Film Daten

Titel:
Sein Wechselgeld ist Blei
Originaltitel:
I Giorni della violenza
Land & Jahr:
Italien 1967
Laufzeit ca.: ?
105 Min.
Regie:
Alfonso Brescia
Darsteller:
Peter Lee Lawrence
Rosalba Neri
Beba Loncar
Nello Pazzafini
Luigi Vannucchi
Andrea Bosic
Lucio Rosato
Harold Bradley
Romano Puppo
Alternativtitel:
Days of Violence
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Koch Media
Label:
Koch Media
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 99:50
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Italienisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Extras:
  • dt. Kinotrailer
  • ital. Kinotrailer
  • Bildergalerie
  • Liner Notes von Wolfgang Luley

Sein Wechselgeld ist Blei

Review

Sein Wechselgeld ist Blei - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

Amerika zur Zeit des Bürgerkriegs. Der traditionell dem Süden verbundene Bundesstaat Missouri wurde zu Kriegsbeginn rasch vom Norden überrollt. Der gutherzige Johs (Peter Lee Lawrence) arbeitet auf der Ranch des reichen Evans, dem gelähmten Vater seiner Herzensdame Christine, und versucht sich aus den Konflikten heraushalten, obwohl er prinzipiell den neuen politischen Ideen durchaus offen gegenüber steht. Erst als sein Bruder Clell und dessen Frau Liz von Nordstaatlern ermordet werden, schließt er sich einer Gruppe von Widerständlern an, um den Tod seines Bruders zu rächen. Schnell muss er jedoch erkennen, dass deren Anführer Butch (Nello Pazzafini) und seine Schergen weitaus mehr mit gewöhnlichen Banditen als idealistischen Freiheitskämpfern zu tun haben, da im Grunde auch sie die Kriegswirren lediglich nutzen, um im Namen der guten Sache ungestraft plündern und rauben zu können. Dennoch sieht sich Johs bei einem Postkutschenüberfall gezwungen einen Mann zu töten, um Butch das Leben zu retten. So wird er selbst zum steckbrieflich gesuchten Mörder, und eine gemeinsame Zukunft mit Christine rückt in weite Ferne...

Sein Wechselgeld ist Blei - ScreenshotSein Wechselgeld ist Blei - Screenshot

Auch wenn die deutschen Titel über diesen Umstand weitgehend hinwegtäuschen, der italienische Western hatte 1967 gleich zwei mal seine Tage: Tonino Valeriis Tage des Zorns (I giorni dell'ira, 1967) und die hier besprochenen Tage der Gewalt (I giorni della violenza, 1967) von Regisseur Alfonso Brescia. Im direkten Vergleich war die Sache klar. Nicht nur an den Kinokassen konnte Valerii mit Der Tod ritt dienstags das direkte Duell für sich entscheiden, auch qualitativ hat der mit Lee van Cleef und Giuliano Gemma top besetzte Film klar die Nase vorn - was allerdings nicht heißen soll, dass Brescias Sein Wechselgeld ist Blei ein gänzlich uninteressanter Genre-Beitrag wäre. Auch der sichert sich nämlich in gewisser Weise einen Ausnahmestatus; denn gegen Ende der 60er gab es wahrlich nicht viele italienische Wildwest-Filme, die sich statt Leone & Corbucci die klassischen US-Western zum Vorbild nahmen.

Brescia versuchte sich mit seiner episch angelegten Geschichte um Rache, Liebe & Verrat an einer europäischen Kopie amerikanischer Edelwestern. Und auch wenn der epische Anspruch letztlich trotz Bürgerkriegskulisse und Vorher/Nachher-Zeitsprung doch ein wenig vom Winde verweht wird, funktioniert dies nicht zuletzt dank der passenden Besetzung mit Peter Lee Lawrence als jugendlichem Recken im Stile vergangener Kinotage eigentlich recht gut - allerdings in der italienischen Originalfassung deutlich besser als in der deutschen Bearbeitung. Denn dort sorgt die Brandt'sche Synchro zwar für launige Unterhaltung ("Komm her, Du Sonnenblume, Du!"), aber eben nicht unbedingt für die getragene Stimmung, die einem Epos gut zu Gesicht steht. Und wenn man es dann obendrein noch mit einer ungekürzten Fassung zu tun hat, in der immer wieder untertitelte Handlungsszenen im deutlich ernsteren Originalton auftauchen, fällt diese Diskrepanz natürlich umso mehr ins Gewicht und sorgt für Irritationen.

Sein Wechselgeld ist Blei - ScreenshotSein Wechselgeld ist Blei - Screenshot

Aber auch davon abgesehen glänzt Alfonso Brescias Inszenierung nicht unbedingt mit einer schlüssigen Entwicklung der Charaktere. Die zweifelsohne wendungsreiche Handlung schlägt so viele Haken, dass einem als Zuschauer die Motivlage der Figuren manchmal durchaus rätselhaft vorkommen mag. Nehmen wir als Beispiel nur mal Evans Sklaven Nathan: Warum hat der alte Evans eigentlich nach Kriegsende überhaupt noch einen Sklaven? Bleibt er einfach aus Gewohnheit bei seinem Herrn, oder etwa aus reiner Nächstenliebe? Und warum hat Nathan scheinbar so gar kein Problem damit, dem bösen Clifford zu helfen, obwohl er von dessen Bluttat zuvor doch so entsetzt war?

Man könnte spekulieren, ob Brescia einfach nur den Gedanken im Kopf hatte, die Grenze zwischen Gut und Böse zu verwischen, um dem Zeitgeist des neuen italienischen Westerns Rechnung zu tragen. So tut Christine im Grunde ja nur, was ihr Vater befiehlt. Evans passt sich den politischen Veränderungen an, um seine Ranch zu retten. Und das Interesse des Kriegsgewinnlers Clifford an Christine mag durchaus aufrichtig sein. Allerdings verliert die Story beim Versuch, jeden Protagonisten mit einem nachvollziehbaren Motiv auszustatten, letztlich doch ein wenig die Orientierung.

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Denn egal ob Herzdame Christine, Papa Evans oder Bösewicht Clifford, man fragt sich manchmal wirklich, was sie eigentlich wollen. Clifford z.B. will Johs Kopf und seine Verlobte zurück. Aber als er den genialen Plan entwickelt, die entführte Christine heimlich zu kontaktieren, um Johs eine Falle zu stellen, kommt ihm tatsächlich weder die Idee, das Mädel bei der Gelegenheit einfach gleich mitzunehmen, noch den Kontrahenten direkt hinterrücks erschießen zu lassen - was bestimmt weniger zeitaufwendig und ungleich effektiver gewesen wäre. Und wer eine einfache Erklärung dafür sucht, warum Johs Liebchen Christine bis zuletzt die wandelnde Wankelmut spielt, der wird nur im deutschen Trailer fündig...

Zitat

Auch sie sucht einen Weg aus dieser Hölle. Aber um sich gegen die Welt teuflischer Außenseiter zu behaupten, ist eine Frau alleine zu schwach - ohne den Mann, der sie liebt. - aus dem dt. Trailer

Die große Konstante in all diesen Irrungen und Wirrungen ist Johs, der rasende Wüterich, dem das Schicksal wieder und wieder übelst mitspielt, um anschließend mit Wonne noch mal nachzutreten. Er verliert seinen Bruder, wird betrogen und verraten, als Gesetzloser gejagt und von seiner Zukünftigen abserviert. Kurz gesagt, böses Karma wie man es von Italo-Desperados nicht anders gewohnt ist. Doch wo Django sich den Hut ins Gesicht zieht und der gemeinen Realität ins zynische Antlitz spuckt, leistet Johs sich einen beinahe tödlichen Idealismus. Der Mann hat ein Problem. Er meint nämlich, jeden Gegner zunächst einmal am Leben lassen zu müssen und hat dadurch jedes Mal die doppelte Arbeit. Merke: Ob klassisch oder italo, Böse bleibt Böse, auch wenn es vorübergehend mit der Nase im Dreck liegt!

Nichtsdestotrotz gehören ihm die großen Momente des Films, allen voran der finale Showdown ("Wir machen heute mal was anderes. Mit Streichhölzern!"), in dem dann auch wieder die italienischen Wurzeln aufblitzen - natürlich samt Close-Up auf die unruhigen Augen der Kontrahenten. Absolut sehenswert. Ganz zu schweigen von Johs überraschenden Qualitäten als Crime Scene Investigator, mit denen er Täter auch mal anhand ballistischer Gutachten überführt. Ich bin mir zwar nach wie vor ziemlich sicher, dass es 1865 eher unüblich gewesen sein dürfte, Kugeln aus Leichen zu pulen - insbesondere dann, wenn man wie Johs mit der Medaille ja schon einen entscheidenden Hinweis auf den vermeintlichen Täter hat, aber Gil Grissom wäre sicher stolz auf ihn!

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Was bleibt ist ein handwerklich solider Film mit einigen wirklich guten Momenten, an dem vermutlich Freunden des klassischen Westerns mehr Freude haben dürften als jene, die speziell der italienischen Variante zugetan sind und gerade den Kontrast zu den amerikanischen Vorbildern schätzen. Denn für einen echten Italowestern ist Sein Wechselgeld ist Blei einfach zu sauber und unspektakulär. Auch optisch fühlt man sich eher an Karl May-Verfilmungen erinnert, und so sortiert sich das Ergebnis irgendwo zwischen 60er US- und den deutschen Euro-Western ein.

Nun ist Regisseur Al Bradley alias Alfonso Brescia wohl auch nicht unbedingt ein Exemplar der Gattung begnadetes Regie-Talent, und als er sich nach drei mittelprächtigen Sandalenstreifen Mitte der 60er anschickte, den Wilden Westen aufzumischen, hätte es schon einer ordentlichen Portion Optimismus bedurft, um von ihm eine cineastische Großtat zu erwarten. Ab 1966 saß Brescia trotzdem fest im Sattel und fabrizierte bis 1968 eine gute Handvoll Italowestern, von denen Sein Wechselgeld ist Blei vielleicht seine ambitionierteste Arbeit darstellt. Die Zutaten waren dabei aber in der Regel gar nicht verkehrt. Für Die Stunde der Aasgeier (Carogne si nasce, 1968) hatte er immerhin Gordon Mitchell und Glenn Saxon sowie Nello Pazzafini und Spartaco Conversi an der Hand. Im Fall von Für 100.000 verdammte Dollar (Voltati... ti uccido, 1967) Richard Wyler und Fernando Sancho. Da hätte man auch mehr draus machen können!

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Eigentlich ist Brescia der Prototyp des italienischen Trendhopsers. Italowestern, Sandalenkino, Kriegsfilm - wann immer ein Genre allzu sehr in Mode zu kommen drohte, nahm sich Alfonso kompetent der Sache an und löste das Problem auf seine Weise. Ein wirklich guter Film ist, glaub ich, dabei nie herausgekommen, aber dafür hat sich Brescia als Urheber von 1A-Scifi-Trash wie Krieg der Roboter (La Guerra dei robot, 1978), Die Bestie aus dem Weltraum (La Bestia nello spazio, 1978) und Star Odyssey (Sette uomini d'oro nello spazio, 1978) einen respektablen Ruf erarbeitet. Im Kometenschweif des Star Wars-Erfolgs kam es auch schon mal vor, dass er innerhalb eines Jahres 3 solche Filme ablieferte.

Zu den weiteren Highlights seiner Filmographie gehören Die Frauen, die man Töterinnen nannte (Le Amazzoni - donne d'amore e di guerra, 1972) mit Lincoln Tate als Amazonen-Opfer, der historische Erotik-Schwank Poppea, die Hure von Rom (Poppea... una prostituta al servizio dell'impero, 1972) und vielleicht noch Blut eines Bullen (Sangue di sbirro, 1976), der für Poliziotti-Fans insbesondere augrund der Beteiligung der Herren Eastman und Palance interessant sein dürfte.

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Für die Hauptrolle seines Bürgerkriegsdramas hat Brescia den jungen Deutschen Karl-Otto Hirenbach auserkoren, der hier unter dem Pseudonym Peter Lee Lawrence auftrat. Als Lawrence brachte es Hirenbach immerhin auf 17 Italowestern (mehr als die Hälfte seiner insgesamt 30 Filme umfassenden Filmographie), wobei er abgesehen von seinem Schauspieldebüt stets nur in Hauptrollen zu sehen war. Umso interessanter, dass der kleine ungenannte Gastauftritt zugleich den bekanntesten und erfolgreichsten Film seiner Karriere markiert. Es handelt sich nämlich um den von Meister Leone selbst inszenierten Für ein paar Dollar mehr (Per qualche dollaro in più, 1965). Hirenbach spielt hier in den beiden Rückblenden Lee van Cleefs Schwager, der von El Indio aus Eifersucht erschossen wird. Da seine übrigen Filme, in denen er wie in Sein Wechselgeld ist Blei meist den Gemma-Part des jugendlichen Heißsporns übernahm, allerdings allesamt eher im Mittelmaß rangieren, dürfte sein Name wohl doch nur eingefleischten Genre-Fans ein Begriff sein. Aber nicht nur auf der Leinwand hatte Peter Lee Lawrence mit einem schweren Schicksal zu kämpfen. Im wahren Leben nahm sich Karl-Otto Hirenbach 1974, vermutlich als Reaktion auf die Diagnose eines Hirntumors, mit nicht einmal 30 Jahren das Leben.

Zu sein interessantesten Eurowestern gehören der wesentlich ernster als der deutsche Titel vermuten lassen würde angelegte Sando Kid spricht das letzte Halleluja (Su le mani cadavere! Sei in arresto, 1971) sowie sein Co-Starring neben Anthony Steffen in Rafael Romero Marchents Garringo - Der Henker (1970). Letzterer erhielt sogar eine Quasi-Fortsetzung, die zumindest in der deutschen Synchro den Garringo-Charakter namentlich wiederauferstehen ließ und Lee Lawrence ein weiteres Mal die Chance gab als Steffens Gegenspieler zu fungieren, nämlich Galgenvögel sterben einsam (Arriva Sabata!, 1970). Desweiteren erwischte Hirenbach mit Ein Colt für 100 Särge (Una pistola per cento bare, 1968) auch noch eine der schwächeren Arbeiten von Umberto Lenzi.

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Für etwas Italo-Glanz in der Hütte sorgt Genre-Routinier Nello Pazzafini als Butch, der eines dieser Gesichter hat, das man einfach (wieder-)erkennt, sollte man irgendwann einmal an einem seiner Filme hängenbleiben. Und da der gute Nello in beinahe 200 Filmen herumgestrommert ist, dürfte die Wahrscheinlichkeit dafür nicht allzu klein sein. Er begann seiner Karriere in den ausgehenden 50er Jahren als Nebendarsteller in typischen Italo-Abenteuerproduktionen, in den die Hauptrollen von Exil-US-lern wie Lex Barker, Steve Reeves oder Gordon Scott gespielt wurden; darunter auch Sergio Leones Der Koloss von Rhodos (Il Colosso di Rodi, 1961) und Umberto Lenzis Robin Hood- bzw. Zorro-Adaptionen sowie selbstredend eine endlose Anzahl von Macistes & Herkulessen. Auch wenn er bis dahin schon an die 50 Filme gedreht hatte, die Zeit für größeren Rollen kam für Pazzafini erst mit dem Aufkommen des Italowesterns Mitte der 60er.

1965 drehte er mit Giuliano Gemma Ein Loch im Dollar (Un dollaro bucato, 1965) und Adios Gringo (1965), ein Jahr später Arizona Colt (1966). Ebenfalls 1966 partizipierte er an seinem ersten Genreklassiker, Der Gehetzte der Sierra Madre (La resa dei conti, 1966) von Sergio Sollima; eine Zusammenarbeit, die die beiden mit Von Angesicht zu Angesicht (Faccia a faccia, 1967) fortsetzten. Von da ab etablierte sich Pazzafini als eines der gefragtesten Gesichter für die zweite Hauptdarstellerriege. So spielte er u.a. in Sollimas 3tem Western Lauf um Dein Leben (Corri, uomo, corri, 1968), scherzte mit Gianni Garko in Ein Halleluja für Composanto (Gli fumavano le Colt... lo chiamavano Composanto, 1971) und feierte in Ich bin ein entflohener Kettensträfling (Vivo per la tua morte, 1967) ein Wildwest-Wiedersehen mit Sandalen-Held Steve Reeves.

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Die bereits erwähnte Prägnanz sollte ihn auch die folgenden beide Jahrzehnte im Geschäft halten. Denn sowohl in den Poliziottis der 70er als auch den Endzeit-Fantasy-Spektakeln der 80er blieben seinen markanten und vom Ernst des Lebens gezeichneten Gesichtszüge gefragt. Und egal ob bei einem seiner zahlreichen Kurzauftritte als Killer (u.a. in Fulcis Das Syndikat des Grauens und Castellaris Tote Zeugen singen nicht) oder bspw. als Gefangener in Damiano Damianis Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert (Confessione di un commissario di polizia al procuratore della repubblica, 1971), Nello war stets ein gern gesehener Gast. Die im Fahrwasser von Conan laufende Welle italienischer Barbaren-Filme nahm er denn auch fast vollständig mit - inklusive solcher Trash-Perlen wie den beiden Ator-Filmen (Ator l'invincible 1+2, 1982/84), Einer gegen das Imperium (Il Mondo di Yor, 1983) oder auch Ruggero Deodatos unglaublichem Heuler Die Barbaren (I Barbari, 1987). Seinen letzten Kinofilm, Miami Cops, drehte er 1989 und auf dem Regiestuhl saß kein anderer als Wechselgeld-Regisseur Alfonso Brescia, womit sich unser Kreis an dieser Stelle wieder schliesst.

Zitat

Er war der einzige Freund, den ich hatte. - Johs über den von ihm getöteten Butch.

Das begehrte Blondchen Christine wird von der gebürtigen Jugoslawin Beba Loncar gespielt, die in den frühen 60ern schon mit Freddy Quinn das Lied der Prärie sang (Freddy und das Lied der Prärie, 1964). 1967 drehte sie nicht nur Sein Wechselgeld ist Blei, sondern auch den sehenswerten Agententhriller Der Boß stirbt noch vor 12 (Rapporto Fuller, base Stoccolma, 1967) von Sergio Grieco. Außerdem verschlug es sie noch zur Aufarbeitung deutscher Geschichte unter der Regie von Ferdinando Baldi ins Osnabrücker Land (Hermann der Cherusker - Die Schlacht im Teutoburger Wald, 1967). Ende der 70er spielte sie zusammen mit Klaus Löwitsch in einem jugoslawischen Kriegsfilm (Pakleni otok, 1979), bevor sie Anfang der 80er ihre Filmkarriere mit einer Nebenrolle im starbesetzten Lustfilmchen Vier Asse hauen auf die Pauke (Sunday Lovers, 1980) und der Hauptrolle im hierzulande unveröffentlichten Italo-Horrorstreifen La Villa delle anime maledette (1982) beendete.

In weiteren tragenden Rollen sind Luigi Vannucchi (Johnny Yuma, 1967), Lucio Rosato (Kopfgeld - Ein Dollar, Die Barbaren) und Andrea Bosic zu sehen. Bosic (Evans) durchlebte erwähnenswerterweise 1967 sowohl die Tage des Gewalt, als auch die Tage des Zorns; denn er spielte nicht nur den Evans in Sein Wechselgeld ist Blei, sondern war auch in Valeriis Der Tod ritt dienstags zu sehen. Weitere Filme aus dem man ihn kennen könnte wären Man nennt mich Halleluja (Mi chiamano Alleluja, 1971) oder Django - Ich will ihn tot (Lo voglio morto, 1969) kennen. Eine seiner letzten Filme war Lucio Fulcis Amulett des Bösen (Manhattan Baby, 1982).

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Einen kurzen, aber überaus attraktiven Auftritt als Johs Schwägerin Lizzy absolviert die italienische Schönheit Rosalba Neri, die ansonsten nicht nur im Wilden Westen, sondern auch in italienischen Komödien und Gialli eine gute Figur gemacht hat. Spezialisiert auf sexualisierte Opferrollen war sie zwar nicht unbedingt eine Grande Dame, hat dafür aber so interessante Filme wie den stylisch-obskuren Krimi-Trash Das Auge des Bösen (Casa d'appuntamento, 1972) gedreht, in dem Regisseur Ferdinando Merighi Euro-Ikonen wie Howard Vernon, Anita Ekberg und Evelyn Kraft mit einem Bogart-Double kombinierte. Einige Perlen wie z.B. L'Amante del demonio (1972) warten immer noch auf ihre deutsche Veröffentlichung.

Was ihr Wildest-Schaffen betrifft, kann man sich über Auftritte in in Mario Gariazzos Zeig mir das Spielzeug des Todes (Il Giorno del giudizio, 1971) oder Sergio Martinos flottem Der Tod sagt Amen/An den Galgen, Hombre (Arizona si scateno... e li fece fuori tutti, 1970) freuen. Gemeinsam mit Wechselgeld-Kollege Nello Pazzafini drehte sie noch im gleichen Jahr ihren wahrscheinlich besten Genre-Film, den bereits erwähnten Ich bin ein entflohener Kettensträfling (Vivo per la tua morte, 1967). Ihren letzten Italowestern drehte sie Mitte der 70er, und obendrein zum Abschluss sogar einen ziemlichen guten. Nämlich Gianfranco Baldanellos Zehn Bleichgesichter und ein Indianerboy (Dieci bianchi uccisi da un piccolo indiano, 1975) mit Fabio Testi in der Hauptrolle.

Und weitergegeben hat sie Schönheit und Schauspieltalent übrigens auch; wie Töchterchen Francesca Neri bspw. in Ridley Scotts Schweigen der Lämmer-Sequel Hannibal (2001) oder Schwarzeneggers Alterswerk Collateral Damage (2002) beweisen durfte.

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Ganz entscheidenden Anteil daran, Sein Wechselgeld ist Blei zu einer alles in allem unterhaltsamen Sache zu machen, hat zweifelsohne der gute Soundtrack, der von keinem geringerer als Bruno Nicolai stammt. Der Score gehört zu den frühen eigenverantwortlichen Arbeiten des ehemaligen Morricone-Arrangeurs und lässt bereits erahnen, welche großartigen Melodien man von ihm noch erwarten durfte. Nämlich solche unvergesslichen Ohrwürmer wie das Titelthema zu Sartana - Noch warm und schon Sand drauf (Buon funerale, amigos... paga Sartana, 1970) oder Sollimas Lauf um Dein Leben (Corri, uomo, corri, 1968) sowie seine vielen Arbeiten für Jess Franco und Sergio Martino. Nicolai bleibt eben einer der ganz großen italienischen Soundhexer.

Beim Skript hatten gleich vier Schreiberlinge ihre Griffel im Spiel, von denen Mario Amendola sicher der interessanteste ist. Immerhin schrieb er am Drehbuch für Corbuccis Leichen pflastern seinen Weg (Il grande silenzio, 1969) und Drei Halunken erster Klasse (Il bianco, il giallo, il nero, 1975) mit und steuerte einiges zu den Superbullen-Filmen mit Tomas Milian bei. Auch die Herren Spencer und Hill drehte schon Filme nach Amendolas Ideen (u.a. Zwei Asse trumpfen aus, Zwei sind nicht zu bremsen).

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Im Gegensatz zum Film selbst, der nun doch eine etwas durchwachsene Angelegenheit bleibt, ist die KochMedia-Präsentation einmal mehr ohne jeden Fehl und Tadel. Die DVD bietet eine bemerkenswerte Bildqualität, wobei an den Anfangscredits zu sehen ist, dass hier scheinbar sogar auf ein deutsches Master zurückgegriffen wurde - sofern man das Endergebnis nicht aus verschiedenen Quellen zusammengesetzt hat; denn zumindest eine vollständig synchronisierte deutsche Fassung hat es von Sein Wechselgeld ist Blei bekanntermaßen nie gegeben. Etwa 12 durchaus relevante Handlungsminuten wurden im Vergleich zur alten Kinofassung wieder ergänzt und werden entsprechend im Originalton mit optionalen Untertiteln präsentiert.

Beim Ton stehen erfreulicherweise (wie von KochMedia nicht anders gewohnt!) sowohl die deutsche Synchronfassung als auch die italienische Originalversion zur Auswahl, was wie oben beschrieben in diesem Fall eine lohnenswerte Option ist. Positiv fällt in diesem Zusammenhang auch auf, dass sich die Untertitel nicht nur in den neu eingefügten Szenen am Original statt an der kalauernden Synchro orientieren. Eine feine Sache, wenn man die Unterschiede zwischen beiden Fassungen vergleichen möchte. Ein mittlerweile offenes Geheimnis dürfte sein, dass auf den KochMedia-DVDs in der Regel stets auch optionale englische Untertitel zu finden sind, auch wenn dies im Menü oder bei den rückseitigen Angaben auf dem Cover verschwiegen wird. Qualitativ befinden sich beide Tonspuren auf gutem DD 2.0 -Mono-Niveau. Die deutsche Fassung ist hierbei vielleicht noch einen Tick klarer, aber gut verständlich und relativ störungsfrei sind sie beide.

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Sogar mit ein paar interessanten Extras kann die DVD aufwarten. Nun darf man bei solch einem kleinen Titel bestimmt kein Making Of samt Audiokommentar von Cast & Crew erwarten, aber 2 Trailer (dt./ital.) und eine nette kleine Bildergalerie mit altem Werbematerial ist sicherlich schon mehr als man typischerweise bei Filmen dieser Größenordnung geboten bekommt. Was die Menügestaltung angeht hat man sich im Vergleich zu den vorherigen Westernveröffentlichungen aus dem Hause KochMedia noch einmal etwas Neues und wie ich finde sehr Schönes einfallen lassen. Hier wurden Standbilder mit Filmszenen zu einer animierten Collage kombiniert, die zu Bruno Nicolais Titelthema von rechts nach links durchs Bild läuft. Wirklich sehr edel.

Hinzu kommt eine graphisch schön gestaltete Digi-Klappbox im schicken Pappschuber samt 4-seitigem Booklet von Western-Spezi Wolfgang Luley, das Hintergrundinfos zum Film und dem deutschen Hauptdarsteller Peter Lee Lawrence liefert. Uih, und dass sich dieses Mal doch tatsächlich in Luleys Liner Notes ein sympathischer kleiner Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen hat, mag man da bestimmt nicht als Minuspunkt werten. Der deutsche Titel des anderen Brescia/Hirenbach-Westerns lautet natürlich auch bei der zweiten Nennung noch Stirb oder töte - mit nem UND macht es in dieser Reihenfolge ja eigentlich auch nicht sonderlich viel Sinn.

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Auch dass das Covermotiv so gewählt wurde, dass der Bezug zum klassischen Western direkt ins Auge springt (Lawrence sieht hier 1A aus wie ein Bösewicht aus einem alten US-Streifen), darf man durchaus als faire Geste einstufen; denn es wäre sicher ein leichtes Gewesen, den Film optisch als reinrassigen Italowestern zu verkaufen. Alfonso Brescias Sein Wechselgeld ist Blei mag rein qualitativ kein Meisterwerk sein, aber fest steht, eine bessere Veröffentlichung dieses Streifens werden wir in diesem Leben bestimmt nicht mehr erleben. Da wünscht man sich, dass hoffentlich noch viele, viele andere kleinere Produktionen eine solch schöne Aufbereitung erfahren werden.

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 09.01.2006
Letzte Textänderung: 19.01.2006

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