Film Daten

Titel:
Mörder des Klans
Originaltitel:
Prega il morto e ammazza il vivo
Land & Jahr:
Italien 1971
Laufzeit ca.: ?
90 Min.
Regie:
Giuseppe Vari
Darsteller:
Klaus Kinski
Victoria Zinny
Paul Sullivan
Dino Strano
Patrizia Adiutori
John Ely
Anthony Rock
Dante Maggio
Fortunato Arena
Anna Zinnemann
Adriana Giuffrè
Gianni Pulone
Aldo Barberito
Goffredo Unger
Alternativtitel:
• Pray to Kill and Return Alive
• Shoot the Living and Pray for the Dead
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Koch Media
Label:
Koch Media
Regionalcode / Norm:
0 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 / 89:56
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Englisch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Bildergalerie
  • Artwork Galerie
  • Biographie Klaus Kinski
  • Trailer: Keinen Cent für Ringos Kopf / Ipcress - Streng geheim / Die Todeskarten des Dr. Schreck / Die 2 / Sandokan / Heiße Katzen / Oliver Twist

Mörder des Klans

Review

Mörder des Klans - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

John Webb (Paul Sullivan) wartet an einer Telegraphenstation auf Dan Hogan (Klaus Kinski) und seine Bande, die einige Tage zuvor eine Menge Gold geklaut haben und nun über die mexikanische Grenze wollen. Für die Hälfte des Goldes bietet John an, die Männer unbehindert nach Mexiko zu geleiten. Die Situation spitzt sich bereits an der Station zu, als Ranger auf eine kurze Stippvisite vorbeikommen, was aber noch glimpflich ausgeht. Dan nimmt schließlich die Dienste des Mannes an, nimmt zur Vorsicht aber noch zwei Frauen als Geiseln mit. Es folgt eine lange und beschwerliche Reise, die die meisten nicht überleben werden...

Mörder des Klans - ScreenshotMörder des Klans - Screenshot

Mit Prega il morto e ammazza il vivo schuf Giuseppe Vari nach einem Drehbuch von Adriano Bolzoni einen relativ ungewöhnlichen Italo-Western. Abgesehen von einigen Schußwechseln handelt es sich auch eigentlich im Grunde genommen um keinen Western, sondern mehr ein psychologisches Drama unter Extrembedingungen. An der Telegraphenstation übernehmen Dans Männer mit vorgehaltener Waffe das Kommando und warten dort auf ihren Boss und einer Komplizin, die das Gold mit sich führt. John Webb gelint es nach Dans Ankunft Zwietracht zwischen den Männern zu streuen, indem er behauptet, dass einer ein Verräter sei. Da übernimmt Reed (Dino Strano) vorübergehend das Kommando und schickt Dan auf ein Zimmer, der Rest wartet weiterhin stundenlang auf das Gold. In diese angespannte Situation platzen zudem drei Reisende und der Kutscher rein.

Bei den Reisenden handelt es sich um eine Tänzerin namens Wölkchen (!?) und um ein versnobtes Ehepaar. Während der Mann versucht sich mit Geld freizukaufen, was natürlich nicht gelingt, scheint seine Frau Gefallen an der Situation zu finden. Sie ist von ihrem Mann gelangweilt und ertrinkt sich lieber mit Alkohol. Hier treffen gleich mehrere Elemente aufeinander. Die Machtausübung und die Bedrohung durch die Gangster, der Vertrauensverlust der Männer untereinander sowie das Ehepaar, deren Risse in der Beziehung hier in aller Deutlichkeit an die Oberfläche kommen. In dieser ohnehin angespannten Atmosphären ist dann ein Mann wie Dan sehr gefährlich, er steht immer kurz vor einer Explosion und ist unzurechnungsfähig. Als das Gold endlich ankommt, schießt er Reed zur Strafe kurzerhand in den Rücken.

Mörder des Klans - ScreenshotMörder des Klans - Screenshot

Alles was sich in der Station abspielt, nimmt gut die Hälfte der Länge des Films ein. Hier gibt es keine wilden Schießereien und Schlägereien, sondern psychologischen Druck auf allen Beteiligten. Kommt es doch zu Gewaltausbrüchen, so sind diese eher von kurzer Dauer und schnell abgehandelt. Lediglich John Webb beobachtet alles mit einer ungewöhnlichen Ruhe und Sachverstand. Während die Charakteristika der Banditen sehr einfach gezeichnet sind, wirkt er ein wenig mysteriös. Niemand, auch nicht der Zuschauer, weiß so recht, warum er den Banditen helfen will. Er will zwar die Hälfte des Goldes, aber hinter seinen Absichten scheint mehr zu stecken als nur die persönliche Bereicherung.

Ist die Situation an der Station erst einmal gemeistert, natürlich nicht ohne Opfer, sowohl bei den Zivilisten als auch bei den Banditen, machen sich John Webb, Dan und seine verbliebenen Männer sowie als Geiseln Santa (Patrizia Adiutori), die Enkelin des Stationsbesitzers, und die Frau (Victoria Zinny) des reichen Kerls auf den Weg zur mexikanischen Grenze. Von dem klaustrophobisch angehauchten Szenen in der Station, wo sich die ganze Spannung auf engstem Raum abspielte, ist es jetzt die Weite des Landes, in der sich Mißtrauen breit macht. Ihr Weg führt sie durch eine trockene Gegend in der es kaum Wasser gibt. Vor allem die Frauen müssen darunter leiden, was natürlich die Wanderung verzögert. John Webb tut alles dafür, dass den Frauen kein Leid zugeführt wird. Die Diskussionen mit Dan bzw. seinen Männern wird immer heftiger, recht bald vertraut unterhalb der Banditen niemand mehr dem anderen.

Mörder des Klans - ScreenshotMörder des Klans - Screenshot

Man merkt, es ist ein Western, der nur in letzter Instanz mit den üblichen Schießereien arbeitet. Vielmehr sind es die verschiedenen Persönlichkeiten, die die Handlung bestimmen. Neben dem schon fast cholerischen, aber mit einer besonderen Kühle agierenden Dan Hogan, ist es vor allem John Webb, der mit seiner Art den totalen Gegenpol dazu darstellt. Dans Gefolgsleute sind da eher die typischen Banditen, aber die meisten von ihnen erleben eh kaum die zweite Filmhälfte. Die Frauen sind da auch von Interesse, Santa möchte anfangs am liebsten mit John Webb in einer große Stadt ziehen und hält sich im weiteren Verlauf sehr an seiner Seite, weil sie dort Schutz findet. Die andere Lady hingegen hat nichts dabei, ihren Körper den Banditen hinzugeben, was sie allerdings auch nicht vor einem besonderen Schicksal bewahrt.

Aber gerade die psychologische Schlagseite, der Schwerpunkt auf den Konfrontationen innerhalb der Gruppe, dürfte dem durchschnittlichen Italo-Western Fan wohl eher weniger gefallen. Die Handlung ist größtenteils sehr ruhig ausgefallen, die Erzählweise eher bedächtig. Man muss sich erst ein wenig an den Stil dieses Films gewöhnen, da man zunächst einen tpyischen Vertreter des Spaghetti Westerns erwartet, was er aber nicht ist. Kleinere Ungereimtheiten treten ebenfalls auf. Wölkchen wird z.B., als sie versucht die Ranger zu alamieren, von einem Banditen umgebracht, der daraufhin in eine tödliche Rangelei mit einem anderen Kollegen gerät, beide sterben schließlich. Dies findet im weiteren Verlauf einfach keine Erwähnung. Auch stellt die Musik von Mario Migliardi nicht gerade das dar, was man unter einem typischen Spaghetti-Soundtrack versteht. Statt die üblichen Western-Themen anklingen zu lassen, sind es hier schon fast verzerrt klingende Streicher die man zu hören bekommt. Die Musik wird auch deutlich sparsamer und weniger vordergründig eingesetzt als in anderen Vertretern des Genres.

Mörder des Klans - ScreenshotMörder des Klans - Screenshot

Mörder des Klans ist also kein Film, der uneingeschränkt jedem Italo-Western Fan empfohlen werden kann. Ein wenig Offenheit und der Wille sich mal auf eine, innerhalb des Genres andere Herangehensweise einzulassen sind schon notwendig. Giuseppe Vari begann in den 50er Jahren als Regisseur zu arbeiten. In den 60er drehte er Sandalen-Filme wie La Vendetta dei barbari (Kampf um Rom), aber auch Western wie L' Ultimo killer (Rocco - Ich leg' dich um). Zu seinen bekanntesten Werken aus den 70ern gehört sicherlich das Laura Gemser Vehikel Suor Emanuelle (Die Nonne und das Biest). Drehbuchautor Adriano Bolzoni schrieb unter anderem die Vorlagen für Minnesota Clay, Johnny Oro (Ringo mit den goldenen Pistolen), Il Mercenario (Die gefürchteten Zwei), J. and S. - storia criminale del far west (Die rote Sonne der Rache), der Science Fiction Trash L' Umanoide (Kampf um die 5. Galaxis) oder der Softsex-Langweiler La Mujer de la tierra caliente (Die Frau vom heißen Fluß).

Klaus Kinski war ja in vielen italienischen Exploitationfilmen vertreten, die restlichen Darsteller sind aber doch eher unbekannt. Paul Sullivan hat laut IMDB gerade mal vier Filme gemacht, darunter der Italo-Western La Belva (Die Bestie), in dem ebenfalls Kinski mitspielte, und Aquel maldito día (Die Schlacht um Kreta). Victoria Zinny war die Bordellbesitzerin in dem grandiosen Keoma und war noch später in der italienisch-amerikanischen Co-Produktion Beyond the Door III (Amok Train - Fahrt ins Nichts) zu sehen. Dino Strano, der hier in den Credits als Dean Stratford auftaucht, war ein typischer Western-Darsteller. Er spielte verschiedenste Rollen in La Morte non conta i dollari (FDer Tod zählt keine Dollar), Passa Sartana... è l'ombra della tua morte (Sartana - Im Schatten des TOdes), Ciakmull - L'uomo della vendetta (Django - Die Nacht der langen Messer) oder Giù le mani... Carogna (Halleluja pfeift das Lied vom Sterben). Patrizia Auditori sah man unter anderem in L' Istruttoria è chiusa: dimentichi (Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie's!) und Sergio Martinos Klassiker I Corpi presentano tracce di violenza carnale (Torso).

Mörder des Klans - ScreenshotMörder des Klans - Screenshot

Die DVD von Koch Media bietet eine ganz gute Qualität des Films. Das Bild ist allgemein recht scharf, auch wenn es im Detail manchmal nachläßt. Ansonsten ist alles okay, lediglich ein paar Defekte vom Ausgangsmaterial konnten ausgemacht werden. Der einzige wirklich gravierende Makel ist das falsche Bildformat von 1.85:1. Eine Neuabtastung des original 2.35:1 Masters wäre für einen Titel, von dem keinen hohen Verkaufszahlen zu erwarten sind, zu teuer gewesen, weswegen auf ein anderes Master zurückgegriffen wurde. Dies merkt man dem Film leider auch an, in vielen Szenen vermißt man links und rechts deutlich Bildinformationen, z.B. wenn Personen nur halb im Bild stehen oder die Bildkomposition etwas seltsam wirkt.

An Sprachoptionen gibt es einmal die englische und die deutsche Synchronisation. Rein Qualitativ gibt es nicht viel auszusetzen, die englische Tonspur klingt allerdings im direkten Vergleich dumpfer als die deutsche. Die deutsche Synchro ist allerdings keine Originalsynchro aus den 70ern, sondern erst eine für die Fernsehausstrahlung erstellte Synchronisation von Pro7, da es den Film vorher nicht in einer deutschen Fassung gab. An Extras gibt es auch hier nicht viel, lediglich zwei Bildergalerien, den Trailer, eine Biographie von Klaus Kinski und Trailer zu weiteren Koch-Veröffentlichungen.

Quellennachweis

Christian Kessler: Willkommen in der Hölle

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 26.10.2004

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