Film Daten

Titel:
Originaltitel:
Quella sporca storia nel west
Land & Jahr:
Italien 1968
Laufzeit ca.: ?
91 Min.
Regie:
Enzo G. Castellari
Darsteller:
Andrea Giordana
Gilbert Roland
Horst Frank
Ennio Girolami
Ignazio Spalla
Françoise Prévost
Giorgio Sammartino
John Bartha
Alternativtitel:
• Johnny Hamlet
• That Dirty Story of the West
• Johnny, el vengador
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Koch Media
Label:
Koch Media
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 91:13
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Italienisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Extras:
  • "Strange Stories of the West"-Featurette
  • Original-Kinotrailer (dt./ital.)
  • Bildergalerie
  • 4-seitiges Booklet
  • Francesco De Masi-Clip "Find a Man" (Hidden Feature)

Review

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(Ein Review von Frank Meyer)

Durch einen unheimlichen Traum mit bösen Vorahnungen versehen kehrt Django (Andrea Giordana) aus dem Krieg nach Haus zurück und findet sein bisheriges Leben in Scherben: Der Vater ermordet, die Mutter mit dem Onkel liiert und die ehemalige Geliebte an einer anderen verloren. Auch wenn Onkel Claude (Horst Frank) den vermeintlichen Mörder bereits gerichtet und auf dem örtlichen Friedhof begraben haben will, misstraut der Kriegsheimkehrer dem zwielichtigen neuen Oberhaupt der Familie. Nicht ganz zu Unrecht wie es scheint; denn ohne seinen wachsamen Schutzengel John (Gilbert Roland) läge Django wohl schon längst selbst in einem Grab direkt neben dem seines Vaters.

Zitat

Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage:
Ob's edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern
des wütenden Geschicks zu dulden oder,
sich waffnend gegen eine See von Plagen,
durch Widerstand sie enden lassen.
Sterben - schlafen - nichts weiter!

Nicht nur bei klassikerfesten Theater-Abonnenten dürfte die Handlung für ein Gefühl der Vertrautheit sorgen - eventuell gepaart mit leichter Irritation, das einem dieser Stoff im Italowestern-Zusammenhang unterkommt. Und sollte der "Sein oder nicht sein"-Alarm nicht sofort klingeln, dürfte spätestens bei Offenlegung des Umstands, dass die Django-Figur genau wie der komplette Film im Original noch den Namen "Johnny Hamlet" trug bzw. tragen sollte, klar sein, dass man es hier mit einer Wildwest-Adaption des klassischen Dramas zu tun hat. Aus Onkel Claudius wurde "Claude Hamilton", aus Hamlets Freund Horatio "John Horaz" und der Schauplatz Dänemark wird zum Westernstädchen namens "Danark". Der Film selbst steht zu seinen literarischen Wurzeln und beginnt direkt in der Eröffnungsszene mit dem wohl berühmtesten Shakespeare-Zitat überhaupt, vorgetragen von einer Schauspieltruppe, der wir im weiteren Verlauf noch mehrfach begegnen werden.

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Die ursprüngliche Idee zum Film stammt von keinem geringeren als Django-Vater Sergio Corbucci, der das Projekt aus Zeitgründen (er selbst stellte '68 sowohl Leichen pflastern seinen Weg, als auch Mercenario - Der Gefürchtete fertig) an Enzo G. Castellari abgab. Castellari hatte zuvor mit Die Satansbrut des Colonel Blake (Sette winchester per un massacro, 1967) und Leg ihn um, Django (Vado, l'ammazzo e torno, 1967) solide Genre-Arbeit abgeliefert und schien eine gute Wahl, um den nicht unbedingt actiongeladenen Shakespeare-Plot den Erwartungen des Westernpublikums entsprechend anzupassen. Eine Aufgabe, die dieser gemeinsam mit Co-Autor Tito Carpi bravourös gemeistert hat, selbst wenn einige Hechtsprungeinlagen etwas überzogen ausfallen oder Rolands Pantau-Gedenkstreicheln an seiner Hutkrempe beizeiten etwas befremden mag. Das mythisch-bedrohliche der Shakespeare-Vorlage blieb erhalten, ohne dass Genrefans auf gewohnte Schauwerte verzichten müssten.

Überhaupt geizt Castellari nicht mit tollen Einstellungen und einer überaus sehenswerten Optik, wie z.B. die Frank'sche Gewehrlaufperspektive oder der außergewöhnliche Felsenfriedhof belegen. Die Genre-untypische Kulisse nutzte Enzo auch für eine der gelungensten Traumsequenzen, die mir bisher untergekommen ist. Kaum zu glauben, dass gerade die wahnsinnige Kamerafahrt rund um den Kopf des Titelhelden in der alten deutschen Fassung der Schere zum Opfer gefallen ist - vermutlich um den Shakespeare-Einfluss zurückzudrängen. Dabei ist genau dies einer der Momente, die einem in Erinnerung bleiben und den Unterschied zwischen einem soliden und einem wirklich guten Film ausmachen.

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Kein gelungener Italowestern ohne starkes Finale: Ohne hier viel zu verraten, Django - Die Totengräber warten schon hat mit einem Goldregen für Horst Frank (und einem Spiegeleffekt in einer randvollen Pferdetränke) einen ansprechenden Showdown zu bieten. Ähnlich effektiv inszeniert ist die Kreuzigung, in der Djangos Mutter im doppelten wie wahrsten Wortsinn zu Kreuze kriechen darf! Ein Motiv, das es verdientermaßen in stilisierter Form auf das Cover geschafft hat - auch wenn hier offensichtlich die Passionsgeschichte als Vorbild gedient hat und man eine entsprechende Szene in Shakespeares Vorlage vergeblich suchen wird...

Darüber hinaus punktet der Film zudem mit einem feinen Score von Routinier Francesco de Masi, der sich für diese Arbeit von "La Misa Flamenca", Flamenco-beeinflusster Kirchenmusik, inspirieren ließ und für das Titellied den Morricone-erprobten Maurizio Graf hinter das Mikro holte. Graf hatte zuvor u.a. die beiden Ringo-Soundtracks für Duccio Tessari veredelt und auch das hier vertretende "Find a man" geht wunderbar ins Ohr. In Kombination mit den gut gewählten, unverbrauchten Naturkulissen der Cuenca Minera mit ihren markanten pilzartigen Felsformationen sorgt der unter die Eröffnungscredits gelegte Song für einen viel versprechenden Einstand und lässt den Film am Ende ebenso ansprechend ausklingen.

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Trotz all dieser unübersehbaren Qualitäten war dem Film bislang das Dämmerschicksal des Geheimtipps beschieden. Castellari selbst führt dies im Wesentlichen darauf zurück, dass er seinen Wunschtitel "Johnny Hamlet" nicht durchsetzen konnte - was in Italien tatsächlich einen wenig geglückten Titel zur Folge hatte (Quello sporca storia nel West). Auch hierzulande bekam Castellaris Vorschlag keine Chance; denn für den deutschen Markt, von jeher "Django-Land", war der lockere Bezug zu Corbucci natürlich eine Steilvorlage, den Film entsprechend unter dem Django-Label zu veröffentlichen. Allerdings brachte auch diese Umetikettierung (inklusive massiver Handlungskürzungen) nicht den erhofften Erfolg, so dass letztlich sogar eine Videoauswertung auf sich warten ließ.

Aber kommen wir noch einmal zurück zur Literaturvorlage. Grundsätzlich steht Django - Die Totengräber warten schon natürlich alles andere als alleine dar, wenn es um durch Klassiker der Weltliteratur inspiriertes Genrekino geht; denn neben der Bibel und den griechischen Tragödien gehört der englische Dichter dort wohl zu den häufigsten Ideengebern. Castellari selbst z.B. ließ bekanntlich seinem ersten Wildwest-Shakespeare knapp 10 Jahre später eine King Lear-Adaption folgen und lieferte mit eben diesem Keoma (1976) erklärtermaßen sein Meisterstück ab.

Wer das Thema vielleicht noch etwas weiter und genreübergreifend vertiefen möchte, findet hier einige Anregungen: Shakespeare Exploited... ... mehr zum Film (Spoiler!) ...

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Castellari gilt unter Kennern italienischen Filmmaterials als einer der talentiertesten Action-Regisseure Bella Italias. Auch wenn sich in seiner Filmographie einige Titel finden, die eher oder ausschließlich für Freunde des gepflegten Italo-Trashs interessant sein dürften (Dschungel-Django, Zwiebel-Jack räumt auf), verdankt die Welt dem guten Enzo bspw. Keoma (1976), einen der bemerkenswertesten Italowestern überhaupt.

Der Spross des Girolami-Clans (gegründet von Papa Marino Girolami) begann als Regie-Assistent (u.a. Django - Nur der Colt war sein Freund), stieg aber mit dem aufkommenden Spaghetti-Boom Mitte der 60er zügig zum Hauptverantwortlichen auf. Schon seine erste offizielle Regiearbeit zähle ich persönlich zu meinen Favoriten, zumindest was den Wust der "falschen Djangos" angeht: Leg ihn um, Django (Vado... l'ammazzo e torno, 1967) mit George Hilton ist ein gutes Beispiel für eine gelungene Kombi aus Action und Humor und ganz nebenbei sogar einer der frühesten Comedy-Italowestern. Die Eingangssequenz ist grandios und sollte jedem Genre-Fan ein dickes Grinsen aufs Gesicht zaubern (mittlerweile gibt es eine ordentliche und absolut empfehlenswerte DVD!). Inoffiziell übernahm er aber bereits ein Jahr zuvor im Produktionsverlauf die Regie von León Klimovsky in Django kennt kein Erbarmen (Pochi dollari per Django, 1966) und leistete auch dort solide, ansehnliche Arbeit.

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Innerhalb eines Jahres folgten Django - Die Totengräber warten schon (Quella sporca storia nel west, 1968), Die Satansbrut der Colonel Blake (Sette winchester per un massacro, 1968) sowie Töte alle und kehr allein zurück (Ammazzali tutti e torna solo, 1968). Allesamt sehenswerte Genre-Beiträge, insbesondere aber der erstgenannte und hier besprochene Quella sporca storia nel west!

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten folgte Castellari den Trends des italienischen Kinos und produzierte bspw. tolle Polizei-Filme wie Tote Zeugen singen nicht (La polizia incrimina la legge assolve, 1973) mit Franco Nero und Dealer Connection (La via della droga, 1977) mit Fabio Testi/David Hemmings oder auch die beiden in Exploitationkreisen berüchtigten beiden Riffs-Filme, The Riffs - Die Gewalt sind wir (1990: I guerrieri del Bronx, 1982) und The Riffs II - Flucht aus der Bronx (Fuga del Bronx, 1983). Während er im italienischen Fernsehen Anfang der 90er noch mal einen beachtlichen Treffer mit der Bud Spencer-Serie Zwei Supertypen in Miami (Extralarge, 1990/91) landen konnte, kehrte Castellari mit seinem bislang letzten Kinofilm zu seinen Western-Anfängen zurück und drehte gemeinsam mit seinem alten Freund Franco Nero Die Rache des weissen Indianers (Jonathan degli orsi, 1993). Dicht dran an einer Beinah-Fortsetzung von Keoma, die nebenbei auch noch altbekannte Recken wie John Saxon (Nightmare on Elm Street, Tenebre) und David Hess (Last House on the Left, Wenn Du krepierst, lebe ich!) reaktivierte. Schade eigentlich, dass der Film keinen neuen Boom ausgelöst hat.

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Django/Hamlet wird gespielt von Andrea Giordana, seinerzeit ein populärer italienischer TV-Darsteller (als Graf von Monte Christo), eine entsprechend nahe liegende Wahl und prinzipiell ein geschickter Schachzug. Vorerfahrungen brachte Giordana aus Sergio Corbuccis Frühwerk (Massacro al Grande Canyon, 1965) und Franco Rosettis Escondido - Die im Staub verrecken (El desperado, 1967) mit. Auf Django - Die Totengräber warten schon folgte noch der ebenfalls sehenswerte, aber in Deutschland bislang nicht veröffentlichte Quanto costa morire? (1968). Damit hängte er den Colt dann allerdings auch schon wieder an den Nagel und kehrte ins italienische Fernsehen zurück, wo er sich bis heute herumtreibt; u.a. in Sergio Sollimas Sandokan-Serie (1976).

Als sein Schutzengel ist der gebürtige Mexikaner Gilbert Roland dabei, mit dem Castellari bereits in Leg ihn um, Django zusammenarbeitete, der dem Genre-Liebhaber vor allem aber auch aus Das Gold von Sam Cooper (Ognuno per se, 1968) als Rivale von Van Heflin ein Begriff sein dürfte. Wie Van Heflin war auch Roland ein altgedienter Hollywood-Veteran als er zur Cinecitta kam. Seine Karriere begann er bereits in den 20ern. Das markante Gesicht erinnert also nicht von ungefähr an alte Stummfilmstars, er war praktisch einer von ihnen! Roland spielte bspw. neben Errol Flynn in Michael Curtiz' Piraten-Klassiker Der Herr der sieben Meere (The Sea Hawk, 1940). Erfolgreich war er vor allem als Serial-Held Cisco Kid, den er 1946/47 in sechs Abenteuern spielte. Weiterer bekannte Roland-Streifen sind u.a. Hexenkessel (Crisis, 1950) mit Cary Grant, In 80 Tagen um die Welt (Around the World in Eighty Days, 1956) mit David Niven in der Hauptrolle oder der John Ford-Western Cheyenne (Cheyenne Autumn, 1964).

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Horst Frank als Claude gibt einen seiner charismatischen Bösewichte, die mit ihrer sehenswerten Abgründigkeit stets einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Oder wer erinnert sich nicht an den üblen Baron de Lefouet, der dem kleinen Thommy Ohrner in Timm Thaler (1979) das Lachen stahl? Eben. Einen Überblick über seine gesamte Filmographie zu geben wäre ein zweifelhaftes Unterfangen, so vielseitig und zahlreich seine Rollen waren. Er spielte mit den großen deutschen Nachkriegs-Stars wie Hans Albers (Der Greifer, 1958) oder Wolfgang "Mabuse" Preiss (Hunde, wollt ihr ewig leben), traute sich sowohl an leichtes Tralala (Die Liebe ist ein seltsames Spiel) wie auch an skandalträchtige Stoffe wie Die Nackte und der Satan (1959) oder Jess Francos Justine (1969).

Dem Italowestern-Freund bleibt er u.a. durch seine tolle Auftritte in Django und die Bande der Gehenkten (Preparati la bara!, 1968), Drei Vaterunser für vier Halunken (Il grande duello, 1972) oder Guiliano Carnimeos Erstling Django - Ein Sarg voll Blut (Il momento di uccidere, 1968) in ewiger Erinnerung, in denen er Terence Hill, Lee van Cleef und George Hilton zusetzte. Liebhabern des italienischen Thrillers schätzen ihn bspw. für seine Rollen in Dario Argentos Gialli-Klassiker Die neunschwänzige Katze (Il gatto nove code, 1971) oder Mario Caianos L'occhio nel labirinto (1972).

Ab Ende der 70er arbeitete fast ausschliesslich fürs Fernsehen und spielte in unzähligen deutschen TV-Serien (u.a. Das Erbe der Guldenburgs, Derrick, Tatort). Tragischer Tiefpunkt war vielleicht die Brettspiel-Adaption Cluedo (1993). Also, dass ein großer Schauspieler wie er am Ende in solchem TV-Schrott mitwirken musste, das hat er nun wirklich nicht verdient.

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Unter den übrigen Darstellern sollte Ennio Girolami nicht unerwähnt bleiben. Ennio, seines Zeichens älterer Bruder von Regisseur Enzo (die Ähnlichkeit ist verblüffend!), spielt hier das Rosenkrantz-Pendant Ross. Blut ist eben doch dicker als Wasser, insbesondere in Italien. Und so war Ennio in fast allen Filmen Castellaris mit von der Partie (Die Satansbrut des Colonel Blake, The Riffs 1+2, Tuareg, usw.) und dreht auch mit Vater Marino Girolami (Antreten zum Beten, Die blutigen Spiele der Reichen). Darüber hinaus kann man ihn aber in einigen anderen interessanten Epen entdecken. Z.B. in einer kleinen Nebenrolle in Dario Argentos Tenebre (1982) oder drehte mit Italo-Produzenten-Legende Fabrizio de Angelis Der Mörder-Alligator (Killer Crocodile, 1989).

In weiteren Rollen zu bewundern: Ignazio Spalla (Guild=Güldenstern), Francoise Prévost (Djangos Mutter), Giorgio Sammartino und John Bartha. Spalla sicherte sich u.a. durch seine Zusammenarbeiten mit Gianfranco Parolini und Edoardo Mulargia einen festen Platz im Gedächtnis des Genreliebhabers. Für letzteren statt er in Django - Kreuze im blutigen Sand (Cjamango, 1967) und Django - Dein Henker wartet (Non aspettare Django, spara, 1967) vor der Kamera, und mit Parolini drehte er die Sabata-Trilogie Sabata (Ehi amico... c'é Sabata, hai chiuso!, 1969), Sabata 2 (Indio Black, sai che ti dico: San un gran figlio di..., 1971) und Sabata kehrt zurück (É tornato Sabata... hai chiuso un'altra volta, 1971). Die denkwürdigsten Auftritte der anderen beiden dürften im Fall von Frau Prévost neben William Berger in Elio Scardamaglias Die Mörderklinik (La lama nel corpo, 1967) stattgefunden haben, und für Giorgio Sammartino war es die Rolle in Giuliano Carnimeos Django - Ein Sarg voll Blut (Il momento di uccidere, 1968).

John Bartha ist vielleicht nicht unbedingt ein Name, bei dem man direkt ein Gesicht vor Augen hätte, der aber, wenn auch in zumeist kleinsten Rollen, eine beachtliche Filmographie zu bieten hat. Egal ob Leone (Zwei glorreiche Halunken), Corbucci (Ringo mit den goldenen Pistolen), Parolini (Sabata), Carnimeo (Sartana - Töten war sein täglich Brot), Barboni (Verflucht, verdammt und Halleluja), Fulci (Django - Sein Gesangbuch war der Colt) oder Lenzi (Labyrinth des Schreckens), der Mann hat sie alle gehabt. Umberto Lenzi war es dann auch der ihn 1981 nach über 70 Filmen mit Die Rache der Kannibalen (Cannibal ferox, 1981) in den verdienten Ruhestand entließ.

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Unter hinter Kamera und Kulissen? An der Drehbuch-Adaptation war wie eingangs erwähnt auch Routinier Tito Carpi beteiligt, der vor allem aufgrund seiner kreativen Zusammenarbeit mit Enzo G. Castellari und Giuliano Carnimeo zu den verdienten Schreiberlingen des italienischen Genre-Kinos zählt. Carpi lieferte Stories und Vorlagen zu so unterschiedlichen Werken wie Sartana kommt (Una Nuvola di polvere... un grido di morte... arriva Sartana, 1971), Castellaris Dschungel-Django (Il cacciatore di squali, 1979) oder Ruggero Deodatos Mondo Cannibale 2 - Der Vogelmensch (Ultimo mondo cannibale, 1977).

Ebenfalls bereits angesprochen: Der hörenswerte Soundtrack von Komponist Francesco De Masi, der leider seit Ende letzten Jahres seinen Arbeitsplatz vom Diesseits ins Jenseits verlagert hat. Zu seinen Hinterlassenschaften gehören Scores zu zahlosen Western, Sandalen- und anderen Genre-Filmen, darunter Eine Bahre für den Sheriff (Una bara per lo sceriffo, 1965), Django - Ein Sarg voll Blut und Der New York Ripper (Lo squartatore di New York, 1982).

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Im Kino nur schwer verstümmelt (- 20 Minuten) und auf Video bisher überhaupt nicht veröffentlicht war der Film hierzulande praktisch nicht zu bekommen und rangierte vielleicht nichtzuletzt deshalb als Geheimtipp unter der Flut der Django-Titel. Tja, und einmal mehr ist es die Truppe von KochMedia, die dem langen Warten der Italowestern-Fans ein Ende setzt. Und was für eins! Die DVD ist neben den 3 Boxsets eine der absolut schönsten Italowestern-Veröffentlichungen des Münchner Labels. Das quietschgelbe Cover mit dem schwarzen Hochglanzmotiv des gekreuzigten Johnny Hamlet ist ein echter Hingucker und wahrer Blickfang für die heimische Filmvitrine, bei der man sicher davon ausgehen, dass Besucher interessiert danach grabschen werden! Die Lobeshymne beschränkt sich aber nicht auf eine ansprechende Optik, sondern setzt sich in Ausstattung und Qualität der Präsentation fort. Bild und Ton sind superb und sollten auch kritische Augen zufrieden stellen. Viel besser kann man so ein altes Schätzchen wohl kaum in die digitale Gegenwart transferieren. Der Zuschauer hat die Wahl zwischen der deutschen Synchronisation und der italienischen Originalfassung wahlweise mit deutschen Untertiteln - auch nur für die ergänzten Szenen. Ebenfalls enthalten, auch wenn dies auf dem Cover nicht vermerkt ist, sind englische Subtitles für Interessierte in aller Welt. Die Menüführung orientiert sich stilistisch am Trailer und ist kein Vergleich mehr zu den frühen Koch-Veröffentlichungen, die hier gerne mal geschwächelt haben.

Das zusammengestellte Bonusmaterial lässt kaum einen Wunsch offen. So gibt es neben interessanten Liner Notes von Spezialist Wolfgang Luley zum Film eine eigens produzierte Featurette mit dem Titel "Strange Stories of the West" (in Anlehnung an den Originaltitel von Django - Die Totengräber warten schon). Hier plaudert Regisseur Enzo G. Castellari aus dem Nähkästchen, und dies wie immer überaus unterhaltsam und informativ. Der Mann gibt gern Auskunft und hat in den vergangenen 40 Jahren nichts an seine Leidenschaft fürs Kino eingebüßt. So erfährt man etwas über seine Anfänge als Regisseure, seine Karriere und natürlich über die Django - Die Totengräber warten schon. Egal ob Castellari in Erinnerungen schwelgt (die Begegnung mit Charles Bronson) oder Hoffnung auf ein neues Westernprojekt mit Franco Nero mit dem Arbeitstitel The Badlanders nährt, die Doku ist sehr kurzweilig ausgefallen und stimmig mit Filmausschnitten gespickt - eine feine Einführung zum Hauptfilm, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

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Wunderbar typisch zeigt sich auch der seltene deutsche Kinotrailer, in dem auf etwas undurchsichtige, aber sicher werbewirksame Art und Weise auf den Bezug zu Corbucci verwiesen wird. Ergänzt werden die Extras durch den italienischen Trailer und eine wirklich umfassende Bildergalerie (über 100 Aushangfotos, Poster und Privatfotos aus dem Castellari-Archiv, dt. und amerik. Presseheft) sowie als verstecktes Feature (es lohnt sich Django etwas tiefer in die Augen zu schauen...) einen Karaoke-Musikclip zu Francesco De Masis Titelsong "Find a man". Eine tiptop Veröffentlichung. Also lasst die Totengräber nicht länger warten, schnappt Euch die DVD und gönnt Eurem Hirn eine Shakespeare-Stunde im Italowestern-Style!

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 22.04.2006
Letzte Textänderung: 01.05.2006

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