Film Daten

Titel:
Django - Der Bastard
Originaltitel:
Per 100.000 dollari ti ammazzo
Land & Jahr:
Italien 1967
Laufzeit ca.: ?
95 Min.
Regie:
Giovanni Fago
Darsteller:
Gianni Garko
Claudio Camaso
Carlo Gaddi
Piero Lulli
Fernando Sancho
Claudie Lange
Bruno Corazzari
Susanna Martinková
Alternativtitel:
• Django, der Bastard
• For One Hundred Thousand Dollars for a Killing
• One Hundred Thousand Dollars Per Killing
• Vengeance Is Mine
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Koch Media
Label:
Koch Media
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 91:25
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Italienisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Extras:
  • Doku "Mondo Garko" (Teil 2)
  • deutscher Kinotrailer
  • italienischer Kinotrailer
  • Bildergalerie

Django - Der Bastard

Review

Django - Der Bastard - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

Kain und Abel im Wilden Westen. Als der eifersüchtige Clint herausfindet, dass sein vermeintlicher Bruder Johnny ein uneheliches Kind ist, jagt er den Bastard triumphierend vom elterlichen Anwesen. Doch als sein Vater dazwischen geht und Johnny zurückholen will, kommt es zur Katastrophe. Rasend vor Wut streckt Clint seinen Vater nieder und beschuldigt in Panik seinen Halbbruder, die Tat begangen zu haben. Der unschuldige Johnny wird wegen Mordes zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt.

Zitat

Man kann sich noch so sehr bemühen, die Vergangenheit zu vergessen. Sie ist wie eine schlecht verheilte Wunde. Eine Wunde, die immer wieder aufbricht und von neuem schmerzt. - Johnny.

Nach seiner Entlassung muss Johnny, der es nun vorzieht sich Django, der Bastard zu nennen, feststellen, dass die Zeit hinter Gittern nichts an der Wahrheit geändert hat. Während er als Kopfgeldjäger auf Seiten des Gesetzes für die gerechte Sache kämpft (obgleich eher von Materialismus als von Idealismus getrieben), hat Clint eine Karriere als Outlaw eingeschlagen. Und so begegnet Django seinem Halbbruder nach all den Jahren auf einem Steckbrief wieder. Das Verlangen nach Rache brennt verständlicherweise tief, nur dummerweise hat die liebe Mama ihrem Johnny vom Sterbebett ausrichten lassen, er möge den Bruder doch bitte lebend dem Richter übergeben. Und sollte es zum Duell kommen, dürfe es nicht er sein, der als erster zieht...

Django - Der Bastard - ScreenshotDjango - Der Bastard - Screenshot

Django ist wieder da! Und sein Preis ist gestiegen... Genügten im Vorgänger noch $10.000 für ein zünftiges Massaker (10.000 dollari pe un massacro), hat sich der Preis für Tötungsdelikte dieser Art in Django - Der Bastard laut Originaltitel mal eben verzehnfacht. Genau genommen geht es in Per 100.000 dollari t'ammazzo aber weder um Geld noch um Django; denn anders als in der deutschen Synchronfassung heißt unser Held im italienischen Original nicht nur zu Beginn, sondern den ganzen Film über Johnny Forest. Und so ist Django - Der Bastard im Kern eigentlich ein klassisches Familiendrama. Bruder gegen Bruder. Bei den namensgebenden $100.000 handelt es sich übrigens um geraubtes Armee-Gold, das dafür sorgt, dass die beiden nie lange unter sich bleiben.

Garkos Django ist nicht Neros Django. Und um darauf zu kommen, dass dieser Johnny-Django hier unmöglich der gleiche sein kann, den man aus Corbuccis Original kennt, braucht es eigentlich nicht mal einen Abgleich zwischen deutscher Synchro und italienischer Originalversion. Denn zu den wenigen Dingen, die uns Corbucci über den Hintergrund seines Antihelden verraten hat, gehört, dass er im Bürgerkrieg auf Seiten der Yankees gekämpft hat. Als der Bürgerkrieg in Django - Der Bastard thematisiert wird, macht dieser Django hier einen herzlich unbeteiligten Eindruck und keinen Hehl daraus, dass er mit den laufenden Kriegswirren so gar nichts am Hut hat. Auch rein idealistisch scheint er mit den Südstaatlern kein Problem zu haben.

Django - Der Bastard - ScreenshotDjango - Der Bastard - Screenshot

Die inhaltliche Nähe zwischen Italowestern und griechischer Tragödie sowie allerlei anderen dramatischen Stoffen der Welt- und Literaturgeschichte ist an sich nichts Neues. Oft genug haben sich die Filmemacher direkt bei den antiken Vorlagen bedient und sie einfach auf das Wildwest-Setting übertragen. Die Folge: Familiendramen hier wie dort. Inklusive der allesbedeutenden inneren Konflikte und emotionalen Zerrissenheit, wenn Freund und Feind nur auf den ersten Blick leicht zu unterscheiden sind. Django - Der Bastard ist hierfür ein gutes Beispiel.

Die Ausgangssituation: Schon in der gemeinsamen Jugend waren die Rollen klar verteilt. Auf der einen Seite Handsome Johnny, der Musterknabe, ein Sohnemann, auf den Mama und Papa stolz sein könnnen. Auf der anderen Clint, der tollpatschige Lausejunge, ewig im Schatten des ihm überlegenden Bruders. Von den Eltern zwar nicht weniger geliebt, aber abgrundtief unzufrieden mit seinem Platz als ewiger Zweiter - der Kain eben. Erst in der aufgedeckten Blutschande sieht Clint eine Möglichkeit den ungeliebten Konkurrenten loszuwerden. Doch die Rechnung geht nicht auf und stürzt die Familie und auch ihn selbst nur in noch größeres Unglück.

Zitat

Was soll das? Das ist alles solange her. Damals war ich ein dummer Bengel. - Clint.

Das Erste, von dem Clint seinen Bruder bei ihrem Wiedersehen gern überzeugen würde, ist, dass er sich geändert habe. Er sei nicht mehr der unkontrollierbare Heißsporn von damals. Tja, wohl selten lag eine Selbsteinschätzung so daneben. Im Herzen ist er nämlich nach wie vor das wütende Kind, dessen unkontrollierbare Gefühlsausbrüche sein Leben und das der ganzen Familie ruiniert haben. Zwar gibt es hin und wieder Momente, in denen Einsicht und quälende Schuldgefühle aufzukeimen scheinen (z.B. als er vom Tod der Mutter erfährt), aber sobald das Blut hochkocht, ist all das Vergessen. Ein Mann auf unaufhaltsamem Abgrundkurs...

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Kommen wir zu den Highlights. Wie schon 10.000 blutige Dollar glänzt auch Django - Der Bastard mit einer feinen Eröffnungsszene. Wie Fernando Sancho da bei seinem kleinen Gastspiel die Türen zusammenschießt, das ist schon eine wahre Wonne. Und auch wenn man die Nummer mit den bereitgestellten Särgen schon aus anderen Filmen kennt, nie haben die reservierten Bösewichte so herrlich scharfsinnig den richtigen Schluss daraus gezogen ("Was soll'n die Särge hier? Das ist doch ne Falle!"). Wie wahr, wie wahr.

Zu den besten Szenen gehören selbstredend auch einige der bedeutungsschwangeren Zusammentreffen der Brüder. Und Gelegenheiten, die beiden gegeneinander aufzustellen, finden sich wie man sich sicher denken kann reichlich. Z.B. Rücken an Rücken vor der Kulisse der brennenden Stadt. Hier gibt es auch eine sehr gelungen arrangierte Szene, in der Clint umringt von Flammen scheinbar zum finalen Gnadenschuss auf seinen Bruder ansetzt. Ein Feuerkranz für ein hitziges Gemüt. Großartig.

Zitat

Ich weiß, ich hab den Falschen umgelegt. Curago war mein Feind, aber er hat mich nicht so gehaßt wie Du. - Clint.

Das symbolische Gegenstück zum Feuertanz gibt es aber auch. Wasser als Symbol von Hoffnung, Unschuld und der Erinnerung an eine heile Welt. Wie schon in 10.000 blutige Dollar gibt es nämlich auch hier die für das ansonsten staubtrockene Genre ungewöhnlichen Strandszenen zu bewundern (offensichtlich wurde am gleichen Drehort des Vorgängers gefilmt). Diese Rückblenden mit der verträumten Weichzeichner-Optik lassen sogar ein wenig cineastischen Zeitgeist (abseits des Italowesterns) durchblicken. So sah es in den 60ern aus, wenn die Filmemacher Emotionen und Romantik auf die Leinwand bannen wollten. Obwohl das alles in der Schaukelszene und später dann mit den vom Meer fortgespülten Fußspuren im Sand fast schon die Erträglichkeitsgrenze übersteigt.

Und plötzlich ist alles klar. Kein Wunder, das es in diesem Genre in der Regel so finster und zynisch zugeht. Es fehlt eben einfach an Wasser in dieser Wüste, die sich Italowestern nennt! Wasser um die Seelen all der Finsterlinge zu versöhnen, ihnen den Grimm aus den Augen zu spülen...

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Auch Gianni Garkos zweiten Wildwest-Auftritt darf man als gelungenen Genre-Beitrag verbuchen. Kleinere Logiklöcher (z.B.: Wenn scheinbar alle wissen, dass Johnny unschuldig hinter Gitter gewandert ist, warum hat das dann keiner dem Richter erzählt?!) sind ohne weiteres zu verkraften und tun Spaß & Vergnügen keinen Abbruch. Welcher von Garkos Djangos diesbezüglich am Ende besser abschneidet, hängt vermutlich von persönlichen Vorlieben ab. Die tolleren Einfälle und kreativen Akzente setzt sicher 10.000 blutige Dollar, während Django - Der Bastard definitiv der emotional dichtere der Filme ist. Umso schöner, dass einem KochMedia die Entscheidung von vorneherein abnimmt und die beiden direkt im Doppelpack mit Bonusfilm (Django - Die Bibel ist kein Kartenspiel) anbietet.

Man könnte sagen, dass die Flora Film von Luciano Martino und Mino Loy direkt im Anschluss an 10.000 blutige Dollar mit dem beinahe gleichen Team eine Beinahe-Fortsetzung produziert hat. Die Heldenrolle wurde erneut Gianni Garko übertragen, der Part seines Kontrahenten ebenso wie in 10.000 blutige Dollar mit Claudio Camaso besetzt. Das Drehbuch stammt wiederum aus der Feder von Ernesto Gastaldi, der dieses Mal allerdings nicht nur unterstützende Ratschläge von Produzent Luciano, sondern vor allem von dessen Brüderchen Sergio Martino (Torso, Die weisse Göttin der Kannibalen) erhielt. Die Kamera übernahm auch hier Frederico Zanni (Lebendig gefressen, Mannaja), genauso wie sich Nora Orlandi (Lo strano vizio della Signora Wardh, 1971) wieder für den Soundtrack verantwortlich zeichnet. Also alles kein Grund sich zu wiederholen. Nähere Infos zu dieser ganzen Bande und ihrem Schaffen gibt es hier im Review zu 10.000 blutige Dollar.

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Hauptdarsteller, Produzenten, Kamera, Ton und Musik - wie gehabt. Lediglich Regisseur Romolo Guerrieri scheint anderweitig beschäftigt gewesen zu sein. Seinen verwaiste Regie-Stuhl übernahm Neuling Giovanni Fago, der zuvor als Lucio Fulcis Assi beim Dreh zu Django - Sein Gesangbuch war der Colt (Tempo di massacro, 1966) fungiert hatte. Sicher keine schlechte Referenz, wenn es um den Italowestern geht - allerdings auch bis dato seine einzige. Aber Fago bestätigte das in ihn gesetzte Vertrauen, verdiente sich mit Django - Der Bastard ordentliche Sporen und wurde 2 Jahre später dafür mit einem weiteren Arbeitsauftrag von Martinos Flora Film belohnt: Mit Django - Melodie in Blei (Uni di più all'inferno, 1969), einem echten Kleinod unter den unzähligen Mittelmaßprodukten, die uns hierzulande als falsche Djangos untergejubelt wurde, konnte Fago beweisen, dass er mehr als nur einen Glückstreffer gelandet hatte.

Umso überraschender, dass es darüber hinaus kaum nennens- bzw. sehenswertes von ihm zu berichten gibt. Es folgte der ungewöhnliche (und eher gewöhnungsbedürftige) Viva Congaceiro! (O congaceiro, 1969), der zwar Tomas Milian dabei hat, aber in Brasilien spielt und sich entsprechend doch etwas vom Italowestern entfernt. In den 70ern drehte er noch einen Poliziotti, der mir allerdings trotz einer sehenswerten Besetzung mit Henry Silva und Rada Rassimov in den Hauptrollen so leider gar nichts sagt. In den Händen des Entführers (Fatevi vivi: la polizia non interverrà, 1974) heißt das gute Stück. Aktiv ist Fago aber bis heute. Seine letzten beiden, bei uns nicht gezeigten Filme heißen Sulla spiaggia e di là dal molo (2000) und Pontormo (2004), beide schlagen eher eine dramatische Richtung ein.

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Wie bereits gesagt blieb die Besetzung in den Kernpositionen im Vergleich zum Vorgänger unverändert. Garko vorne weg, Camaso in der Opposition und sogar Fernando Sancho hat am Anfang einen kurzen Auftritt. Soweit alles wie gehabt; nur auf Loredana Nusciak und Pinuccio Ardia müssen wir dieses Mal verzichten.

Dafür ist aber mit Piero Lulli (Curago) guter Ersatz an Bord. Lulli mimte bspw. den Inspektor Kruger in Mario Bavas Die toten Augen des Dr. Dracula (Operazione paura, 1966), war in Giulio Questis Töte, Django! (Se sei vivo spara, 1967) als Bösewicht Oaks zu sehen. Er spielte den Sheriff in Paolo Bianchinis Bleigericht (Dio li crea... Io li ammazzo!, 1967) ebenso wie in Tonino Valeriis Mein Name ist Nobody (Il mio nome è Nessuno, 1973). Also ein Gesicht das der Wildwest-Freund (nicht nur aus den genannten Filmen!) durchaus kennen und schätzen sollte.

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Neu im Sattel auch Carlo Gaddi, der es mit seinen weiteren Rollen zwar nicht zu Starruhm gebracht hat, aber dennoch an einer Reihe interessanter Filme brachte, und das sowohl im Bereich des Italowesterns (Die letzte Rechnung zahlst Du selbst, Django und die Bande der Bluthunde, Django - Melodie in Blei), als auch in der anschließenden Crime Wave al Italia (Die Viper, Camorra - Ein Bulle räumt auf).

Claudie Lange, hier die Dame für's Auge, spielte 2 Jahre später auch die weibliche Hauptrolle in dem von Martino/Loy produzierten und Giovanni Fago inszenierten Django - Melodie in Blei, in dem wie bereits erwähnt auch Carlo Gaddi wieder in einer Nebenrolle zu sehen war. Jaja, alles ganz so wie man es von den familiären Strukturen der Cinecitta gewohnt ist. Zu sehen war sie außerdem Paolo Bianchinis Django spricht kein Vaterunser (Que caldo maledetto giorno di fuoco, 1968) nicht zu verwechseln mit dem schwächeren Django spricht das Nachtgebet. Der Mann ist eben besser, wenn er nicht betet!

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In der von KochMedia veröffentlichten Django-Box befindet sich Django - Der Bastard in guter Gesellschaft. Neben dem angesprochen Quasi-Vorläufer 10.000 blutige Dollar (10.000 dollari pe un massacro, 1967), dem KochMedia de Einfachheit halber und um Unklarheiten zu vermeiden den Django-Zusatz verpasst hat (bislang war dies nämlich der einzige "echte" Django, der in Deutschland ohne diesen Titelhinweis veröffentlicht worden ist), gibt es auch noch den etwas ruppigeren Django - Die Bibel ist kein Kartenspiel (Execution, 1968) zu entdecken. Wer die Sollima-Box von KochMedia kennt, der wird bereits mit der überaus schicken Aufmachung, mit der der Anbieter hier das Sammlerherz verwöhnt, vertraut sein (lediglich den goldenen Reflektorendruck beim Titel hat man sich gespart). Hier wie dort kommen die Filme im noblen Digipack im Schuber, dem dieses Mal als Bonus eine Audio-CD mit den Soundtracks zu 10.000 dollari pe un massacro (18 Tracks) und 100.000 dollari t'ammazzo (13 Tracks), wobei beide Scores hier zum ersten Mal überhaupt offiziell komplett veröffentlicht werden. Da sich die von Nora Orlandi komponierten Klangwelten durchaus hören lassen können, eine wirklich nette Dreingabe.

Desweiteren liegt der Box ein 23 Seiten umfassendes Booklet bei, in dem dem Django-Mythos recht ausführlich auf den Zahn gefühlt wird. Wie viele echte Django-Filme gibt es? Wie kam es zur wundersamen Django-Vermehrung und was hat es mit der deutschen Titelinvasion auf sich? Interessante Infos zu den verschiedenen Django-Darstellern, Umbenennung, gekürzten Fassungen sowie der Entwicklung des Italowesterns vom harten Realismus bis zur Parodie. Und natürlich auch Erläuterungen zu den in der Box befindlichen Filmen, wobei der Focus auch hier auf die beiden Garko-Titel gelegt wurde. Nun erfährt der Genre-Kenner hier zwar vermutlich nichts Neues, aber die Zusammenstellung ist gelungen und liefert im Grunde endlich das angemessene Booklet nach, das der in dieser Hinsicht extrem dürftig ausgestatteten Django-Box von Kinowelt gefehlt hat. Nicht zuletzt findet sich im Text der Hinweis auf eine Langfassung des Artikels von Wolfgang Luley mit vollständiger Liste aller Django-Titel - auch der umgedichteten Kuckuckseier - auf der KochMedia-Website. Da wünscht man sich doch, jede Veröffentlichung würde derart sorgfältig ausgearbeitet

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Und wo wir vorhin schon den Vergleich zur Sollima-Box hatten, im Hinblick auf die Menügestaltung hat die Django-Box eindeutig die Nase vorn. Die Menüs sind überaus stimmig animiert ohne optisch zu überladen und im Vergleich zum Vorgänger wurde hier sorgfältiger auf Lesbarkeit und Übersicht geachtet. Der Look ist für alle drei Filme einheitlich, gliedert sich im Hauptmenü in Filmstart, Kapitel, Setup und Extras, allesamt stimmungsvoll untermalt mit einem musikalischen Thema aus dem jeweiligen Soundtrack. In den Untermenüs wurde auf Animationen verzichtet, der Ton allerdings variert. Das gestalterische Konzept passt und wirkt durchdacht. Sehr schön.

Dass die Django-Box schwerpunktmäßig auf die lose zusammenhängenden ersten beiden Filme ausgelegt ist, verrät wohl schon das Covermotiv, auf dem Gianni Garko mit gezückten Pistolen und wehendem weißen Schal zu sehen ist. Über die Wahl dieses Motivs mag man geteilter Meinung sein und verglichen mit der schönen Collage auf dem Sollima-Schuber nimmt es sich sicherlich schon sparsamer aus, aber wenn man die Filme kennt, erscheint das leicht romantisierte Motiv mit eben jenem wehendem Schal durchaus passend. Trotzdem schade, dass hier bspw. nicht auf das gemalte Motiv des italienischen Kinoplakats zu 10.000 blutige Dollar zurückgegriffen wurde, wie man es bei der Innengestaltung des Digipacks getan hat. Aber das sind natürlich eher Kleinigkeiten.

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Wie die anderen beiden Filme präsentiert KochMedia auch Django - Der Bastard sowohl in der deutschen Synchronfassung, als auch im italienischen Original mit optionalen deutschen und englischen Untertiteln - wobei wie bei den anderen Filmen auch, die englischen Untertitel eine nicht angekündigte Zusatzoptionen darstellen (Schlicht vergessen? Oder wohlmöglich eine lizenzrechtliche Geschichte?). Die Qualität der beiden DD 2.0 Tonspuren gibt auch keinen Grund zur Klage. Beide sind durchweg gut verständlich. Im direkten Vergleich ist die italienische etwas lauter, dafür aber auch etwas weniger differenziert als die deutsche. Die deutsche Synchronfassung ist übrigens vollständig und gut gemacht, d.h. keine sinnentstellenden Klamaukverschiebungen zu beanstanden. Und auch wenn ich es schon in den anderen beiden Reviews angesprochen habe, die grandiose digitale Aufbereitung aller 3 Filme dieses Boxsets kann man gar nicht oft genug lobend erwähnen. Die Bildqualität ist ganz toll, und Django - Der Bastard stellt hier keine Ausnahme dar!

Ebenfalls sehen lassen kann sich das Bonusmaterial, das KochMedia für die Veröffentlichung zusammengetragen hat. Kernstück ist die umfassende Doku Mondo Garko, deren erste Hälfte wir bereits von der DVD zu 10.000 blutige Dollar kennen und die nun hier in den Extras fortgesetzt wird. In dem etwa 53 Minuten langen, ausführlichen Interview, das durch Illustrationen und eingespielten Ausschnitten ergänzt wird, berichtet von Gianni Garko über seine Filmen, sein Leben und plaudert dabei wirklich sehr unterhaltsam aus dem Nähkästchen. Eine Stunde, die man sich wirklich mal nehmen sollte. Abgerundet werden die Extras auch hier durch den italienischen und deutschen Kinotrailer und eine Bildergalerie. Die Kinotrailer sind im Prinzip inhaltsgleich (mit dem Unterschied der Titeleinblendungen und der digitalen Bereinigung des italienischen Originals), wobei eine gewisse Überrepräsentanz des eigentlich nur in einer Gastrolle zu sehenden Fernando Sancho auftaucht. Naja, die Mino Loy und Luciano Martino wussten eben, wer die Leute ins Kino zieht und warum sie gerade ihn für den kleinen Auftritt geholt haben! Die Bildergalerie ist hier um einiges ausführlicher als bei den beiden anderen Filmen der Django-Box. So finden sich neben Kinoplakaten auch der wie es scheint gesamte deutsche Aushangfoto-Satz (inklusive des Bildes, das sich fälschlicherweise auch schon in die Galerie zu 10.000 blutige Dollar geschlichen hatte!

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Alles in allem darf man feststellen, dass KochMedia hiermit dem Anspruch auf die Position als erste Adresse in Sachen Italowestern, den sie sich mit den letzten Veröffentlichungen (Sollima, Blindman, Django - Unbarmherzig wie die Sonne) verdient haben, noch einmal Nachdruck verliehen. Immer schön, wenn auch mal eine Referenz-DVD auf dem heimischen Markt erscheint. Und das ist die Django-Box für alle 3 in ihr enthaltenen Filme zweifelsohne!

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 08.10.2005
Letzte Textänderung: 02.12.2005

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