Film Daten

Titel:
Voices from Beyond
Originaltitel:
Voci dal profondo
Land & Jahr:
Italien 1991
Laufzeit ca.: ?
91 Min.
Regie:
Lucio Fulci
Darsteller:
Duilio Del Prete
Karina Huff
Pascal Persiano
Laurence Flaherty
Bettina Giovannini
Frances Nacman
Paolo Paoloni
Sacha Darwin
Antonella Tinazzo
Damiano Azzos
Rosa Maria Grauso
Alternativtitel:
Voices from the Deep
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Image Entertainment
Label:
Image Entertainment
Regionalcode / Norm:
0 / NTSC
Bild / Zeit:
1.78:1 (anamorph) / k.A.
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 1.0
Untertitel:
-
Extras:
-

Voices from Beyond

Review

Voices from Beyond - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Giorgio Mainardi (Duilio Del Prete) stirbt plötzlich an starken inneren Blutungen. Bei seiner Beerdigung versammeln sich verschiedene Menschen um sein Grab. Seine geliebte Tochter Rosy (Karina Huff), die ihn als einen guten Vater kennt. Daneben seine Ehefrau Lucy (Bettina Giovannini), sein Stiefbruder Mario (Laurence Flaherty) und Stiefmutter Hilda (Frances Nacman), denen er nicht traute und offen Ablehnung gegenüber brachte. Und seine Geliebte Rita (Rosa Maria Grauso), von der er sich noch am Tage seines Todes trennte. Was sie aber alle nicht wissen: sein Geist findet keine Ruhe und ist darauf erpicht herauszufinden, wer ihn ermordet hat. Denn bis auf seine Tochter hätten alle ihre Gründe gehabt. Eine Klarheit bringende Autopsieprobe wird durch einen "Unfall" zunichte gemacht.

Voices from Beyond - ScreenshotVoices from Beyond - Screenshot

Rosy ist überzeugt, daß der Geist ihres Vaters noch unter ihnen weilt und wird durch einem Traum bestätigt. Ihr Vater erscheint ihr im Traum und bittet sie um Mithilfe bei der Suche des Mörders. Solange sein Leichnam noch nicht völlig zersetzt ist, kann er sich auch als Geistgestalt in Träumen manifestieren. Bei ihren Nachforschungen entdeckt Rosy nach und nach, daß die Familienwelt bei weitem nicht heile war. Ihre Mutter betrog ihren Vater mit Mario. Hilda ist ein geld- und machtgieriges Luder, das ihren Sohn für ihre Zwecke benutzt und ihren Mann, Giogios leiblichen Vater, nur noch auslacht, weil der körperlich und, in ihrem Glauben, auch geistig behindert ist. Dabei bekommt er noch alle Vorkommnisse halbwegs klar mit und weiß mehr als der Rest der Familie vermuten würde, aber durch seine Behinderung kann er sein Wissen nicht weitergeben.

Während Rosy mit ihren Ermittlungen fortfährt, nutzt der Geist ihres Vaters die Zeit um seine unliebsamen Verwandten in ihren Träumen heimzusuchen und sie in Horrorvisionen einzuschließen bis sie aufwachen. Durch ihren Freund Gianni (Pascal Persiano) erfährt sie, daß in der Autopsieprobe noch vor dem Unfall Glassplitter gefunden wurden. Sie selber wird beinahe Opfer eines Anschlags, als sie noch rechtzeitig bemerkt, daß eine Getränkedose mit einem Gift versetzt wurde. Rosy kommt mit ihren Nachforschungen der Lösung immer näher und steht schließlich vor der unglaublichen Wahrheit...

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Im gleichen Jahr wie Voices from Beyond drehte Fulci danach noch Door to Silence, bis er dann 1996 an einem Zuckerschock verstarb. Zwei Wochen bevor er mit Dario Argento an den Dreharbeiten zu La Maschera Di Gera / Wax Mask beginnen wollte. Somit stellt dieser Film eines der letzten Zeugnisse seines Schaffens dar. Nach dem davor abgedrehten und extrem gewalttätigen U Gatto nel cervello (Nightmare Concert) schaltete Fulci einige Gänge zurück und präsentiert hier dem Zuschauer eine mit Giallo- und Horrorelementen angereicherte Geistergeschichte, die die Fans seiner Splatterwerke wohl eher enttäuschen wird. Zwar gibt es ein paar etwas härtere Szenen wie z. B. das Erstechen eines kleinen Jungen (der Körper ist hier deutlich als gefülltes Kissen zu erkennen) und etwas Darmgemansche während der Autopsie, aber das wars auch schon. Fulci setzte hier etwas mehr auf Atmosphäre und Krimispannung und verwirrt den Zuschauer stets mit neuen Wendungen in der Story bis zur finalen Auflösung. Dabei ist der Film zwar etwas zäh und langatmig geraten, aber hat durchaus seine guten Momente. Der Film basiert auf der von Fulci persönlich geschriebenen Kurzgeschichte "Gazzetta di Firenze". Ihm ging es hier um die Kommunikation zwischen der Welt der Lebenden und der Toten und der Film sollte ursprünglich unter dem Titel Messagio dalla Morte (soviel wie "Nachricht aus dem Totenreich") erscheinen. Gewidmet hat er den Film übrigens seinem amerikanischen Regisseurkollegen und Freund Clive Barker.

Die Kameraführung macht allerdings eher den Eindruck, es hier mit einer Fernsehproduktion zu tun zu haben. Zudem kamen 1991 ja auch schon lange keine größeren italienischen Horrorproduktionen auf die Leinwand mehr. Fulci arbeitete hier auch viel mit einem Weichzeichnerfilter, was in den Traumszenen durchaus paßt, aber bei den Realszenen eher störend wirkt. Unterlegt wird die Handlung des öfteren von einem schauderhaften Synthie-Soundtrack, der vor allem bei der Beerdigung überhaupt nicht zum Geschehen paßt. Unglaublich, daß dahinter Stelvio Cipriani steckt, der unter anderem schon die Bava-Filme Reazione a catena (Bay of Blood), Gli Orrori del castello di Norimberga (Baron Blood) und Cani arrabbiati (Rabid Dogs) vertonte. Die schauspielerischen Leistungen halten sich in Grenzen, die meisten Darsteller vermögen jedenfalls keine Akzente zu setzen und wirken recht blaß. Fulci gibt hier übrigens ganz Hitchcock-like eine Gastrolle als Pathologe während der Autopsie (eine Wiederholung seines Auftritts in Paura nella città dei morti viventi (Ein Zombie hing am Glockenseil)). Ob das allerdings einen tieferen Sinn hatte, daß er seinem Hauptdarsteller die Gedärme entnimmt, sei jetzt mal dahingestellt... Lediglich Frances Nacman als böse Stiefmutter kann einigermaßen glaubhaft ihre Rolle rüberbringen. Bettina Giovannini läuft übrigens mindestens die Hälfte ihrer Spielzeit nackt durchs Bild, einfach so. Man merkt halt, daß man es mit einem B-Movie zu tun hat. Vor allem auch bei den Spezialeffekten, früher ein Trademark seiner Filme. Neben dem deutlich falschen Kinderkörper sorgen ein paar Gummiaugen in der Alptraumsequenz der Geliebten Rita für unfreiwillige Lacher. Denn sie wollen sich partout nicht mit Messer und Gabel zerschneiden lassen und beim zweiten Auge kommt unter dem Druck des Messers deutlich der kleine Blutbeutel zum Vorschein. Er dehnt sich wie ein mit Wasser gefüllter Luftballon, bis er Sekunden später dann endlich mal platzt. Seltsam erscheint auch, daß die Beisetzung des Sarges im Dunkeln im Scheinwerferlicht der Autos stattfindet und der Arzt durch Ohrauflegen auf der Brust Giorgios den Tod feststellt.

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Fulcis altes Können zeigt sich hier lediglich in den teilweise surreal angehauchten Traumsequenzen, die etwas morbide Horroratmosphäre aufkommen lassen. Für alte Fans dürfte der Alptraum Marios sicherlich das Highlight sein, da dieser versucht von einem gleich aussehenden Raum zum nächsten zu flüchten und schließlich von einer Zombiegruppe angegriffen wird. Auf detaillierte Darmtraktverdauung wurde allerdings verzichtet. In Ritas Alptraum werden die beiden Darsteller in eine organisch angehauchte Variante des Restaurants plaziert, wo Giorgio vor seinem Tod mit ihr Schluß machte. Die Servierung von Spiegeleiern, die sich in die schleimige Augen verwandeln, läßt die Mahlzeit, die man während des Films nebenbei einnimmt, nur widerstrebend schmecken. Auch orientierte er sich bei der Verwesung von Giorgios Leiche an seinem Glockenseilzombie. Die Leiche ist hier ebenfalls im Sarg in blaues Licht gehüllt. Nur das diesmal kein Christopher George vorbeikommt und ihn befreit. Stattdessen haben Insekten und Würmer erstaunlich schnell ein Zuhause in dem eigentlich neuen und verschlossenen Sarg gefunden und lassen sich Giorgio schmecken. Sogar die Fliegen summen um seinen Kopf.

Mittlerweile gibt es diesen doch eher unbekannteren Film in gleich zwei digitalen Ausführungen. Die US-DVD von Image Entertainment zeigt den Film in einem stabilen, aber nicht ganz von Defekten befreiten anamorphen 1.78:1 Bild, was nach dem richtigen Format aussieht. Der Monoton ist ganz okay, frei von Störgeräuschen oder Knacksern und die englische Synchro ist gut verständlich. Allerdings wird der Film in der absoluten Sparpackung verkauft. Denn das einzige "Extra" ist die Kapiteleinteilung, die Disc hat nicht mal ein richtiges Hauptmenü, da sich außer dem Film nichts anderes auf der Disk befindet. Dann gibt es noch eine deutsche DVD von Astro, über deren Qualität und Ausstattung ich aber nichts sagen kann. Jedenfalls befindet sich auf der DVD noch eine extra von Astro angefertigte deutsche Synchronisation, da der Film vorher nie in Deutschland offiziell veröffentlicht wurde. Der Film ist eigentlich nur für Die-hard Fans von Wichtigkeit, die einfach alles von ihrem Meister haben müssen. Fans seiner Zombiefilme werden sich gelangweilt abwenden, die Leute die einen netten Giallo oder einen mystisch angehauchten Krimi erwarten wahrscheinlich auch, wenn auch vielleicht nicht so schnell. Der Film ist nicht richtig schlecht, aber auch nicht richtig gut und stellt irgendwie niemanden zufrieden.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 12.02.2002
Letzte Textänderung: 18.01.2004

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