Film Daten

Titel:
Originaltitel:
Polizia chiede aiuto, La
Land & Jahr:
Italien 1974
Laufzeit ca.: ?
87 Min.
Regie:
Massimo Dallamano
Darsteller:
Giovanna Ralli
Claudio Cassinelli
Mario Adorf
Franco Fabrizi
Farley Granger
Marina Berti
Paolo Turco
Corrado Gaipa
Micaela Pignatelli
Ferdinando Murolo
Salvatore Puntillo
Eleonora Morana
Sherry Buchanan
Roberta Paladini
Luigi Antonio Guerra
Alternativtitel:
• Coed Murders
• The Police Want Help
• What Have They Done to Your Daughters?
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Koch Media
Label:
Koch Media
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 86:59
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Italienisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • 3 Trailer
  • Bildergalerie
  • Booklet mit Liner Notes

Review

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(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Den Fall des Selbstmordes eines 15-jährigen Mädchens gibt Kommissar Valentini (Mario Adorf) an seinen Kollegen Silvestri (Claudio Cassinelli) ab, als mehr und mehr klar wird, dass es sich doch wohl um Mord handelt. Bei seinen Ermittlungen stoßen Silvestri und die leitende Staatsanwältin Vittoria Stori (Giovanna Ralli) auf einen Prostituiertenring, in dem junge Teenagerinnen ältere Herren zu beglücken haben. Silvestri und Stori suchen verzweifelt nach den Hintermännern und währenddessen geht das Morden weiter. Ein komplett in schwarz bekleideter Motorradfahrer bringt noch mehrere Menschen und fast sogar Vittoria Stori um...

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Mit La Polizia chiede aiuto oder hier besser bekannt als Der Tod trägt schwarzes Leder ist Regisseur Massimo Dallamano ein ganz großer Wurf gelungen, der zudem zu den besten Vertretern des italienischen Giallo-Genres zählen dürfte. Wobei diese Genre-Einteilung nicht ganz richtig ist, denn ein großer Teil könnte auch dem Bereich des italienischen Polizei-Thrillers zugeordnet werden. Aber von diesen Spitzfindigkeiten einmal abgesehen, bietet der Film dem Zuschauer einiges: eine flott erzählte Handlung, die immer wieder etwas Neues bietet, ein unterhaltsamer Sleaze-Faktor, ein paar rasant inszenierte Actionszenen, für den Horrorfan sogar ein paar blutige Todesszenen und eine wunderbare Ohrwurm-Musik von Stelvio Cipriani. Zudem schmückte Regisseur Massimo Dallamano das ganze mit ein paar subtilen politischen Untertönen und offenbahrt die Abgründe menschlicher Seelen. Zusammenfassend gesagt: ganz großes Kino, ein Highlight des Exploitations-Kinos.

Als Zuschauer wird man gleich mitten ins Geschehen geschmissen. Die Polizei bricht die Tür einer Wohnung auf, beobachtet wird dies aus einer niedrigen Position vom Rauminneren aus, so dass noch die Füße des armen erhängten Mädchens im Bild zu sehen sind. Mario Adorf betritt den Platz des Geschehens und man vermutet zunächst, dass er die Hauptfigur in diesem Kriminalfall sein wird. Aber hier gibt es schon kurze Zeit später die erste Wendung, als Claudio Cassinelli als Kommissar Silvestri den Tatort besichtigt und ab da an von der Kamera begleitet wird. Einzige Konstante bei beiden Personen bleibt die ihnen übergeordnete Saatsanwältin, die trotz ihres Standes und Geschlechts sich nicht davor scheut auch die blutigsten Tatorte zu besuchen. Mario Adorfs Kommissar Valentini rückt in die zweite Reihe, hat aber trotzdem an einer Stelle eine ganz wichtige Rolle zu spielen.

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Von der Gegenseite sieht man zunächst nicht viel, was sich positiv auf die aufgebaute Spannung des Films auswirkt. Zunächst weiß man überhaupt nicht, wer für den Mord verantwortlich ist. Nur ein schmieriger Fotograf kann festgenommen werden, der sich nicht zu schade war die nackte Leiche des Mädchens von einem gegenüberliegenden Gebäude zu fotografieren. Richtig finster wird es dann, als sich langsam aber sicher herausstellt, dass eine Gruppe von Hintermännern einen wohl sehr lukrativen Ring mit Mädchen im Teenageralter aufgebaut hat. Ein gefundenes Tonband offenbahrt nichts gutes über die Behandlung der jungen Frauen, bei einer werden sogar Betäubungsmittel eingesetzt.

Neben der Kriminalhandlung zeichnet Dallamano neben den unbekannten Männern im Hintergrund aber auch ein schlechtes Bild auf einige Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren. Eine wird als Zuspielerin anderer Mädchen entlarvt und die Erhängte war vorher auch kein Kind von Traurigkeit. Sie drohte ihrer Mutter mit Selbstmord und benahm sich außerdem extrem freizügig für ihr Alter. Sie wußte bereits wie sie Männer ködern konnte und das gute Einkommen ihrer Eltern ermöglichten ihr sogar eine kleine Wohnung für intime Spielereien zu mieten. Dies verdeutlicht, dass nicht nur ältere Herren hier ein dreckiges Spiel spielen, sondern auch die Sittenlosigkeit bei manchen Mädchen in immer jüngere Altersschichten Einzug erhält. Die Thematik von sexuell aktiven Mädchen im Teenageralter hatte er bereits in Cosa avete fatto a Solange? (Das Geheimnis der grünen Stecknadeln) aufgenommen, wo es zwar ein wichtiger, aber nicht zentraler Bestandteil der Handlung war.

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Hauptmerkmal von Der Tod trägt schwarzes Leder ist aber vor allem sein hohes Tempo. Ruhige Passagen gibt es eher selten, auch wird sich nur auf das Allernötigste bei der Polizeiarbeit beschränkt. Hier gibt es keine stundenlange Verhöre oder langwierige Untersuchungen. Eine Motorrad-Verfolgung läßt gar Erinnerungen an die rasanten Sequenzen aus wach werden, ist allerdings dagegen etwas kürzer ausgefallen. Direkte Gewalt ist zwar eher selten zu sehen, aber wenn, dann hat sie es in sich. Das Hackebeil des Motorradfahrers ist extrem scharf, was ein armer Polizist am eigenen Leibe erfahren muss, Köpfe rollen im wahrsten Sinne des Wortes und die Identifizierung einer Leiche, die nur noch zerstückelt aufgefunden werden konnte, läßt die Betrachterin im Film in einen Schreikrampf ausbrechen.

Zudem können die Hauptdarsteller Claudio Cassinelli und Giovanna Ralli überzeugen. Cassinelli mimt zwar drehbuchbedingt den harten und durchsetzungfähigen Cop, der aber auch mal frustriert und wütend werden kann, wenn er mal an einer Stelle nicht weiterkommt. Die von der Ralli verkörperte Staatsanwältin zeigt neben sachlicher Professionalität auch mal leichte Momente, in denen erkennbar wird, dass ihr dieser Fall doch ein bißchen nahe geht. Ganz groß hier die Szene, in der beide dem Tonband lauschen müssen, auf dem die Gespräche der Männer zu den Mädchen aufgezeichnet wurden. Mario Adorfs Rolle ist eher klein, aber er füllt sie gut aus und darf wohl den emotionalsten Part im ganzen Film spielen, schon allein deswegen weil er im Film eine Tochter in dem Alter der anderen Mädchen hat. Die weiteren Nebenrollen sind auch gut besetzt, stechen aber nicht unbedingt weit hervor. Erwähnen muss aber noch die durchweg gute Kameraarbeit, die ein paar wirklich gelungene Einstellungen bietet.

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Neben Cosa avete fatto a Solange? (Das Geheimnis der grünen Stecknadeln) gehören zu Massimo Dallamanos wichtigsten und bekanntesten Filmen noch seine Adaption von Le Malizie di Venere (Venus im Pelz) und Dorian Gray mit Helmut Berger in der Hauptrolle. Claudio Cassinelli sah man noch in Flavia, la monaca musulmana (Nonnen bis aufs Blut gequält), La Montagna del dio cannibale oder auch L' Isola degli uomini pesce (Die Insel der neuen Monster). Giovanna Ralli spielte unter anderem in Il Mercenario (Die zwei Gefürchteten) oder Gli Occhi freddi della paura (Cold Eyes of Fear) mit und ist auch heute noch für das italienische Fernsehen tätig. Und Mario Adorf ist durch diverse Western und italienische Exploitationfilme nun wirklich kein Unbekannter des Genres.

Auf DVD war dieser Film bisland nur als einfach gehaltene und schon einige Jahre alte DVD vom britischen Redemption/Salvation-Label erhältlich. Eine feine deutsche Veröffentlichung kommt nun aus dem Hause Koch Media, die zwar erwartungsgemäß kaum Bonusmaterial bietet, aber liebevoll gestaltet wurde und vor allem den Film in seiner ungekürzten Form präsentiert! Die DVD sitzt in einem Digipack, der noch von einem Pappschuber umgeben ist. Die Bildqualität kann man durchweg als gut bezeichnen, vor allem fällt das Fehlen jeglicher Defekte oder Verschmutzungen sehr positiv auf. Neben dem italienischen Originalton gibt es sowohl noch die deutsche wie auch englische Synchronisation und deutsche Untertitel. Die Tonqualität ist bei allen drei Tonspuren ungefähr gleich gut. Große Erwartungen darf man natürlich aufgrund des Mono-Ursprungs nicht stellen, aber zumindestens gibt es so gut wie keine Knackser oder andere Störgeräusche zu hören. An Extras gibt es drei Trailer, den deutschen, italienischen und britischen. Ansonsten nur noch eine Bildergalerie, aber dafür noch Liner Notes im Booklet von Italo-Experte Christian Kessler.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 25.08.2005
Letzte Textänderung: 30.08.2005

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