Film Daten

Titel:
Die toten Augen des Dr. Dracula
Originaltitel:
Operazione paura
Land & Jahr:
Italien 1966
Laufzeit ca.: ?
80 Min.
Regie:
Mario Bava
Darsteller:
Giacomo Rossi-Stuart
Erika Blanc
Fabienne Dali
Piero Lulli
Luciano Catenacci
Micaela Esdra
Franca Dominici
Giuseppe Addobbati
Mirella Pamphili
Valerio Valeri
Gianna Vivaldi
Alternativtitel:
• Toten Augen, Die
• Curse of the Dead
• Curse of the Living Dead
• Don't Walk in the Park
• Kill, Baby... Kill!
• Operation Fear
Weitere Infos:
IMDB  OFDB

DVD Daten

DVD Cover - Anolis Entertainment
Label:
Anolis Entertainment
Regionalcode / Norm:
2 / PAL
Bild / Zeit:
1.85:1 / 79:55
Sprachen/Ton:
Deutsch - DD 2.0
Untertitel:
-
Extras:
  • Englischer Trailer
  • Deutscher Trailer
  • Interview mit Erika Blanc
  • Erika Blanc Galerie
  • Fotoroman
  • Booklet mit Liner Notes

Die toten Augen des Dr. Dracula

Review

Die toten Augen des Dr. Dracula - Logo

(Ein Review von Carsten Henkelmann)

Auf Bitten des Inspektors Kruger (Piero Lulli) reist der Arzt Dr. Eswai (Giacomo Rossi-Stuart) in ein abgelegenes Dorf um dort eine Autopsie durchzuführen. Bereits mehrere Menschen sind dort unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen, die Dorfbewohner leben in ständiger Angst und Schrecken und sind sehr abergläubisch. Sie glauben, dass der Geist des längst verstorbenen Mädchens Melissa für die scheinbaren Selbstmorde verantwortlich ist. Die Ursache für all den Spuk scheint in dem Schloß der Familie Graps zu liegen, aus dem aber angeblich niemand lebend herauskommt. Dies schreckt aber den Inspektor nicht ab. Außerdem wäre da noch die hübsche Monica (Erika Blanc), die auch erst seit einigen Tagen in dem Dorf ist, das sie kurz nach ihrer Geburt verlassen hat und nun hofft, etwas über ihre Eltern herauszufinden. Der Bürgermeister scheint mehr zu wissen, aber bevor er seine Geheimnisse preisgeben kann, stirbt auch er auf brutale Weise. Gemeinsam betreten Dr. Eswai und Monica das Schloß und bei ihren Nachforschungen treten sie dem Wahnsinn gefährlich nahe...

Die toten Augen des Dr. Dracula - ScreenshotDie toten Augen des Dr. Dracula - Screenshot

Mario Bava war immer ein Künstler, was das visuelle Empfinden seiner Film anging. So auch in Die toten Augen des Dr. Dracula, der eine schön-schaurige Gothic-Atmosphäre mit der für Bava so typischen bunten Ausleuchtung verbindet, was diesem Filmen eine leicht surreale, ja geradezu traumähnliche Atmosphäre verleiht. In fast jedem Zimmer liegt zentimeterdick der Staub oder gewaltige Spinnweben spannen sich durch den Raum, in den Außenszenen gibt es wabernden Bodennebel. Auch sind die Räume mit sehr viel Liebe zum Detail ausgeschmückt worden. Dies alles sorgt für eine wohlige und herrlich altmodische Gruselstimmung.

Dies ist allerdings auch nötig, denn wenn man den Film allein auf seine Handlung reduzieren würde, so käme man nicht umhin dem Drehbuch deutliche Schwächen zu attestieren. Der Plot an sich ist stellenweise ein wenig holprig, nicht immer unbedingt logisch und bietet nur wenige Überraschungen. Darauf wird es aber Mario Bava wohl auch nicht unbedingt angekommen sein. Betrachtet man den Originaltitel Operazione Paura, übersetzt ungefähr "Operation Angst", so wird seine Absicht schon ein wenig deutlicher. Er porträtiert in seinem Film eine Stadt, deren Bewohner keine Freuden und Vergnügungen mehr kennen. Sie leben in ständiger Angst vor einer übersinnlichen Macht, die sie aus eigenen Kräften nicht vertreiben können. Selbst der rational denkende Polizeiinspektor wird ein Opfer dessen, wovor sich die Bewohner fürchten. Das Dorf sieht man nur zu Beginn im Tageslicht, für den Rest des Films verbleiben die labyrinthartigen Gassen im Dunkeln der Nacht. Es bleibt dem von außerhalb kommenden Arzt Dr. Eswai vorbehalten mehr Licht in die Angelegenheit zu bringen. Mit Dracula oder anderen Vampiren hat der Film nichts zu tun, dies ist wieder mal eine Erfindung der damaligen Verleiher und des Synchronstudios.

Die toten Augen des Dr. Dracula - ScreenshotDie toten Augen des Dr. Dracula - Screenshot

Schon ab der ersten Sekunde wird der Zuschauer den grausigen Ereignissen ausgesetzt. Eine Frau flüchtet in Panik aus dem Schloß Graps und landet nur wenige Sekunden später auf den Spitzen eines eisernen Tores. Den Höhepunkt erreicht der Film schließlich mit seinem Finale, wo nicht nur die bislang unbekannten Geheimnisse offenbart werden, sondern Bava mit einfachen, aber ungemein effektiven Tricks das Übersinnliche in dem Schloß verdeutlicht. Ich möchte nicht zuviele Details verraten, um für die Leute die den Film noch nicht kennen nicht den Spaß zu verderben, werfe aber mal für die Filmkenner die Begriffe "Suche nach Monica durch mehrere Räume" und "Wendeltreppe" in den Raum. Gerade letzteres läßt Erinnerungen an den Stil Alfred Hitchcocks wach werden, vor allem an seinem Film Vertigo, der acht Jahre vor Die toten Augen des Dr. Dracula entstand. Ob Bava von diesem Film beeinflußt war, ist nicht bekannt. Sehr deutlich ist allerdings Mario Bavas Einfluß auf andere Regisseure. Denn einige Bilder aus diesem Film kann man z.B. in Alejandro Amenábars The Others wiedererkennen. Aus technischer Sicht muss man hier nicht nur die wunderbare Ausleuchtung des Filmes betonen, sondern vor allem auch die Kameraarbeit von Antonio Rinaldi, wobei es sich Bava auch hier nicht nehmen ließ und sich selber mal hinter die Kamera setzte. Im Film gibt es unzählige Kamerafahrten zu sehen, manche Einstellungen sind recht lang und die Kamera wandert dabei von einer Ecke des Raumes zur nächsten oder nimmt auch schon mal die Perspektive eines schaukelnden Kindes ein. Für die Rolle des Mädchens Melissa engagierte Bava aber einen Jungen, was das ohnehin seltsam anmutende Kind noch etwas fremdartiger aussehen läßt. [1]

Aus heutiger Sicht betrachtet, sind die Schocks des Films mittlerweile als eher seicht einzustufen, auch wenn es den einen oder anderen blutigen Moment gibt. Als richtiger Horrorfilm funktioniert der Film also eher nicht, sondern bietet eine angenehm angestaubte Schaueratmosphäre, wie sie auch die Edgar Allan Poe Verfilmungen von Roger Corman besaßen. Die schauspielerischen Leistungen sind vielleicht nicht gerade Oscar-verdächtig, aber durchaus angemessen. Piero Lulli als energischer Inspektor Kruger ist leider nur eine recht kurze Zeit im Film gegönnt. Lulli ist vor allem durch seine Auftritte in Italo-Western bekannt geworden, z.B. als Oaks in dem düster-surrealen Se sei vivo spara (Django, Kill... If You Live, Shoot! / Töte Django) oder als Sheriff in Il mio nome è Nessuno (Mein Name ist Nobody). Giacomo Rossi-Stuart dürfte dem Italo-erfahrenen Filmkenner ebenfalls aus eher unbekannteren Filmen wie La Sanguisuga conduce la danza (The Bloodsucker lead the Dance) oder Emanuelle nera orient reportage (Black Emanuelle goeas East / Black Emanuelle 2). Erika Blanc tummelte sich ebenfalls in verschiedenen Genres. Seien es Gialli (Così dolce... così perversa (Kiss Me, Kill Me / So Sweet... So Perverse)), Western (Django spara per primo (Django - Nur der Colt war sein Freund)) oder eben Horrorfilme (Plus longue nuit du diable (The Devil's Nightmare).

Die toten Augen des Dr. Dracula - ScreenshotDie toten Augen des Dr. Dracula - Screenshot

Die DVD von Anolis hat schon ein paar Jahre auf den Buckel und war eine der ersten DVD-Veröffentlichungen des Labels. Das Bild ist damals noch nicht anamorph kodiert worden und weist auch sonst nicht ganz den Qualitätsstandard der aktuellen Anolis-Veröffentlichungen auf. Womit nicht gesagt werden soll, dass die hier gebotene Leistung durchweg schlecht ist! Das Bild kann eine ordentliche Farbsättigung und guten Kontrast vorweisen. Die Schärfe ist im großen und ganzen recht annehmbar, aber im Detail unzureichend. Außerdem musste scheinbar auf verschiedene Quellenmaterialien zurückgegriffen werden, was sich in einer Schwankung der allgemeinen Bildqualität bemerkbar macht. Zu Grunde lag eine englischsprachige Quelle ("Kill, Baby... Kill!), die kaum größere Beschädigungen oder Verschmutzungen vorweist. In einer Szenen gegen Ende des Films, die zudem irgendwie abrupt eingefügt aussieht, fällt das Bild urplötzlich auf VHS-Niveau ab und die zu sehende Darstellerin hat auch plötzlich eine andere Synchronstimme, danach geht es dann aber normal weiter. Scheinbar wurde hier auf eine Szene zurückgegriffen, die in dem englischen Print fehlte.

Leider wurde tontechnisch nur auf die deutsche Synchronisation zurückgegriffen, der Originalton fehlt. Zu Beginn sind einige störende Knackser und Knistergeräusche deutlich zu hören, dies bessert sich aber relativ schnell. An Extras gibt es zunächst den englischen und deutschen Trailer. Der deutsche Trailer kann mit einem unfreiwillig komischen Off-Kommentar glänzen, in dem solche Zitate wie "Kommen sie vertrauensvoll zu Dr. Dracula, er behandelt ihre Gänsehaut" für ein amüsantes Schmunzeln sorgen. Das Highlight des Bonusmaterials ist das knapp über 27 Minuten lange Interview mit Erika Blanc, das in ihrer italienischen Heimat aufgenommen wurde und hier mit deutschen Untertiteln präsentiert wird. Sie erzählt mit sichtlichem Vergnügen, wie sie überhaupt zum Filmgeschäft gekommen ist, von ihren ersten Arbeiten, die Arbeit mit Mario und Lamberto Bava, von den zwei Hexen, geschändet und zu Tode gequält Filmen und wie ihre Karriere derzeit verläuft. Von ihr gibt es noch eine vom Film unabhängige Fotogalerie und zum Abschluß einen Fotoroman-Version von Die toten Augen des Dr. Dracula, leider komplett in italienisch. Italo-Experte Christian Keßler schrieb die Liner Notes im Booklet, die nicht etwas informative Fakten in rauhen Mengen wiedergeben, sondern vielmehr seine Begeisterung für diesen Film spürbar werden lassen.

Quellennachweis

[1] Troy Howarth - The Haunted World of Mario Bava

Autor: Carsten Henkelmann
Film online seit: 06.06.2004

Leser-Kommentare

28.06.2006, 15:10:36 Stevie ( Email schreiben )

Dies ist für mich einer der großartigsten Gothic - Horror - Filme überhaupt. Ehrlich gesagt gefallen mir die visuellen Welten von Mario Bava sogar noch ein wenig besser als die des ebenfalls großen Roger Corman in seinen Poe - Verfilmungen.

Was an der deutschen Synchro allerdings unglaublich stört ist, dass man sich die eigentliche Auflösung des Films selbst zusammenreimen muss, weil ausgerechnet an dieser Stelle eine auf Dracula verweisende Verfälschung des Originals eingebaut wurde, durch die man Bavas eigentliche Absicht kaum noch nachvollziehen kann.

Falls das hier jemand liest bin ich froh über jeden Hinweis, den man mir diesbezüglich geben kann. Vielleicht kennt ja auch jemand eine DVD - Version mit neuer Synchronisationsarbeit oder wenigstens mit englischer Tonspur.

© 1998 - 2017: Sense of View / Carsten Henkelmann