Film Daten

Titel:
Sando Kid spricht das letzte Halleluja
Originaltitel:
Su le mani, cadavere! Sei in arresto
Land & Jahr:
Italien 1971
Laufzeit ca.: ?
89 Min.
Regie:
Sergio Bergonzelli
Leon Klimovsky
Darsteller:
Peter Lee Lawrence
Espartaco Santoni
Franco Agostini
Helga Line
Aldo Sambrell
Aurora de Alba
Maria Zanandrea
Tomás Blanco
Alternativtitel:
• Sando Kid
• Un dólar para Sartana
• Raise Your Hands, Dead Man, You're Under Arrest
• Kitt, o vingador
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Koch Media
Label:
Koch Media
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 (anamorph) / 88:42
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Italienisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Extras:
  • ital. Kinotrailer
  • Bildergalerie

Sando Kid spricht das letzte Halleluja

Review

Sando Kid spricht das letzte Halleluja - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

Hilflos muss der Frontsanitäter Sando Kid (Peter Lee Lawrence) mitansehen wie Yankee-Captain Grayton die sich ergebenden Südstaatler skrupellos über den Haufen schießt. Von diesem Erlebnis nachhaltig beeindruckt schnallt der Ex-Pazifist sich den Revolvergurt um, heuert bei den Rangern an und verschafft Recht und Gesetz fortan auf eher blutige Art und Weise Gehör. Protegiert wird er dabei vom schwarzgekleideten Kopfgeldjäger Dollar, der stets zur Stelle ist, wenn es für Sando Kid mal brenzlig wird. Und das wird es insbesondere, als er auf seinem Kreuzzug für die gute Sache erneut auf den sadistischen Grayton trifft, der gerade im Begriff ist arme Rancher um ihren Grundbesitz zu bringen. Wenn Sando Kid da mal nicht noch ein Wörtchen mitzureden hat...

Sando Kid spricht das letzte Halleluja - ScreenshotSando Kid spricht das letzte Halleluja - Screenshot

Sando Kid spricht das letzte Halleluja in diesem wahrlich bunten Knallbonbon von einem Western, dessen größte Schwäche sicherlich der schnarchige deutsche Titel ist. Und auch wenn Su le mani, cadavere... sei in arresto! (wörtlich: "Hände hoch, Kadaver - Du bist verhaftet!") mit Italowestern eigentlich nur bedingt etwas zu tun hat, Spaß macht's trotzdem.

Um Wildwest-Klamauk, wie das Halleluja vielleicht vermuten lassen könnte, handelt es sich allerdings nicht. Vielmehr präsentiert uns Regisseur Sergio Bergonzelli eine überdrehte Variante uriger US-Vorbilder vergangener Tage, in der die Rollen zwar einerseits klar verteilt, die Guten gut und die Bösen so richtig böse sind, aber andererseits im knallbunten Italian-Style gekämpft und vor allem gestorben wird. Zweifelsohne ein völlig anderer Ansatz als ihn Leone und Corbucci für das Genre formuliert haben.

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Dass diese recht gewagte Rechnung trotzdem aufgeht, liegt nichtzuletzt an einer sehenswerten Besetzung; allen voran der großartig aufgelegte Peter Lee Lawrence (aka Karl-Otto Hirenbach), der nicht nur rein optisch die Idealbesetzung für ein solches Vorhaben ist - weil er einfach aussieht als sei er direkt aus einem US-Serial der 40er herausgehüpft - sondern dem man zudem deutlich anmerkt, dass er sein Tagwerk hier mit viel Freude verrichtet hat. Egal ob als pazifistische Krankenschwester oder als inkognito reisender Parfümvertreter (kein Witz!), der blonde Sunnyboy, den im wahren Leben so ein tragisches Schicksal ereilen sollte, liefert eine tolle, augenzwinkernde Vorstellung.

Und zu Zwinkern gibt es hier einiges. Das beginnt schon bei dem doch recht fragwürdigen Rotkreuz-Outfit und setzt sich in einer denkwürdigen Kombi (löcheriges Hütchen, rotes Halstuch) fort, mit der Herr Hirenbach quasi als lachender Vagabund bei den Rangern vorstellig wird. Selbst als er dann einen coolen Poncho bekommt wie ihn Eastwood in Für eine Handvoll Dollar trägt, hat der zwar das richtige Muster, aber eher den Umfang einer Tagesdecke. Nein, so ganz ernst kann man das alles nicht nehmen. Und Sando Kids ewig schmunzelnder Protegé (Espartaco Santoni), der in seinem schwarzen Anzug selbst aussieht als sei Paul Naschy auf dem Weg zum Walk the Line-Casting, scheint es ebenso zu sehen.

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Inhaltlich bietet der Film neben einem ordentlichen Schuss Spiel mir das Lied vom Tod-Anleihen (s.u.) und der beinahe unvermeintlichen Prise Revenge!!! nichtzuletzt auch eine Variation des Zorro-Themas. So gibt es zwar nicht Mantel, Degen und Augenbinde, aber Sohnemann Sando Kid kehrt immerhin auf die Familien-Ranch/Hacienda zurück und wendet sich zunächst unerkannt gegen den neuen Machthaber und dessen Schergen. Da lässt der maskierte Rächer schon schön grüßen - auch wenn er das schwarze Dress Santoni überlässt. Vermischt wird dieses insbesondere in der Prä-Leone-Ära beliebte Thema mit einer italo-typischen Rachegeschichte, die ihren Ausgang auf dem Schlachtfeld des Bürgerkriegs nimmt, sowie einem Subplot um Eisenbahn-Spekulanten, der wahrscheinlich den direktem Weg aus Leones C'era una volta il West ins Drehbuch gefunden hat; ebenso wie Graytons Erinnerungslücke hinsichtlich des ersten Zusammentreffens mit seinem Kontrahenten. Davon könnten Peter Fonda und Charles Bronson ja auch ein Lied singen - das vom Tod nämlich!

Glücklicherweise gingen Bergonzelli und Co. aber nicht nur bei Fremdinspiration und Ideen-Recycling recht hemmungslos vor, sondern zeigten sich in der Umsetzung ähnlich experimentierfreudig. Entsprechend bunt und verspielt fällt das Ergebnis aus. Da darf Bösewicht Grayton passend zur Eisenbahn-Thematik dann auch schon mal seine Expansionspläne an einem selbstgebastelten Landschaftsmodell erklären, das sogar mit schnuckeligen Namensschildchen der bisherigen Landbesitzer bestückt ist. Goldig. Ob er wohl abends, wenn keiner guckt, schon mal mit seiner kleinen Märklin-Lok die Strecke testet?! Toll auch ein grandios gezeichneter Steckbrief, auf dem nach einem Schurkentrio namens Tim the Prettiest, Lolito und J.Mac the Scared gefahndet wird.

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Überhaupt geht es hier zu wie im Kinderbuch. Da kann sich der Wilde Westen vergeblich abmühen, immer wenn es beinahe gelungen ist, dem Sando Kid die gute Laune zu vermiesen, taucht von irgendwo her Espartaco Santoni als propere Grinsekatze mit fettem Goldohrring und unglaublicher Zahnkette auf, um mit ordnender Hand wieder für Gerechtigkeit zu sorgen. Wer wert auf Glaubwürdigkeit und Realismus legt, mag empört losheulen, aber in seiner kindlich-naiven Art ist Su le mani, cadavere... grundsympathisch und überaus konsequent.

Zitat

Eines Tages geht der Hase mit dem Löwen eine Ehe ein, aber der Bund fürs Leben kostet ihn den Kopf. - Sando Kid.

Reizvoll für den Freund des wilden italienischen Kinos wird das Ganze dadurch, dass Bergonzelli all dem ein Problemlöseverhalten gegenüberstellt, das so ganz und gar nicht kindgerecht ist. Nicht dass das Blut in Strömen fließen würde, aber wenn der Captain direkt in der Eröffnungsszene über das Schlachtfeld reitet und die um Gnade flehenden Verwundeten abknallt, dann ist das gewissermaßen schon eisenhart. Und auch bei Sando Kids Charakterentwicklung wird der Holzhammer ausgepackt und wir erleben eine Wandlung vom Pazifisten zum ziehfreudigen Guman, der in bester Bronson-Manier erst schießt und dann die Fragen stellt - allerdings ohne den politisch-moralischen Beigeschmack von Michael Winners Ein Mann sieht rot (Death Wish, 1974).

Diese Ambivalenz spiegelt sich übrigens auch in Alessandro Alessandronis Soundtrack wieder, dessen poppig-verspielter, beinahe beatiger Grundton von düsteren Disharmonien durchbrochen wird. Sogar die eine oder andere schräge 70s-Gitarre kommt zum Zug und sorgt für ein nettes Psychedelic-Feeling. Morricone-artiges Pfeifen gibt es aber natürlich auch zu hören (kein Wunder, wenn man sich die Vita von Herrn Alessandroni anschaut; s.u.). Insgesamt ein wirklich hörenswerter Score!

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Mit dem, was sonst so unter dem Schlagwort "Halleluja" vermarktet wurde, hat das wie gesagt kaum etwas zu tun. Die Komik steckt hier eher im Detail. Wie z.B. bei einer Schiesserei, in der die Herren in sicherer Deckung stehen, während die Frauen mit den nachgeladenen Waffen munter im Kugelhagel auf und ab spazieren dürfen. Oder in Graytons Handlanger Angel, der dauernd Kugeln fängt, aber sich immer noch brav zu seinem Herrchen zurückschleppt. Eine klamaukige Note bringt erst die Synchronisation. So stottert Sando Kids Schießlehrer nur in der deutschen Fassung, und der Hotelier, der im italienischen Original eigentlich nur eine sehr dezente feminine Note hatte, ist hierzulande plötzlich stockschwul und macht Schnuckelchen Peter Lee Lawrence mit Heititei-Stimme Avancen. Ein Mönch spricht sich im Gegensatz zum Original dafür aus, dass der Zweck die Mittel heilige, und Hühneraugen, auf die getreten bzw. nicht getreten werden soll, spielen plötzlich eine bedeutende Rolle. Naja, wahrscheinlich wollte man dem "Halleluja"-Titel dann doch einfach irgendwo Rechnung tragen...

Hauptdarsteller Karl-Otto Hirenbach, der als Schauspieler unter dem Pseudonym Peter Lee Lawrence firmierte, und sein trauriges Schicksal (vermutlich Selbstmord nach der Diagnose eines Hirntumors) war ja bereits Thema im Review zum 4 Jahre früher entstandenen Sein Wechselgeld ist Blei (I giorni della violenza, 1967), also kümmern wir uns lieber um die übrigen Beteiligten wie seine Co-Stars Aldo Sambrell und Espartaco Santoni sowie den interessanten Support bspw. durch Helga Liné. Lustig ist vielleicht auch eine Anekdote, die Christian Kessler in seinem wunderbaren Standardwerk "Willkommen in der Hölle" zur Besetzung zu berichten weiß. So soll laut Bergonzelli ursprünglich ein anderer Deutscher für den Part des Sando Kid vorgesehen gewesen sein, Klaus Kinski nämlich. Ob das angesichts der Art der Rolle nun unbedingt so eine gute Sache gewesen wäre? Also ich hege da doch zumindest gewisse Zweifel!

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Entgegen der Stabsangabe in den meisten Prints saß bei Su le mani, cadavere... nicht León Klimovsky, sondern Sergio Bergonzelli auf dem Regiestuhl. Wie viele andere vor ihm musste auch Bergonzelli die Credits aus Steuergründen an den Argentinier abtreten und wurde so um die namentliche Weihe einer seiner besten Arbeiten gebracht. Schade drum. So bleibt seine Filmographie vor allem von bedeutungslosen Erotikfilmen geprägt, unter denen der kommerziell recht erfolgreiche Softsex-Streifen Joy - 1 1/2 Stunden wilder Lust (1983) zu den bekanntesten zählt. Ein Neuling im Western-Gewerbe war Sergio Bergonzelli freilich nicht. Schon ab Mitte der 60er bewegte er sich mehrfach im Dunstkreis es Genres, orientierte sich aber mit Filmen wie El Cisco (1966) und Das letzte Gewehr (Jim il primo, 1964) auch dort schon eher an konventionellen amerikanischen Vorbildern.

1988 beendete er seine Karriere als Regisseur mit dem trashige Nekrophilie-Sleazer Blood Delirium (Delirio de sangue, 1988), der es in Deutschland bisher noch nicht zu Veröffentlichungsehren gebracht hat. Ein sonderlich gelungener Abschluss war es wohl nicht, auch wenn die ursprüngliche italienische Kinofassung des Films einige deftige Gore-Szenen enthalten haben soll, die bisher noch auf eine Video bzw. DVD-Verwertungen warten. Ich warte nicht und schlage stattdessen den sicherlich besseren Su le mani, cadavere... zur Sichtung von Bergonzellis Talenten vor. Zumal andere bessere Werke wie Porco Mondo (1978) oder Cristiana monaca indemoniata (1973) meines Wissens bei uns bislang nicht veröffentlicht wurden. Als Darsteller hatte er übrigens Mitte der 90er neben einer geballten Ladung Genre-Prominenz (u.a. Lucio & Antonella Fulci, Luigi Cozzi, Linnea Quigley, Sergio Stivaletti und David Warbeck) einen Gastauftritt im launigen Italo-Independent-Film Sick-O-Pathics (1988).

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Bei Aldo Sambrell (Grayton) handelt es sich auf das Genre bezogen um beste Zweitreihen-Prominenz; denn auch wenn er die meiste Zeit nicht im zentralen Rampenlicht stand, war er trotzdem in etwa 30 Italowestern zu sehen. Darunter immerhin sämtliche Klassiker von Sergio Leone von Für eine Handvoll Dollar (Per un pugno di dollari, 1964) bis Todesmelodie (Giu la testa, 1971). So spielte er bspw. die Cucchillo-Figur in Für ein paar Dollar mehr (Per qualche dollaro in piu, 1965), die Sergio Sollima zu dem gleichnamigen Charakter inspirierte, den später Tomas Milian in zwei Filmen darstellen durfte. Sambrell selbst drehte mit Sollima Von Angesicht zu Angesicht (Faccia a faccia, 1967). Etwas größere Rollen sprangen für ihn aber auch in Sergio Martinos Der Tod sagt Amen (Arizona si scatenò... e li fece fuori tutti, 1970) sowie Sergio Garrones Fuzzy, halt die Ohren steif (Uccidi Django... uccidi per primo, 1973). Seinen letzten Ausritt unternahm er in Lucio Fulcis Spätwestern Silbersattel (Sella d'argento, 1978).

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen endete seine Schauspielkarriere aber nicht mit dem Niedergang des Italowestern. Es hat eben auch Vorteile, wenn man nicht die Überpräsenz auf einen bestimmten Typus festgelegt ist. So bietet Sambrells Filmographie für jeden Geschmack etwas. Von Softsex mit Laura Gemser (Eine Frau für alle Fälle, 1978) bis zur Turkploitation mit Mr.Süperstar Cüneyt Arkin (Süpermenler, 1979) wird man fündig. In erster Linie waren es aber Action- und Abenteuerfilme mit denen er in den 70ern und 80ern sein Brot verdiente. Darunter etliche Direct-to-Video Ware, aber auch hochkarätigeres wie John Milius Breitwand-Abenteuer Der Wind und der Löwe (The Wind and the Lion, 1975) oder Ray Harryhausens Sinbads gefährliche Abenteuer (The Golden Voyage of Sinbad, 1974). Mit Italo-Ikonen wie Enzo G. Castellari (Tuareg, 1984) und Duccio Tessari (Tex und das Geheimnis der Todesgrotten, 1985) drehte ebenso wie mit Beatles-Filmer Richard Lester (Die Rückkehr der Musketiere, 1989). Und in Jackie Chans WW2-Abenteuer Mission Adler - Der starke Arm der Götter (Fei ying gai wak, 1991) gab er gar den Adolf!

Aktiv ist der mittlerweile fast 70 Jahre alte Sambrell übrigens bis heute; tauchte z.B. neben Bela B., Lina Romay und Santiago Segura (Torrente, Aktion Mutante) in Jess Francos Killer Barby-Filmen (1996, 2002) sowie dessen grottigem Tender Flesh (1998) auf. Besten Sex-Trash lieferte er zuletzt auch in Flesh for the Beast (2003).

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Espartaco Santoni gibt hier nicht nur den immer mal wieder auftauchenden Schutzengel Sando Kids, sondern fungierte zugleich auch als ausführender Produzent. Der gebürtiger Argentinier machte sich in Spanien vor allem als Womanizer einen Namen. Ein Kostverächter war Espartaco bestimmt nicht. Ganze sieben (Ehe-)Frauen hat der Mann verschlissen (bzw. glücklich gemacht - je nachdem). Darunter die Kolleginnen Carmen G. Cervera (The Werewolf and the Yeti/La Maldición de la bestia, 1975) und Teresa Velázquez (The Killer Must Kill Again, Die Kastillier).

Filmisch unternahm er in den 60er und 70er Jahren einen bunten Streifzug durch das europäisch-spanische Genre-Kino. Darunter Jorge Graus Comtesse des Grauens (Ceremonia sangrienta, 1973), Mario Bavas Der Teuflische (La casa dell'esorcismo, 1973) und auch José Maria Elorrietas Tanz des Satans (Las amantes del diablo, 1971). Einen Ausflug ins internationale Filmgeschäft machte er zu Beginn seine Schauspielkarriere mit einer kleinen Rolle in Mark Robsons Sie fürchten weder Tod noch Teufel (Lost Command, 1966) neben Anthony Quinn, Alain Delon und Claudia Cardinale. Nach fast 20 jährige Leinwandabstinenz kehrte er kurz vor seinen Tod für den spanischen Überraschungserfolg Torrente - Der dumme Arm des Gesetzes (Torrente, el brazo tonto de la ley, 1998) von und mit Santiago Segura noch einmal auf die Leinwand zurück.

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Neben Peter Lee Lawrence ist auch Helga Liné (Eleonor) deutschstämmig. Die gebürtige Berlinerin flüchtete aus Hitler-Deutschland nach Portugal und startet dort im zarten Alter von 8 Jahren ihre Filmkarriere, für sie bis heute über 130 Rollen gesammelt hat. Zur ihren hierzulande bekanntesten und erfolgreichsten Filmen gehören Paul Naschys (El espanto surge de la tumba, 1973), Carnimeos überdrehter Sartana - Noch warm und schon Sand drauf (Buon funerale, amigos!... paga Sartana, 1970) sowie auch der netter Christopher Lee/Peter Cushing-Grusler Horror Express (1973). Interessant sind aber auch ihre Auftritte neben Barbara Steele in Mario Caianos Night of the Doomed/Nightmare Castle (Gli amanti d'oltretomba, 1965) oder im Peter Fonda-Streifen Open Season - Jagdzeit (1974), der ob sein Menschenjagd-Thematik zumindest in Skandinavien zum kleinen Skandalstreifen avancierte. Zuletzt stand sie für diverse spanische TV-Serien vor der Kamera.

In weiteren Nebenrollen zu bewundern: Aurora de Alba (Blutrausch der Zombies, Die Vampire des Dr. Dracula), Tomás Blanco (Django - Ich will ihn tot, Für ein paar Dollar mehr), José Canalejas (Die Rückkehr der reitenden Leichen, Blutiges Blei, Django), Lorenzo Robledo (Verdammt zu leben - verdammt zu sterben!, Todesmarsch der Bestien, Friedhof ohne Kreuze, uvm.). Mag der Wiedererkennungswert ihrer Gesichter auch gering sein, so völlig unbeleckt ist diese Truppe auf jeden Fall nicht.

Sando Kid spricht das letzte Halleluja - ScreenshotSando Kid spricht das letzte Halleluja - Screenshot

Der bereits angesprochene interessante Soundtrack stammt von Alessandro Alessandroni und gehört zu seinen besten Arbeiten. Der Sänger und Gitarrist musizierte unter Meister Morricone für dessen Score-Klassiker Für eine Handvoll Dollar (Per un pugno di dollari, 1964) und Spiel mir das Lied vom Tod (C'era una volta il West, 1968), vertonte aber auch selbst eine Reihe von Filmen. Darunter Enzo G. Castellaris Leg ihn um, Django (Vado... l'ammazzo e torno, 1967), Der Würger kommt auf leisen Sohlen (Lo strangolatore di Vienna, 1971) und Giuliano Carnimeos Dicke Luft in Sacramento (Di Tressette ce n'è uno, tutti gli altri son nessuno, 1974). Und wenn ich mich richtig erinnere, dann war auch sein Score zu (Suor Omicidi, 1978) durchaus hörenswert. Ennios ehemaliger Pfeifenpuster ist bis heute aber auch ein gefragter Jazz-Musiker.

Für die verspielte Kameraarbeit sorgte Antonio Maccoppi, der ansonsten aber kaum positiv aufgefallen ist. Vielleicht noch mit dem eben erwähnten (1978), sicher nicht mit Roberto Mauris Spirito Santo e le cinque magnifiche canaglie (1972). In den 90ern filmte er für den italienischen RippOff-Spezialisten Claudio Fragasso (Zombi 3-5, Troll 2, usw.) eine billige Texas Chainsaw Massacre-Kopie, die in Italien dann auch frech unter dem Namen Non aprite quella porta 3 (1990) vermarktet wurde. Egal. Im Falle von Sando Kid spricht das letzte Halleluja hat er wirklich gute Arbeit geleistet und Peter Lee Lawrence und Co. sehenswert in Szene gesetzt.

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Vielleicht noch kurz zu Bergonzellis Co-Autor José Luis Navarro. Als Howard Berk schrieb der später einige Colombo-Drehbücher und skripte auch Alain Payets Folterzug der geschändeten Frauen (Train spécial pour SS, 1977) - ja, auch da gab es tatsächlich ein Drehbuch! Navarro hat übrigens auch als Komponist gearbeitet, u.a. für Christian Anders' unglaublichen Eastern-Trash Die Brut des Bösen (1979)!

Nicht unerwähnt lassen sollte man auch Antonio Molina, der hier für die Spezialeffekte verantwortlich war und sich später in den Paul Naschy-Filmen (Nacht der Vampire, Nacht der blutigen Wölfe, ) noch etwas mehr austoben durfte. Interessant ist aber das der Waffenspezialist u.a. auch die Special Effects für Julio Medems ausgezeichnetes Drama Die Liebenden vom Polarkreis (Los Amantes del Circulo Polar, 1998) und Pedro Almodóvars Alles über meine Mutter (Todo sobre mi madre, 1999) arrangierte.

Sando Kid spricht das letzte Halleluja - ScreenshotSando Kid spricht das letzte Halleluja - Screenshot

Sando Kid spricht das letzte Halleluja war für mich persönlich das Überraschungsei in KochMedias Halleluja-Box. Zum einen weil es der einzige der 3 Filme war, den ich vorher noch nicht kannte, zum anderen aber auch, weil es meinem Gefühl nach nicht unbedingt die naheliegendeste Wahl für eine solche Zusammenstellung ist. Es gäbe sicher zig andere Filme, die man thematisch eher in einer Halleluja-Box vermuten würde. Bergonzellis Western hat mich in jedem Fall positiv überrascht und sich zumindest im Nachhinein als feine Auswahl für diese Veröffentlichung herausgestellt.

Die DVD ist unter Berücksichtigung des Alters und des Produktionsniveaus des 35 Jahre alten Films top. Sowohl die Bild- als auch die Tonqualität kann voll und ganz überzeugen und sollte jeden Genre-Liebhaber zufrieden stellen. Kleinere Defekte und Verschmutzungen fallen höchstens zu Beginn auf, aber auch dort kaum ins Gewicht. Neben dem gut verständlichen Ton gibt es wie von Koch gewohnt auch den italienischen Originalton samt optionaler deutscher und englischer Untertitel, die sich in beiden Fällen inhaltlich an das Original und nicht an die deutsche Klamauk-Synchro halten. So sieht der Filmfan es am liebsten!

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Die Extras fallen verglichen mit den anderen beiden Filmen in der Box zwar etwas spärlich aus, aber mit einer kleinen Bildergalerie und dem italienischen Kinotrailer ist bei einem Streifen diesen Größenordnung die Pflicht allerdings auch erfüllt. Und zusammengenommen mit dem Bonusmaterial der anderen beiden DVDs (Super 8-Fassung, eigenproduzierte Carnimeo-Doku) wie auch der Soundtrack-CD mit den Scores zu den beiden Halleluja-Filmen mit George Hilton kommt die Box insgesamt immer noch locker auf einen hervorragenden Schnitt. Von der schicken Aufmachung im kartonierten Schuber und den informativen Liner Notes von Wolfgang Luley und Daniel Maier ganz zu schweigen.

Luley und Co-Autor Maier widmen sich dieses Mal einem hochgeistlichen Thema "Religion im Eurowestern" und bietet einen interessanten Überblick über religiöse Motive und Bezüge des Genres. Bezugnehmend auf das Motto des Boxsets findet sich natürlich auch eine Aufstellung sämtlicher in Deutschland veröffentlichter Halleluja-Filme inklusive Informationen zur Willkür bei der Titelwahl. Zum Schmunzeln ist dann wiederum vielleicht, dass KochMedia dieses Spielchen im Grunde ja fortsetzt; denn schliesslich beinhaltet das Boxset selbst mit Man nennt mich Halleluja auch nur einen "echten" Halleluja-Titel. Ok, Carnimeos Sequel Beichtet Freunde, Halleluja kommt wurde bereits vor geraumer Zeit von Starmedia veröffentlicht, und Sicilianos namentliche Fortsetzung 100 Fäuste und ein Halleluja hat das Ramschpresswerk Cent Entertainment auf den Wühltischen der Republik verteilt, aber auch im Hinblick auf die im Booklet besprochene Verbindung von Religion und Spaghetti-Western braucht es schon etwas Phantasie, um in Sando Kid und Camposanto Paradebeispiele hierfür zu erkennen - was aber nichts daran ändert, dass es sich um eine absolut sehenswerte Zusammenstellung handelt, die sich kein Fan des Genres entgehen lassen sollte.

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 22.02.2006
Letzte Textänderung: 01.03.2006

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