Film Daten

Titel:
XX unbekannt
Originaltitel:
X the Unknown
Land & Jahr:
England 1956
Laufzeit ca.: ?
76 Min.
Regie:
Leslie Norman
Darsteller:
Dean Jagger
Edward Chapman
Leo McKern
Anthony Newley
Jameson Clark
William Lucas
Peter Hammond
Marianne Brauns
Ian MacNaughton
Michael Ripper
John Harvey
Edwin Richfield
Jane Aird
Norman Macowan
Neil Hallett
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Anolis Entertainment
Label:
Anolis Entertainment
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.33:1 / 76:31
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Dänisches Filmprogramm
  • Booklet mit Liner Notes

XX unbekannt

Review

XX unbekannt - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Auf einem Militär-Übungsgelände bricht plötzlich die Erde auf und zwei Soldaten erleiden schwere radioaktive Verbrennungen. Das Militär bittet Dr. Adam Royston (Dean jagger) um Mithilfe, der sich dies aber auch nicht erklären kann. Schon kurze Zeit später wird ein Junge mit den ähnlichen Verbrennungen in ein Krankenhaus gebracht und aus Roystons privatem Labor ein kleiner Behälter mit radioaktivem Material gestohlen. Royston vermutet irgendwann, dass eine Art Energiewesen aus dem Inneren der Erde ausgebrochen ist und sich ständig auf der Suche nach neuer Nahrung, also radioaktive Energie befindet. So richtig will ihm niemand Glauben schenken, aber dann macht sich das mittlerweile stark angewachsene Wesen auf den Weg zu einem Kraftwerk ...

XX unbekannt - ScreenshotXX unbekannt - Screenshot

Nach den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki war der Science Fiction Film stark geprägt von den Ängsten vor der unsichtbaren Energie namens Radioaktivität, die sowohl nützlich als auch schädlich für den Menschen sein konnte. In Them! (Formicula) sind es Ameisen, die nach Atombombentests zu gigantischen Monstern heranwachsen, durch Nukleartests erwacht ein Saurier in der Antarktis in The Beast From 20,000 Fathoms (Panik in New York) und das bekannteste Monster, das in Verbindung mit einer Atombombe gebracht wird, ist natürlich unser allerliebster Gojira (Godzilla). Das Besondere an XX unbekannt ist allerdings, dass hier kein äußerer Einfluß durch die Menschen zum Ausbruch des Wesens führen, sondern es sich von alleine seinen Weg an die Oberfläche gesucht hat.

Der von Leslie Norman inszenierte Film hält sich dabei mit der Darstellung dieses Wesens aber erst noch dezent zurück, denn zunächst sieht man nur die Reaktionen verschiedener Personen auf etwas in ihrer Nähe, nie aber die Ursache selbst. Dies geschah wohl eher aus budget- und tricktechnischen Gründen, aber der Film baut so zunächst eine nette Atmosphäre der Bedrohung auf. Dazu tragen auch die vereinzelten Point-of-View Einstellungen aus der Sicht des Wesen bei, die es so ein wenig greifbarer machen, auch wenn man es direkt nicht sieht. Wenn dann das unbekannte Wesen zum ersten mal in Erscheinung tritt, fühlt man sich sofort an The Blob (Blob - Schrecken ohne Namen) erinnert - nur das XX unbekannt bereits zwei Jahre vor dem amerikanischen Film gedreht wurde!

XX unbekannt - ScreenshotXX unbekannt - Screenshot

Als einen Monsterfilm kann man XX unbekannt aber deswegen nicht unbedingt bezeichnen, denn dafür kommt das Wesen doch zu selten und erst in der zweiten Hälfte des Films in Erscheinung. Die Trickeffekte sind hierbei zwar simpel, aber halbwegs gelungen, allerdings vermag der Film heute nicht mehr so den Schrecken zu erzeugen wie vielleicht noch zu seiner Zeit. Dazu tragen auch die diversen logischen Patzer bei, die dem Zuschauer auch auffallen sollten, wenn man eigentlich gar nicht darauf achtet. So brauchen die meisten Opfer nur in der Nähe des Wesens sein um innerhalb weniger Sekunden lebensgefährdende Verbrennungen zu erlangen. Aber wenn aus filmdramaturgischen Gründen ein Priester ein kleines Mädchen rettet, dass sich nur 1-2 Meter von der Masse entfernt aufhält, passiert seltsamerweise nichts. Auch werden zum Finale hin einige typische Klischees eingebaut (ein Wagen der nicht so will wie er soll) und der Fahrer eines Jeeps wird durch eine Bleiplatte vor einem radioaktiven Behälter hinter ihm geschützt, alle anderen stellen sich aber locker neben das Auto als wenn es keine Gefahr gäbe.

Zitat

I know about you Dr. Ryoston. You're a scientist, not a doctor. You don't look after the sick. You make those things that kill, that killed my boy in here! You should know Dr. Royston, locked up with others like you letting off bombs you can't control. You're not safe, you're a murderer! - Vorwürfe an Dr. Royston

Wenn man aber diese kleinen Patzer zu ignorieren versteht, stellt sich XX unbekannt heute weniger wie ein Science Fiction Horrorfilm dar, sondern fordert eher einen verantwortungsvollen Umgang mit Radioaktivität bzw. gefährlicher Wissenschaft im Allgemeinen. Der Vater des an radioaktiver Strahlung gestorbenen Jungen macht Dr. Royston sogar den Vorwurf, dass Wissenschaftler wie er es wären, die mit ihren Experimenten Unheil über die Menschheit bringen. Was Royston nicht mal erwidert, sondern stillschweigend aufnimmt und ihn sehr nachdenklich stimmt. So bietet der Film ein wenig mehr Tiefgang als z.B. The Blob, der im Grunde genommen nur ein einfacher Invasionsfilm bleibt. Hier ist die Radioaktivität nicht einfach nur die Ursache für das Erwachen eines Monsters, sondern wird als Thema zentralisiert. Im Gegensatz zu amerikanischen Filmen ähnlicher Art bleibt hier aber das Militär im Hintergrund und erscheint nicht als letzter Retter in der Not. Im Gegenteil, als Royston keine Lösung einfällt, wie man das Wesen im Erdreich bekämpfen könnte, werden in typischer Militärmanier Sprengsätze gelegt und die Erdspalte kurzerhand zubetoniert. Wie wirksam diese Methoden sind, kann sich wohl jeder denken.

XX unbekannt - ScreenshotXX unbekannt - Screenshot

XX unbekannt ist ein unspektakulärer, wenn auch handwerklich ganz gut umgesetzter kleiner Science Fiction Film, der neben kleineren Längen und den erwähnten logischen Patzern durchaus ein gewissen Unterhaltungsfaktor hat. Und mit einem zerschmolzenen Kopf auch einen unerwarteten und für die Zeit ungewöhnlichen Schockmoment bereithält. Mit Filmen wie Them! (Formicula), Tarantula oder vielen anderen Klassikern des Science Fiction Films der 1950er Jahre kann und sollte man ihn aber nicht messen, denn dafür reichen seine Trickeffekte nicht aus und im Gegensatz zu den Filmen geht er deutlich ruhiger, aber auch ernster voran. Mit Dr. Royston gibt es hier auch nicht den typischen "Mad Scientist", sondern einen Mann, der sich seiner Verantwortung bewußt ist und nicht mit seinem Dickkopf seinen Willen durchsetzen will. In dieser Hinsicht unterscheidet er sich auch ein wenig von dem störrischen, von Brian Donlevy verkörperten Professor Quatermass, dem wohl bekanntesten Filmwissenschaftler der Hammer Studios. Parallelen zwischen den Filmen gibt es allerdings, da beide Charaktere von amerikanischen Darsteller gespielt wurden. Ein weiterer Unterschied zu den amerikanischen B-Filmen ist hier auch die vollkommene (aber willkommene!) Abwesenheit eines weiblichen Charakters, der aus diversen Gefahrensituationen gerettet werden muss.

Nach dem großen Erfolg von The Quatermass Xperiment (Schock) wollten die Hammer Studios unbedingt mit einem neuen Film, der Science Fiction und Horror miteinander verband, daran anknüpfen. Da kein fertiges Drehbuch zur Verfügung stand, wurde in einem Meeting zwischen Tony Hinds, Michael Carreras und Jimmy Sangster die grobe Handlung festgelegt und Sangster übernahm schließlich das Schreiben des Drehbuchs, obwohl er eigentlich als Production Manager bei Hammer tätig war. Nigel Kneale wurde sogar gefragt, ob der Charakter des Professor Quatermass benutzt werden dürfte, aber der lehnte ab. Als Regisseur wollte man Jospeh Losey verpflichten, aber der stand in den USA auf der "Schwarzen Liste" der Kommunismusfreunde und da man es sich weder mit Dean Jagger noch dem amerikanischen Vertrieb verscherzen wollte gab man Leslie Norman den Posten. Wegen eines straffen Zeitplans mussten viele der Außen- und Nachtszenen im bitterkalten Februar abgedreht werden und Norman war einer der wenigen Regisseure, die sich bei Hammer nicht wohlfühlten und dies auch die Leute spüren ließ.

XX unbekannt - ScreenshotXX unbekannt - Screenshot

Für Leslie Norman war XX unbekannt erst die dritte Filmregie-Arbeit überhaupt, vorher arbeitete er meist als Editor und Produzent. Später inszenierte er noch Filme wie The Long and the Short and the Tall (Sieben gegen die Hölle) oder Episoden von TV-Serien wie The Avengers (Mit Schirm, Charme und Melone) oder The Persuaders (Die 2). Dean Jagger wurde mit dem Oscar für die beste Nebenrolle in Twelve O'Clock High (Der Kommandeur) geehrt und man sah ihn unter anderem auch in Samuel Fullers Fourtsy Guns (Vierzig Gewehre) oder Bruce Lees letztem offiziellen Werk Hame of Death (Bruce Lee - Mein letzter Kampf). Der hier einen Inspektor spielenden Leo McKern war später in The Day the Earth Caught Fire (Der Tag, an dem die Erde Feuer fing) und Richard Donners Ladyhawke (Der Tag des Falken) zu sehen gewesen und William Lucas, der im Film Ryostons Assistenten Peter spielt, trat noch in Tower of Evil (Der Turm der lebenden Leichen) auf. Und wie in vielen Hammer Filmen hat auch Michael Ripper (Das Schwarze Reptil, ) hier eine kleine Nebenrolle. Jimmy Sangster gab danach seinen bisherigen Job als Production Manager bei den Hammer Studios auf und schrieb mit den Drehbüchern zu The Curse of Frankenstein (Frankensteins Fluch), Dracula oder The Mummy (Die Rache der Pharaonen) die Vorlage für die größten Erfolge des Studios. Den Soundtrack komponierte James Bernard, der ein Jahr zuvor bereits The Quatermass Xperiment (Schock) vertonte und später auch die markante Musik zu Dracula und vielen anderen Filmen der Hammer Studios lieferte.

XX unbekannt kam bei Anolis im Rahmen der "British Horror Classics" Reihe als die Nummer 4 heraus. Das Bild macht für das Alter des Films einen sehr guten Eindruck, vor allem Kontrast und Schärfe wissen zu gefallen. Zwar muss man mit kleineren Verschmutzungen oder Materialdefekten leben, diese halten sich aber noch im kleinen Rahmen. Auch beim Ton gibt es nicht viel Anlass zur Kritik. Der englische Ton ist etwas dumpfer als der deutsche, aber trotzdem kann man die Dialoge noch gut verstehen, auch fallen in beiden Tonspuren keine nennenswerten Störungen auf. Die deutsche Synchronisation hier wurde allerdings in den frühen 1990er Jahren von dem TV-Sender Tele 5 angefertigt, die alte Kinosynchronisation gilt leider offiziell als verschollen. An Extras gibt es hier leider nicht viel. Neben dem Trailer gibt es noch eine kleine Bildergalerie und eine Abbildung des dänischen Filmprogramms. In dem Booklet gibt es wie immer mit Hintergrundinformationen gefüllte Liner Notes von Uwe Huber.

Quellennachweis

Wayne Kinsey: Hammer Films - The Bray Studios Years

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 02.01.2006
Letzte Textänderung: 03.01.2006

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann