich gute Vertreter des brisanten Themas "Hexenokkult" ist, gefolgt vom Jahre später erschienenen "Blair Witch Projekt", das das Thema aber völlig anders behandelt.
So wie es aber in "Suspiria" geschieht, ist Argento unbestritten ein Coup gelungen. Jede Szene ist Bedrohung und Grund zur Furcht zugleich, selbst Tagsequenzen weden durch eigenartiges Lächeln, Doktorbesuche oder großäugige Kinder seltsam berührend und das Rot und Blau der Nacht und die Dunkelheit schreien nach einer Erlösung, von der mein eigentlich nie weiß, ob sie kommt oder nicht.

Der Spoiler-Gedanke, dass Susy selber eine noch von ihren Fähigkeiten nichts wissende Hexe sein könnte, finde ich absolut überlegenswert. Wenn er nicht beabsichtigt war, so hat er zumindest sehr seine Berechtigung und vieles deutet von der "Logik" sehr stark darauf hin. Vielleicht wird Susy dadurch etwas unverwundbarer als sie letztlich dargestellt wird und man muss als Zuseher nicht so bangen, nach dem Finale mit Markos ist aber selbst das nicht mehr so sicher. Denn nichts ist unsterblich oder unbesiegbar.

Ich kann auf jeden Fall "Suspiria" nur weiter empfehlen. Er ist sicher hart, aber in jeder Weise ein Erlebnis im Sinne der ganzen Bedeutung des Wortes. Um ihn auch so zu erleben bedarf es natürlich einer gewissen, durch den Zuschauer selbst geschaffenen Grundatmosphäre, dann wird der Streifen, der sicherlich Argento's Meilenstein und Richtwert für andere Filmschaffende in der Geschichte des Horrofilmes geworden ist, seine unbestrittene Wirkung selbst heute, fast 30 Jahre nachher, nicht verfehlen können.

24.11.2004, 04:43:14 Steffen

ja, ein kleines meisterwerk. allein die gestaltung des ersten mordes was mich immer verwundert hat warum dario den film in freiburg spielen lässt während er offensichtlich in münchen gedreht wurde: die intensive inszenierung der hund-attacke spielt auf dem Königsplatz, das BMW-Hochhaus kommt vor, selbst bayerische Schuhplatter..

16.11.2004, 19:09:50 andi aus freiburg ( Email schreiben )

Ich hatte schon einiges über den Film gehört und gelesen, zuerst vor einigen Jahren, hab ihn dann "vergessen" und habe ihn wieder aus meinem Gedächtnis gekramt und mir eine englische DvD zugelegt. Ich muss sagen - Freiburg, mein Heimatstädle, hat einen sehr würdigen Film bekommen ( wobei man als Freiburger sieht, dass nicht wirklich in Freiburg gedreht wurde, einzig das Haus, in dem die Tanzakademie ist, ist hier zu finden - warum hat eigentlich Argento die Szene mit dem Blinden nicht auf dem Münstterplatz gedreht ?). Ich muss sagen, ich bin begeistert. Einen Film, der so permanent unheimlich ist, habe ich selten gesehen, und mit der genialen Musik von Goblin zieht es einem beim Anschauen echt die Füße weg. Und dann die Farben und die perfekte Kamerakompositionen. Ein Film wie ein Traum, beziehungsweise Alptraum.*g*

01.10.2004, 17:35:55 Lars Hellmann ( Email schreiben )

Mit SUSPIRIA auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft, gelingt es Argento einen eigenen Kosmos aus Farbdramaturgie, künstlerischer Form, brillanter Kamera und kraftvoller Tonregie zu erschaffen. Die eigene rauschhafte Welt von SUSPIRIA ist eine künstlerische und eine kunstvolle: Das gotische Palais der Ballettschule; das Jugendstilhaus mit den M.C. Escher?Tapeten, in dem Patricia uns Sonia sterben; der klassizistische Platz auf dem Daniel von seinem Blindenhund zerrissen wird sind Settings, in denen die Form, die Farbe und der Ton ein Eigenleben haben. Aber Argentos Sadismus ufert genauso aus: Infam der Doppelmord - Während Patricia von dem unheimlichen Angreifer durch eine Glasscheibe geschlagen, mit einem Messer malträtiert, an einer Eisenschlinge erhängt wird, flieht Sonia aus dem Haus, nur um in der Halle von den Glassplittern des Oberlichtes erschlagen zu werden, durch das die Leiche Patricias kracht. So entnervt taucht der Zuschauer in das blutrote Reich der Hexen in SUSPIRA ab, in dem später auch die Originalität der Geschichte abhanden kommt, aber nie die grandiose Kunst der Bilder aus den Augen verloren wird.

09.02.2004, 21:38:49 dario666

habe den film früher als 'kleiner' junge 2 mal gesehen. und er war damals wirklich furchteinflössend. muss ihn mir daher unbedingt noch mal jetzt als eine art 'vergangenheitsbewältigung' anschauen.

12.01.2004, 22:00:49 Manuel Tunzer ( Email schreiben Homepage )

Suspiria ist meiner Meinung nach einer der besten Filme des Genres. Aber das war ja klar... Dario Argento hat klasse & stil. Besonders die Kamera-Führung gefällt mir sehr gut. Die Szene mit dem Blinden ist auch gut.

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