Film Daten

Titel:
Yeti - Der Schneemensch
Originaltitel:
The Abominable Snowman
Land & Jahr:
England 1957
Laufzeit ca.: ?
86 Min.
Regie:
Val Guest
Darsteller:
Forrest Tucker
Peter Cushing
Maureen Connell
Richard Wattis
Robert Brown
Michael Brill
Wolfe Morris
Arnold Marlé
Anthony Chinn
Alternativtitel:
• Abominable Snowman of the Himalayas, The
• Geheimnis des Himalaya, Das
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Anolis Entertainment
Label:
Anolis Entertainment
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 86:06
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 1.0
Englisch - DD 1.0
Untertitel:
Deutsch
Extras:
  • Audiokommentar mit Val Guest und Nigel Kneale
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • 2 Filmprogramme
  • Booklet mit Liner Notes
  • DVD Credits

Yeti - Der Schneemensch

Review

Yeti - Der Schneemensch - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Der Wissenschaftler Dr. John Rollason (Peter Cushing) und seine Frau Helen (Maureen Connell) halten sich in einem tibetanischen Kloster auf um die dortige Pflanzenwelt zu studieren. Als eine Expiditionsgruppe unter der Leitung des raubeinigen Tom Friend (Forrest Tucker) dort ankommt, findet Helen heraus, dass ihr Mann mit ihnen zusammen nach dem sagenumwobenen Yeti suchen will. Sie kann ihn aber nicht von seinem Plan abbringen und so macht John sich mit der Gruppe auf in die hohen Gipfel des Himalaya. Der Aufstieg gestaltet sich als nicht gerade sehr einfach, da das Wetter immer schlechter wird und mit Andrew McNee (Michael Brill) ein eher unerfahrener Bergsteiger dabei ist. Der tritt schließlich in eine Bärenfalle, die Ed (Robert Brown) gelegt hat. Aber da haben er und Friend auch schon eine Kreatur gefangen. John Rollason erkennt das aber als einen ganz normalen Bergaffen. Später hören sie aber alle seltsame Schreie in ihrer Nähe und der Käfig, in dem der Affe gefangengehalten wurde, ist völlständig zerstört worden. McNee sowie ihr Bergführer Kusang (Wolfe Morris) sehen eine seltsame Kreatur in ihrem Lager. Während McNee, zusätzlich geschwächt durch seine Verletzung, in einen Schockzustand verfällt, flüchtet Kusang voller Panik aus dem Lager und kommt Tage völlig erschöpft zum Kloster zurück. Helen wird Zeugin seiner Ankunft und macht sich zusammen mit anderen auf, um den Spuren der Expeditionsgruppe zu folgen. Derweil spitzt sich die Situation in den Bergen dramatisch zu und die ersten Männer finden ihren Tod...

Yeti - Der Schneemensch - ScreenshotYeti - Der Schneemensch - Screenshot

Aufgrund des Titels und dem Mitwirken von Peter Cushing erwartet man zunächst vielleicht eine nette Mischung aus Grusel- und Monsterfilm. Aber völlig falsch gedacht. Yeti - Der Schneemensch ist vielmehr ein Abenteuerdrama, in dem der Yeti selber eigentlich nur eine untergeordnete Nebenrolle spielt. Die Männer sind zwar auf der Suche nach ihm, aber Regisseur Val Guest und Drehbuchautor Nigel Kneale beleuchteten stattdessen mehr das Zwischenmenschliche, der Zusammenhalt und die Reibereien innerhalb der Gruppe, die auf der Suche nach der Kreatur vielen emotionalen Schwankungen unterworfen werden. Tom Friend ist eher der Typ Großwildjäger und er und seine Männer nur aus kommerziellen Gründen auf der Suche, während John Rollason sich aus rein wissenschaftlicher Absicht der Gruppe angeschlossen hat und ihre Motive natürlich verdammt. Dann wäre da noch der unerfahrene Bergsteiger Andrew McNee, der nicht nur sich, sondern auch die anderen in Gefahr bringen kann. Mehrere völlig verschiedene Charaktere treffen also in einer Extremsituation aufeinander. Das dies nicht ohne Reibungen abläuft versteht sich von selbst.

Hinzu kommt dann noch die Suche nach dem Yeti, den man auch als Zuschauer fast nie zu Gesicht bekommt. Ist er wirklich eine reale Kreatur oder nur ein Hirngespinst der Männer. Die Antwort wird zwar gegen Ende des Films vermittelt, aber über die dreiviertel Länge des Films ist das noch in der Schwebe. Bis dahin sind es die Menschen und ihre eigenen "Dämonen", die unterschwelligen Ängste und dunklen Seiten der Person, die die Handlung bestimmen werden. Das ganze eingehüllt in eine Rahmenhandlung, die dem damaligen Ton innerhalb der Science Fiction entsprungen sein könnte. Den Yeti könnte man auch schnell und einfach in ein Alien umwandeln und schon wäre der Film fast ein typischer Vertreter der Paranoia-SF. Wobei Drehbuchautor Kneale ziemlich eindeutig die Frage (und Antwort) präsentiert, wer denn eigentlich die wahren Monster sind. Der Mensch und seine Position in der Welt werden hier hinterfragt und ein Standpunkt vertreten, dass er vielleicht nicht unbedingt das intelligenteste Wesen ist, was auf der Erde wandelt. Das mag sich ein wenig pathetisch anhören, aber es wurde durch die exzellente Regie- und Kameraarbeit recht gut verpackt, ohne dass das Thema zu aufdringlich präsentiert wird.

Yeti - Der Schneemensch - ScreenshotYeti - Der Schneemensch - Screenshot

Auch wenn der Film ein wenig dialoglastig ist und ein eher mittleres bis langsames Tempo vorlegt, so mag ich diesen Streifen doch sehr gerne. Die wunderbare schwarz-weiß Fotografie im 2.35:1 Widescreen ist ein Fest für die Augen, die Studiosets detailverliebt gestaltet und die schauspielerischen Leistungen einfach grandios. Peter Cushing und Forrest Tucker waren gut aufeinander eingespielt und erbrachten eine glaubwürdige Leistung. Auch die Nebendarsteller und Maureen Connell als recht selbstbewußte Ehefrau Rollasons (damals eine noch recht seltene Darstellung) spielten ihre Parts recht gut. Die realen Bergszenen wurden in der Schweiz gedreht und in den Pinewood Studios entstanden dann die etwas gefährlicheren Szenen und Nahaufnahmen der Gruppe. Einige Kulissen entstanden allerdings auch in den Bray Studios, wo Hammer eine lange Zeit zuhause waren. Für die tibetanischen Mönche, die in dem Kloster leben, wurden kurzerhand die Kellner aus umliegenden chinesischen Restaurants engagiert, da so nicht genug Statisten dafür zur Verfügung standen. Der Film ist die Kinoversion der BBC Mini-Serie The Creature, die ebenfalls von Nigel Kneale geschrieben wurde.

Val Guest begann bereits in den 30er Jahren als Drehbuchschreiber, drehte aber erst Mitte der 40er Jahre seinen ersten Film. In Verbindung mit den Hammer Studios wurde er mit der Kinoumsetzung des TV-Hits The Quatermass Xperiment (Schock!) bekannt, das Drehbuch entstammte ebenfalls aus der Feder Nigel Kneales. Neben weiteren Genreproduktionen wie The Day the Earth Caught Fire drehte er auch recht bekannte Streifen wie den mit einer Starbesetzung versehenen Casino Royal. Forrest Tucker, der einzige Amerikaner in diesem Film, war in seinem Heimatland hauptsächlich in Westernfilmen eingesetzt worden. Seine letzte Rolle war an der Seite von Klaus Kinski in der durchwachsenen TV-Produktion Timestalkers.

Yeti - Der Schneemensch - ScreenshotYeti - Der Schneemensch - Screenshot

Die DVD von Anolis kann man wieder einmal als sehr gelungen bezeichnen. Über die Qualität des Bildes kann man nicht meckern, die schwarz-weiß Aufnahmen werden mit einem ordentlichen Kontrast und vor allem mit einer Schärfe wiedergegeben, dass es eine wahre Wonne ist. Kleinere Schäden des Materials sind war hier und da sichtbar, aber dabei handelt es sich auch nur um Kleinigkeiten. Im Tonbereich gibt es wie bei allen DVDs den Originalton sowie die deutsche Synchro plus optionalen deutschen Untertiteln.

Das Bonusmaterial unterscheidet sich ein wenig von den vorherigen DVDs. Diesmal gibt es keine "World of Hammer" Episode, stattdessen ein willkommener Audiokommentar von Val Guest und Nigel Kneale, der sich auch schon auf der US-DVD von Anchor Bay befand. Allerdings wurden beide separat aufgenommen und dann zusammengeschnitten, was dem Informationsgehalt aber nicht schadet. Während man Val Guest recht gut verstehen kann, so hat man bei dem älteren Nigel Kneale doch manchmal seine Probleme. Aber als angenehme Überraschung hat Anolis sich nicht gescheut den Audiokommentar ebenfalls mit deutschen Untertiteln zu versehen. Das weitere Bonusmaterial beläuft sich dann auf das übliche: Trailer, Bildergalerie und zwei Filmprogramme, sowie ein Booklet mit informativen Liner Notes.

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 26.01.2004

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