Film Daten

Titel:
Mannaja
Originaltitel:
Mannaja
Land & Jahr:
Italien 1977
Laufzeit ca.: ?
96 Min.
Regie:
Sergio Martino
Darsteller:
Maurizio Merli
John Steiner
Donald O'Brien
Sonja Jeannine
Martine Brochard
Salvatore Puntillo
Nino Casale
Enzo Fiermonte
Philippe Leroy
Nello Pazzafini
Aldo Rendine
Enzo Maggio
Sergio Tardioli
Sofia Lombardo
Alternativtitel:
• Mannaja - Das Beil des Todes
• A Man Called Blade
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Blue Underground
Label:
Blue Underground
Regionalcode / Norm:
0 / NTSC
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / k.A.
Sprachen/Ton:
Englisch - DD 2.0
Italienisch - DD 2.0
Untertitel:
Englisch
Extras:
  • "A Man Called Sergio" - Interview mit Sergio Martino
  • Fotogallerie
  • Biographien
  • Trailer
  • Booklet
  • Hidden Feature: Trailer zu "Django", "Django, Kill!" und "Run, Man, Run"

Mannaja

Review

Mannaja - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Mannaja (Maurizio Merli), allgemein als Blade bekannt, weil seine bevorzugte Waffe eine Wurfaxt ist, kommt mit dem Verbrecher Burt Craven (Donal O'Brien) im Schlepptau nach Suttonville, um dort beim Marshall die Belohnung für Craven einzusacken. In dieser kleinen Stadt gibt es aber gar keinen Marshall, sondern wird von dem Silberminenbesitzer McGowan (Philippe Leroy) regiert, der nicht mal einen Saloon in seiner Stadt duldet. Mannaja wendet sich an dessen rechte Hand Voller (John Steiner), aber beide sind sich sofort unsympathisch, zudem gewinnt Mannaja auch noch beim Kartenspiel gegen ihn und das anschließende blutige Duell mit Vollers Männern. Daraufhin läßt er Craven laufen und bleibt in der Stadt. Er beobachtet das Treiben in den Silberminen, wo die Arbeiter unmenschlich geknechtet werden, und wird Zeuge eines Überfalls auf einen Silbertransport.

Mannaja - ScreenshotMannaja - Screenshot

Er taucht bei McGowan auf um ihm seine Dienste anzubieten. Er ist der eigentliche Grund, warum Mannaja überhaupt nach Suttonville gekommen ist, denn mit McGowan hat er noch eine uralte Rechnung offen, was dieser zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht weiß. McGowan gibt Voller die Anweisung Mannaja aus dem Weg zu räumen. Der wird durch einen Hinterhalt in einer Schlucht schwer verletzt, aber von einer zufällig vorbeikommenden Tanztruppe entdeckt und gesund gepflegt. Mittlerweile läßt McGowan seine Tochter Debra (Sonja Jeannine) in Begleitung Vollers nach New Orleans bringen, aber schon kurz hinter der Stadt wird sie von den gleichen Verbrechern entführt, die auch McGowans Transporte ständig überfallen. Sie fordern einen großen Teil von McGowans Vermögen als Lösegeld. Mannaja ist inzwischen zusammen mit der Tanztruppe in die Stadt zurückgekehrt und McGowan bleibt keine andere Wahl, als zähneknirschend Mannaja damit zu beauftragen seine Tochter zurückzubringen...

Ein Jahr nach dem großartigen Keoma kam unter der Regie Sergio Martinos ein weiterer Italo-Western mit einer apokalyptischen Stimmung in die Kinos. Schon der Beginn des Films ist unheimlich atmosphärisch, als Donal O'Brien durch die nebelverhangenen Sümpfen vor dem Kopfgeldjäger Maurizio Merli flüchtet. Dessen Szenen wirken durch den Einsatz von Zeitlupe und viel Hall im Ton wie aus La Noche del Terror Ciego (Die Nacht der reitenden Leichen) entsprungen und tragen viel zu seinem zunächst mysteriösen Charakter bei. Die Stadt wirkt ähnlich betrüblich wie in Keoma oder auch Django, mit viel Schlamm und großen Pfützen. Die Menschen dort haben wahrlich nichts zu lachen.

Mannaja - ScreenshotMannaja - Screenshot

Sergio Martino ist eigentlich ein Garant für nicht gerade super anspruchsvolle, aber handwerklich solide Filme. So auch hier, denn die Kameraarbeit, Schnitt und der Einsatz der Musik sind vom Feinsten. Durch den geschickten Parallelschnitt zwischen einer Tanzaufführung der Frauentruppe und dem Überfall auf die Kutsche in der Debra sitzt und alle anderen umgebracht werden, wirkt das kaltblütige Ermorden der Fahrgäste noch brutaler. Zur Musik der Tanzgruppe wird immer abwechselnd zwischen dem Tanz und dem Moment des Sterbens der einzelnen Fahrgäste hin- und hergesprungen, was die Intensität der Gewalt eigentlich noch verstärkt und nicht abmildert. Überhaupt ist Mannaja ein durch und durch ernsthafter und bisweilen sogar recht grimmiger Film, in dem selbst für den Helden nicht alles positiv verläuft. Er verliert gegen Ende sogar fast sein Augenlicht.

Selbst die zarten Anfänge einer Beziehung zur bezaubernden Tänzerin Angela (Martine Brochard) sind zur Verdammnis verurteilt, denn sie wird schließlich vor seinen Augen von Voller getötet, nachdem er ihretwegen das Versteck des Vermögens McGowans verraten hat. Damit ist für den fiesen Voller aber noch lange nicht das Ende erreicht, denn er foltert Mannaja noch mehr und stellt sich mit seinen diktatorischen und radikalen Methoden an die Spitze des Silber-Imperiums. Da führt schließlich sogar zu einer Revolte unter den Arbeitern. Damit läßt Martino sogar leichte politische Aspekte in den Film einfließen, die sich aber nicht zu sehr in den Vordergrund drängen.

Mannaja - ScreenshotMannaja - Screenshot

Maurizio Merli ist eigentlich eher aus härteren Cop-Thrillern bekannt wie Roma Violenta (Gewalt rast durch die Stadt) oder Il Cinico, l'infame, il violento (Die Gewalt bin ich). Leider beschränkt sich seine Karriere größtenteils auf die 70er Jahre, danach war er nur noch sehr sporadisch zu sehen. 1989 verstarb er im Alter von 49 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Donal O'Brien, der in der Westernkomödie Run, Man, Run grandios den Pistolenhelden Cassidy mimen durfte, geht hier als schlammverschmierter Gangster Craven leider ein wenig unter. Er taucht zu Beginn des Films (wo ihm die Axt Mannajas um ein Körperglied erleichtert!) und gegen Ende auf und ist zwischendurch überhaupt nicht mit von der Partie. Er bleibt hier deutlich hinter seinen Möglichkeiten, was sehr schade ist.

Ganz groß kommt hier aber John Steiner zum Vorschein, der den unsypmathischen und nur auf seinen eigenen Vorteil bedachten Voller mit einer unglaublichen Intensität zum Ausdruck bringt. Bislang konnten mich seine Rollen, bis auf einige wenige Ausnahmen, nie so wirklich überzeugen, sei es in Shock oder Caligula. Seine Leistungen waren insgesamt gut, keine Frage, aber er blieb im Gegensatz zu anderen Schauspielern in den Filmen nicht so in Erinnerung. Hier ändert sich das ganz gewaltig. Steiner buhlt fast mit Merli über die eindruckvollste Performance und kommt hier ähnlich arrogant-gemein rüber wie in dem Gefängnisthriller L' Istruttoria è chiusa: dimentichi (Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie's), wo er an der Seite von Franco Nero einen gar widerlichen Gefängnisinsassen spielt.

Mannaja - ScreenshotMannaja - Screenshot

Sonja Jeannine, die hier die scheinbar jungfräuliche und beschützenswerte Tochter Debra spielt, begann ihre Karriere in diversen Teilen der Schulmädchen-Report Filme und für eine Folge der Tatort Serie stand sie ebenfalls vor der Kamera. Martine Brochard ist ebenfalls im italienischen Exploitation-Kino zuhause. Sie hatte unter anderem die Hauptrolle in Umberto Lenzis Giallo Gatti rossi in un labirinto di vetro (Labyrinth des Schreckens), stand aber auch für freizügigere Rollen wie z. B. in Tinto Brass' Paprika vor der Kamera. 1960 hatte Philippe Leroy seine erste Rolle und ist bis heute der italienischen Filmindustrie treu geblieben, wenn auch zuletzt größtenteils fürs Fernsehen.

Sergio Martino ist zumindestens den Horrorfans durch seine Kannibalen-Abenteuer-Mixtur Mountain of the Cannibal God bekannt. Daneben hat er aber einige andere feine Filme gedreht, wie z. B. die Giallos I Corpi presentano tracce di violenza carnale (Torso), Tutti i colori del buio (Die Farben der Nacht) oder die Polizei-/Action-Thriller Milano Trema - La Polizia Vuole Giustizia (Violent Professionals) und La Città gioca d'azzardo. Produziert wurde Mannaja übrigens von Luciano Martino, Sergios Bruder. Erwähnen sollte man vielleicht noch Kameramann Federico Zanni, der hier eine grundsolide Arbeit ablieferte und Jahre später für den Kannibalenschocker Eaten Alive ebenfalls hinter der Kamera stand.

Mannaja - ScreenshotMannaja - Screenshot

Als Film Nr. 4 in der Spaghetti Western Collection von Blue Underground (in der Box und auch einzeln erhältlich), ist diesem Film ebenfalls einer feiner Transfer auf DVD spendiert worden. Da er im Gegensatz zu den anderen Filmen etwas neueren Datums ist, machen sich hier kaum noch irgendwelche Macken oder Schäden am original Material bemerkbar. Dadurch hat man es im Vergleich zu den anderen Streifen mit dem insgesamt stabilsten und saubersten Transfer aller 4 Filme zu tun. Neben der englischen Synchro ist ebenfalls wieder der italienische Originalton am Start mit optionalen englischen Untertiteln.

Wie auch bei den anderen DVDs dieser Collection beginnt das Bonusmaterial mit einer Interview-Featurette, hier namens "A Man Called Sergio" in Anlehnung an den englischen "A Man Called Blade" Titelzusatz. In gut 12 Minuten erzählt Martino einiges über den Film und die Auswahl seiner Schauspieler. Der darauf folgende Trailer ist 4 Minuten schon recht lang und verrät schon den größten Teil der Handlung. Poster Artworks und Szenenbilder gibt es in der Fotogallerie zu sehen und die Biographien über Sergio Martino und Maurizio Merli runden den Benusbereich ab. Als Hidden Feature gibt es noch die Trailer zu den anderen Filme aus der Spaghetti Western Collection, Django, Django, Kill! ...If You Live, Shoot! und Run, Man, Run.

Mannaja - Screenshot
Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 01.03.2003

Leser-Kommentare

18.03.2004, 10:25:12 Carsten Maat ( Email schreiben )

Zur deutschen Veröffentlichung durch Marketing Films lässt sich noch sagen, dass erstaunlicherweise die englische Tonspur sehr viel besser klingt als die deutsche. Außerdem passt Mannajas Stimme in der englsichen Fassung viel besser zum dargestellten Charakter als die deutsche Stimme von Bud Spencer. Leider befinden sich auf der DVD von Marketing keine Untertitel.

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