Film Daten

Titel:
Django - 10.000 blutige Dollar
Originaltitel:
10.000 dollari per un massacro
Land & Jahr:
Italien 1967
Laufzeit ca.: ?
96 Min.
Regie:
Romolo Guerrieri
Darsteller:
Gianni Garko
Claudio Camaso
Fernando Sancho
Loredana Nusciak
Fidel Gonzales
Pinuccio Ardia
Adriana Ambesi
Franco Lantieri
Massimo Sarchielli
Alternativtitel:
• 10.000 blutige Dollar
• Zehntausend blutige Dollar
• 10,000 Dollars Blood Money
• Guns of Violence
• Ten Thousands Dollars for a Massacre
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Koch Media
Label:
Koch Media
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
2.35:1 (anamorph) / 93:37
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Italienisch - DD 2.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Extras:
  • Doku "Mondo Garko" (Teil 2)
  • deutscher Trailer
  • italienischer Trailer
  • Bildergalerie

Django - 10.000 blutige Dollar

Review

Django - 10.000 blutige Dollar - Logo

(Ein Review von Frank Meyer)

Kopfgeldjäger Django (Gianni Garko) ist ein Mann mit festen Prinzipien. Und eine seine festen Regeln lautet, dass es für ihn erst ab einer Prämie von 10.000 Dollar interessant. Weshalb es ihn zunächst einmal auch herzlich wenig interessiert, dass die Gesetzeshüter sich Sorgen um einen skrupellosen Nachwuchsbanditen namens Manuel Vasquez (Claudio Camaso) machen - denn der steht derzeit erst bei mageren 2000. Die Dinge ändern sich allerdings, als Manuel die Tochter des ausbeuterischen Mendoza entführt. Der Geizhals ziert sich zwar anfangs ein wenig, stockt das Kopfgeld aber schließlich auf die erforderliche Summe auf. Doch nach einem heimtückischen Mordanschlag hat Django zu diesem Zeitpunkt obendrein eine persönliche Rechnung mit Manuel offen und stattet deshalb erst einmal dessen Vater (Fernando Sancho) einen Besuch ab...

Django - 10.000 blutige Dollar - ScreenshotDjango - 10.000 blutige Dollar - Screenshot

Gianni Garkos erster Italowestern und zudem einer der wenigen "echten" Django-Titel (sprich: auch in der Originalversion taucht tatsächlich ein Held diesen Namens auf). Allein diese beide Umstände sollten 10.000 blutige Dollar einen festen Platz im Regal des Genre-Liebhabers sichern. Und sonst?

Keine Frage. 10.000 blutige Dollar ist ein gelungener Genre-Beitrag. Auch wenn man im ersten Augenblick wohlmöglich gar nicht so genau sagen kann, warum das so ist. Der Aufhänger mit dem $10.000-Limit ist natürlich klasse, aber darüber hinaus, so scheint es, gibt es von der schnörkellosen Story keinerlei besonderen Clou zu berichten, der den Film zwangsläufig aus der Masse der Italowestern herausheben würden. Doch der Eindruck täuscht - was möglicherweise daran liegt, dass es eher kleine Innovationen sind, die 10.000 blutige Dollar Charakter verleihen. Die Eingangsszene am Strand oder Rosita, die dicke Hummel. So geht es insgesamt zwar eher unaufgeregt zu, aber es stimmt eigentlich alles: Solide Kameraarbeit. Ausnahmslos gute Darsteller. Ein ansprechender Soundtrack. Und eine Handlung, die auch ohne DEN Clou ausreichend Wendungen und kleinere Überraschungen parat hält, um eineinhalb Stunden kurzweilig zu unterhalten. Die von Leone und Corbucci entwickelten Genre-Konventionen werden respektiert und gekonnt eingesetzt. Entsprechend wird das Rad hier nicht neu erfunden, aber gut geschmiert!

Django - 10.000 blutige Dollar - ScreenshotDjango - 10.000 blutige Dollar - Screenshot

Italowestern mit Meerblick! Gleich zu Beginn überrascht uns Regisseur Guerrieri mit einer absolut untypischen Kulisse und präsentiert seinen Helden am Strand, wo er sich neben seiner letzten Beute entspannt im Treibholz herumlümmelt. Zumindest räumlich könnte sich 10.000 blutige Dollar wohl kaum deutlicher abseits ausgetretener Pfade bewegen. Neben dem bereits erwähnten Auftritt der dicken Hummel (ein Kuriosum das im Wilden Westen seines Gleichen sucht - mehr verrat ich nicht...) zählt sicherlich auch eine Szene im Saloon zu den Highlights des Films. Hier erläutert Django dem verdutzten Manuel, der sich gerade anschickt mit seinem auf 3000 Dollar gestiegenen Kopfgeld anzugeben, in aller Seelenruhe, was man von Jüngelchen dieser Preiskategorie zu halten hat. Anfänger seien das. Viel zu leichte Beute.

Aber nicht nur Django und Manuel haben ihre starken Momente. Auch Papa Fernando Sancho darf sich in einer herrlichen Paraderolle als mexikanischer Banditen-Bauch auf der Leinwand breit machen. Und mit Fidel Gonzáles als herzensgutem Freund unseres Helden sowie Pinuccio Ardia als unterhaltsamem Outlaw-Side-Kick, der in den unmöglichsten Situation seine 7-Dollar-Wetten abschließen will, fügt Guerrieri seinem Film gleich zwei weitere illustre Figuren hinzu, die bis zum unvermeidlichen, aber stimmungsvoll inszenierten Showdown für die eine oder andere Überraschung gut sind.

Django - 10.000 blutige Dollar - ScreenshotDjango - 10.000 blutige Dollar - Screenshot

Für Garko, der hier noch unter seinem frühen Pseudonym Gary Hudson (zusammengesetzt aus Giannis Vorbild Gary Cooper und Rock Hudson, dem favorisierten US-Schauspieler von Produzent Luciano Martino) auftrat, sollte es der Beginn seines Aufstiegs zur Genre-Ikone darstellen. Er ist hier zwar noch nicht ganz der augenzwinkernde McCool der späteren Sartana-Filme, aber dass ihm diese Schiene liegt, schimmert auch hier schon deutlich durch. So hat er durchaus den einen oder anderen lockeren Spruch parat und schießt auch schon mal ein Lachgesicht in den Wasserkrug, um einen Gegner zu unterhalten - bevor er ihn erledigt.

Zitat

Weißt Du, ich empfange eigentlich nicht gern Besuch, wenn ich in Unterhosen bin. Ich find's unseriös. - Django.

Nicht der einzige Punkt, in dem sich Guerrieris Django von Corbuccis berühmten Antihelden unterscheidet. Garko selbst beschreibt seinen Charakter als rachelüstern, aber von romantischer Natur. Ein Wesenszug den man vielleicht auch schon am weißen Schal erahnen könnte, der den halben Film über verspielt um Djangos Hals weht. Im auf der DVD enthaltenen Interview erläutert Garko weiterhin, dass diese gewisse Ambivalenz der Figur im Grunde einfach aus Unsicherheit seinerseits entstanden sei. So spielt er den sterbenscoolen Cowboy mit einer unterschwelligen Fragilität, die ihm insbesondere immer dann, wenn er einzustecken hat, eine Extraportion Glaubwürdigkeit verleiht - bzw. Intensität, denn so bös realistisch ist es dann nun auch wieder nicht. Obwohl die nette kleine Szene, in der Django bis zum Hals eingegraben wird und mit verkniffenem Blick in Richtung eines auf ihn zu krabbelnden Skorpions schielt, zumindest bei Phobikern für einen ordentlichen Empathie-Schub sorgen dürfte. Ich meine sogar, dass 10.000 blutige Dollar einer der ersten Italowestern ist, in dem dieser Art der Feindbehandlung zum Einsatz kommt. Auf jeden Fall noch vor Giulio Petronis Die Rechnung wird in Blei bezahlt (Da uomo a uomo, 1967) und Corbuccis Zwei Companeros (Vamos a matar, companeros!, 1970), in denen John Philip Law und Franco Nero der Sand bis unters Kinn steht.

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Interessant ist auch die Art und Weise, in der die von gegenseitigem Respekt gekennzeichnete Beziehung der beiden Kontrahenten entwickelt wird. Django und Manuel sind zwar Gegner, aber die Rivalität bindet sie aneinander, macht sie in gewissem Sinne fast zu Freunden. Denn wie es Manuel einmal treffend formuliert, auch wenn sie auf unterschiedlichen Seiten stehen, sind sie Teil des gleichen Systems, dem Geschäft mit dem Tod. Nun schwingt sich 10.000 blutige Dollar zwar nicht gleich in die gesellschaftskritischen Sphären von Sergio Sollimas oder Giulio Questis Genre-Beiträgen auf, wagt sich aber doch hin und wieder einen Schritt nach vorn. So kommentiert nicht nur Manuel, sondern auch Djangos Herzensdame Mijanou mehrfach das Tagwerk des Kopfgeldjägers und mag nicht so recht einen Unterschied zwischen ihm und den Banditen, denen er nachstellt, sehen.

Hinter Regisseur Romolo Guerrieri verbirgt sich Romolo Girolami, Mitglied der gleichnamigen Filmmacherfamilie, der u.a. Bruder Marino Girolami (Zombies unter Kannibalen, Gewalt rast durch die Stadt) und auch Italo-Action-Spezi Enzo G. Castellari (Keoma, Riffs - Die Ratten von Manhattan) angehört. Enzos Onkel Romolo war von Anfang der 50er bis in die 90er Jahre zuerst als Regie-Assistent, später dann als Regisseur und auch Autor an etwa 40 Filmen beteiligt. Darunter vom Sandalen-Epos (Herkules - Der Schrecken der Hunnen, 1959) bis zum klassischen Giallo (Der schöne Körper der Deborah, 1968) alles vertreten, was das italienische Kino in dieser Zeit erfolgreich gemacht hat. Ohne dabei den großen Wurf gelandet zu haben, darf man diese Produktionen allesamt als solide Wertarbeit bezeichnen. Er drehte mit damaligen Stars der Cinecitta wie Franco Nero (Die Klette, 1969) und Tomas Milian (Unbewaffnet und gefährlich, 1976). Und im Fall von Gianni Garko darf er sich sogar auf die Fahne schreiben, dass er es war, der den späteren Star-Cowboy erst für den Italowestern entdeckt hat. Denn er war es, der Garko (damals noch unter dem Pseudonym Gary Hudson) für die Rolle des Django in 10.000 blutige Dollar vor die Kamera holte. Doch während dieser von da ab in seiner Paraderolle als Genre-Dauerbrenner Sartana durchstartete beschränkte sich das Western-Engagement von Regisseur Girolami auf lediglich zwei weitere Filme: Den fast zeitgleich gedrehten Johnny Yuma (1966) und den ein Jahr zuvor gedrehten Sancho - Dich küsst der Tod (Sette magnifiche pistole, 1965). Darüber hinaus lieferte er die Story für den von Neffe Enzo inszenierten Leg ihn um, Django (Vado... l'ammazzo e torno, 1967). Einmal mehr solide Arbeit.

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Kommen wir nun noch einmal zurück zum unumstrittenen Star des Films: Gianno Garko. Einem Fachfremden könnte man den Stellenwert Garkos innerhalb des Genres vielleicht so beschreiben: Wenn Clint Eastwood und Franco Nero so etwas wie die Schwarzeneggers und Stallones des Italowesterns waren (also diejenigen, die jeder kennt, der nur hin und wieder an einem Kino vorbeiläuft), dann darf man Gianni Garko, wenn man beim 80er-Action-Vergleich bleiben will, irgendwo zwischen Steven Seagal und Bruce Willis einsortieren. Eben definitiv eine große Nummer und unter Fans kaum weniger beliebt.

Seine Debüt gab er Ende der 50er in einer Kriegskomödie namens Kanonen-Serenade (Pezzo, capopezzo e capitano, 1958). Kleine Rolle, unbedeutender Film. Ein Jahr später ergatterte er bereits eine der Hauptrollen in Und zu leicht befunden (Morte di un amico, 1959), der unter der Regie von Franco Rossi (Zwei Missionare) realisiert wurde und an dem u.a. Pier Paolo Passolini mitgeschrieben hat. Nach einigen Zweitreihen-Auftritten in diversen Sandalenfilmen hinter Stars wie Steve Reeves und Cocteau-Star Jean Marais oder auch im schwachen letzten Teil der Don Camillo-Reihe mit Fernandel (Genosse Don Camillo, 1965), schlug Mitte der 60er seine große Stunde...

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Er bekam den Künstlernamen Gary Hudson verpasst, spielte den Django in 10.000 blutige Dollar und erhielt noch im gleichen Jahr den Zuschlag für die Rolle, die ihn zur festen Größe im Italowestern machen sollte: Sartana, der eiskalte Schütze mit den flotten Sprüchen und der Bond-tauglichen Trickkiste. Fünf Mal war Garko als Sartana zu sehen. Auf Alberto Cardones Sartana (Mille dollari sul nero, 1966) folgte unter der Regie von Sabata-Regisseur Sartana ...Bete um Deinen Tod (Se incontri Sartana prega per la tua morte, 1968) mit Kinski, Berger und Sancho. Ab 1969 übernahm dann Giuliano Carnimeo die Regie und drehte Sartana - Töten war sein täglich Brot (Sono Sartana, il vostro becchino, 1969), Sartana kommt (Una Nuvola di polvere...un grido di morte...arriva Sartana, 1970) und den unglaublichen Sartana - Noch warm und schon Sand drauf (Buon funerale, amigos...paga Sartana!, 1970). Mit Kumpel Carnimeo drehte Garko im Anschluss gleich eine Reihe weiterer Spaß-Western in der Tradition des Sartana-Charakters. So z.B. die beide Halleluja-Epen Ein Halleluja für Spirito Santo (Uomo avvisato mezzo ammazzato... Parola di Spirito Santo, 1971) und Ein Halleluja für Composanto (Gli fumavano le Colt... lo chiamavano Camposanto, 1971).

Mit dem Niedergang des Italowesterns wurde es auch im Garko ruhiger und anders als den Kollegen Nero und Milian konnte er nicht wirklich an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen. Das Highlight aus dieser Schaffensphase ist sicher der Poliziotti-Klassiker Der Teufel führt Regie (Il Boss, 1973) von Fernando Di Leo. Mit Fulci drehte er The Psychic (7 note in nero, 1977), später dann auch Gurken wie Graf Dracula beißt jetzt in Oberbayern (1979) oder 3 Schwedinnen in Oberbayern (1977) und ähnliches Zeug. Zwar für Trash-Fans ein Fest, aber beim besten Willen kein Vergleich zu seinen früheren Filmen. An Garkos schauspielerischen Fähigkeit lag es sicher nicht, denn auch die C-Filme profitierten stets von seiner Anwesenheit. Heute arbeitet er für Prüduktion des italienischen Fernsehens, von denen hierzulande zuletzt Bel Ami - Liebling der Frauen (L' Bel Ami, 2001) zu sehen war, an dem mit Guiliano Gemma noch ein weiterer Westernstar aus der guten alten Zeit mitwirkte.

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Das böse Vater-Sohn-Duo das Regisseur Guerrieri seinem Helden in 10.000 blutige Dollar gegenüberstellt setzt sich aus Claudio Camaso (Manuel) und Fernando Sancho zusammen. Erste Wahl also. Claudio Camaso ist bekanntermaßen der kleine, aber kaum weniger talentierte Bruder von Charakterdarsteller Gian Maria Volonté. Während er Italowestern-Liebhabern bestens durch seine Rollen in Antonio Margheriti (Joko invoca Dio... e muori, 1970) oder eben den beiden in KochMedias Django-Box vorliegenden Genre-Beiträgen 10.000 blutige Dollar und Django - Der Bastard (Per 100.000 dollari ti ammazzo, 1967) bekannt sein dürfte, sollte denjenigen, die eher im Bereich Giallo bzw. Italohorror zuhause sind, Camaso zumindest aus Mario Bavas Klassiker Im Blutrausch des Satans (Reazione a catena, 1971) kennen, in dem er unter seinem wirklichen Namen Claudio Volonté auftrat. In 10.000 blutige Dollar sieht er beinah wie eine Halb-Halb-Mischung aus Tomas Milian und seinem leiblichen Bruder Gian Maria aus - was interessant ist, da sich eben jene ein Jahr später in Sergio Sollimas Von Angesicht zu Angesicht (Faccia a faccia, 1967) leibhaftig als Gegner gegenüberstehen sollten. Im direkten Vergleich mit Milian sorgen die scharfkantigeren Gesichtszüge Camasos übrigens für einen wesentlich durchtriebeneren Gesichtsausdruck. Selten hat man so einen verschlagenen Blick gesehen!

Einen seinen letzten Auftritte absolvierte Claudio als Che Guevara(!) im berüchtigten Crime-Mondo Faccia di Spia (1975). Seine eigene Lebensgeschichte endete allerdings nicht minder tragisch: Ende der 70er Jahre verletzt er im Streit einen Freund so schwer, dass dieser an den Folgen stirbt. Obwohl ein Versagen der diensthabenden Notfallärzte (es war Wochenende und das Krankenhaus vorsichtig formuliert unterbesetzt) wohl entscheidenden Anteil an diesem Unglück hatte, nahm Claudio die Schuld vollständig auf sich, wurde verurteilt und konnte die Tragödie nie verwinden. 1977 setzt er Leben und Karriere frühzeitig ein Ende.

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Camasos Filmvater Fernando Sancho (Vasquez) gehört wohl definitiv zu den bekanntesten Charakterköpfen jenseits von Po und Arno. Der Mann war immerhin Zeit seines Lebens in beinah 250 Filmen zu sehen! Hier einen Gesamtüberblick über seine Filmographie zu geben gestaltet sich aus naheliegenden Gründen schwierig, aber ich würde einfach mal behaupten, dass dieses Gesicht wirklich jedem Filmfreund früher oder später einmal über die Leinwand läuft. Man kennt sich. Sancho begann zwar schon in den 40er Jahren, aber seine große Stunde schlug Mitte der 60er, als mexikanisches Aussehen und wuchtige Präsenz (mit der u.a. alle 3 Italowestern von Romolo Guerrieri veredelte) ihn zu einem der gefragtesten Schauspieler Italiens machten. Los ging's mit Sergio Corbuccis Frühwerk Minnesota Clay (1964) und Duccio Tessaris Eine Pistole für Ringo (Una pistola per Ringo, 1964), dem unzählige Produktionen mit ihm auf den Leib geschriebenen Rollen folgten. Die Highlights in seiner Filmographie reichen von Edelware wie Sergio Sollimas Der Gehetzte der Sierra Madre (La resa dei conti, 1966) bis hin zu Euro-Trash a la Der unsichtbare Tod (La vie amoureuse de l'homme invisible, 1971).

Auch die zweite Reihe ist mit Loredana Nusciak, die gerade zuvor im Ur-Django (1966) die emotionale Versuchung für Franco Nero gespielt hatte, üppig besetzt. Zu sehen war die Frau mit dem feurigen Haar außerdem noch in dem weniger interessanten Django - Gott vergib seinem Colt (Dio perdoni la mia pistola, 1969) und dem besseren Django - Die Geier stehen Schlange (Sette dollari sul rosso, 1966). Letzterer übrigens auch mit El Mex Fernando Sancho. Loredanas Schauspiel-Debüt Die sieben Gladiatoren (Los siete espartanos, 1962), ein Römer-Topf in dem sich Richard Harrison um die gute Loredana bemühen darf, gibt's als sparsame EMS-DVD in der Cinema Colossal-Reihe.

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Ergänzt wird der Cast durch Fidel Gonzáles (Fidelio), den man u.a aus Paolo Bianchinis Bleigericht (Dio li crea... Io li ammazzo, 1967) kennt, sowie dem tollen Pinuccio Ardia (Sieben-Dollar), der seinem markanten Aussehen Marke "schrulliger Alter" Rollen als Sargmacher (Zeig mir das Spielzeug des Todes, 1971), Waffenschmidt (Ein Halleluja für Camposanto, 1971) oder väterlichem Freund (Django und die Bande der Gehenkten, 1968) verdankt.

Am Drehbuch zu 10.000 blutige Dollar haben sich gleich 4 Schreiberlinge zu schaffen gemacht, wobei der Löwenteil vermutlich auch das Konto von Routinier Ernesto Gastaldi gehen dürfte. Gastaldi darf man durchaus als Prominenz unter den Story-Lieferanten der Cinecitta bezeichnen; denn auch wenn es natürlich immer eher die Regisseure und Darsteller sind, deren Namen und Gesichter sich in das Gedächtnis einbrennen, hatte er als Drehbuchschreiber Anteil an Erfolgen wie Mario Bavas Der Dämon und die Jungfrau (La frusta el il corpo, 1963), Genre-Highlights wie Alberto Cardones Sartana (Mille dollari sul nero, 1966) und Tonino Valeriis Der Tod ritt dienstags (I giorni dell'ira, 1968) oder Giallo-Klassikern wie dem wegweisenden The Strange Vice of Mrs. Wardh (Lo strano vizio della Signora Wardh, 1971) oder dem ebenfalls von Sergio Martino gedrehten Torso (I corpi presentano tracce di violenza carnale, 1973) - und viele, viele hochkarätige Streifen mehr!

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Produziert wurde vom italienischen Erfolgs-Duo Mino Loy und Luciano Martino, denen die Welt und der Exploitation-Freund solche Granaten wie Lebendig gefressen (Mangiati vivi, 1980), Die Insel der neuen Monster (L'isola degli uomini pesce, 1979) oder Die weisse Göttin der Kannibalen (La montagna del dio cannibale, 1978) zu verdanken hat. Herzlichen Dank dafür!

Für die Kameraarbeit wurde Frederico Zanni (Lebendig gefressen, Mannaja) verpflichtet, einer der Haus-und-Hof-Cinematographen von Loy und Martino. Martino brachte übrigens auch noch Brüderchen Sergio unter, der hier als Produktionsmanager fungierte. Der schöne Soundtrack, den KochMedia ja dankenswerterweise auch gleich als Weltpremiere der Django-Box beigelegt hat stammt von Nora Orlandi. Orlandis beste Arbeit ist allerdings der Score zum bereits erwähnten The Strange Vice of Mrs. Wardh, dessen Titelthema jedem, der den Film gesehen hat, so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen wird. Recycling-Meister Quentin Tarantino muss das wohl ähnlich gesehen haben; denn er hat Teile eben jenes Soundtracks (wenn auch nicht das Titelthema) für den zweiten Teil seiner Kill Bill-Saga verwendet.

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10.000 blutige Dollar ist der erste Film in der von KochMedia veröffentlichten Django-Box, in der sich neben der ebenfalls von Loy und Martino produzierten Quasi-Fortsetzung Django - Der Bastard (Per 100.000 dollari t'ammazzo, 1967) noch der etwas schwächere Umtitelungs-Django Die Bibel ist kein Kartenspiel (Execution, 1968) befindet. Wer die Sollima-Box von KochMedia kennt, der wird bereits mit der überaus schicken Aufmachung, mit der der Anbieter hier das Sammlerherz verwöhnt, vertraut sein (lediglich den goldenen Reflektorendruck beim Titel hat man sich gespart). Hier wie dort kommen die Filme im noblen Digipack im Schuber, dem dieses Mal als Bonus eine Audio-CD mit den Soundtracks zu 10.000 dollari pe un massacro (18 Tracks) und 100.000 dollari t'ammazzo (13 Tracks), wobei beide Scores hier zum ersten Mal überhaupt offiziell komplett veröffentlicht werden. Da sich die von Nora Orlandi komponierten Klangwelten durchaus hören lassen können, eine wirklich nette Dreingabe.

Des weiteren liegt der Box ein 23 Seiten umfassendes Booklet bei, in dem dem Django-Mythos recht ausführlich auf den Zahn gefühlt wird. Wie viele echte Django-Filme gibt es? Wie kam es zur wundersamen Django-Vermehrung und was hat es mit der deutschen Titelinvasion auf sich? Interessante Infos zu den verschiedenen Django-Darstellern, Umbenennung, gekürzten Fassungen sowie der Entwicklung des Italowesterns vom harten Realismus bis zur Parodie. Und natürlich auch Erläuterungen zu den in der Box befindlichen Filmen, wobei der Focus auch hier auf die beiden Garko-Titel gelegt wurde. Nun erfährt der Genre-Kenner hier zwar vermutlich nichts Neues, aber die Zusammenstellung ist gelungen und liefert im Grunde endlich das angemessene Booklet nach, das der in dieser Hinsicht extrem dürftig ausgestatteten Django-Box von Kinowelt gefehlt hat. Nicht zuletzt findet sich im Text der Hinweis auf eine Langfassung des Artikels von Wolfgang Luley mit vollständiger Liste aller Django-Titel - auch der umgedichteten Kuckuckseier - auf der KochMedia-Website. Da wünscht man sich doch, jede Veröffentlichung würde derart sorgfältig ausgearbeitet!

Django - 10.000 blutige Dollar - ScreenshotDjango - 10.000 blutige Dollar - Screenshot

Und wo wir vorhin schon den Vergleich zur Sollima-Box hatten, im Hinblick auf die Menügestaltung hat die Django-Box eindeutig die Nase vorn. Die Menüs sind überaus stimmig animiert ohne optisch zu überladen und im Vergleich zum Vorgänger wurde hier sorgfältiger auf Lesbarkeit und Übersicht geachtet. Der Look ist für alle drei Filme einheitlich, gliedert sich im Hauptmenü in Filmstart, Kapitel, Setup und Extras, allesamt stimmungsvoll untermalt mit einem musikalischen Thema aus dem jeweiligen Soundtrack. In den Untermenüs wurde auf Animationen verzichtet, der Ton allerdings variiert. Das gestalterische Konzept passt und wirkt durchdacht. Sehr schön.

Dass die Django-Box schwerpunktmäßig auf die lose zusammenhängenden ersten beiden Filme ausgelegt ist, verrät wohl schon das Covermotiv, auf dem Gianni Garko mit gezückten Pistolen und wehendem weißen Schal zu sehen ist. Über die Wahl dieses Motivs mag man geteilter Meinung sein und verglichen mit der schönen Collage auf dem Sollima-Schuber nimmt es sich sicherlich schon sparsamer aus, aber wenn man die Filme kennt, erscheint das leicht romantisierte Motiv mit eben jenem wehendem Schal durchaus passend. Trotzdem schade, dass hier bspw. nicht auf das gemalte Motiv des italienischen Kinoplakats zu 10.000 blutige Dollar zurückgegriffen wurde. Hätte die Box bestimmt noch einen Tick attraktiver aussehen lassen. Aber wollen wir mal nicht kleinlich werden und kommen zurück zur DVD mit Film Nr.1...

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Wie auch die anderen Filme in der Box kommt 10.000 blutige Dollar mit deutschem und italienischem Original DD 2.0-Ton jeweils mit optionalen deutschen wie englischen Untertiteln. Die Qualität der deutschen Spur ist im Grunde wirklich gut und fällt nur in einer kurzen Sequenz im Saloon für einen Dialog kurz auf blechernes Mono-Niveau ab. Hört sich an als hätte man hier auf eine andere Quelle zurückgreifen müssen. Ansonsten gibt es hier aber absolut nichts zu beanstanden. Beste DD 2.0-Qualität, gut verständlich und mit sattem Klang. Noch mehr ins Schwärmen geraten könnte man angesichts der tollen Bildqualität, der man die fast 40 Jahre nun wirklich nicht mehr ansieht. Wie auch bei den anderen beiden Filmen der Django-Box hat KochMedia hier ganz hervorragende Arbeit geleistet. Selbst die sonst oft kritischen Abendsequenzen können sich sehen lassen.

Ebenfalls sehen lassen kann sich das Bonusmaterial, das KochMedia für die Veröffentlichung zusammengetragen hat. Kernstück ist die umfassende Doku Mondo Garko, deren erste Hälfte sich auf der DVD zu 10.000 blutige Dollar und deren zweiter Teil sich in den Extras zu Django - Der Bastard findet. In dem etwa 53 Minuten langen, ausführlichen Interview, das durch Illustrationen und eingespielten Ausschnitten ergänzt wird, berichtet von Gianni Garko über seine Filmen, sein Leben und plaudert dabei wirklich sehr unterhaltsam aus dem Nähkästchen. Eine Stunde, die man sich wirklich mal nehmen sollte. Abgerundet werden die Extras durch den italienischen und deutschen Kinotrailer. Letzterer zwar nicht wirklich dicht am Werk, aber durchaus unterhaltsam! Die italienische Variante ist weitgehend inhaltsgleich (vom Einsatz von Farbfiltern mal abgesehen), wurde aber offensichtlich im Bild restauriert und verzichtet außerdem auf den toll reißerischen Off-Text der deutsche Variante. Zuguterletzt gibt es noch eine kleine überschaubare Bildergalerie mit 9 hauptsächlich italienischen Plakatmotiven und Aushangfotos zu bewundern. Lustigerweise hat sich hierhin auch ein deutsches Aushangfoto verirrt, das eigentlich auf die Django - Der Bastard-DVD gehört.

Alles in allem darf man feststellen, dass KochMedia hiermit dem Anspruch auf die Position als erste Adresse in Sachen Italowestern, den sie sich mit den letzten Veröffentlichungen (Sollima-Box, Blindman, Django - Unbarmherzig wie die Sonne) verdient haben, noch einmal Nachdruck verliehen. Immer schön, wenn auch mal eine Referenz-DVD auf dem heimischen Markt erscheint. Und das ist die Django-Box zweifelsohne!

Autor: Frank Meyer
Film online seit: 08.10.2005
Letzte Textänderung: 23.11.2005

Leser-Kommentare

07.11.2005, 09:26:40 Christoph Lausecker ( Email schreiben )

"10.000 dollari per un massacro" zählt für mich unter die Top 20 der Spaghetti-Western, wenn man von den Leone- Klassikern in diesem Ranking absieht. Hervorragende, ernste und düstere Atmosphäre, kein Kalauer, tolle Kameraarbeit, schauspielerisch gelungen ( allen voran Claudio V., der manchmal zuviel Liedschatten erwischt hat) und stimmiger Mex-Score- Klasse !! Einziger Wermutstropfen für mich sind die fehlenden Einschüsse insbesondere beim finalen Showdown ( Blood Packs gabs zwar noch nicht, aber man hätte hier trotzdem "blutiger" arbeiten sollen, um voll und ganz auf der harten, coolen Welle mitzureiten. )
btw: Eure Reviews im Bereich Italo- Western sind allesamt erste Sahne und für Verrückte wie mich ein wahres Fressen- weiter so, denn es gibt noch viele Perlen.

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